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Investmentbanker Warum Millionengehälter übermütig machen

Bis zur Finanzkrise waren Banker die am besten bezahlte Berufsgruppe überhaupt. Für viele Politiker und Ökonomen ist mittlerweile klar: Die Gehaltsexzesse sind einer der Auslöser für die Implosion des Weltfinanzsystems - weil sie kurzsichtiges Handeln belohnt hätten.
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Blick auf das Londoner Geschäfts- und Bankenviertel Canary Wharf: Im Finanzsektor war es möglich, Gewinne zu früh, zu leicht und nicht risikogerecht zu verbuchen. Quelle: dpa

Blick auf das Londoner Geschäfts- und Bankenviertel Canary Wharf: Im Finanzsektor war es möglich, Gewinne zu früh, zu leicht und nicht risikogerecht zu verbuchen.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF/LONDON. Paul Lux hat sie immer sofort erkannt. An ihren piekfeinen, dunklen Anzügen; ihren extralangen Telefonaten, ihrer Vorliebe für das Zahlen mit Kreditkarte. "Die Investmentbanker", sagt der langjährige Münchener Taxifahrer, "waren schon besondere Typen."

Bis zur Finanzkrise waren Banker auch die am besten bezahlte Berufsgruppe überhaupt. Schwindelerregend waren ihre Gehälter und Boni gestiegen - allein in Großbritannien verdienten Banker 2008 zwölf Milliarden Pfund pro Jahr mehr als 1998. Für viele Politiker und Ökonomen ist mittlerweile klar: Diese Gehaltsexzesse sind einer der Auslöser für die Implosion des Weltfinanzsystems - weil sie kurzsichtiges Handeln belohnt hätten.

Tatsächlich wurde in der Finanzbranche ein Großteil der Gehälter nicht als Fixum, sondern als erfolgsabhängige Boni ausgezahlt. Ihre Höhe hing von der Entwicklung im vorangegangenen Geschäftsjahr ab. "Die Vergütungsmodelle boten Managern einen Anreiz mehr, auf kurzfristige Erträge zu setzen und die langfristige Entwicklung außer Acht zu lassen", schreibt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Im Finanzsektor sei es möglich gewesen "Gewinne zu früh, zu leicht und nicht risikogerecht zu verbuchen."

Für den New Yorker Krisenguru Nouriel Roubini lautet eine der wichtigsten Lehren aus der Krise: Künftig müssten Händler und Banker so vergütet werden, "dass sich ihre Interessen, mit denen der Aktionäre decken." Ähnlich argumentiert die von der EU-Kommission einberufene Expertenkommission um den französischen Finanzexperten Jacques de Larosière: Die Prinzipien guter Unternehmensführung ("Corporate Governance") seien in der Finanzbranche auf ganzer Linie missachtet worden.

Harte empirische Belege für diese Thesen waren lange Mangelware. Doch langsam aber sicher wendet sich das Blatt - Wirtschaftswissenschaftler finden immer mehr Indizien dafür, dass die Boni wirklich eine Mitschuld an der Krise tragen oder krisenverschärfend wirkten. Die Studien, die es bislang zu dem Thema gibt, zeigen allerdings auch: Nicht alle Schlüsse sind richtig - so plausibel sie auch auf den ersten Blick erscheinen.

So sind die riskanten Geschäfte, die viele Banken ins Verderben gestürzt haben, offenbar keineswegs durch ein Versagen der Corporate-Governance-Regeln zu erklären. Rüdiger Fahlenbrach und René Stulz haben festgestellt: Eher ist das Gegenteil der Fall. Die Wissenschaftler haben die Vorstandsvergütung der 100 größten US-Banken vor und während der Krise analysiert und sind zu dem Schluss gekommen: Je enger die Bezahlung von Bankchefs an die kurzfristigen Interessen der Aktionäre gekoppelt war, desto heftiger kam ein Geldinstitut in der Krise unter die Räder. "Eine plausible Erklärung dafür ist, dass Vorstandschefs mit größeren Anreizen zur Maximierung des Shareholder-Values größere Risiken eingegangen sind."

Ernst Maug, Finance-Professor an der Universität Mannheim, erklärt: "Die Maximierung von Shareholder-Value kann bei Banken dazu führen, dass der Unternehmenswert zugunsten der Aktionäre und zulasten der Kreditgeber umverteilt wird." Die Krise habe das Problem der hohen Verschuldung dann verschärft oder erst sichtbar gemacht.

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5 Kommentare zu "Investmentbanker: Warum Millionengehälter übermütig machen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das sind jetzt keine neuen Erkenntnisse mehr, und die belohnungssysteme sind mittlerweile so angelegt, dass sie langfristigen Erfolg belohnen.

    im übrigen kann ich mich an Zeiten erinnern, da wurde es als umoralisch beklagt, wenn Manager gleichbleibend hohe Vergütungen bekamen, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg.

  • Die Kommentare hier sind ja überwiegend undifferenziert und niveaulos. Seltsam, welche Menschen alle Handelsblatt lesen...

    Trotzdem mag ich mich aufraffen den Verfasser des Artikels und alle interessierten auch auf die experimentelle Literatur zum sogenannten "gift-exchange-game" hinzuweisen. Hier hat sich gezeigt dass bei Arbeitsverträgen mit Fix- statt bonigehältern weitaus weniger moral hazard herrscht, als das HO-Modell vermuten lässt. Solang das Gehalt nur fett genug ist. Aber da Manager in der Regel auf ihre Employability achten fällt auch das risk-premium weg, ein kleiner Ausgleich.

  • Millionengehälter ????

    Wer disktuiert denn hier noch über Millionen ?! Es um Milliarden-Gehälter bei den Heuschrecken-Fonds die allesamt von Zionisten verwaltet werden und entsprechend Rücksichtslos handeln.

    Der Jiddische Gott: GELD

  • bravo Jonas! ich stimme Dir voll und ganz zu. Allerdings befürchte ich, solange Herr Ackermann im Kanzleramt ein und aus geht wird sich nichts ändern.

  • Die bevölkerung hat seit langem darauf hingewiesen, daß gehaltsexzesse stattfinden, nicht nur bei bankstern.
    Es ist die Politik, die nichts unternommen hat, weil sie bestens geschmiert war. Und es sind Polizei und Justiz, die diese offensichtlichen Veruntreuungen nicht verfolgt haben, denn das Opfer waren die Unternehmen und deren Anteilseigner.

    Das Problem an der Sache: bis heute fehlt jegliches Problembewusstsein und Unrechtsbewusstsein. Während das Volk längst die Täter identifiziert hat und schon anhand ihrer Moral als widerwärtige Gesellschaftsschädlinge ausgemacht hat, sonnen sich Politik, Exekutive und Richter in beziehungen und bekanntschaften zu diesen mafiösen Mitgliedern.


    SPERRT SiE ALLE EiN!