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Finanzkrise Weltwirtschaft war viel dichter am Abgrund als gedacht

Die Weltwirtschaft stand nach der Lehman-Pleite viel dichter vor einer zweiten Großen Depression als bisher angenommen. Das zeigt eine neue Studie. Bislang war der Vergleich zu 1929 unter vielen Ökonomen ein Tabu.
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Arbeitslose warten 1929 während der Großen Depression vor einer Suppenküche auf eine freie Mahlzeit. Quelle: ap

Arbeitslose warten 1929 während der Großen Depression vor einer Suppenküche auf eine freie Mahlzeit.

(Foto: ap)

LONDON. Es war ein monumentaler historischer Vergleich. So verwegen, dass sich viele Ökonomen vor einem Jahr kaum trauten, ihn laut auszusprechen: Die Wirtschaftskrise, die im Herbst 2008 nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers massiv an Schärfe gewonnen hatte, könnte sich im schlimmsten Fall zu einer zweiten Großen Depression ausweiten. Einer der ersten, der es wagte, diese Parallele zu ziehen, war IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard: Es bestehe die akute Gefahr einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale aus Deflation, steigenden Schulden und neuen Problemen im Finanzsektor, warnte er Anfang Januar 2009. Das Risiko sei zwar klein, aber im höchsten Maße gefährlich, sagte Blanchard.

Heute ist klar: Wahrscheinlich war das sogar noch deutlich untertrieben. Die Parallelen zur ersten Weltwirtschaftskrise waren weit größer, als es zu Jahresbeginn den Anschein hatte. Zu diesem Ergebnis kommt ein fünfköpfiges Forscherteam des Dubliner Trinity College und der US-Elite-Universtität Berkeley in einer neuen Studie. In einigen Bereichen war der Absturz sogar schlimmer als nach 1929. Nur der aggressiven Geld- und Fiskalpolitik ist es zu verdanken, dass uns anders als vor 80 Jahren die totale ökonomische Kernschmelze erspart geblieben ist. „Aus globaler Perspektive betrachtet hat die derzeitige Krise die Dimension einer Depression“, lautet das Fazit.

Wie dramatisch die Situation war, zeigt ein Blick auf die Aktienmärkte. In den ersten zehn Monaten nach Beginn der Talfahrt halbierten sich die Kurse an den Weltbörsen. In der Großen Depression lag das Minus im gleichen Zeitraum nur bei rund zehn Prozent. Selbst die Börsenrally, die im März 2009 einsetzte, erscheint im historischen Vergleich moderat – sie hat das Ausmaß der Kursverluste auf ein Niveau reduziert, wie es zu einem vergleichbaren Zeitpunkt in der Großen Rezession vorherrschte.

Auch der Kollaps des Welthandels war schlimmer als 1929/30. In der Großen Depression ist der Welthandel in den ersten zwölf Monaten nach Beginn der Talfahrt im Juni 1929 um rund zehn Prozent eingebrochen – diesmal war der Absturz rund doppelt so groß. Immerhin: Seit dem Frühjahr 2009 hat sich der Welthandel stabilisiert, im Sommer ist er sogar wieder etwas gewachsen. Noch immer ist das prozentuale Minus aber deutlich größer als zum gleichen Zeitpunkt in der Großen Depression.

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11 Kommentare zu "Finanzkrise: Weltwirtschaft war viel dichter am Abgrund als gedacht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Lasst nur die Fakten sprechen,die besagen die Finanzwelt steht am Abgrund. Zur beruhigung sei gesagt,das dies nichts neues ist.Jede Generation hat das schon erlebt.Zunächst kommt jetzt die inflation,Arbeitslosigkeit.Unsere Regierung hat deshalb einen Großauftrag vergeben: 14 neue Gelddruckmaschinen sind bestellt worden.Der größte Auftrag der jemals vergeben worden ist.Dabei sind unsere Euroscheine doch alle noch richtig sauber.Warum tun die das nur? Wer denken kann,tue dies bitte.

  • > Seriöse Vergleiche würden berücksichtigen,
    > dass der Dienstleistungssektor 1929
    > keine nennenswerte bedeutung hatte

    Seriös wäre es, festzustellen, daß 1929 Dienstleistungen weit verbreiteter waren als heute (und in Zukunft), denn damals konnte man sich die reine Menschenarbeit, von der Köchin und Magd über den Kofferträger bis zum noch leisten, die Automatisierung der Produktion war noch nicht so weit fortgeschritten daß der Preis zwischen Dienstlestung und Produkt so weit zu Gunsten des Produkts verschoben war wie heute.

    Warum also starten Sie mit ungenauen Vergleichen ?


  • Seriöse Vergleiche würden berücksichtigen, dass der Dienstleistungssektor 1929 keine nennenswerte bedeutung hatte - im Gegensatz zur Gegenwart. Auch die fiskalpolitischen Auswirkungen der Geldmengenpolitik der FED und EZb für die Preisstabilität werden sich erst noch zeigen. Für Lobpreisungen besteht kein Anlaß und bei historischen Vergleichen wäre Genauigkeit von Vorteil, will man nicht birnen mit Fallobst vergleichen.

