Negativer Einlagenzins Draghi lädt die nächste Bazooka

Angesichts niedriger Inflationsraten in Europa erwägt die EZB drastische Mittel. So müssen Banken wohl bald Strafgebühren auf Einlagen zahlen. Auch der Leitzins könnte gesenkt werden. Die Bundesbank gibt sich offen.
Update: 14.05.2014 - 17:44 Uhr 44 Kommentare
Wer weiß, was kommt... EZB-Präsident Mario Draghi hat noch einige geldpolitische Maßnahmen in der Hinterhand. Quelle: dpa

Wer weiß, was kommt... EZB-Präsident Mario Draghi hat noch einige geldpolitische Maßnahmen in der Hinterhand.

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BerlinDie Europäische Zentralbank (EZB) bereitet radikale Maßnahmen vor: Erstmals könnte der Einlagenzins negativ werden. Nach den Worten ihres Chefvolkswirts Peter Praet erwägt die EZB Strafgebühren für das bei ihr geparkte Banken-Geld. „Negative Einlagenzinsen sind ein möglicher Teil einer Kombination von Maßnahmen“, sagte Praet in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Den Einlagenzins bekommen Banken immer dann gutgeschrieben, wenn sie überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken. Er liegt seit November bei null Prozent. Senkt die EZB ihn unter null, würde sie den Banken de facto einen Strafzins aufbrummen, wenn diese Geld bei ihr anlegen. Das Kalkül der Notenbanker: Die Institute sollen wieder mehr Kredite vergeben, weil es sich nicht mehr lohnt, Geld bei der EZB zu halten.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann bekräftigte die Bereitschaft, geldpolitische Vorstöße der EZB bei Bedarf zu stützen. Wenn in Bezug auf das Primärziel Geldwertstabilität Handlungsbedarf bestehe, sei auch die Bundesbank nach breiter Analyse natürlich offen, dafür zu handeln, sagte Weidmann am Mittwoch in Berlin auf einer Konferenz der Zeitungsgruppe „Welt“ und der „Stiftung Familienunternehmen“. „Das können Sie auch von uns erwarten.“


Eine solche Maßnahme könne Teil einer breiter angelegten Offensive zur Abwehr deflationärer Tendenzen sein – die viel zitierte geldpolitische „Bazooka“. „Wir bereiten eine Reihe von Dingen vor“, sagte der Notenbanker. „Wir könnten den Banken erneut für einen längeren Zeitraum Geld leihen, möglicherweise gegen Auflagen. Wir könnten die Zinsen noch einmal senken. Auch eine Kombination mehrerer geldpolitischer Instrumente ist denkbar.“

Praet ließ anklingen, dass sich die EZB davon auch eine Schwächung des Euro verspricht. „Im Kontext der sehr niedrigen Inflationsrate im Euro-Raum ist eine Aufwertung auch für die Euro-Zone ein Problem, weil ein stärkerer Euro die Einfuhren verbilligen und die Inflationsrate noch weiter nach unten drücken würde“, sagte der Währungshüter. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 0,7 Prozent. Die EZB strebt Werte von knapp zwei Prozent an.

Dem Kauf von Staatsanleihen nach Vorbild der US-Notenbank Fed erteilte Praet vorläufig eine Absage. „Ich denke, dazu würde es erst kommen, wenn sich die Konjunktur und die Inflation in der Euro-Zone deutlich schlechter entwickeln als von uns erwartet.“

„Beim nächsten Mal handeln“
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44 Kommentare zu "Negativer Einlagenzins: Draghi lädt die nächste Bazooka"

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  • die finanzmafia sind die politiker in europa, die durch die völlig illosorischen niedrigen zinsen so tun, als ob sie ihre haushalte sanieren. die umwelt ist ein knappes gut, dass immer mehr verteuert wird z.B. durch die gestze zur energiewende, geld wird zum freien gut, und der besitzer wird demnächst mit negativzinsen bestraft. dann kannn die politik - zunächst ohne besondere belastung der geldbesitzer- die höheren kapitalertragssteuern durchsetzen. das alles heißt gemaäß frau dr. agiprop "nachhaltiges wirtschaften"

  • Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele vom Fegefeuer in den Himmel schwingt – Wird das Geld, das Draghi in Massen in den Kreislauf pumpt, indem er alles kauft, was ihm angeboten wird, von den Märkten angenommen, könnte sich allmählich das Geld-Güter-Gleichgewicht zu Gunsten des Geldes inflationär verschieben. Jetzt scheint es so zu sein, daß er zunächst die internationale Finanzmafia bedient, die Staatsanleihen zu hohen Renditen auch von Staaten kauft, die ohne spezielle Draghi-Garantie nicht mehr am Markt unterkämen. Das macht die EU ja aber schon seit Delors SMP-Programm in 2009 in kleinerem Maße laufend (ESFS; ESM). Wenn damit nur der Grundbedarf von Staaten, die sonst nichts mehr ordern können, gedeckt wird, ist Inflationsgefahr nicht in Sicht, weil die Güterwirtschaft nicht überstrapaziert wird. Hier besteht aber immerhin die Gefahr, daß die Euro-Länder (von 17 müssen 15 unter die Rettungsschirme) wieder wie nach Auslaufen der Bewährungsphase des Delorsplans, aus vollem Rohr Schulden aufbauen, ohne ihre Leistungs- und Finanzstruktur zu verbessern. Italien, Spanien, Zypern, Portugal und Frankreich warten ja die Entwicklung in Griechenland ab, ehe sie überhaupt ihre Leistungs- und Finanzstrukturen neu ordnen und so ihrer Klientel wahlentscheidende Opfer zumuten – diese Entwicklung liegt noch vor uns.
    Im Moment scheint aber eher eine Hortung des zusätzlichen Geldes, das über die Notenpressen und durch die Zentralbanken in den Kreislauf gepumpt wird, bei den Banken zu erfolgen, sodaß Draghi „Strafmaßnahmen“ zu der Null-Zins-Politik einleitet, um die Banken anzuregen, zusätzliches Geld in den Kreislauf weiter zu geben, damit nicht durch Abfall von Verbrauch und Investitionen eine Verknappung des Güterangebotes und eine Deflation zu befürchten ist.
    Was Draghi auch tut, ist Folge einer politischen Fehlentscheidung: Durch die Schaffung einer genetisch kranken Währung eine europäische Einigung erzwingen zu wollen. Dies muß und wird scheitern.

  • Wenn solche Botschaften sogar vor den EU-Wahlen vermittelt werden, wie schlecht muss es um Euro und EU stehen? Platzt die Bombe nach den EU-Wahlen? Deutschland ist inzwischen ausverkauft und auf dem Weg in die Verarmung. Wenn sie erst spürbar wird, ist es längst zu spät. Scheinbar wollen die Blockparteien unser Land abschaffen, der ganzen Welt als Sozialamt dienen, die Schulden in der EU vergemeinschaften. Diese Politiker denken nur an die eigenen Vorteile und interessieren sich nicht mehr für die großen Probleme der Bürger, die sie gewählt haben. Diese EU zerstört sich von innen heraus.

  • Noch mehr Geld aus der Notenpresse kann nur zu Spekulationsblasen führen. Die US-Aktien haben bereits heute ein Shiller-KGV das dem der Jahre 1929 und 2000 nahe kommt. Ich finde es verantwortungslos Anleger ins Verderben zu treiben.

  • Hallo FlashGordon,
    habe bei der AfD keine braunen Hemden gesehen.
    Aber vielleicht haben Sie eine braune Unterhose?
    Doofer und aus

  • die Bande sollte lieber davor warnen wann sie all´ unser Geld brauchen.

  • "Wenn nur der Schuss nach hinten losgehen würde!"

    Oder zumindest ein Rohrkrepierer :=)

  • Das kann es also nicht sein, was Deflation schlecht macht.

    Was ist es aber dann?

    Ganz einfach: Es ist das, was hinter den fallenden Preisen steht.

    Die Ursachen liegen in der schrumpfenden Geldmenge!

    Denn die Menge an Geld muss ständig wachsen, damit das Schuldgeldystem reibungslos funktioniert.

    Schrumpft sie dagegen, was passieren kann, wenn weniger Kredite ( Geld entsteht nur über Kredit ) neu aufgenommen als gleichzeitig getilgt werden, gibt es ein Problem:

    Dann steht zum Beispiel nicht mehr genug Geld zur Verfügung, damit alle Schuldner ihre Kredite ordentlich bedienen können.

