Geschichte des Unternehmertums Vom Zwiebelhändler zum Milliardär

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Die Kulturen im antiken Griechenland und im kriegerischen Rom dagegen waren unternehmerfeindlich: Als findiger Gründer konnte man es in der kulturellen und philosophischen Blütezeit nicht weit bringen. Mit Waren zu handeln oder handwerklich zu arbeiten war Sache von Sklaven und Außenseitern. Soziale Anerkennung und Landbesitz gab es stattdessen für militärische Erfolge.

„Es war lukrativer zu erobern, als neue Dinge zu erfinden“, schreibt Ökonom Michael Hudson. In Sachen Unternehmertum müsse die klassische Antike daher als „erfolglose Phase der Ausbeuterei angesehen werden“, resümiert der Forscher. Niemand habe ernsthaft etwas unternommen, um den Lebensstandard oder die Produktivität zu erhöhen.

Wiederbelebt wurde der Unternehmergeist, so die Autoren, durch die Ausbreitung des Islams im siebten Jahrhundert. Neben den kulturellen Gepflogenheiten spielt die Religion eine wichtige Rolle. Kein Geringerer als Prophet Mohammed gilt den Forschern als Erwecker des Unternehmertums. Er habe „immensen sozialen, politischen, ökonomischen und militärischen Einfallsreichtum“ vorgelebt, als er mit seinen Anhängern von Mekka nach Medina übergesiedelt sei, um dort ein rudimentäres Staatssystem aufzubauen.

Nach diesem Vorbild hat sich in den folgenden Jahrhunderten in der schnell wachsenden islamischen Welt ein einheitliches Vertrags- und Rechtssystem entwickelt – eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Entrepreneurship. Bis ins frühe Mittelalter gehörten islamische Unternehmer zu den innovativen Trendsettern ihrer Zeit. Einer von ihnen war der Ägypter Abu Taqiyya. Gemeinsam mit Geschäftspartnern baute er ein ganzes Konglomerat von Kaffeehäusern auf – das Starbucks des Mittelalters.

Ob Taqiyya bereits Latte Macchiato im Angebot hatte, ist nicht überliefert. Als gesichert gilt dagegen, dass der Unternehmer die Zuckerproduktion am Nil zum Leben erweckte, der Kaffee also eine süßliche Note gehabt haben dürfte. Mehr als mit dem richtigen Aroma hatte der Kaffee-Krösus aus Kairo mit Geschäftspartnern und dem Mob auf der Straße zu kämpfen. Islamische Traditionalisten hielten die braune Brühe für ein sündhaftes Getränk und zerstörten einige Kaffeehäuser. Auch mit seinen Geschäftspartnern geriet der gewiefte Geschäftsmann Taqiyya immer wieder aneinander. Alles, was heute über ihn bekannt ist, stammt aus Protokollen von Gerichtsverfahren.

Spätestens im Mittelalter zeigt sich, dass soziale Anerkennung und unternehmerfreundliche Religion alleine nicht ausreichen, um in einer Gesellschaft dauerhaft für Wachstum und Fortschritt zu sorgen. Damit Unternehmer einen Anreiz haben, Risiken einzugehen, sind funktionierende Institutionen und gründerfreundliche Gesetze notwendig, zeigen die Untersuchungen der Wirtschaftshistoriker. Das islamische Rechtssystem beispielsweise war nicht für die aufkommenden Großunternehmen gemacht: Taqiyyas Kaffee-Imperium zerfiel direkt nach seinem Tod. Schuld daran war das egalitäre islamische Erbrecht: Weil Unternehmen keine juristischen Personen waren, konnten sie nicht ganzheitlich vererbt werden. Das Vermögen wurde aufgeteilt, selbst entfernte Verwandte hatten Ansprüche auf Teile der Hinterlassenschaft.

In Europa dagegen ermöglichte zunehmende Rechtssicherheit ein völlig neues Geschäftsmodell: Im Mai 1553 schlossen sich drei mutige Engländer zur „Moscovy Company“ zusammen und machten den vielleicht entscheidenden Schritt zum profitmaximierenden, kapitalistischen Entrepreneurship.

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