  • bernanke u. Co. haben eine 29er Weltwirtschaftskrise mit mit Weimarer Gelddruckerei bekämpft. Zwei mal Minus gibt plus? - Oder vielleicht doch ein Doppelminus, am Ende? - Wir werden es noch erleben!

  • Die Welt steht VOR einer grösseren Katastrophe als 1929, denn es wurde nur die instabile Zustand durch noch billigeres geld verlängert, man sieht es an den Aktienmärkten, und NiCHTS von den Fehlern korrigiert.

    Also meine Lieben die glauben es wäre schon alles vorbei: Zieht euch warm an!

  • Schwarzseher müsste man nicht sein.
    Man müsste eher die banken aufsplitten, so dass die einen an der börse ( aber bitte mit ihren eigenen Kapital ) spielen dürfen und die anderen sich um die Finanzdienstleistungen kümmern, welche für den Stand der heutigen Weltwirtschaft unabdingbar ist.
    banken haben eine derartig viel zu wichtige Wirtschaftsrolle, als das diese sich an den Weltbörsen ruinieren dürfen. Heute steht und fällt der gesamte Weltwirtschaftshandel mit den banken.
    Entweder gibt es eine bank die Geld verleiht oder banken die am Spielcasino sitzen oder andere die wichtige Geldtransaktionen durchführen. Eine Welt ohne banken würde natürlich auch gehen. Hoffentlich sind genügend Politiker im boot, die dem bürger und Steuerzahler das Erbe der Spekulation an den börsen bezahlen lassen wollten. Fragen wir doch einfach mal andersherum. Was wäre passiert wenn die banken nicht gerettet wurden wären? Wären wir heute alle obdachlos, nur weil die banken die Häuser hätten verkaufen wollen? Wären alle, die Schulden bei den banken gehabt hätten, vor Gericht auf das letzte Hemd verklagt wurden? Und andere, die großes Geld angelegt hätten? Schlechte banken wären pleite und andere hätten diesen Platz eingenommen.
    Japan eines der Länder, wo es beispielos zu betrachten ist. Asienkrise in den 90zigern. Ausgelöst durch einen Grundstückswertverfall. bis Dato ein unding, Familiengrundstücke zu verkaufen.
    Damit kam eine schwere bankenkrise, die zu einer schweren Asienkrise führte. Kommt einen sehr bekannt vor. Deflation über Deflation seither in Japan. Doch zum Glück sind Japaner exportorientiert und jagen ein Konjunkturprogramm nach dem nächsten, so dass das schlimmste den Japanern erspart blieb. Naja..., laut Klimagipfel steht den inselbewohnern das Wasser bis zum Hals. Aber auch die gigantischen Schulden. bitte, wenn das die Lösung für Amerikaner und Europäer ist. Dann frag ich mich, wieso der Dax dieses Jahr so gewaltig gewinnen konnte? Ein gewaltiger Wirtschaftseinbruch und die Aktien überschlagen sich, als hätten wir ein boom von 10% Wirtschaftsleistung. Gesponsort durch die Notenbanken! Normal müsste der Dax bei 2.500 Punkten stehen. Lol, es sind 6.000 ! Wir knacken sicher noch die 10.000 Punkte, bevor allen klar ist, das keiner mehr einen Job hat. Und das glauben Leute, die dort arbeiten! Klar, wer jagt sonst die Kurse da hoch? Das Schlimmste ist, der nächste Crash kommt. Also liebe Steuerzahler, wir freuen uns schon auf die nächste bad-bank ! Schließlich brauchen wir die ja, da es keine Good-bank mehr gibt, oder etwa doch?

  • ich sehe keinerlei indizien für eine Weltwirtschaftskrise sagte am 18.05.2008 unser Josef bei Spiegel-tv.
    Schon mehrmals hat er Lichter am Ende des Tunnels gesehen. War aber immer der Gegenzug. Jetzt haben wir ein größeres Problem, weil wir ein Gleis abgebaut haben, um die bankenrettung bezahlen zu können. Hat also nichts mit Pessimismus, Schwarzseher oder Endzeitprophet zu tun. Eher mit gesundem Menschenverstand und damit, welchen bruchteil der Krise man sich gerade betrachtet und dann zu welchem Ergebnis kommt. betrachtet man allerdings die gesamte Krise und die Ursache, dann hilft nur noch beten.
    Nur mal zur Erinnerung. Die große Depression, die in ihrer Dimension nur ein bruchteil der heutigen war, wurde in den USA erst mit dem Eintritt in den 2.WK beendet, in Deutschland bereits ein paar Jahre vorher durch Rüstungsvorbereitungen.
    Und durch was soll die derzeitige Krise beendet werden? Durch Hoffnung? Abwarten? Wegschauen?
    Na ja, leider lassen wir uns von „Vorbildern“ zu stark einlullen, siehe erster Satz. Der Unterschied ist der, dass Josef das Problem im vollem Umfang kennt, 99,5% der bevölkerung aber nicht mal einen bruchteil der Krise sehen, sehen wollen.

