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„In Ehren ergraut“ Warum eine Börsensteuer nichts taugt

Die gute alte Börsensteuer wird immer mal wieder von Politikern und Aktivisten als gute Lösung gegen böse Spekulanten gepriesen. So setzt sich auch Bundeskanzlerin Merkel noch immer für die Transaktionssteuer ein. Ökonomen kritisieren allerdings, dass die Strafe damit die Falschen trifft.
14 Kommentare
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Die "alte Dame" Transaktionssteuer konnte sich bisher noch nirgendwo durchsetzen.

(Foto: Klaus Meinhardt)

DÜSSELDORF. Wirtschaftswissenschaftler können schon mal ungemütlich werden. Harald Hau zum Beispiel macht keinen Hehl daraus, wie falsch er das Gerede von „dem bösen Treiben auf den Finanzmärkten“ findet. Der Professor für Finanzwirtschaft an der Business School Insead im französischen Fontainebleau drückt es allerdings etwas akademischer aus, er spricht von einer „tiefgreifenden intellektuellen Verwirrung“.

Diese Verwirrung führe dazu, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich auch auf dem heute beginnenden EU-Gipfel noch immer für eine am besten weltweite Steuer auf Finanzmarkttransaktionen einsetze, um Spekulationen zu begrenzen. Sie werde dafür werben, dass diese sogenannte Börsensteuer und eine Bankenabgabe in Europas Position für den G20-Gipfel in der nächsten Woche einfließe, sagte ein Regierungsvertreter.

Thorsten Beck bezeichnet die Finanztransaktionssteuer daher als eine „in Ehren ergraute alte Dame“. Der Professor für Finanzwesen im niederländischen Tilburg und Leiter des European Banking Centers meint damit, dass diese Steuer immer mal wieder in den Blick von Wissenschaftlern, Politikern und gesellschaftlichen Gruppen gerückt sei. In Zeiten der aktuellen Krisenbewältigung soll sie nicht nur die Spekulationen begrenzen, sondern auch noch Geld in die öffentlichen Haushalte spülen und die Banken in die Verantwortung nehmen. Doch bislang ist die gute alte Dame noch in keinem Land angekommen.

Die Transaktionssteuer geht auf den US-Ökonomen James Tobin zurück. 1972 hatte er sie entworfen. Die Idee: Mit einer sehr niedrigen Steuer von zum Beispiel 0,05 Prozent auf alle internationalen Devisentransaktionen wollte Tobin kurzfristige Spekulationen auf Währungsschwankungen unattraktiver machen. Um Einnahmen ging es dem inzwischen verstorbenen Nobelpreisträger von 1981 nicht. Seit fast vierzig Jahren aber taucht die Transaktionssteuer immer wieder in der öffentlichen Diskussion auf.

Immer wieder erscheinen wirtschaftswissenschaftliche Studien, mehrere haben gezeigt, dass durch höhere Transaktionskosten, also auch durch eine Besteuerung der Transaktionen die Liquidität in den Märkten sinkt. Dieser Verlust an Geschäftsvolumen aber führt dazu, dass die besteuerten Transaktionen eher stärker schwanken, der Markt also volatiler wird und somit anfälliger für Spekulationen. Hau hat dies bereits 2006 empirisch an der Pariser Börse ermittelt. „Und an dieser Sachlage hat sich nichts geändert.“

Hau sieht die viel gepriesene Steuer allerdings noch in einem größeren Zusammenhang: Mit einer Finanztransaktionssteuer würde man darüber hinaus den Markt besteuern und nicht die Banken. „Dabei haben wir es mit einer Banken- und nicht mit einer Finanzmarktkrise zu tun“ – mit katastrophalen Folgen für die Realwirtschaft.

Wer jetzt den Finanzmarkt als Konkurrenten der Banken für etwas bestrafen wolle, was die Banken mit ihren an den Börsen vorbei gestalteten Geschäften verbockt haben, träfe den falschen, so Hau.

Für weitere Verwirrung sorgt aber noch ein anderer Umstand rund um die Transaktionssteuer. Während Tobin nur Devisentransaktionen besteuern wollte, haben Angela Merkel, die Globalisierungskritiker von Attac oder auch der Nobelpreisträger Paul Krugman es auf alle Finanzmarkttransaktionen, also auch Aktien und Anleihekäufe und Derivate etc. abgesehen.

