Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Geldpolitik Was die Deutschen über die EZB wissen

Selten war effektive Geldpolitik so wichtig wie heute. Doch laut Forschern wissen die Deutschen mitten im Überlebenskampf des Euro erschreckend wenig über die Maßnahmen der Zentralbanker in Europa.
11.11.2011 - 13:08 Uhr 11 Kommentare
Statt Verständnis Protest: Das belagerte Gelände der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Quelle: dpa

Statt Verständnis Protest: Das belagerte Gelände der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Er sah die Antwort auf die Frage als seine Mission an – doch geliefert hat er sie nicht: „Was genau ist die Aufgabe der Europäischen Zentralbank?“ Das wollte Ex-Zentralbankchef Jean-Claude Trichet den Europäern „umfassend“ und „leicht zugänglich“ erklären. Schließlich sei es für die EZB wichtig, dass die Menschen verstehen, warum Geldwertstabilität die Voraussetzung für den Wohlstand ist, schrieb der Franzose staatstragend in einer EZB-Broschüre.

Doch statt einfacher Erklärungen liefern die Banker auf knapp 80 Seiten komplizierte Satzgebilde, die aus einer Uni-Vorlesung stammen könnten. „Aufgrund seiner Liquidität erbringt Geld seinem Besitzer eine Dienstleistung, indem es Transaktionen erleichtert“, schreiben die Autoren, um zu erklären, wozu man Bargeld benötigt. „Da braucht man einen BWL-Bachelor, um das zu verstehen“, kritisiert Edith Neuenkirch, die gemeinsam mit dem Marburger Makroökonomen Bernd Hayo erforscht hat, wie gut die Deutschen über Geldpolitik Bescheid wissen.

Ihre Ergebnisse sind ernüchternd: Mitten in der Krise verstehen die Deutschen nicht, welche Rolle die EZB in der Wirtschaft spielt. Über die Aufgaben und Instrumente der Zentralbank wissen sie bestenfalls bruchstückhaft Bescheid. Die Mehrheit weiß weder, dass die Institution unabhängig entscheiden soll, noch welche Folgen eine Leitzins-Erhöhung hat. Die Unwissenheit der Bürger könnte die Legitimation der EZB schwächen und zur Gefahr für den privaten Geldbeutel werden, befürchten die Forscher.

Wie weit verbreitet die Defizite sind, offenbart unter anderem die Studie des Frankfurter BWL-Professors Guido Friebel, der schon vor zwei Jahren über 2000 Wirtschaftsstudenten zur Krise befragte: Selbst die angehenden Ökonomen können grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge oft nicht erklären, bilanzierte der Forscher. Wichtige EU-Politiker wie den Ratspräsidenten Herman Van Rompuy, kennt nur jeder vierte Deutsche. Im internationalen Vergleich rangiert die Bundesrepublik in Sachen ökonomischer Sachverstand im Mittelfeld, weit abgeschlagen hinter Finanzmetropolen wie Singapur und Hongkong, zeigte der italienische Ökonom Tullio Jappelli kürzlich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Diese eklatanten Wissenslücken stehen im starken Gegensatz zur Dringlichkeit, mit der die Sorge ums Geld den Deutschen unter den Nägeln brennt. Die repräsentative Erhebung des Marburger-Forscher-Duos, durchgeführt von der Gesellschaft für Konsumforschung, brachte ans Licht: Fast jeder Dritte hält „die Bekämpfung steigender Preise langfristig für Deutschland für am wichtigsten.“

