Trotz Flüchtlingen und Terror Verbraucher bleiben optimistisch

Terrorwarnungen und den weiter wachsenden Flüchtlingszahlen zum Trotz – Deutschlands Verbraucher geben sich optimistisch. Die Verbraucherstimmung ist zum Jahresauftakt 2016 stabil. Das könnte sich aber rasch ändern.
Update: 27.01.2016 - 15:05 Uhr
Auch in Bezug auf die Konjunktur sind die Deutschen wieder etwas optimistischer. Quelle: dpa
Kunden im Einkaufszentrum

Auch in Bezug auf die Konjunktur sind die Deutschen wieder etwas optimistischer.

(Foto: dpa)

Nürnberg/BerlinDeutschlands Verbraucher sind mit unverändert guter Konsumlaune ins neue Jahr gestartet. Auch Terrorgefahr und Flüchtlingskrise hätten die Verbraucherstimmung im Januar nicht sonderlich trüben können, berichtet das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in seiner neuesten Konsumklimastudie. Solange die Konjunktur stabil und die Arbeitsplätze sicher sind, dürfte sich das vorerst auch kaum ändern, sagte der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Ansicht des DIW-Forschungsinstituts beschleunigt die Kauflaune der Deutschen derzeit die Erholung der heimischen Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im laufenden Quartal um etwa 0,4 Prozent zulegen, nach einem geschätzten Wachstum von gut 0,3 Prozent Ende 2015, teilten die Berliner Regierungsberater am Mittwoch mit. „Der Konsum kurbelt die deutsche Wirtschaft derzeit spürbar an.“ Grund sei vor allem die gute Lage am Arbeitsmarkt, die niedrige Inflation und die billige Energie. Dies erhöhe die Kaufkraft der Verbraucher spürbar.

Zwar rechnen nach GfK-Feststellungen viele Verbraucher in den kommenden Monaten mit leicht sinkenden Einkommen; das führe aber nicht dazu, dass sie größere Anschaffungen verschieben, berichtet Bürkl. Auch in Bezug auf die Konjunktur seien die Deutschen wieder etwas optimistischer. Dadurch rechnet die GfK für den Februar mit einem unveränderten Konsumklimaindex von 9,4 Punkten. Das Konsumklima bleibe weiter stabil, ist Bürkl überzeugt.

Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft
Wettbewerbsvorteil durch schwachen Euro
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Die Gemeinschaftswährung hat zum Dollar deutlich an Wert verloren. Ökonomen erwarten, dass Euro und Dollar sich weiter annähern werden. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürfte „im Jahresverlauf 2016 zumindest ein Kurs von 1:1 erreicht werden“.

Deutsche Exporteure stehen besser da
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Containerterminal in Hamburg: Von der Euroschwäche profitieren deutsche Exporteure, denn ihre Waren werden auf dem Weltmarkt tendenziell günstiger. Das fängt die schwächere Nachfrage nach „Made in Germany“ etwa aus China teils auf.

Verbraucher haben mehr Geld
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Die niedrige Inflationsrate stärkt die Kaufkraft der deutschen Verbraucher. Denn wer weniger Geld fürs Tanken und Heizen ausgeben muss, hat mehr für den Konsum übrig.

Sparen lohnt sich nicht
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen quasi abgeschafft. Geldanlagen wie Tages- und Festgeld oder Sparbuch werfen kaum noch Rendite ab. Wer weniger spart, gibt tendenziell mehr Geld aus. Das kurbelt den Konsum an.

Der Hausbau ist günstig
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Baukredite sind historisch billig, auch wenn Hypothekenzinsen im Frühjahr noch günstiger waren als zuletzt. Experten sind überzeugt: Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt 2016 hoch. Es wird wohl weiter kräftig in Bauen und Renovieren investiert.

Ölpreis ist niedrig
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Ölfeld in den USA: Der Schmierstoff der Weltwirtschaft hat sich seit Sommer 2015 stark verbilligt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sackte unter die 50-Dollar-Marke. „Die Chancen stehen recht gut, dass der durchschnittliche reale Rohölpreis in den kommenden zehn Jahren bei etwa 60 US-Dollar je Barrel liegen wird“, prognostiziert die Landesbank Hessen-Thüringen.

Dynamik am Arbeitsmarkt
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Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zu früheren Jahren niedrig. Zwar wird wegen der Flüchtlinge absehbar mit steigenden Zahlen gerechnet. Der Arbeitsmarkt sei jedoch „für die anstehenden Herausforderungen gerüstet“, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

Zuversichtlich stimmt den Konsumforscher das wieder gewachsene Vertrauen der Bundesbürger in die Konjunktur. Der bei Umfragen unter rund 2000 Verbrauchern ermittelte Indikator für die Konjunkturerwartung liegt mit einem Wert von 4,2 wieder deutlich im Plus; im Dezember hatte er lediglich bei 2,9 gelegen, in der Boomphase vor einem Jahr allerdings bei 22,5 Zählern. „Allen Risiken zum Trotz gehen die Konsumenten derzeit davon aus, dass die deutsche Wirtschaft weiter moderat wachsen wird“, betonte Bürkl.

Dass die Börsen-Turbulenzen zum Jahresbeginn die Verbraucher weitgehend unberührt gelassen hat, überrascht Bürkl nicht: „Die Verbraucher reagieren darauf gelassen. Den die wenigsten sind in Aktien investiert“. Viele Verbraucher übersähen allerdings, dass die schwache Weltkonjunktur und der niedrige Ölpreis, die die Kursrückgänge ausgelöst hatten, mittelfristig auch auf die deutsche Konjunktur durchschlagen könnten. Für Viele zähle vorrangig die aktuell gute Arbeitsmarktlage und das anhaltende Wirtschaftswachstum.

Trotzdem sollten die aktuellen Risiken für das Konsumklima nicht unterschätzt werden, warnte Bürkl. Ein Terroranschlag in Deutschland oder auch das wachsende Gefühl der Verbraucher, von dem anhaltenden Flüchtlingsstrom finanziell überfordert zu sein, könnte die gute Verbraucherstimmung in Deutschland rasch kippen, sagte der Konsumforscher. „Das könnte die Menschen verunsichern. Und Verunsicherung ist Gift für das Konsumklima. Dann halten die Verbraucher rasch ihr Geld zusammen statt es in den Konsum zu stecken.“

Während das DIW weitere Impulse von konsumnahen Dienstleistern erwartet, dürfte die Industrie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung etwas dämpfen. Die Produktion spüre zwar eine geringere Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern. Allerdings sorge der Handel mit den USA und Großbritannien für Schwung. „Alles in allem dürfte die Industrie ihre derzeitige Schwächephase allmählich überwinden“, betonte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Zudem werde die öffentliche Hand ihre Ausgaben wegen des Flüchtlingszuzugs in diesem Jahr um rund 15 Milliarden Euro erhöhen. „Der direkte Effekt auf das Wachstum dürfte gut einen Drittel Prozentpunkt ausmachen.“ Die Bundesregierung erwartet 2016 einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,7 Prozent. Im Vorjahr hatte die Wirtschaft mit gleichem Tempo zugelegt.

  • dpa
  • rtr
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