Fed-Chef Bernanke Krise hat blinde Flecken der VWL offenbart

Ist die Finanzkrise auch eine Krise der Volkswirtschaftslehre? Bei einer Grundsatzrede an der US-Elite-Universität Princeton hat Ben Bernanke, Chef der US-Zentralbank Federal Reserve, seine Disziplin gegen Fundamentalkritik verteidigt – allerdings mit wenig überzeugenden Argumenten.
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Ben Bernanke: Etwas Selbstkritik hat der Fed-Chef zugelassen, aber mehr auch nicht. Quelle: dpa

Ben Bernanke: Etwas Selbstkritik hat der Fed-Chef zugelassen, aber mehr auch nicht.

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LONDON. Wenigstens wehrt sich mal einer. Seit der Finanzkrise steht die etablierte Makroökonomie im Kreuzfeuer der Kritik. Denn das, was die Welt an den Rand einer zweiten Großen Depression führte, hätte nach den Mainstream-Theorien eigentlich gar nicht passieren dürfen. Die Modellwelt der etablierten Makroökonomen fußt auf der Annahme, dass Menschen rational und Märkte so effizient wie stabil sind. Die vergangenen Jahre jedoch haben gezeigt: Mit der Wirklichkeit hat das nicht viel zu tun.

Auf wissenschaftlichen Konferenzen ist das Versagen der Makroökonomie daher schon lange ein großes Thema. Nur die Gescholtenen blieben bislang stumm: Die prominenten Makroökonomen versuchten, die Debatte auszusitzen.

Bis vergangenen Freitag. Da hat sich Ben Bernanke in die Diskussion eingeschaltet. Als Chef der US-Zentralbank ist er nicht nur eine Schlüsselfigur im Kampf gegen die Krise. Vor seinem Wechsel an die Federal Reserve Bank war Bernanke zudem einer der weltweit renommiertesten Professoren für Makroökonomie. Er hat das Gesicht seines Fachs seit den 80er-Jahren wie kaum ein anderer Ökonom geprägt.

An seiner ehemaligen akademischen Wirkungsstätte, der US-Elite-Universität Princeton, hat Bernanke jetzt eine Grundsatzrede zum Einfluss der Finanzkrise auf die Volkswirtschaftslehre gehalten.

Etwas Selbstkritik hat er zwar zugelassen, aber mehr auch nicht. In erster Linie hat er seine Profession verteidigt. Sicherlich müssten Volkswirte viel aus dieser Krise lernen. Aber: „Forderungen nach einem radikalen Umbau des Faches gehen zu weit.“ So seien die in der Makroökonomie gängigen Modelle, in denen die Forscher instabile Finanzmärkte per Definition ausgeschlossen haben, keineswegs wertlos. Man dürfe nur nicht vergessen, für welchen Zweck sie gemacht sind. „Die meiste Zeit – auch in normalen Rezessionen – ist ernsthafte Instabilität auf den Finanzmärkten kein Thema“, so Bernanke.

„Die Standardmodelle wurden für diese Nicht-Krisen-Perioden entworfen, und sie haben sich dabei als ziemlich nützlich erwiesen.“ Unter anderem hätten sie die wissenschaftliche Basis dafür gelegt, dass die Industrieländer vor der Krise eine 25 Jahre lange Ära mit niedriger Inflation und stetigem Wachstum erlebt hätten.

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4 Kommentare zu "Fed-Chef Bernanke: Krise hat blinde Flecken der VWL offenbart"

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  • ich empfehle die Lektüre von Jörg buschbeck bei GC2009. Da werden sie geholfen. Achtung, vom baum der Erkenntnis gibt es kein Zurück, und es ist am Anfang auch ein bisschen schmerzhaft.

  • „Die Standardmodelle wurden für diese Nicht-Krisen-Perioden entworfen, und sie haben sich dabei als ziemlich nützlich erwiesen.“ Unter anderem hätten sie die wissenschaftliche basis dafür gelegt, dass die industrieländer vor der Krise eine 25 Jahre lange Ära mit niedriger inflation und stetigem Wachstum erlebt hätten.

    RESPiCE FiNEM...

    25 Jahre ging es gut - erinnert an ein Zitat:

    "immerhin 12 Jahre gut gelebt"
    Hermann Göring

  • Der Mann hat nichts, aber auch gar nichts, kommen sehen. Als der US-Häusermarkt kurz vorm Kollaps stand und schon alle das Desaster kommen sahen, hat bernanke noch seelenruhig Normalität postuliert. Der muss sich vorkommen wie " Alice im Wunderland", weil sein Überbau komplett an der Wirklichkeit vorbei modelliert ist.
    Wenn er intellektuell überleben will, sollte er sich dringendst mit der Austrian School of Economics auseinandersetzen, aber vielleicht hat er ja eine ganz andere Agenda.
    Die FED, mit ihrem Würgegriff an der amerikanischen Gesellschaft, gehört auf jeden Fall auf den Müllhaufen der Geschichte.

  • "Die viel zu laxe Finanzmarktaufsicht war die ganz praktische Konsequenz davon. "

    Die Versorgung der Wirtschaftskreisläufe mit Geld stellt für mich eine hoheitliche Aufgabe da, wie bildung, Justiz und Verteidigung.

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