    Link zum kostenlosen Download der im Text zitierten Studien

    Wer wenig Ahnung von Wirtschaft hat, geht höhere Risiken ein
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: Geldpolitik - Was die Deutschen über die EZB wissen
    11 Kommentare zu "Geldpolitik: Was die Deutschen über die EZB wissen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • „Da sich Amerikaner, die sich mit Finanzen kaum auskannten, im Vorfeld der Finanzkrise besonders häufig Hypothekenkredite aufschwatzen ließen, halten einige Ökonomen die Defizite sogar für einen Mitverursacher des globalen Crashs“.
      Falsch!!
      Nicht die ca. 12Bio. $ Hypothekenkredite, von denen nur ein kleiner Teil notleidend war, war die Ursache für den globalen Crash, sondern die betrügerischen Verbriefungen, aus denen dann ca. 600 Bio.$ Vermögenswerte entstanden, bevorzugt an die stupid German-Landesbankster verkauft. Als die Bankster dann feststellten, dass in den Weihnachtspaketen, die mit AAA und einer grünen Ampel gekennzeichnet waren, nichts als heiße Luft drin war, ja dann wollten alle wieder diese Weihnachtspakete zurückgeben. So entstand die globale Finanzkrise, daraus wurde dann die Staatschuldenkrise und jetzt der Kollaps des Finanzsystems.

      Eigentlich wollte ich ja zur EZB kommentieren. In den europ. Verträgen wurde genau festgelegt, was die EZB tun darf und lassen muss, zum Schutze von uns Deutschen, damit bei der Aufgabe der starken D-Mark kein Volksaufstand ausbrach.
      Zwischenzeitlich wurden sämtliche Vereinbarungen in den Maastricht-Verträgen, die die Grundlage für den Euro bildeten und zum Schutze für uns Deutsche gedacht waren, außer Kraft gesetzt.
      All diese Finanzhilfen sind demokratisch in keiner Weise legitimiert. Das gilt insbesondere auch für die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Das ist nicht zulässig. Das ist Hochverrat!!

      Trichet ist der Leichenbestatter, kommentierte Prof. Dr. Wilhelm Hankel.
      http://siggi40.de/geld/

      Die EZB, die die Sparguthaben der Deutschen innerhalb Europas verteilt, ist so fehl am Platz wie ein Kropf im Hals. Man sollte wieder die Todesstrafe einführen und die Guillotine zum Leben erwecken.

    • Wirtschaftskunde war jedenfalls früher in den Unterrichtsplänen aller Schulen mehr oder weniger ein schwarzer leerer Raum. Das scheint sich heute auch noch nicht wesentlich geändert zu haben.

    • "Wir sind das Volk," "Wir sind immer die Deppen." Es ist erschreckend wie wenig wir von Politik versteh! wir verstehen so wenig von Politik und wir sind so schlecht informiert, dass man uns nicht einmal abstimmen lässt.

      Dagegen war Papandreo noch ein echter Demokrat. Aber danach war hier nicht gefragt.

      Eines wissen wir: Die EZB ist keine DEUTSCHE BUNDESBANK! Weder vom Namen noch von der Arbeitsweise. die Deutsche Bundesbank wurde entmachtet, aber ihre Aufgabe, ihr faktisches Handeln wurde von niemandem übernommen.

      Die Bundesbank war in ihrer Finanzpolitik politisch unabhängig. Heute erfahren wir, dass die Politik die Finanzpolitik "macht". Das Ergebnis sehen wir auch.

      Nicht nur die FDP erscheint als Azubi-Truppe. Nein, die ganzen Regierungen sind finanzpolitische Azubis und jetzt entert noch einer die EZB. Ohne dass hier eine Persönliche Haftung rein kommt, ändert sich nichts.

      War das die Antwort zur Frage?

