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Digitale Cliquenfabriken boomen Gut vernetzt ist halb geschafft

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Auch Michael Kosfeld, Ökonomieprofessor an der Universität Zürich, ist überzeugt, dass die Wirtschaftswissenschaft die Märkte lange zu vereinfacht modelliert und betrachtet hat. Zurzeit untersucht Kosfeld mit einer Mischung aus Feldforschung und Experiment, welchen Einfluss Netzwerke auf das Vertrauen in einer Gesellschaft und damit auf die Effizienz einer Volkswirtschaft haben.

Bis vor einigen Jahren waren es vor allem die Soziologen, die sich dem Thema verschrieben hatten – allen voran der US-Forscher Mark Granovetter, der schon 1973 feststellte, dass viele lockere Beziehungen deutlich nützlicher sein können als einige wenige starke. Wer solche Phänomene ausschließe oder versuche, sie in ökonomische Modelle zu pressen, „riskiert seine wissenschaftliche Aussagekraft“, so Granovetter, der inzwischen in angesehenen ökonomischen Fachzeitschriften publiziert.

So zeigen Untersuchungen, dass Firmen, die persönliche und langfristige Kontakte zu Bankern oder Kanzleien haben, geringere Zinsen und Honorare zahlen müssen. Unternehmen, die nur unpersönliche Beziehungen zu ihren Subunternehmern unterhalten, sind häufiger vom Scheitern bedroht als solche, die eine gute Mischung aus lockeren und engen Beziehungen haben. Eine andere Studie hat gezeigt, wie Freundschaften unter Hotelbesitzern diese vor ruinösen Preiskriegen bewahren konnten. Und Konzerne sind mitunter profitabler, wenn ihre Bereichsmanager ins soziale Netz der Firma gut integriert sind, berichtet Granovetter. Drei britische Forscher untersuchten den E-Mail-Verkehr in einem Netzwerk von Angestellten und fanden heraus: Je intensiver man per Internet kommuniziert, desto produktiver ist man in der Regel. Die Macher der digitalen Cliquenfabriken Xing, LinkedIn und Co. dürfte das Ergebnis der drei Forscher nicht überraschen, baut doch ihr Geschäftsmodell auf dem Wert der Vernetzung auf.

Auch wenn nach den Soziologen nun die Ökonomen die Bedeutung von Netzwerken erkennen, ist die Sichtweise unterschiedlich. Während einige Soziologen annehmen, dass Individuen gänzlich von ihrem sozialen Umfeld bestimmt werden, sehen Ökonomen in Netzwerken bestenfalls einen zusätzlichen Faktor, der helfen kann, bestimmte Phänomene besser zu erklären. Ein Verständigungsproblem zwischen den Forschern gibt es auch schon bei der Frage, was Netzwerke eigentlich sind: „Es gibt so viele verschiedene Definitionen von Netzwerken, wie es Forscher gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen“, stellt Ezra Zuckermann, Professorin für Strategisches Management vom renommierten Massachusetts Institute of Technology fest.

Bei der Erforschung von Netzwerken profitieren die Ökonomen davon, dass ihr Methoden-Arsenal immer besser wird. Dank der Kombination von mathematischen Verfahren und ökonomischen Modellen könne man Netzwerke leichter abbilden, meint etwa Matthew Jackson von der Stanford University. Und Professor Kosfeld aus Zürich greift seit einiger Zeit zur experimentellen Methode, um zu erforschen, wie Netzwerke funktionieren. Trotz der Fortschritte stehen die Ökonomen noch vor zahlreichen Hürden. Manche Netzwerke seien so groß, dass man sie kaum erfassen könne, meint der US-Forscher Matthew Jackson.

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