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Investmentbanker Warum Millionengehälter übermütig machen

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Aber haben die Banker bewusst so gehandelt? Sind sie sehenden Auges zu hohe Risiken eingegangen? Dafür gibt es kaum harte wissenschaftliche Belege. Eher deuten Indizien darauf hin, dass der Zusammenbruch des Finanzsystems sie kalt erwischt hat. So haben Fahlenbrach und Stulz festgestellt: Bankchefs hielten sehr lange an ihren Strategien fest, ohne gegenzusteuern - offenbar hätten sie die Krise tatsächlich nicht kommen sehen.

Dafür spricht auch eine Studie der Harvard-Wissenschaftler Lucian Bebchuk, Alma Cohen und Holger Spamann. Die Forscher haben sich die Vergütungen der fünf wichtigsten Manager der Banken Lehman Brothers und Bear Stearns zwischen 2000 und 2008 angeschaut. Das Führungspersonal dieser Institute hat im Zuge der Krise eine Menge Geld verloren - weil ihre Aktien und Aktienoptionen drastisch an Wert verloren.

Allerdings waren die Top-Banker sehr wohl vor allem am schnellen Geld interessiert. Sobald die Haltefristen für Optionen und Aktien ausgelaufen waren, verkauften sie fleißig ihre Aktien. Ein solches Verhalten habe "mit der langfristigen Sicht eines Anteilseigners wenig gemein", schreiben die Forscher. Das Führungsteam von Bear Stearns verdiente so in den neun Jahren bis zur Krise 1,4 Milliarden Dollar, das von Lehman eine Milliarde.

Um den Aktienkurs kurzfristig hochzutreiben, um ihre Aktien teuer verkaufen zu können hätten "die Vorstände höhere Risiken für die Zukunft in Kauf genommen", heißt es in der Studie.

Ein Forschertrio um Shane Johnson (Texas A&M University) hat sich grundsätzlicher mit den unerwünschten Nebenwirkungen von Vergütungssystemen für Manager beschäftigt. Unabhängig von der Finanzkrise können die Wissenschaftler nachweisen: Bilanzmanipulationen traten vor allem bei Unternehmen auf, bei denen die Chefetage mit Aktien ohne Sperrfrist vergütet wurde. Können die Manager dagegen ihre Aktien erst nach einer Sperrfrist verkaufen, löst sich dieser systematische Zusammenhang auf. Auch Optionen, ob mit oder ohne Sperrfrist versehen, stehen in keinem klaren Zusammenhang mit Betrugsfällen, zeigt die Studie von Johnson und Kollegen.

Liegt der Ausweg also in einer strengeren Regulierung von Vorstandsgehältern? Forscher wie Ernst Maug sind skeptisch. In einer noch unveröffentlichten Studie hat Maug festgestellt: Jede Regulierung schafft unerwünschte Nebenwirkungen. Wer Gehaltsbestandteile, vor allem Aktien und Optionen von Führungskräften nach oben begrenze, müsse im Schnitt höhere Grundgehälter zahlen und eine geringere Risikoneigung in Kauf nehmen. Dies führe auch zu schlechteren Leistungen - vorausgesetzt, Anreize und Leistung korrelieren wirklich miteinander.

Als fragwürdig erweist sich auch pauschale Kritik an Aktienoptionen, die Manager dazu bringen, höhere Wagnisse einzugehen. Das muss längst nicht in jedem Fall schlimm sein: So führen Aktienoptionen zum Beispiel dazu, dass Firmenchefs mehr Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben, zeigt eine bereits 2002 erschienene Studie. Solche Investitionen sind risikoreich, aber langfristig steigern sie meist den Unternehmenswert.

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5 Kommentare zu "Investmentbanker: Warum Millionengehälter übermütig machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das sind jetzt keine neuen Erkenntnisse mehr, und die belohnungssysteme sind mittlerweile so angelegt, dass sie langfristigen Erfolg belohnen.

    im übrigen kann ich mich an Zeiten erinnern, da wurde es als umoralisch beklagt, wenn Manager gleichbleibend hohe Vergütungen bekamen, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg.

  • Die Kommentare hier sind ja überwiegend undifferenziert und niveaulos. Seltsam, welche Menschen alle Handelsblatt lesen...

    Trotzdem mag ich mich aufraffen den Verfasser des Artikels und alle interessierten auch auf die experimentelle Literatur zum sogenannten "gift-exchange-game" hinzuweisen. Hier hat sich gezeigt dass bei Arbeitsverträgen mit Fix- statt bonigehältern weitaus weniger moral hazard herrscht, als das HO-Modell vermuten lässt. Solang das Gehalt nur fett genug ist. Aber da Manager in der Regel auf ihre Employability achten fällt auch das risk-premium weg, ein kleiner Ausgleich.

  • Millionengehälter ????

    Wer disktuiert denn hier noch über Millionen ?! Es um Milliarden-Gehälter bei den Heuschrecken-Fonds die allesamt von Zionisten verwaltet werden und entsprechend Rücksichtslos handeln.

    Der Jiddische Gott: GELD

  • bravo Jonas! ich stimme Dir voll und ganz zu. Allerdings befürchte ich, solange Herr Ackermann im Kanzleramt ein und aus geht wird sich nichts ändern.

  • Die bevölkerung hat seit langem darauf hingewiesen, daß gehaltsexzesse stattfinden, nicht nur bei bankstern.
    Es ist die Politik, die nichts unternommen hat, weil sie bestens geschmiert war. Und es sind Polizei und Justiz, die diese offensichtlichen Veruntreuungen nicht verfolgt haben, denn das Opfer waren die Unternehmen und deren Anteilseigner.

    Das Problem an der Sache: bis heute fehlt jegliches Problembewusstsein und Unrechtsbewusstsein. Während das Volk längst die Täter identifiziert hat und schon anhand ihrer Moral als widerwärtige Gesellschaftsschädlinge ausgemacht hat, sonnen sich Politik, Exekutive und Richter in beziehungen und bekanntschaften zu diesen mafiösen Mitgliedern.


    SPERRT SiE ALLE EiN!

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