    Zum Bezahlen von Zinsen und Tilgungen braucht man schließlich Geld.
    Und davon ist nur bei wachsenden Geldmengen immer genügend vorhanden. Bei schrumpfenden Geldmengen werden Schuldner also benachteiligt, da es für sie schwieriger wird, die festgesetzten Raten zu begleichen

    Klappt es nicht mit dem Geldmengenwachstum, geht es bergab mit der Wirtschaft!
    Und kommt es ganz schlimm wie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wird daraus sogar eine anhaltende und tiefe Krise!

    Die große Depression, wie sie damals genannt wurde, ist das einzige Beispiel in der jüngeren Geschichte, in dem die Geldmenge in den USA über längere Zeit hinweg geschrumpft ist.
    Kein Wunder also, dass die Notenbanken Ähnliches mit allen Mitteln verhindern wollen.

    Fallende Preise sind in einer solchen Krise nur ein Symptom des Übels. Denn wenn Schuldner nicht mehr in der Lage sind, Kredite zu bedienen, müssen sich die Gläubiger an eventuellen Sicherheiten schadlos halten, etwa an Häusern, Grundstücken oder Wertpapieren. Da sie daran aber gar nicht interessiert sind, sondern nur am Geld, werden sie die Pfänder verscherbeln, so schnell es geht, und damit deren Preise drücken.

  • Wer hat Angst vor Deflation?

    In jüngster Zeit wird häufig vor einer Deflation gewarnt.

    Und was ist eine Deflation überhaupt?

    Die Menge an Geld und Schulden muss ständig wachsen, damit das verzinste Schuldgeldsystem reibungslos funktioniert.

    Schrumpfen sie dagegen, gibt es ein Problem: ein Geldsystem-Problem!

    Wenn wir Deutschen uns vor etwas fürchten, dann eher vor dem Gegenteil, also vor Inflation.
    Denn damit mussten unsere Vorfahren schlechte Erfahrungen machen. Zudem hat man uns in den Lügenmedien in den vergangenen Jahren doch immer genau vor diesem Gegenteil gewarnt - warum also sollte jetzt plötzlich das Gegenteil drohen?

    Da kann der normale Bürger nur verständnislos den Kopf schütteln.

    Im Prinzip fängt die Verwirrung schon damit an, dass die meisten Leute "Inflation" mit steigenden Preisen gleichsetzen - und "Deflation" entsprechend mit fallenden.

    Wenn aber steigende Preise schlecht sind, warum sollten dann fallende ebenfalls schlecht sein?

    Ökonomen erklären dann gerne, wenn die Preise fielen, würden die Leute nichts mehr kaufen, sondern ihr Geld bunkern - in der Hoffnung, sich in Zukunft mehr dafür kaufen zu können.
    Genau dies sei das Schlechte an einer Deflation. Wenn nichts mehr gekauft würde, ginge es auch der Wirtschaft schlecht.

    Mit Verlaub - solche Erklärungen erinnern mich an den verzweifelten Versuch, Deflation für "Dummies" zu erklären und dabei selbst ins Dümmliche abzugleiten.
    Zumal hier Symptome und ihre Ursachen verwechselt werden.

    Grundsätzlich sind fallende Preise nämlich gut, weil man sich dann fürs gleiche Geld mehr leisten kann. Dass dann weniger gekauft würde, stimmt nicht. Im Gegenteil: Wenn sich ein bestimmtes Produkt mehr Leute leisten können, wird es vermutlich auch von mehr Leuten gekauft, sofern es ein sinnvolles Produkt ist, das man auch haben will. Wurden etwa weniger Handys gekauft, als sie billiger wurden?

    Nein, sondern die Nachfrage stieg, je weiter die Preise fielen.

    Das Übel liegt woanders

    Siehe Teil 2

  • @Lusche
    Haben Sie denn immer noch nicht realisiert, dass Draghi die Marionette von Schäuble ist?
    Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass Draghi die Zinsen senken könnte oder Staatsanleihen aufkaufen könnte GEGEN den Willen Schäubles.
    Schäuble hat schon immer mit gespaltener Zunge geredet. Den treudoofen Deutschen erzählt er, die Zinsen müssten irgendwann mal steigen, während er gleichzeitig Draghi damit beauftragt die Geldschleusen aufzudrehen. Und zwischendurch schwabuliert er etwas von der Unabhängigkeit der EZB.
    Schäuble ist der gefährlichste Politiker seit Goebbels.

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