Liquiditätspuffer Flüssige Banken und blanke Firmen

Neben den Eigenkapitalregeln gilt es für Banken in Zukunft auch Liquiditätspuffer einzuhalten. Doch bei aller guten Absicht hat das einen Pferdefuß. Denn die Vorschriften gehen zu Lasten der übrigen Wirtschaft.
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Der Times Square in New York mit der Pleite von Lehman Brothers im Newsticker. Quelle: Reuters

Der Times Square in New York mit der Pleite von Lehman Brothers im Newsticker.

(Foto: Reuters)

Zwei Buchstabenkombinationen sind Stolz und Hoffnung der Bankenregulierer, die NSFR und die LCR, kurz für Net Stable Funding Ratio und Liquidity Coverage Ratio. Bei diesen schwer zu übersetzenden Begriffen geht es darum, dass erstmals neben dem Eigenkapital der Banken auch deren Liquiditätslage Regeln unterworfen werden soll.

Die Net Stable Funding Ratio soll, wenn sie denn einmal in Kraft tritt, über eins liegen. Das bedeutet, dass die stabilen Finanzierungsquellen einer Bank höher sein müssen als deren langfristige Forderungen. Damit soll vermieden werden, dass unmittelbar die Zahlungsunfähigkeit droht, wenn die instabilen Finanzierungsquellen versiegen, wie etwa unbesicherte Kurzfristkredite, die Lehman Brothers das Genick brachen. Eine Liquidity Coverage Ratio von größer eins verlangt, dass Zahlungsverpflichtungen, die in den nächsten 30 Tagen auftreten können, von hochliquiden Wertpapieren mehr als abgedeckt sind.

Beides klingt fortschrittlich, hat aber einen Pferdefuß. Die einfachste Methode, beide Bedingungen zu erfüllen, ist es, keine langfristigen Kredite zu vergeben und stattdessen kurzfristige Kredite zu vergeben oder Wertpapiere zu kaufen. Denn mit der langfristigen Kreditvergabe ist unmittelbar eine Verschlechterung der Liquiditätslage verbunden. Will das Bankensystem insgesamt trotzdem hochliquide bleiben, muss es die Kreditvergabe durch Finanzmarkttransaktionen mit Nichtbanken kompensieren, bei denen es Liquidität gewinnt.

Die Folge drückt Bernard Vallageas von der Universität Paris Süd so aus: "In dem Maße, wie sich die Bilanzqualität der Banken verbessert, verschlechtert sich die Bilanzqualität der übrigen Wirtschaft", also von Versicherern, Unternehmen, Haushalten und Staat. Wenn die Unternehmen nicht mehr so leicht langfristige Kredite bekommen, haben die Kleinen ein Problem, und die Großen müssen auf den Kapitalmarkt ausweichen und Anleihen begeben. Diese können die Banken wiederum kaufen, weil sie im Bedarfsfall liquidierbar sind.

Wenn aber die Banken ein Problem bekommen, weil sie sich mit Wertpapieren verzockt haben, versuchen sie massenhaft, Unternehmensanleihen zu verkaufen. Deren Kurse brechen ein. Die Unternehmen können keine Anleihen mehr absetzen und gehen pleite oder streichen ihre Investitionspläne zusammen. Die Konjunktur bricht ein. Das wiederum ist nicht gut für die Banken, die auf Forderungen sitzenbleiben.

Ähnliches findet bei Staatsanleihen der Krisenländer in Europa bereits statt. Scheinbar hochliquide Staatsanleihen werden toxische Ladenhüter, als die Banken sie massenhaft verkaufen wollen. Der Staat bekommt ein Problem und damit wiederum die Banken.

So stöbern Finanzwächter nach gefährlichen Banken
huGO-BildID: 14241473 ARCHIV - Ein Rettungsring eines kleinen Schiffes ist am 21. April 2009 vor der Skyline mit den Banken in Frankfurt am Main zu s
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Wem dem Rettungsring hinwerfen?