    • Warum die Deutschen so wenig über unsere EZB wissen ?
      Ganz einfach, die Masse interesiert es überhaubt nicht!
      Hauptsache, abends vor der Klotze,das Bier und Chips bereit
      und ein oder zweimal im Jahr, Ballermann auf der Insel.Was will der
      Deutsche mehr?
      Unter diesen Verhaltensmustern läßt sich sehr gut Politik
      machen.Die Bevölkerung in Deutschland wacht erst auf, wenn
      es zu spät ist.Dann reiben sie sich verwundert die Augen und verstehen die Welt nicht mehr,was sie ja auch vorher nicht taten.
      Zynisch meine Ausführungen, ja, aber leider das Resultat
      meiner Analysen.Bei vielen täglichen Gesprächen zu Politik,
      und aktuell Euro und Schuldenkrise, es interesiert niemanden.Alle stecken ihren Kopf in den Sand, verschliesen
      Augen und Ohren. Eine solche Lethargie des Volkes habe ich
      in Deutschland zuvor noch nie erlebt.
      Da bleibt einem nur,eben, der " Zynismus "

    • Na sag a mal gehts noch? Unter Gleichschaltung der Medien, am Volk vorbei werden in irgendwelchen Hinterzimmern bindende Verträge ausgehandelt, die dann gebrochen werden. Zu all dem wird der deutsche Bürger aussen vor gehalten und nicht befragt. Dann fährt dieses ideologisch bornierte, von politischen Volldeppen protegierte Euro-Fehlkonstruktukt an die Wand UND SCHULD IST DER BÜRGER - wie krank wirds noch mit der EU??!

    • Die Befragten müssen sich ja vor Lachen gekringelt haben. Denn wenn auf dem Markt die Rohstoffpreise steigen, die Inflation sozusagen von außen kommt, wird dem Bürger der Job weggezinst.
      In dieser Beziehung sind die Chinesen schlauer. Sie bevorraten sich bei Ebbe. Aber unsere Ökonomen sind ja nicht nur Erbsenzähler. Sie Forschen und werden eines Tages zu Erkenntnis gelangen, daß BWL und VWL in einem Boot sitzen und lediglich in eine entgegengesetzte Richtung rudern.

    • Was nutzt das Wissen um die Aufgaben der EZB, wenn diese doch macht, was sie gar nicht darf ?
      Es reicht doch, um die deutsche Ohnmacht in der EZB zu wissen, wo dieser Statt, der immer und ewig zu zahlen hat, nichts zu melden hat, da er durch die sog. "Südländer" permanent überstimmt wird.
      Kürzlich kam - seit langem - mal wieder ein vernünftiger Gedanke aus der CDU. Peter Hinze hat gefordert, das die Stimmverhältnisse in der EZB an der wirtschaftlichen Bedeutung der sie tragenden Staaten ausgerichtet wird. Und was sagt unser allwissender Finanzminister: Er hält das für bedenklich.
      Welches Ziel verfolgen diese Leute eigentlich?

    • BWL-Studium muss nicht zwingend sein. Lesen Sie "Nieten in Nadelstreifen", hat ewige Gültigkeit!

    • „Wer soll das alles bezahlen?“- Das ist doch eine gute Frage. Ich würde sie einmal an die EZB richten, die seit geraumer Zeit massenhaft Schrottanleihen aufkauft und EBEN gerade NICHT ihren Verpflichtungen nachkommt, zumal der deutsche Steuerzahler hier erheblich zur Kasse gebeten werden wird, sobald es in Kürze zum unausbleiblichen Crash kommt. Wieso sitzen eigentlich unsere Politiker so still da, während die EZB mittlerweile über das 440-Milliarden-Rettungsschirmspaket hinaus Schrottanleihen aufkauft?- Aber es stimmt schon, die meisten Deutschen interessieren sich offensichtlich gar nicht dafür, dass ihnen soeben ihre Demokratie, die Freiheit und der Wohlstand zerstört und weggenommen wird. Übrigens gerade auch mit Hilfe der EZB!

    • Tja, die "Dummen" oder besser die Nichtinformierten sind letzlich die Gezwickten. Darüber, ob es angebrachter ist, die große Masse in einem küstlichen Dämmerzustand zu belassen oder nicht, kann man sich streiten. Die Frage "wer soll das bezahlen?", gibt eigentlich die Antwort.

    Alle Kommentare lesen
    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%