EZB-Studie Die wahren Ursachen der griechischen Tragödie

Eine EZB-Studie zeigt: Es war vor allem die Bankenrettung, die das Land in Not brachte. Denn das Kreditrisiko stieg massiv, während das der Banken in gleichem Ausmaß sank. Jetzt verlangen die Verursacher von dem Land Risikoaufschläge.
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Das Wahrzeichen von Athen, die Akropolis. Griechenland hat mit den Folgen der Rettungspakete zu kämpfen. Quelle: ap

Das Wahrzeichen von Athen, die Akropolis. Griechenland hat mit den Folgen der Rettungspakete zu kämpfen.

(Foto: ap)

FRANKFURT. Nördlich des Breitengrades von Mailand ist das Urteil über den hochdefizitären Staat Griechenland klar: "Selber schuld", heißt es, "erwartet bloß nicht, dass wir Euch rauspauken". Schließlich habe die griechische Regierung jahrelang viel zu viel Geld ausgegeben - nur deshalb stecke sie in Schwierigkeiten. Verschwenderische Länder vor dem Bankrott zu retten, würde die Anreize für eine sparsame Haushaltsführung bei dieser und bei anderen Regierungen beseitigen, wird die Ablehnung begründet.

Das Argument klingt stimmig, berücksichtigt die Fakten aber nur sehr selektiv. Ein Arbeitspapier aus der Europäischen Zentralbank (EZB) mit dem Titel "The Janus-Headed Salvation" (Die Janusköpfige Rettung) zeigt sehr deutlich, was die griechischen Schwierigkeiten vor allem hervorgerufen hat: die Finanzkrise und insbesondere die Pleite von Lehman Brothers.

Durch die Rettungspakete wurden die Bank-Risiken zu Staatsrisiken

Nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Mitte September 2008 haben die meisten Staaten - darunter Griechenland - umfangreiche Garantien für ihre Banken abgegeben. Außerdem päppelten viele Länder ihre angeschlagenen Geldhäuser mit neuem Eigenkapital auf und gaben Milliarden für riesige Konjunkturpakete aus, um die Schäden für die Realwirtschaft abzumildern.

Die beiden EZB-Ökonomen Jakob Ejsing und Wolfgang Lemke haben in ihrer Studie untersucht, wie sich das auf die Beurteilung des Ausfallrisikos von Staatsanleihen und von Bankanleihen ausgewirkt hat. Sie konzentrierten sich dabei auf den Preis für Versicherung gegen Zahlungsausfälle der Staatsanleihen, die sogenannten Credit Default Swaps. Das Ergebnis: Das Kreditrisiko der Staaten ist durch die Rettungspakete massiv gestiegen, das der Banken in etwa gleichem Ausmaß gesunken. Griechenland war davon nach Irland unmittelbar nach der Lehman-Pleite am stärksten betroffen.

Mit diesem einmaligen Anstieg war es aber nicht getan, wie die Autoren feststellen. Nach den Rettungsaktionen führte jede Verschlechterung der Wirtschaftsperspektiven bei den Staatsanleihen zu einem stärkeren Anstieg der Risikoprämien als vor Ausbruch der Krise. Bei den Banken war es umgekehrt. Dort verflachte der Anstieg. Letztlich bedeuteten die staatlichen Rettungsaktionen für die Finanzbranche also: Die Risiken, die in den Bilanzen der privaten Banken schlummerten, wurden von den Staaten übernommen. Dies führte dazu, dass an Finanzmärkten das Vertrauen in die Solidität der Staatsfinanzen sank.

"Die gleichen Marktteilnehmer, die die Regierungen vieler Länder in eine desaströse Haushaltslage gebracht haben, verlangen nun ?Risikoprämien', weil sie diesen Regierungen nicht mehr trauen", schreiben Heiner Flassbeck, Direktor der Division Globalisierung und Entwicklungsstrategien der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad), und seine Ko-Autorin Sonia Boffa in einem Aufsatz mit dem Titel "The Unbearable Lightness of Financial Markets" (Die Unerträgliche Leichtigkeit der Finanzmärkte). "Dieses Paradox muss von der globalen Gemeinschaft der Regierungen auf entschiedene Weise angegangen werden", fordern Flassbeck und Boffa.

Einige Argumente sprechen zudem dafür, dass vor allem die Regierungen der großen Länder an der Finanzkrise eine Mitschuld tragen. Sie haben den Ökonomen geglaubt, die die Effizienz der Finanzmärkte gepredigt haben, und sie haben sich von der mächtigen und finanzkräftigen Bankenlobby einwickeln lassen. Aus diesen Gründen haben sie die Finanzmärkte und das Bankgeschäft immer mehr dereguliert, und so die derzeitige Krise erst möglich gemacht, wie eine Studie von Moritz Schularik von der FU Berlin und Alan Taylor von der University of California at Davis nahelegt.

