US-Präsident Trump

Die Wirtschaftspolitik Trumps hat unter Experten einen Deutungskrieg entfacht.

(Foto: AFP)

US-Konjunktur Wie nachhaltig ist Trumps Wirtschaftspolitik?

Der US-Wirtschaft geht es trotz Handelskrieg gut. Gerade ländliche Gebiete profitieren. Doch Experten streiten, wie lange der Aufschwung hält.
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WashingtonTrump-Anhänger lästern regelmäßig über den Ökonomen Larry Summers, der 2017 ein US-Wirtschaftswachstum von drei Prozent mit der „Wahrscheinlichkeit, dass es die Zahnfee gibt” verglichen hatte. „Warum hört man noch auf Paul Krugman oder Larry Summers oder wie sie alle heißen?“ regte sich Stephen Moore, Ökonom der konservativen Heritage Foundation, kürzlich in einem Podcast der Denkfabrik auf.

„Sie haben sich geirrt. Als ob man in ein Flugzeug nach Kalifornien steigt und in Kasachstan landet. So falsch lagen sie.” Inzwischen ist in den USA ein Streit darüber ausgebrochen, ob Trumps Steuerreform und massive Deregulierung nur ein „sugar high“, also einen kurzfristigen Boom, ausgelöst haben oder nicht.

Der Chefökonom unter Barack Obama, Jason Furman, argumentiert – ähnlich wie andere Agenturen –, dass der Aufschwung nicht langfristig von Trumps Impulsen genährt werden könne. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass sich das US-Wachstum in den Jahren 2019 und 2020 verlangsamt. Die Wirtschaft sende „positive Signale“, betont die Denkfabrik Tax Policy Center, die Zahlen seien jedoch eine „Momentaufnahme, nicht unbedingt ein langfristiger Trend.“

Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett hält dagegen, dass amerikanische Fabriken „Maschinen wie warme Semmeln kaufen. Abgesehen vom Dotcom-Boom der späten 90er-Jahre ist das die blühendste Wirtschaft, die ich in meinem Leben gesehen habe. Nur wir fördern genau die Art von nachhaltigem Wachstum, die Ökonomen lieben.“

Ausländische Investitionen gehen zurück

Hank Smith, Chief Investment Officer der Beratungsfirma Haverford Trust, gab Hassett in dieser Woche recht. „Eine enorme Steuerreform wie diese schafft mehr als ein ,sugar high‘. Sie wird einen Effekt auf Jahre haben“, sagte er im US-Fernsehen. Ein gemischtes Bild zeigt auch der Blick auf Investitionen. Zwar pumpen heimische Unternehmen deutlich mehr Geld in Gewerbeimmobilien, Werkzeuge, Maschinen, neue Standorte, Infrastruktur oder Soft- und Hardware.

Im zweiten Quartal dieses Jahres wuchsen solche Investitionen um 7,3 Prozent, und im Jahresvergleich zwischen 2016 und 2017 gab es einen Anstieg von 8,3 Prozent. Ökonom Furman gibt zu bedenken, dass ein Großteil davon, nämlich rund 40 Prozent, auf den Öl-, Gas- und Kohleboom zurückzuführen ist, er sich also ungleich zwischen den Branchen verteilt.

Ausländische Direktinvestitionen in die USA hingegen sind im zweiten Quartal zurückgegangen, teilte die Organisation für internationale Investitionen (OFII) diese Woche mit. „Nach einem relativ starken ersten Quartal sind sie um 8,2 Milliarden US-Dollar zurückgegangen“, heißt es im Bericht. „Das kann teilweise auf Importzölle und andere Handelsschranken zurückgeführt werden. Internationale Unternehmen drücken den Pausenknopf für potenzielle Investitionen.“

Amerikanische Firmen warnen vor einem ähnlichen Effekt im Inland. Der Business Roundtable, ein Zusammenschluss führender CEOs, warnte diese Woche, Trumps Handelsschranken würden sich negativ auf Investitionsentscheidungen in den kommenden sechs Monaten auswirken. „Die Ungewissheit in der Handelspolitik ist ein Risiko“, teilte die Gruppe mit.

Arbeiter auf dem Land profitieren vom Aufschwung

Im wichtigen Jahr der Midterm-Wahlen, die im November über die Machtverhältnisse im US-Kongress entscheiden, kann Trump trotzdem mit einer Erfolgsbotschaft durch umkämpfte Bundesstaaten ziehen. Der Aufschwung ist im produzierenden Gewerbe wie Bergbau und Fertigung angekommen, was Experten lange für unwahrscheinlich gehalten hatten. Allein im Juli wuchs die Zahl der Industrie- und Handwerksarbeitsplätze um 3,3 Prozent – ein Anstieg, wie es ihn seit 1984 nicht mehr gegeben hat.

Einer Auswertung der Denkfabrik Brookings Institution zufolge profitiert von der Entwicklung vor allem die Bevölkerung in ländlichen Regionen und Kleinstädten. Also genau dort, wo Trump mit seinem „America first“-Versprechen 2016 Überraschungssiege einfuhr, vor allem im Rust Belt und im Mittleren Westen. Das produzierende Gewerbe wachse derzeit schneller als die weitaus größere Dienstleistungswirtschaft der USA, heißt es in der Studie.

In den vergangenen zwölf Monaten wurden im sogenannten „Blue Collar“-Sektor 656.000 Jobs geschaffen – eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass nur 14 Prozent aller Beschäftigten in den USA im produzierenden Gewerbe tätig sind. „Viele Gemeinden spüren, dass sich die Dinge endlich in die richtige Richtung bewegen“, sagen die Verfasser.

Allerdings führt die Denkfabrik die Entwicklung nicht allein auf Trumps Wirtschaftspolitik zurück. Heimische Fabriken würden zwar die Binnennachfrage ankurbeln, auch die breite Deregulierung von Umweltvorschriften fördere den Aufschwung. Doch der Beschäftigungsboom im Bergbau etwa hänge vor allem mit der globalen Stabilisierung der Ölpreise zusammen. Eine andere Triebkraft sei der Wiederaufbau nach Naturkatastrophen wie den Hurrikanen „Irma“ und „Harvey“.

Auch könnte Trumps Protektionismus den Aufschwung rasch wieder abwürgen, warnt Brookings, weil etwa Strafzölle auf Stahl und Aluminium den Bau von Pipelines und anderer Infrastruktur verteuerten. „Mittelfristig könnte Trumps Handelspolitik den Boom im herstellenden Gewerbe gefährden.“

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