  • Liebe Schwarzseher und Endzeitpropheten.
    Die Welt geht nicht unter, bloß weil ihr dass wollt. in einem bin ich mir sicher - es werden umwälzende Dinge geschehen - das tun sie nämlich jeden Tag. Nur sind die meisten von uns nicht in der Lage, diese zu sehen, weil sie aus ihren kleinkarierten Ecken nicht heraus kommen. Das die Lage fordernd ist, ist sonnenklar. bisher haben es die Menschen aber als Herausforderungt begriffen. Es könnte jedoch sein, dass die meisten in den industriestaaten zu lange zu satt waren. (Das trifft auch für die sogenannte Unterschicht aber viel mehr noch für die Oberschicht zu)
    Die Degenerierung die aus ererbten Vorteilen erwächst ist bei breiten bevölkerungsschichten nicht zu übersehen. Nur - es müssen leider nicht mehr alle arbeiten und das ist eigentlich gut so - schön wäre es, wenn die Freizeit nicht mit Verblödung angefüllt wäre.
    Ein beispiel für die "schöne neue Welt" gefällig?
    Wikipedia: Werbefrei, kostenlos und GANZ vielen Menschen getragen. (Aber auch dieses Projekt ist dabei, sich zu überheben)

  • Die deutsche Lehman-Lüge. Der Fall der Lehman-bank hat Kapital und Vertrauen vernichtet. Sagen deutsche Politiker und bankchefs. Das ist die Unwahrheit - und sie wissen es. Die Pleite am 15. September 2008 war nicht der Auslöser der Entwicklung. Die Finanzhäuser hierzulande gerieten schon Jahre zuvor in Schieflage. Lehman verschwand später. Leider ist die Grafik dazu im internet nicht mehr auffindbar. Habe sie aber bereits in meine Homepage unter der Rubrik „Geld“ eingebaut.
    Das Hauptproblem der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise, ist der ca. 1600 billionen Dollar
    große Derivatemarkt, der noch in unzähligen Kellern von banken schlummert und erst ein kleiner Teil davon ans Tageslicht kam, weil sie fast alle außerbilanziell gehandelt wurden. Und schon da standen und stehen die banken schon vor dem Kollaps. Lustig wird es dann, wenn die banken die Hunderte von Milliarden Euro, bzw. 1,5 bio. Dollar an die Zentralbanken zurückzahlen müssen, die bisher ganz schamlos an der börse verzockt wurden. Oder, wie es vor ein paar Tagen schon ein Forist hier beschrieben hat, wenn die Zinsen nur um 2 oder 3 Prozent steigen, sind die meisten Staaten sofort zahlungsunfähig. Die Wahl der Qual. Der erträumte Aufschwung – eine Fata Morgana..

  • Weltwirtschaft war viel dichter am Abgrund als gedacht. Ein toller Kommentar von Herrn Storbeck. Nur mit dem Wort „war“ anstatt „ist“ bin ich nicht einverstanden.
    Durch die gigantischen bankenrettungs- und Konjunkturprogramme hat man die Krise nicht nur um 2 – 3 Jahren verschoben, sondern sie noch weiter verschärft.
    Hätte Herr Storbeck die bisherigen offiziellen, aber auch inoffiziellen Hilfen addiert, dann könnte sich der Leser selbst einen kleinen Überblick über den Fortgang der Krise verschaffen, die in ihrer Dimension um ein mehrfaches größer ist als die Krise Ende der 20er. Dass sich die Krise sogar erst am Anfang befindet, verdeutlichen die gigantischen Staatsverschuldungen. Die der USA liegt lt. unabhängigen Experten schon bei über 50 bio. Dollar. Und gerade dort sind alle Rettungspakete fast wirkungslos verpufft. Die USA haben in den letzten 20 Jahren die Weltwirtschaft am Laufen gehalten. Ein Großteil des Konsums wurde auf Kredit finanziert. Jetzt hat es sich ausgepumpt und die bürger stehen vor gigantischen Schuldenbergen von ca. 2,5 bio. Dollar bei Kreditkarten- und Kleinkrediten. Eine immer höhere Arbeitslosigkeit lässt auch an der Rückführung dieser, im Gesamtbild gesehen, sehr kleinen Schuldenberge zweifeln. Die Realwirtschaft befindet sich auf dem Stand derer der DDR anno 1989.
    Es wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis sich die größte Volkswirtschaft der Welt wieder erholen wird, wenn überhaupt. bei vielen anderen Länder könnte man zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommen. immer mehr Länder werden zahlungsunfähig.
    Die Weltwirtschaft ist viel dichter am Abgrund als viele glauben wollen.

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