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Umfrage Unternehmen berichten von Zwang zum Technologietransfer in China

EU-Firmen wollen weiterhin in den chinesischen Markt investieren, zeigt eine aktuelle Umfrage. Doch für einen Marktzugang müssen viele ihre Technologie offenlegen.
20.05.2019 - 09:41 Uhr 1 Kommentar
Der Handelsstreit zwischen China und den USA taucht in der Umfrage nur an vierter Stelle der größten Ängste auf. Quelle: dpa
Fertigung einer Windkraftanlage

Der Handelsstreit zwischen China und den USA taucht in der Umfrage nur an vierter Stelle der größten Ängste auf.

(Foto: dpa)

Peking Europäische Unternehmen in China machen sich Sorgen über die Konjunktur und steigende Personalkosten. Doch vor allem die Berichte über die Zwangsübergabe von Firmentechnologie lassen aufhorchen. Rund 20 Prozent der Unternehmen gaben bei der am Montag veröffentlichten Umfrage der europäischen Handelskammer in China an, schon mal zum Technologietransfer gezwungen worden zu sein

Charlotte Roule, Vizepräsidentin der europäischen Handelskammer, sieht in dieser Entwicklung einen besorgniserregenden Trend. Bei 63 Prozent der Befragten, die davon betroffen waren, geschah eine Übergabe in den vergangenen zwei Jahren. Vor allem in Sektoren wie Autoherstellung, Pharmazie, medizinische Geräte sowie Chemie und Ölverarbeitung, wo europäische Firmen zu den Marktführern zählen, werden solche Vorfälle überdurchschnittlich häufig kolportiert.

Eine genaue Definition, was unter diese Kategorie fällt, gibt es nicht. Aber als Beispiel führte Roule auch den Joint-Venture-Zwang an, der ausländische Firmen dazu verpflichtet, Partnerschaften mit chinesischen Firmen einzugehen, um Geschäfte in China betreiben zu können.

Gleichzeitig weisen die Ergebnisse der Umfrage aber auch darauf hin, dass China einige Versprechen bezüglich mehr Marktöffnung, die in den vergangenen Monaten gemacht wurden, tatsächlich umgesetzt hat. 35 Prozent beschwerten sich zwar, dass sie sich „weniger willkommen als beim Markteinstieg“ fühlen, doch das sind 11 Prozent weniger als im Vorjahr. 26 Prozent glauben, in einem offeneren Umfeld zu agieren – vor allem im Bereich der Finanzdienstleistungen, im Gastgewerbe und in der Kosmetik.

Andererseits berichten mehr als ein Viertel der Befragten aus den Bereichen IT und Telekommunikationsunternehmen sowie juristische Dienstleistungen, dass ihre Geschäftsfelder im vergangenen Jahr eher beschränkt wurden.

Der Handelsstreit zwischen Peking und den USA tauchte in der Umfrage nur an vierter Stelle der größten Ängste auf. Doch möglicherweise hat sich diese Stimmung schon wieder gedreht. Die Befragung, an der 585 der 1326 registrierten europäischen Unternehmen teilnahmen, wurde im Januar und Februar durchgeführt. Damals waren viele Beobachter noch optimistisch, dass eine Vereinbarung zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt zustande kommen könnten.

Anfang Mai jedoch belegte die Trump-Regierung die Hälfte aller chinesischen Exporte in die USA mit Strafzöllen in Höhe von 25 Prozent und drohte mit weiteren Einfuhrabgaben auf die andere Hälfte in den kommenden Wochen. China schlug seinerseits mit Zöllen auf US-Waren im Wert von 60 Milliarden Dollar zurück.

„Die Stimmung unter unseren Mitgliedern, da sage ich nichts Kontroverses, ist in den letzten Wochen nicht besser geworden“, gesteht Roule. Dennoch hält sie die Ergebnisse der Umfrage für aussagekräftig. Immerhin gaben 75 Prozent an, von den Einfuhrabgaben nicht betroffen zu sein. Sie produzieren nämlich „in China, für China“.

Schließlich könne man den für viele größten Absatzmarkt nicht ignorieren, meint Roule. Für zwei Drittel der europäischen Unternehmen bleibt China deshalb eines der drei wichtigsten Investitionsziele. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dieses Jahr ihre Geschäfte in China expandieren zu wollen.

Grundsätzlich kritisiert die europäische Handelskammer die Vorgehensweise der amerikanischen Regierung. „Höhere Handelsbarrieren zu errichten ist nie gut für die Mitglieder“, so Roule. Es sei konstruktiver, auf Probleme hinzuweisen, aber dann gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.

Doch die Europäer haben oft die gleichen Beschwerden wie die Amerikaner. So findet sich auch dieses Jahr in der Geschäftsklimaumfrage die vertraute Litanei von Problemen: 45 Prozent fühlen sich weiterhin ungleich behandelt; 43 Prozent stören sich am limitierten Marktzugang; 30 Prozent kämpfen mit indirekten Handelsbarrieren wie zum Beispiel der schwierigen Beschaffung von Lizenzen.

Auch der beschränkte Internetzugang schade dem Geschäft, es gebe negative Auswirkungen von Regularien und Gesetzen, die vage formuliert sind und deswegen willkürlich oder schlecht ausgeführt werden.

Deshalb fordert die europäische Handelskammer fairere Bedingungen. Es sei höchste Zeit, dass europäischen Unternehmen eine gleichberechtigte Behandlung zuteil wird, heißt es im Bericht. Wenn China seinen Markt noch weiter öffnen würde, könnten zwei Drittel ihrer Mitglieder noch mehr investieren. Vergangenes Jahr flossen nur 6,1 Milliarden Euro aus der EU nach China – ein Bruchteil von den 149 Milliarden Euro, die man 2017 in die USA investierte.

Mehr: Die Google-Mutter Alphabet hat Teile ihrer Geschäftsbeziehungen zum Netzwerkausrüster Huawei eingestellt, nachdem die US-Regierung den chinesischen Konzern auf eine schwarze Liste setzte.

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1 Kommentar zu "Umfrage: Unternehmen berichten von Zwang zum Technologietransfer in China"

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  • Man kann von Donald Trump halten was man will. Aber in seinem Vorgehen gegen China sollte man ihn unterstützen. Nicht aus Willem zur USA, sondern für faire Bedingungen auch für Europa.

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