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Banken Shareholder-Value-Denken rächt sich

Warum sind nicht alle Banken in der Finanzkrise gleichermaßen unter die Räder gekommen? Eine neue Untersuchung der 100 weltweit wichtigsten Banken fördert eine frappierende Erkenntnis zu Tage.
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Bis Anfang 2007 sah es für die Royal Bank of Scotland richtig gut aus. Doch auf ein Rekordjahr folgte der tiefe Fall. Quelle: Reuters

Bis Anfang 2007 sah es für die Royal Bank of Scotland richtig gut aus. Doch auf ein Rekordjahr folgte der tiefe Fall.

(Foto: Reuters)

DÜSSELDORF. Der Mann hatte alles richtig gemacht. Zumindest sah es bis Anfang 2007 so aus: Unter Führung von Fred Goodwin hatte die Royal Bank of Scotland (RBS) 2006 wieder einmal ein Rekordjahr hinter sich gebracht. Der Gewinn war um 14 Prozent auf 9,4 Milliarden Pfund gestiegen; der Aktienkurs hatte seit Herbst 2005 um mehr als ein Drittel zugelegt. Danach aber begann der Niedergang der zweitgrößten britischen Bank - erst schleichend, dann rasant. Innerhalb von knapp zwei Jahren verlor die RBS-Aktie mehr als 98 Prozent ihres Wertes.

Diese Achterbahnfahrt war kein Zufall, zeigt eine Studie der Ökonomen Andrea Beltratti (Bocconi-Universität, Mailand) und René Stulz (Ohio State University). Die Forscher haben untersucht, wie die 100 weltweit wichtigsten Banken durch die Finanzkrise gekommen sind. Dabei legen sie ein frappierendes Muster offen: Je besser sich eine Bank vor Ausbruch des Finanzchaos entwickelt hatte, desto tiefer war anschließend ihr Fall - und umgekehrt.

Als Bewertungsmaßstab ziehen sie die Entwicklung der Aktienkurse der Institute zwischen Sommer 2007 und Ende 2008 heran. Im Schnitt haben sich die Kurse in dieser Zeit mehr als halbiert. Allerdings war nicht jede Bank gleich stark betroffen. Die Unterschiede zwischen einzelnen Instituten sind enorm, zeigt die Analyse. Bei den 25 Prozent der Banken, die es am härtesten erwischte, brachen die Aktienkurse in der Krise um 88 Prozent ein. Dagegen lag das Minus bei dem Viertel der Institute, die am besten davongekommen waren, nur bei 17 Prozent.

Ausgerechnet diejenigen Banken, die noch kurz zuvor an der Börse gefeiert wurden, traf es am härtesten - im Schnitt hatten sie 2006 Kursgewinne von 33 Prozent verbucht. Bei den Banken, die am besten durch die Krise kamen, lag das Plus im selben Jahr nur bei acht Prozent. Zudem zeigt sich: Großbanken haben sich in der Krise tendenziell schlechter geschlagen - ebenso wie Institute, die besonders viel mit geliehenem Geld spekuliert haben.

Gerade Geschäftsfelder und Praktiken, die 2006 noch schick waren, entpuppten sich kurze Zeit später als Achillesferse der Banken - allen voran das Engagement auf dem Markt für strukturierte Wertpapiere. Beltratti und Stulz interpretieren ihre Ergebnisse als Indiz dafür, wie sehr die Krise die Finanzmarktakteure überraschte: "Auf den Märkten wurde 2006 nicht damit gerechnet, dass diese Geschäfte eine Schwachstelle für Banken werden könnten."

Einiges spricht dafür, dass die Banken sich auch auf Druck ihrer Aktionäre in riskante Geschäfte gestürzt haben. Die Forscher verglichen die Performance der Institute mit gängigen Indizes zur Shareholder-Value-Orientierung eines Unternehmens und stellen fest: Je aktionärsfreundlicher ein Institut geführt war, desto stärker kam es in der Krise unter die Räder und desto mehr Schrottpapiere musste es abschreiben. Dieser Befund widerspricht der These, Verstöße gegen die Grundsätze guter Unternehmensführung ("Corporate Governance") seien eine Kernursache der Finanzkrise.

Dass eher das Gegenteil der Fall war, legt auch eine zweite Studie nahe, die René Stulz zusammen mit Rüdiger Fahlenbrach aus Lausanne veröffentlicht hat. Je enger die Bezahlung von Bankchefs an die kurzfristigen Interessen der Aktionäre gekoppelt war, desto heftiger kam ein Geldinstitut in der Krise unter die Räder, stellen die Forscher fest. "Eine plausible Erklärung dafür ist, dass Vorstandschefs mit größeren Anreizen zur Maximierung des Shareholder-Value größere Risiken eingegangen sind."

Auch die Finanzmarktregulierung im Heimatland eines Geldinstituts spielt eine gewisse Rolle dafür, wie es durch die Krise kam. Die Forscher stellen einen auf den ersten Blick paradoxen Zusammenhang fest: Je strenger die Bankenaufsicht in einem Land, desto stärker brachen die Aktienkurse der Banken in der Krise ein. Beltratti und Stulz deuten dies aber nicht als Indiz dafür, dass Finanzmarktregulierung per se negativ sei. Wahrscheinlicher sei, dass strengere Aufsichtsbehörden Banken in der Krise stärker auf die Finger schauten. Dafür spricht, dass Banken in Ländern mit mächtiger Aufsicht sich für einen Euro Abschreibungen mehr neues Eigenkapital besorgen mussten. Zudem sollte man die Bedeutung der Regulierung für die Performance nicht überinterpretieren. Verglichen mit unternehmensspezifischen Faktoren wie der Eigenkapitalausstattung und der Verschuldung ist ihr Einfluss auf die Bank-Performance eher gering, zeigt die Studie.

Generell gilt: Je traditioneller und konservativer ein Geldhaus bis Mitte 2007 agierte, desto weniger Federn musste es in der Krise lassen. "Banken, die in der Krise besser performten, hatten mehr und besseres Eigenkapital", stellen die Wissenschaftler fest. Zudem verfügten sie über mehr Spareinlagen im Verhältnis zu ihren Vermögenswerten, spekulierten weniger mit geliehenem Geld und waren für ihre Refinanzierung weniger auf kurzfristige Geldmarktkredite angewiesen.

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