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Container in Wilhelmshaven

US-Präsident Donald Trump wirft Deutschland die enormen Überschüsse durch Exporte immer wieder vor, da diese zulasten der US-Wirtschaft gingen.

(Foto: dpa)

Welthandel Die neuen Zahlen zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss sind Sprengstoff für das transatlantische Verhältnis

Deutschland gelingt es nicht, den weltweit kritisierten Exportüberschuss deutlich zu verringern. Das zeigen neue Berechnungen des Ifo-Instituts.
Update: 20.08.2018 - 14:40 Uhr 2 Kommentare

BerlinDeutschland dürfte auch in diesem Jahr den weltgrößten Leistungsbilanzüberschuss aufweisen, zum dritten Mal in Folge. Nach einer neuen Prognose des Ifo-Instituts im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters dürfte er sich auf 299 Milliarden Dollar summieren. „Die USA dürften wieder das Land mit dem weltgrößten Leistungsbilanzdefizit werden, mit knapp 450 Milliarden Dollar“, sagte Ifo-Experte Christian Grimme.

Die Zahlen bergen Sprengstoff für das ohnehin angespannte transatlantische Verhältnis. US-Präsident Donald Trump kritisiert den deutschen Überschuss seit seinem Amtsantritt heftig, weil er Handel als Nullsummenspiel begreift und deshalb glaubt, dass der deutsche Überschuss zulasten der US-Wirtschaft ginge.

Trump nimmt den Überschuss regelmäßig zum Anlass zur Drohung mit Strafzöllen, etwa auf deutsche Autos. Nach einem Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker verhandeln die USA und die EU seit dieser Woche über die Neugestaltung der Handelsbeziehungen.

Laut Grimme ist es nach wie vor die Exportstärke der deutschen Industrie, die den Überschuss in die Höhe treibt: Der Warenexport dürfte die Importe in diesem Jahr um 265 Milliarden Euro übersteigen. Und dies, obwohl die amtliche Statistik zuletzt bei den Exporten eine schwächere Zunahme verzeichnete als bei den Importen.

„Die deutschen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen haben zu Jahresbeginn etwas unter dem weniger dynamischen außenwirtschaftlichen Umfeld gelitten“, stellten zuletzt auch die Konjunkturbeobachter des Bundeswirtschaftsministeriums fest.

Allerdings ist der Befund schwächer wachsender Exporte kein Widerspruch zum weiterhin hohen Überschuss: Wenn die sehr hohe Summe der Exporte etwas langsamer ansteigt als die weitaus niedrigere der Importe, verringert sich die Lücke kaum.

Hinzu kommt, dass deutsche Firmen und Privatleute hohe Auslandsvermögen angehäuft haben: Diese tragen mit voraussichtlich 63 Milliarden Euro ebenfalls zum Leistungsbilanzüberschuss bei. „Selbst wenn der Überschuss im Warenhandel künftig sinken sollte, bleiben die Auslandsvermögen wohl noch längere Zeit sehr hoch“, sagte Grimme dem Handelsblatt.

Erst wenn die Alterung der Gesellschaft massiv einsetzt – zwischen 2025 und 2030 – dürften viele Alte ihre Vermögen auflösen, um die Rente aufzubessern.

Die hohen Forderungen gegenüber dem Ausland sind zumindest teilweise eine Nebenwirkung der Exporte: Viele Firmen legen ihre einige Gewinne vor Ort an. Ökonomen gilt das hohe Auslandsvermögen als latentes Risiko für die deutsche Volkswirtschaft: Forderungen gegenüber dem Ausland sind womöglich im Krisenfall nur schwer einzutreiben. Zudem fehlt das Geld bereits heute für Investitionen im Inland.

Der hohe deutsche Leistungsbilanzüberschuss wird deshalb nicht nur von Trump, sondern seit Jahren auch vom Internationalen Währungsfonds und von der EU-Kommission kritisiert. Nach den EU-Regeln sollte kein Land dauerhaft einen Überschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung aufweisen. Laut Ifo werden es in diesem Jahr in Deutschland aber 7,8 Prozent sein, nach 7,9 Prozent im letzten Jahr.

Das Bundeswirtschaftsministerium erwartete zuletzt einen Überschuss von acht Prozent für dieses Jahr.

Bei den Dienstleistungen allerdings verzeichnet Deutschlands Außenbilanz ein Defizit von 18 Milliarden Euro. Einige Ökonomen gehen mit Blick auf die US-Statistik davon aus, dass das Defizit bei den Dienstleistungen noch wesentlich höher ist. Grimmes Ifo-Kollege Gabriel Felbermayr hatte im Frühjahr darauf hingewiesen. Die Statistiken lassen sich aber nur schwer mit den europäischen in Übereinstimmung bringen.

