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Banken Einfach nicht lernfähig

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Die Forscher erklären ihre Ergebnisse mit einer grundsätzlicheren Ursache: Den Problembanken fehle ein tragfähiges, solides Geschäftsmodell. Um Geld zu verdienen, gingen sie hohe Risiken ein. In guten Zeiten führe das zu hohen Gewinnen, in schlechten aber werden diese Praktiken zum Bumerang.
Die chronischen Problembanken setzten vor der Asien- und vor der Weltfinanzkrise auf die gleichen waghalsigen Strategien. Viele dieser Geldhäuser hatten sich stark verschuldet, agierten nur mit einem hauchdünnen Eigenkapitalpuffer und spekulierten fast ausschließlich mit fremdem Geld. "Die schlechtesten Performer hatten vor Beginn der Probleme auf den Finanzmärkten in beiden Fällen jeweils einen rund 30 Prozent höheren Verschuldungsgrad als ihre Wettbewerber", schreiben die Ökonomen. Zudem waren die Wiederholungstäter überproportional stark darauf angewiesen, sich in sehr kurzen Abständen auf dem Geldmarkt zu refinanzieren.
Und eine dritte Gemeinsamkeit fiel den Ökonomen auf: Die Problembanken waren oft in den Jahren vor der Krise besonders schnell gewachsen - und sie waren überdurchschnittlich groß.
All das bestätigt den Befund eines Forscherteams um Ray Barrell, Makroökonom an der Londoner Denkfabrik NIESR. Die Ökonomen stellten fest: Sowohl große als auch schnell wachsende Geldinstitute häuften überproportional viele faule Kredite an und mussten später deutlich mehr Zahlungsausfälle verkraften als kleinere Banken.
Die ausgeprägte Lernschwäche der Banken ist ein weiteres Indiz dafür, dass viele Geldinstitute sich im Stillen auf Vater Staat verlassen. Denn der Kollaps einer Großbank würde das gesamte Finanzsystem durcheinanderwerfen und wäre Gift für die Realwirtschaft. Finanzkonglomerate sind "too big to fail". Der Staat kann es sich nicht erlauben, sie pleitegehen zu lassen.
In mehreren empirischen Arbeiten haben Ökonomen gezeigt: Dieses Phänomen ist hochgradig relevant. So ist der staatliche Schutz so attraktiv, dass Geldinstitute systematisch versucht haben, den "Too big to fail"-Status zu erreichen - unter anderem durch das Übernehmen von Konkurrenten.
Ökonomen aus Chicago und der Federal Reserve Bank of Philadelphia wiesen nach: Um eine Fusion einzufädeln, mit der eine Bank die "Too big to fail"-Schwelle überschritt, nahm diese höhere Preisaufschläge in Kauf. Diese unausgesprochenen Staatsgarantien sind letztlich eine versteckte Subvention. Forscher der University of California, Los Angeles, schätzen diese auf 4,7 Milliarden Dollar pro US-Großbank und Jahr.
Die Studie von Fahlenbrach und Co. liefert zudem wichtige Einblicke in die Ursachen der Krise und zeigt, dass eine gängige Erklärung zu kurz greift. Viele Beobachter prangern an, dass die US-Regierung 1999 die Trennung zwischen Investment- und Geschäftsbanken aufhob. Doch das allein kann die Misere ab 2007 nicht erklären. Grundlegende Probleme waren schon 1998 akut, zeigt die Studie.
Die mangelnde Lernfähigkeit der Banken macht auch deutlich: Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Marktkräfte schlecht geführte Banken bestrafen. In der Finanzbranche gilt nicht das Prinzip des "survival of the fittest" - hier gilt "survival of the fattest".

Zum Download der im Text zitierten Studien, klicken Sie - hier.

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