Im Gespräch: CEP-Chef John van Reenen „Deutsche Manager sind sehr gut“

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Wie wichtig ist moderne Informationstechnologie für die Produktivität von Unternehmen?

IT spielt eine große Rolle – aber offenbar nur, wenn die Unternehmen gut gemanagt sind. Um neue Technologien optimal zu nutzen, muss man meist seine Arbeitsorganisation ändern, die Mitarbeiter müssen sich umstellen. Gut geführte Unternehmen kriegen das hin, schlecht gemanagte haben dabei erhebliche Probleme. Das ist wahrscheinlich eine Erklärung dafür, warum Amerikaner die Chancen moderner Informationstechnologie schneller und besser genutzt haben.

Was folgt aus all dem für die Wirtschaftspolitik?

Durch die Globalisierung wird der weltweite Wettbewerb härter. Wir erleben einen darwinistischen Prozess. Um damit gut umgehen zu können und sich an neue Bedingungen gut anpassen zu können, muss die Wirtschaft flexibel sein. Das ist die Herausforderung für Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Europa 50 Jahre lang eine gewaltige Aufholjagd. Mitte der neunziger Jahre hatten wir Amerika fast eingeholt. Das ist ein gewaltiger Erfolg. Aber jetzt braucht man andere Fähigkeiten. Wir müssen Institutionen entwickeln, die es uns leichter machen, mit einer neuen Ära klarzukommen, in der es mehr Innovationen und Veränderungen gibt. Das ist eine politische und soziale Herausforderung genauso wie eine ökonomische.

Wo sollte die Politik ansetzen?

Dass wir Reformen brauchen, ist eine Binsenweisheit. Der entscheidende Punkt ist: In welcher Reihenfolge gehen wir die Dinge an? Wir müssen die Schritte so wählen, dass die Reformen durchsetzbar sind. Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland gab es unter Bundeskanzler Gerhard Schröder eine entschlossene Bewegung in Richtung flexible Arbeitsmärkte, die Hartz-Reformen sind der richtige Weg. Jetzt wird in Deutschland das bereits Erreichte teilweise wieder zurückgedreht.

Weil die Reformen extrem unpopulär sind. Warum ist der Rat von Ökonomen unbeliebt?

Zum Teil liegt es vielleicht daran, dass Volkswirte nicht gut sind beim Vermarkten ihrer Ideen. In Deutschland ist die Arbeitslosigkeit wahrscheinlich durch die Hartz-Reformen gesunken. Aber die Menschen schreiben es nicht der Agenda 2010 zu. Wir Volkswirte sind davon überzeugt, aber es ist enorm schwierig, das dem Mann auf der Straße zu erklären. Da müssen wir uns mehr Mühe geben. Aber es gibt auch ein fundamentales Problem: Jede Reform hat Gewinner und Verlierer. Und bei Arbeitsmarkt-Reformen sind diejenigen, denen es wehtut, viel klarer zu identifizieren als die Leute, die davon profitieren. Daher schreien die Verlierer viel lauter auf.

Müssen Reformen denn immer wehtun?

Es gibt durchaus Dinge, die einfacher sind als der Umbau des Arbeitsmarktes. Ein gutes Beispiel ist die Wettbewerbspolitik. Höhere Konkurrenz auf den Gütermärkten kann ein Treiber für viele andere Reformen sein. Daher sollte sich die Politik zuerst auf den Gütermarkt konzentrieren.

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