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Wachstumserwartung sinkt Handelskonflikte dämpfen die Konjunktur in Deutschland

Die Exportnation Deutschland spürt zum ersten Mal die globalen Zollstreitigkeiten. Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre gemeinsame Wachstumsprognose deutlich gesenkt.
Update: 26.09.2018 - 17:37 Uhr Kommentieren
Die Handelskonflikte wirken sich auf das Wachstum in Deutschland aus. Quelle: dpa
Containerbahnhof

Die Handelskonflikte wirken sich auf das Wachstum in Deutschland aus.

(Foto: dpa)

BerlinDas Auslandsgeschäft ist für die deutsche Industrie schwieriger geworden. Die Handelskonflikte, die US-Präsident Donald Trump weltweit ausgelöst hat, haben die Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten geschwächt. Das erschwert der deutschen Exportindustrie in diesem Jahr das Geschäft.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben vor allem deshalb ihre Konjunkturprognose für Deutschland gesenkt. In der Gemeinschaftsdiagnose, die am Donnerstag veröffentlicht wird und dem Handelsblatt vorab vorliegt, erwarten die Institute in diesem Jahr jetzt nur noch 1,7 Prozent Wachstum, im nächsten 1,9 Prozent und 2020 dann 1,8 Prozent. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die Forscher für dieses Jahr noch ein deutlich kräftigeres Wachstum von 2,2 Prozent erwartet (hier das gesamte Gutachten zum Download).

Der zweite bremsende Faktor ist demnach der Fachkräftemangel: „Dafür spricht, dass die Produktion das hohe Tempo vom vergangenen Jahr trotz nach wie vor gut gefüllter Auftragsbücher nicht mehr gehalten hat“, heißt es in der Gemeinschaftsdiagnose, die das DIW, das Ifo-Institut, das IfW Kiel, das IWH Halle und das RWI für das Bundeswirtschaftsministerium erstellt haben. Auf dieser Basis dürfte kommende Woche auch die Bundesregierung ihre Prognose senken: Sie erwartete im Frühjahr für dieses Jahr noch 2,3 Prozent Wachstum und für nächstes Jahr 2,1 Prozent.

Weltweit sei das handelspolitische Klima rauer geworden, schreiben die Forscher. Deutschland sei bisher durch US-Strafzölle zwar direkt erst wenig betroffen. Es habe sich aber gezeigt, dass es US-Präsident Donald Trump nicht bei Drohungen belässt. Sollte es zu Zöllen auf Autos aus der EU kommen, werde dies die deutsche Wirtschaft „spürbar dämpfen“.

Auch der Brexit sei ein Risiko. Die Forscher gehen in ihrer Prognose noch davon aus, dass es zu einem geordneten Brexit kommt. Sollte dies in den Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien nicht gelingen, „würde die deutsche Wirtschaft in besonderem Maße in Mitleidenschaft gezogen werden“, heißt es in dem Gutachten. Die Forscher erwarten außerdem, dass die italienische Regierung ihre teuren Wahlversprechen großenteils nicht umsetzen wird. Kommt es anders, könnte die Euro-Krise wieder aufflammen – und Deutschlands Wachstum geringer ausfallen.

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Bemerkbar hat sich bereits die Abkühlung des Welthandels gemacht. Die Institute erwarten in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang auf 3,4 Prozent – nach 4,7 Prozent im Jahr 2017. Ab 2019 erwarten sie beim Welthandel nur noch eine Zunahme von jeweils unter drei Prozent.

Deutschland ist nach wie vor stark abhängig von den Autoherstellern. „Gesamtwirtschaftlich bemerkbar“ macht sich laut der Gemeinschaftsdiagnose, dass einige Autohersteller mit der Typzulassung neuer Pkws nach dem WLTP-Standard im Sommer nicht nachgekommen sind, Autos deshalb nicht bei Kunden, sondern auf Parkplätzen landeten. Allerdings erwarten die Forscher, dass die Branche im vierten Quartal die Lieferverzögerungen nachholen kann. Allein dadurch dürfte die Wirtschaft im vierten Quartal wieder stärker wachsen.

Mehr Erwerbstätige

Weil die Binnenwirtschaft in Deutschland insgesamt kräftig wächst, soll auch weiterhin die Zahl der Erwerbstätigen ansteigen: um fast eine Million auf 45,590 Millionen. Die Arbeitslosenquote wird demnach weiter sinken, von 5,2 Prozent in diesem Jahr auf 4,5 Prozent 2020.

Die gute Lage am Arbeitsmarkt bestätigt auch das Ifo-Beschäftigungsbarometer, das die Münchner Konjunkturforscher exklusiv für das Handelsblatt berechnen. Es ist im September zwar leicht auf 104,8 Zähler gesunken, nach 105,1 im Vormonat. Doch in der Industrie zog die Arbeitskräftenachfrage ebenso wieder an wie im Baugewerbe. Hier klagt aktuell jedes fünfte Unternehmen, dass fehlende Arbeitskräfte die Produktion behindern.

Ebenfalls sinken wird aber auch der hohe Überschuss in den Kassen von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen. In diesem Jahr erwarten die Forscher einen staatlichen Überschuss von 54 Milliarden Euro, im nächsten dann von 42 Milliarden Euro: Die Entlastungen bei Steuern und Sozialversicherungen schlagen hier zu Buche. Gleichzeitig stützen die Entlastungen der Bürger den Konsum. Vor allem deshalb erwarten die Forscher 2019 ein leicht höheres Wachstum als 2018.

Als Schwerpunktthema befassen sich die Gutachter mit dem Wohnungsmarkt. Die Mietpreisbremse habe bisher nicht dazu geführt, dass weniger gebaut werde, sie spalte aber den Markt: in einen regulierten Bereich, in dem die Mieten tatsächlich langsamer stiegen, und einen unregulierten, in dem der Preisanstieg sich noch beschleunigte.

Das Problem sei die Knappheit an Wohnungen in Großstädten: Dagegen helfe Bauen in Baulücken sowie ein Abbau teurer Bauvorschriften. Das Baukindergeld und die neue Mietwohnungsbauförderung halten die Forscher für Geldverschwendung: Die Förderung komme fast ausschließlich Bauherren zugute, die auch ohne sie gebaut hätten.

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