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14 Kommentare zu "„In Ehren ergraut“: Warum eine Börsensteuer nichts taugt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • > Um die Kleinsparer vor dieser Steuer zu schützen

    Unnötig, der zahlt eh mit den Gebühren der bank heute schon viel grössere Zusatzgebühren.

    Es ist eine ausgekochte Frechheit, daß bankster über ihre Lobbyisten die Politiker so weichkochen, daß die einzigen, die sich NiCHT an den Folgen der Finanzkrise beteiligen, ihre VERSACHER sind.

    Und wir bürger müssen bei der nächsten Wahl darauf achten, daß wir die kriminellen bestochenen Politiker nie mehr an die Macht lassen, die das Volk dermassen an die Finanzhaie verkaufen.

    SPERRT SiE ALLE EiN!

  • Die Zeit drängt - schneller beteiligen.
    .
    Hart im nehmen- das mit der Transaktionsteuer.
    Die alte Dame hat es sehr schwer.
    .
    Holzaugen auch aber vielleicht sind Hölzerne etwas feinfühliger und helfen der alten Frau beim Tragen des Geldes fürs Finanzamt.
    Noch etwas es können auch mehr bürger sich einsetzen der alten Frau zu helfen.
    Diese Regelung sollte Weltweit eigeführt werden.
    G 20 Gipfel Thematik.
    Wie können wir der alte Frau schneller helfen sonst wird die rollende Tasche zu Transportproblem.
    .
    Logistik Anforderung sollte gut bedacht, verstreut werden aber Weltweit.

  • Sobald die neolieberalen Ökonomen etwas von der Transaktionssteuer lesen oder hören beginnt sofort die blockadeargumentation mit dem Ziel, auf jeden Fall diese Steuer zu verhindern.Wichtig und Richtig ist, das eine zumindestens in Europa eingeführte T-STEUER dem Fiskus stete Einnahmen verschaffen würd, die der Staat dann sozial gerecht umverteilen könnte. Um die Kleinsparer vor dieser Steuer zu schützen, könnte man über einen Freibetrag für börsengeschäfte dafür sorgen daß in erster Linie nur die aktiven Zocker besteuert würden, die ja in den Differenzen und den hohen Transaktionsvolumen ihr Geschäftsmodell umsetzen.

  • Einige europäische Politiker (und Forumsteilnehmer hier) haben offensichtlich viel Zeit oder sehr harte Schädel, um sich immer wieder mit dem Schwachsinn einer Transaktionssteuer, gleich welcher Machart, zu beschäftigen.

  • Ja ich weiß, von 359 Euro für den haushaltsVorstend und 2xx Euro für den Partner/in, leisten sich die Deutschen einen PC und internetanschluss, die weitverbreitete Mär in Deutschland.

    Also dass soll mri einer vorrechnen:

    für Alleinerziehende 359 Euro: Davon sind zu zahlen , die Miete die nicht zwischen der zugelassenen Differenz von ab 207 Euro für die es sowieso keine Mietwohnung gibt,

    359 Euro

    Anleitung - = minus
    359 Euro
    - Mietdifferenz zu den tatsächlichen Wohnkosten
    - Stromkosten
    - Telefongebühren
    - 10 Euro Praxisgebühr für den Arzt
    - Fahrtkosten zum Arzt
    - Medikamente
    - Essenskosten
    - Kleidungskosten
    - Kosten für Reparaturen, z.b. Waschmaschine
    - Reinigungsmittel
    - ...

    Klar, da haben die Eltern doch glatt für die 300 Euro Erziehungsgeld einen PC gekauft und lassen dafür die Kleine verhungern, gel?
    Daher müssen die 300 Euro Erziehungsgeld auch weg. Schlussfolgerung.

    also
    für Alleinerziehende: Rechnung wie oben

    359 Euro + Kindergeld + max. 50 Euro fürs Kind.
    Kindersatz liegt bei 237 Euro wenn die Kinder älter sind,

    Fertig.

    Habe ich etwas vergessen?

    Ach ja, Schulbücher müssen auch noch davon gekauft werden. bei mir als Kind war das so.

    Wofür ist eigentlich der bildungszuschuss?