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13 Kommentare zu "EZB-Studie: Die wahren Ursachen der griechischen Tragödie"

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  • So viele Worte für eine einfache Wahrheit:

    Die Reichsten der Reichen herrschen mit der Macht des Geldes über Völker und Menschen und sind dabei diese zu erwürgen.

    Wo ist das ganze Geld, das überall in Europa fehlt? Wo ist es hingegangen?

    Die Hochfinanz - ich rede von mächtigen Familien und Privatpersonen - saugt das Blut aus den Opfern.

  • Aufgrund der Banken Krise, so sieht es nach diesem Artikel aus, haben die Banken das vorhandene Volksvermögen abgezogen und damit als Teilaspekt das Land in die Krise geführt. Die von der EU, EZB u. IWF aufgezwungen Sparbeschlüsse taten ein überiges um das Land finanziell auszutrocknen. Jetzt müssen dafür die Bürger büssen. Das Land ist destabilisiert und die Infrastuktur und das Gemeinwesen zusammengebrochen. Der schwarze Peter wird jetzt dem Volk aufgedrückt. Während die, welche ein Grossteil des Volksvermögens in Besitzen , sich aus der Verantwortung gestohlen haben. Nachdem man einen demokratisch gewählten Ministerpräsidenten nach Gutsherrenart EU mässig entmachtet hat, wie auch in Italien, wundert man sich darüber ,dass jetzt extreme Parteien hochgespült werden. Der Gedanke mal vorher den Souverän das Volk zu fragen ist den Akteuren aber nicht gekommen. Genauso wird hier mit dem ESM Vertrag verfahren.
    Kein Bürger der EU wird diesem bürokratischen Moloch in Brüssel eine Träne nachweinen , wenn das Kartenhaus zusammenfällt. EU heisst, Banken Rettung auf Knochen der Bürger und des Gemeinwesens.

  • Mal ein ganz anderer interessanter Ansatz. Das würde aber insbesondere eine große Verantwortlichkeit der USA und Großbritanniens für die jetzige Situation und damit auch für Griechenland bedeuten. Also sollten auch diese Länder verstärkt für Griechenland zur Kasse gebeten werden, zumal da sie sich im hinblick auf ihre Finazplätze New York und London schärferen Regeln für den Finanzsektor verweigern!

  • Merke: Trau keiner Studie der EZB! Die dient doch nur der nachträglichen Legitimation der Tatsache, dass sich Herr Trichet rechtswidrig über geltende Verträge hinweg gesetzt hat, um Ramschsanleihen aufzukaufen und die Banken seines Heimatlandes zu stabilisieren.

  • @Cangrande

    Das die deutschen Anleihen niedriger Verzinst sind hat mehrere Ursachen. Nummer eins stellt der Zins keinerlei realistische Risikodarstellung dar. Er ist mehr oder weniger eine Erwartung und kann somit auch daneben liegen. Nummer zwei hat Deutschland als größte europäische Volkswirtschaft deutlich mehr Einfluss auf die EZb und deren Geldpolitik. Würden die Zinsen steigen kann die deutsche Regierung deutlich mehr Druck auf die EZb aufbauen als es die Griechen könnten. Ein letzter Punkt sind die Gläubiger. Griechenland hat viele Schulden im Ausland, während Deutschland im innland verschuldet ist. Steigen die Zinsen könnten die innländischen Gläubiger diesen Anstieg durch eine Erhöhung der Steuern wieder verlieren. Es gibt also durchaus Gründe warum Griechenland stärker betroffen ist als Deutschland.

  • Noch ein Kommentar:

    Es wäre nicht schlecht gewesen, wenn Sie auch die Links zu den Studien angegeben hätten. Die EZb-Studie findet man unter http://www.ecb.int/pub/pdf/scpwps/ecbwp1127.pdf.

    ich war nach ihrem Artikel davon ausgegangen, dass sich die griechischen Finanzen durch ein griechisches banken-bailout verschlechtert hätten, aber so ist es ja gar nicht.
    ihre Argumentation läuft offenbar wie folgt:
    Durch das banken-bailout hat sich ganz allgemein die Risikowahrnehmung der investoren bei öffentlichen Anleihen verstärkt.
    Deshalb haben sich die griechischen Anleihen verteuert.
    Da wir an den banken-Zusammenbrüchen durch Regulierungsmängel mitschuldig sind, müssen wir Griechenland helfen.

