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Wirtschaftswachstum Ifo-Institut senkt Konjunkturprognose für Deutschland kräftig

Nur 1,8 statt 2,6 Prozent: Das Ifo-Institut erwartet ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum. Auch die Forscher vom RWI befürchten ein Abflauen des Booms.
Update: 19.06.2018 - 12:24 Uhr Kommentieren
Wirtschaftswachstum: Ifo-Institut senkt Konjunkturprognose Quelle: dpa
Bauarbeiten in Berlin

„Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, BerlinDeutlich gedämpfter Aufschwung: Nach dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben nun auch das Münchner Ifo-Institut und das RWI-Institut ihre Konjunkturprognosen für Deutschland herabgesetzt. Beide Institute erwarten für das laufende Jahr nur noch 1,8 Prozent Wachstum. Das DIW rechnet noch mit 1,9 Prozent.

Es sind deutliche Korrekturen. Im Frühjahr hatten die Ifo-Forscher noch mit 2,6 Prozent Wachstum gerechnet, das RWI und das DIW mit 2,4 Prozent. Die Bundesregierung erwartet bisher für dieses Jahr 2,3 Prozent Wachstum.

Die Hauptursache trägt einen Namen: Donald Trump. Alle Institute beobachten, dass sich die Exportwirtschaft abschwächt, nach den Stimmungsindikatoren seit April vor allem in Erwartung von Handelskriegen, ausgelöst und eskaliert vom US-Präsidenten.

„Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Bekannt war seit April, dass die Wirtschaft im ersten Quartal nur noch um 0,3 Prozent gewachsen war, nur halb so kräftig wie in der zweiten Hälfte 2017.

Doch es waren nicht nur die Grippewelle, Streiks und eine verlängerte Weihnachtspause, die einen Rückgang der Industrieproduktion bewirkten. „2017 war die Weltkonjunktur in Fahrt gekommen, die Investitionen stiegen, die Exporte legten zu“, beschreibt Wollmershäuser die Basis für seinen Frühjahrsoptimismus – der nun nicht anhält.

Denn die Ausrüstungsinvestitionen haben sich seit dem schwachen Jahresanfang nicht wie erwartet erholt. Das war nicht nur in Deutschland so, sondern im gesamten Euro-Raum. Die Wirtschaft weitet ihre Kapazitäten nicht aus – sie rechnet also nicht mehr mit einem besseren weltwirtschaftlichen Umfeld.

Wollmershäuser befürchtet, dass in der Industrie nach Trumps Steuerreform womöglich das große Nachdenken begonnen hat, die Wertschöpfungsketten umzustellen, und mehr in den nun steuergünstigeren USA zu investieren und weniger im von Strafzöllen bedrohten Europa. Die Folge könnte sein, dass sich das Wachstum in der EU weiter verschlechtert – „wenn die Gewitterwolken nicht vorüberziehen, sondern sich entladen“, so Wollmershäuser.

Prognose für 2019 ist ebenfalls düsterer

„Das außenwirtschaftliche Klima ist rauer geworden“, sagt auch RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. „Selbst wenn nur kleine Teile des deutschen Exports von den durch die USA verhängten Zöllen betroffen sind, dürfte das Aufkeimen des Protektionismus negativ auf das Exportklima wirken.“ Zusätzlich verunsichere der Brexit und die noch „unklare Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU“ die Unternehmer.

Umso wichtiger findet Ifo-Konjunkturexperte Wollmershäuser, dass die EU-Regierungen ihren Zusammenhalt stärken. Denn wenn Italien eine Eurokrise 2.0 auslösen würde und Deutschland seine Regierungskrise nicht in den Griff bekommt, ist jetzt schon klar: Die Konjunkturprognosen müssten dann im Herbst weiter nach unten geschraubt werden.

Die Sorgen zeigten sich im Ifo-Geschäftsklimaindex. So sei das Ifo-Geschäftsklima zurückgegangen, die weltwirtschaftlichen Risiken hätten deutlich zugenommen. „Gleichwohl glauben wir, dass sich der deutsche Aufschwung fortsetzt, wenn auch nicht in demselben Tempo wie 2017“, sagt Wollmershäuser.

Alle drei Institute prognostizieren, dass sich das Wirtschaftswachstum auch im kommenden Jahr weiter abschwächen wird. Die Ifo-Forscher sagen nur noch 1,8 Prozent voraus. Zuvor waren es 2,1 Prozent gewesen. Das RWI geht von nur noch 1,5 statt bisher 1,9 Prozent aus, das DIW senkte seine Prognose von 1,9 auf 1,7 Prozent Wachstum im Jahr 2019.

„Wir erwarten eine spürbare Abkühlung“, sagte DIW-Chef Marcel Fratzscher. Für Schwarzmalerei sehen die Ökonomen trotzdem keinen Anlass: „Die Hochkonjunktur hat Bestand“, sagte DIW-Konjunkturexperte Fichtner. „Weil die Bundesregierung erhebliche Impulse setzt, verhindert sie einen Abschwung“, so der Ökonom.

Arbeitsmarkt bleibt robust

Gute Aussichten bestehen weiterhin für den deutschen Arbeitsmarkt. Das Ifo-Institut erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen weiter von 2,5 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,3 Millionen im laufenden Jahr sinken wird. 2019 soll die Arbeitslosenzahl sogar auf 2,2 Millionen fallen. Das wären jeweils 5,7, dann 5,2 und schließlich 4,9 Prozent der erwerbsfähigen Personen.

Damit dürfte die Zahl der Erwerbstätigen von 44,3 Millionen über 44,8 Millionen in diesem auf 45,2 Millionen im kommenden Jahr steigen und somit neue Rekorde erzielen. Das deckt sich mit der Prognose des DIW: Das Institut geht davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen im nächsten Jahr 45,1 Millionen erreichen und um 800.000 höher liegen wird als 2017.

Das RWI blickt vorsichtiger in die Zukunft des Arbeitsmarkts und erwartet für dieses Jahr eine Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent, die 2019 nur leicht auf 5,2 Prozent fallen werde. Besonders im Baugewerbe und im Pflegebereich besteht laut RWI-Analyse noch hoher Bedarf an neuen Fachkräften, doch der werde häufig durch Zuwanderung gedeckt.

Neue Prognosen stellt das Ifo-Institut auch für die Konsumausgaben auf. Die privaten Konsumausgaben sollen demnach in diesem Jahr nur um 1,3 Prozent steigen, 2019 aber um 1,8 Prozent. Die Konsumausgaben des Staates sollen um 1,0 Prozent in diesem und um 1,9 Prozent im kommenden Jahr steigen.

Für die Exporte prognostizieren die Ifo-Experten einen Anstieg um 3 Prozent 2018 und sogar um 4,1 Prozent 2019. Den Überschuss des Staates beziffern sie auf 38 Milliarden Euro in diesem und bei 37,7 Milliarden im kommenden Jahr. Der viel kritisierte Überschuss der Leistungsbilanz soll sich der Berechnung zufolge auf 267 (2017) und 268 Milliarden Euro (2018) belaufen. Damit würde sich der Überschuss in Relation zum Bruttoinlandsprodukt von 7,9 auf 7,6 Prozent verringern.

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