Zudem: Die großen US-Digitalkonzerne wickeln ihr Geschäft aus Steuerspargründen über Irland ab. Würde dieses Geschäft direkt aus dem Silicon-Valley als Dienstleistung exportiert, würde das Leistungsbilanzdefizit der USA vermutlich deutlich sinken.Zahlungen Deutschlands in Ausland dämpfen den Leistungsbilanzüberschuss zumindest etwas, laut Grimme um 45 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Wie sich Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den USA in diesem Jahr entwickelt, zeigen die neuen Ifo-Zahlen nicht. Grimme hat lediglich die Handelsströme einzelner Länder mit dem Rest der Welt verglichen.

Viel spricht allerdings dafür, dass sich auch bilateral zwischen Deutschland und den USA wenig verändert hat – trotz aller Unsicherheit. Denn „Haupttreiber für die Waren-Exporte im ersten Halbjahr war die Nachfrage aus anderen EU-Ländern und den USA“, sagte Grimme. Daran werde sich auch im zweiten Halbjahr nichts ändern, erwartet er.

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2 Kommentare zu "Welthandel: Die neuen Zahlen zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss sind Sprengstoff für das transatlantische Verhältnis"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Frau Riedel,

    wie ist das eigentlich mit dem "transatlantischen Verhältnis", um das Sie sich sorgen? Wollen wir es überhaupt?

    Natürlich würde ich mir freundschaftliche Beziehungen mit den USA wünschen. Aber sind solche Beziehungen mit Donald Trump überhaupt möglich?

    Dass er hochgestellte ausländische Staatsmänner wie unsere Bundeskanzlerin, Frau May oder Herrn Trudeau grob rübelhaft behandelt, brauche ich wohl nicht zu vertiefen. Aber muß es wirklich sein, dass die flegelhaft Behandelten ihren Ärger nur herunterschlucken? Warum stehen sie nicht zusammen und wehren sich gemeinsam?

    Und dann hätten wir noch die politische Ebene. Das Stichwort dazu lautet "America first". Machen Sie es meinetwegen fest an Themen wie Klimaabkommen, Iranabkommen oder Bau von Nordstream 2. Mein Eindruck ist, dass dabei die Interessen der US-Verbündeten überhaupt keine Rolle spielen sondern rücksichsichtslos mit Füßen getreten werden. Der Umgang mit den Verbündeten ist wie der eines Herrn mit einem Lakaien. Brauchen wir wirklich solche "Freunde"? Brauchen wir wirklich Leute, die uns bevormunden und unterdrücken? Also ich ganz sicher nicht.

    Und da wäre dann noch die NATO. Glauben Sie ersthaft, dass Donald Trump einem Bündnispartner uneigennützig und nur wegen der eingegangenen Bündnisverpflichtungen zur Seite steht? Ich halte das für eine Illusion. Kurz gesagt: Bündnisse mit Donald Trump sind so wertvoll wie ein Fetzen Papier.

    Vielleicht verstehen Sie nun, warum ich mich um das "transatlantische Verhältnis" nicht sorge und es mir völlig gleichgültig ist, was Herr Trump zum deutschen Leistungsbilanzüberschuß meint.

  • "Letztere hält Überschüsse von dauerhaft mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes für stabilitätsgefährdend, da Ländern mit Überschüssen solche gegenüberstehen, die Defizite haben und sich verschulden müssen."

    Wieso MÜSSEN sie sich verschulden? Sprechen wir hier von Infantilen, die nicht in der Lage sind, zu wirtschaften. Klingt nach "Argumenten" einer Kreditbetrugs-Lobby...

    Natürlich sind Leistungsbilanzungleichgewichte eine Problem. Nur geht es ja um die Frage, ob man die kreditfinanzierte Konsumorgie, die ohne Maß und Morgen, zum Teil völlig sinnlose Güter in sich hineinstopft, für gesund hält und vermeintliche "Zuwenigverbrauchern", die ehrlich bleiben und nur das ausgeben, was sie einnehmen, zu Sündenböcken macht.

    Und wenn man schon Leistungsbilanzunterschiede untersucht, sollte man sich nicht der zwischen Länderen sondern jenen zwischen "Oben" (99% von Vermögen & Einkommen, 1% der Menschen) und "unten" (1% des Vermögens und Einkommens, 99% der Menschen) annehmen. Da kommen wir echten Potentialen sehr viel näher!