  • Klar, bei allen Steuerarten, die etwas Sand ins Getriebe der sich (teilweise) unverantwortlich verhaltenden Finanzwirtschaft streuen sollen, lässt sich etwas Nachteiliges erkennen oder eine schwächere Wirksamkeit voraussehen, als man eigentlich anstrebt.
    Aber weil dies so ist, darf man doch nicht dem groben Leichtsinn in der Geldwirtschaft, mit dem ein Kollaps riskiert wird, weiter freien Lauf gewähren!
    Und wenn mit keiner der diskutierten Steuerarten Wunderwirkung erreicht werden kann, ja, warum soll dann nicht diejenige Steuer zum Zuge kommen, die zwar nicht optimal, aber politisch durchsetzbar und praktikabel ist, das Kollapsrisiko stark vermindert werden?
    Weil die Misswirtschaft im Finanzwesen Unbeteiligten große Nachteile aufbürdet, sollte hier unbedingt gehandelt werden!

  • "Das normale Volk hat gar keinen internetanschluss"

    ?????
    lebst wohl hinterm mond, zumindest nicht in deutschland.

  • Schwachfug Steffen111 ich habe hier vor einiger Zeit kommentiert, dass diese Steuer nichts bringt.

    Und wer hier bloggt ist nicht das Volk. sondern hier bloggen hochdotierte Akademiker, Stimmungsmacher und Lobbyisten, studenten etc.

    Das normale Volk hat gar keinen internetanschluss und wird wie immer nicht gefragt, nur billige Meinungsumfragen zählen.

    Es gibt ein paar vom Volk die bloggen. Doch die befinden sich kaum, hier an dieser Stelle.

  • begriffsverwirrung

    Die Argumentation kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Welcher drohende Liquiditätsengpass - oder besser für wen - sollte das sein? Nach meiner Wahrnehmung haben wir diesen - regelmäßig und gerne von banken angedrohten - Liquiditätsengpass bereits seit Jahren.

    Kleine und mittlere Unternehmen - das sind in Deutschland über 80 % der Erwerbstätigen, der Steuereinnahmen unseres Landes und der Ausbildungsplätze - kommen spätestens seit basel ii immer schwerer an Fremdkapital durch banken.

    Dem sicherheitsbewußten Anleger geben die banken aktuell ca. 1,1 bis 1,5 % Habenszins, vom Unternehmer verlangen sie nicht selten 10 - 12 %. inzwischen leihen nicht wenige Anleger den Unternehmern die Gelder direkt, weil banken oft unberechenbar und damit existenzbedrohend für die Unternehmen geworden sind.

    Wenn über 90 % des täglich umlaufenden Geldes keine realen Leistungen - Güter oder Dienstleistungen - gegenüberstehen, also reine Geldtransaktionen sind, sagt dies meiner Ansicht nach sehr viel über unsere Art zu Wirtschaften aus.

    im Übrigen sind die gelehrten volkswirtschaftlichen Modelle - bevorzugt die mathematisierte Ökonometrik - einfach nur Augenwischerei. Die berechneten erwarteten Größen treffen zufällig mal ein; im Regelfall haben sie mit der dann wirklich eintretenden Realität kaum etwas zu tun.

  • bei den bisherigen kommentaren merkt man wieder sofort, dass inhaltliche argumente nichts zählen. kein argument des verfassers wird versucht zu wiederlegen, nur parolen ohne substanz. der volkszorn möchte die finanztransaktionssteuer, koste es was es wolle.
    kein handelssystem, dass z.b. ein bestimmtes währungspaar handelt ist darauf angewiesen, die transaktion über eine europäische börse abzuwickeln und damit transaktionssteuer zu zahlen. dass kann man weltweit machen! es müssen nicht mal arbeitsplätze ins drittland verlegt werden, es reicht das einrichten eines algorithmus an einem computer im drittland, der über das konto einer im drittland ansässigen zweigniederlassung einer bank läuft. auch finanzderivate, welche die krise auslösten, müssen nicht zwanghaft an einer eu-börse gehandelt werden. die folge wäre ein austrocknen der umsätze an der frankfurter börse und höhere kursvolatilitäten. deutsche aktien werden als folge niedriger bewertet auf grund eines volatilitäts- und liquiditätsrisikoaufschlags. ein entscheidenter nachteil für die deutsche wirtschaft. aber das scheint euch ziemlich egal zu sein.
    aber eine frage habe ich noch: wer erhält denn eurer meinung nach die einnahmen aus der an der frankfurter börse erziehlten finanztransaktionssteuer?
    ich hoffe euch ist klar, dass die kohle in den eu-haushalt und damit in den subventionstopf für französische oder spanische landwirte geht und nicht als schöne zusatzeinnahme für deutschland bereitsteht.

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