    Das Loch in ihrer Logik: Deutsche Anleihen sind immer noch relativ niedrig verzins. investitionen in griechischen Anleihen SiND ein erhebliches Risiko. Finanzmärkte sollen doch Risiken einpreisen, auch um die Schuldner zu disziplinieren?
    Und das wollen Sie nun wieder aushebeln.

    Macht aber nichts, Sie sind nicht der einzige (mutmaßlich:) studierte Ökonom, der, sagen wir es mal ganz höflich, schwer nachvollziehbares Zeug redet.

  • Daraus ließe sich ableiten, dass große "Volkswirtschaften wie Deutschland mit großen banken und international führenden Zentralbanken, die die Deregulierung vorangetrieben haben, in einer besonderen Verantwortung gegenüber Ländern wie Griechenland stehen, die nun zu den Hauptleidtragenden zählen."
    Da Sie ein Gegenargument als "paradox" abtun, darf man logischer Weise das "ließe sich" getrost durch ein "lässt sich" ersetzen.

    Und folgern, dass Sie deutsche Hilfen für Griechenland fordern. Die begründung ist originell; mal was anders als die ollen Hellenen, Heiner Flassbecks Lohndumping-Tiraden oder die europäische Solidarität, die doch nun endlich mal anfangen muss, nachdem momentan nur so lumpige rund 5 Mrd. EU-Euronen nach Griechenland emigrieren (die relativ meisten davon zweifellos aus Deutschland).

    Aber, lieber Herr Häring, haben Sie nicht etwas vergessen? Unsere noch größere Verantwortung gegenüber irland, island - die Armen sind ja durch unsere Verantwortungslosigkeit noch mehr gebeutetelt worden?
    Und überhaupt, was ist mit dem ganzen Rest der Welt, Entwicklungsländer und so? Na und dann in der EU füttern wir nordischen Dukatenscheißer doch gewiss den ganzen sonnigen Süden mit unseren Goldeselausscheidungen?

    Also, Herr Häring, am besten Sie machen persönlich den Anfang und legen schon mal ihr Portemonnaie, Sparbücher usw. auf den Tisch. Werden Sie ihrer großen Verantwortung für Griechenland gerecht! ich werde Sie bewundern* - aber ganz gewiss nicht imitieren!
    *(als ein merkwürdiges Kuriosum)

  • Deshalb war ja z.b. H.Ackermann zur Party bei Frau Merkel, um im Kanzleramt die vielen Milliarden für die HRE zu fordern.
    Hauptgläubiger der HRE ist die Deutsche bank. Und so schließt sich der Kreis in Deutschland.

    Obama hat die zu große Macht der banken erkannt, und ist der erste der da vielleicht etwas tun will. gegen solche Überlegungen ist aber bieneMaja resistent.

  • Fakt ist: bevor die Finanzkrise eintrat hat Griechenland die bilanz gefälscht und das gehört nicht tolleriert, unabhängig davon, dass die Finanzkrise die Lage Griechenlands verschärft hat. Hätte Griechenland mehr Substanz mitgebracht, dann wäre die Finanzkrise besser ausbalanciert worden.

  • Na wenn DAS stimmen sollte, daß die bankenrettung nicht nur ursächlich die Pleite von island ist, sondern auch die Probleme Griechenlands verursacht, und selbst Staaten wie Deutschland sich eine weitere Rettung der banken nicht leisten können,

    dann kann nur eine Schlussfolgerung gezogen werden:

    Die banken sind die grössten Gefährder der Staaten, die banken zerstören die Grundlagen der Staaten in weit grösserer Form, als es Staatsfeinde, Kriege, Terroristen, je könnten.

    Wo bleibt der Einsatz des Militärs gegen lernresistente banker, warum hält sich der Verfassungsschutz nicht schon längst in den banken auf sondern schützt die Verfassung an Orten von denen nie eine Gefhr ausgeht, wo bleibt die Verurteilung von Kriminellen, die finanziell einen Staat ruinieren ?

    Der EZb bericht belegt klar und deutlich: Die banker sind die grösste Gefhr, die derzeit auf der Welt existiert. Schon die nächste blase (die ja schon voll da ist, man siehe Aktienkurse oder Carry Trades) lässt sich nicht mal mehr von Staaten wie Deutschland retten.

    Und es ist nicht so, als ob banken die beschädigung der Weltfinanz nicht ohne Vorsatz tun würden.

    SPERRT SiE ENDLiCH EiN!

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