Mehr als 15 deutsche Großbanken müssen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in den nächsten Monaten Sanierungspläne vorlegen. Darin sollen die Geldinstitute erklären, was zu tun wäre, wenn sie kurz vor der Pleite stünden. Denkbar wären dann Gegenmaßnahmen wie etwa eine Kapitalerhöhung oder der Verkauf von Teilen des Geschäfts. Durch die Pläne soll aber auch die Abwicklung von Banken im Fall der Fälle erleichtert werden. In der Finanzkrise hätten solche Informationen oft gefehlt, sagte Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bafin.

Die Notfallpläne müssen alle deutschen Banken vorlegen, die die Bafin als „national systemrelevant“ einstuft. Welche genau das sind, hat die Behörde noch nicht verraten. Sicher ist bislang nur, dass die Deutsche Bank als einzig „global systemrelevante“ Bank, die Unicredit-Tochter Hypo Vereinsbank und die Commerzbank der Aufsicht ihre Pläne vorlegen müssen.

Doch wie spürt die Bafin die gefährlichsten Banken Deutschlands auf, damit sie ihnen vor dem Untergang einen Rettungsring zuwerfen – oder sie geregelt untergehen lassen kann?

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Sie schlägt im Handbuch nach!

Die Bafin kann bei der Suche nach den national systemrelevanten Banken auf Unterstützung von der internationalen Finanzaufsicht zurückgreifen. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht hat im Oktober Tipps veröffentlicht, wie mit national systemrelevanten Banken verfahren werden sollte. Die nationalen Aufsichten sollen dabei insgesamt zwölf Richtlinien beachten.

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Den Durchblick bekommen

Die Richtlinien des Basler Ausschusses bieten eine grobe Orientierung, wie die Bafin vorgeht. Unter Punkt eins heißt es, dass die nationalen Aufsichten zuerst eine eigene Methodik entwickeln sollen, um einschätzen, welche Banken in welchem Maße im Inland systemrelevant sind.

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Wofür die Bafin sich fürchtet

Die nationale Aufsicht soll in ihrer Bewertung von den möglichen Auswirkungen durch die Pleite einer Bank oder durch ein extern erzwungenes Scheitern, das heißt einer Abwicklung, ausgehen. Genau das hat Bafin-Exekutivdirektor Röseler angekündigt. „Banken müssen so organisiert sein, dass sie abgewickelt werden können“, sagte Röseler.

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Auswirkungen worauf?

Um die Folgen einer Pleite abzuschätzen, sollen sich die Bafin und andere nationale Finanzaufsichten lediglich auf das nationale Finanzsystem und die inländische Wirtschaft als Referenzsystem beziehen. Die international gefährlichen Institute sind bereits benannt – die Deutsche Bank gehört dazu.

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Umgang mit Bankengruppen

Richtlinie vier der Rahmenbedingungen des Basler Ausschuss trifft in Deutschland besonders auf die Hypo Vereinsbank (HVB) zu. Die HVB ist eine Tochter der italienische Unicredit. Hat eine ausländische Tochter eine große Bedeutung in einem Land, soll der nationale Aufseher die Bedeutung der Bank innerhalb der Gruppe einschätzen. Zusätzlich soll die italienische Aufsicht den gesamten Konzern im Blick haben.

Commerzbank
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An den Rechner!

Um die Auswirkungen eines Scheiterns einer national systemrelevanten Bank wie der Commerzbank einzuschätzen, muss nachgerechnet werden. Als erster spezifischer Faktor geht es um die Größe der Bank, gemessen am Geschäftsvolumen, also etwa an der Bilanzsumme.

„Wir wollen damit ein Zeichen setzen“, kündigte Röseler zu den Notfallplänen an. „Das ist ein Baustein, um das Too-big-to-fail-Problem zu lösen“, sagte der Finanzwächter. „Aber weitere müssen folgen.“

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2 Kommentare zu "Liquiditätspuffer: Flüssige Banken und blanke Firmen"

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  • @ Brasil
    Ja leider, das gibt es. Die Trottel haben das Falsche richtig gemacht und auch Geld dafür bekommen.

  • Gibt es eigentlich in Europa in den letzten Jahren etwas, was von den Polittrotteln NICHT falscvh gemacht wurde?

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