Im Gespräch: CEP-Chef John van Reenen „Deutsche Manager sind sehr gut“

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Was können deutsche Unternehmen von amerikanischen lernen?

Den besseren Umgang mit ihrem Personal. Unternehmen, die ihre Leute gut führen, sind deutlich produktiver. In amerikanischen Firmen machen vor allem die Karriere, die besonders gute Arbeit leisten und sich überdurchschnittlich anstrengen. In Deutschland und anderen Ländern gilt bei Beförderungen viel stärker das Senioritätsprinzip. US-Firmen geben sich auch viel mehr Mühe, gutes Personal zu halten und die besten Leute einzustellen. Und sie gehen besser mit Versagern um.

Indem sie sie feuern?

Das allein wäre nicht „best practice“. Das beste Vorgehen ist: Man identifiziert systematisch diejenigen, die schlechte Arbeit leisten, und versucht, ihnen auf die Beine zu helfen. Zum Beispiel durch Weiterbildung. Erst wenn das nicht hilft, sollte man sich von Underperformern trennen. Das tun europäische Unternehmen nicht besonders gerne.

Die Kündigungsschutz-Gesetze machen das aber auch schwerer als in den USA.

Das stimmt. Es gibt eine starke Korrelation zwischen der Flexibilität des Arbeitsmarktes und der Personalführung. In Ländern, in denen der Arbeitsmarkt flexibler ist, ist das Personalmanagement viel besser. Allerdings gibt es auch Dinge, die Europäer leicht anders machen könnten. Es gibt ja kein Gesetz, das es ihnen verbietet, gute Leute statt Altgediente zu befördern.

Also fehlt es auch an Kreativität?

Ich will Ihnen ein Beispiel geben. Als Geldautomaten aufkamen, gab es Länder, in denen die Banken es schafften, ihre Mitarbeiter umzuschulen und für Beratungsaufgaben einzusetzen. Deutsche Banken taten sich damit schwer.

Ein Unternehmen kann sich wohl nicht den Regeln und der Kultur seines Heimatlandes entziehen.

Manche Firmen zeigen, dass es möglich ist, diese Hürden zu überwinden. Multinationale Konzerne aus den USA schaffen es sehr gut, ihre Management-Praktiken und Strukturen zu exportieren. Selbst in Indien oder China, wo die Management-Qualität insgesamt viel schlechter ist, sind US-Multis fast genauso gut geführt wie in ihrer Heimat.

Was folgt aus dieser Erkenntnis?

Eine optimistische Botschaft. Es ist nicht unmöglich, seinen Management-Stil zu verbessern, selbst in Ländern wie China oder Indien. In Europa ist die Personalführung in den US-Multis meist besser als in den heimischen Unternehmen, obwohl sie den gleichen gesetzlichen Vorgaben folgen müssen. Die DNA eines Landes hindert Unternehmen nicht, Dinge auf eine bestimme Art und Weise zu machen. Sie kann eine Hürde sein, aber die kann man überwinden.

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