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Netzneutralität Die umstrittene Vorfahrt im Netz

Sollen im Internet alle Daten gleich behandelt werden? Ökonomen schalten sich in die Debatte über die Netzneutralität ein.
  • Johannes Pennekamp
Im Internet kommt es zu Staus, weil immer mehr Menschen datenintensive Dienste nutzen - so wie die Online Gamer in diesem Pekinger Internetcafé. Quelle: ap

Im Internet kommt es zu Staus, weil immer mehr Menschen datenintensive Dienste nutzen - so wie die Online Gamer in diesem Pekinger Internetcafé.

(Foto: ap)

Endlich Feierabend - doch anstatt zu Hause gemütlich ein Video anzusehen, gibt es Stau. Viel zu viel Verkehr, nur nervenaufreibend langsam geht es voran.
Willkommen im Internet. Allein zwischen 2007 und 2010 hat sich der Datenverkehr im deutschen Breitbandnetz fast verdreifacht. Zu Stoßzeiten, etwa nach Dienstschluss, wenn die Menschen zu Hause im Internet surfen, stockt immer häufiger das Youtube-Video; das Internet-TV hakt, und das Skype-Gespräch stottert.
Glaubt man den Internet-Service-Providern, ließe sich das Problem leicht lösen: durch neue Tarife. Nutzer, die mehr Geld bezahlen, würden Vorfahrt bekommen - so, wie Kunden bei Billigfluggesellschaften gegen Aufpreis "Speedy Boarding" buchen können.

Damit würde ein ehernes Gesetz der Online-Welt aufgegeben: die Netzneutralität. Bislang behandeln Internet-Zugangsanbieter jedes Datenpaket gleich, unabhängig vom Tarif des Kunden und unabhängig vom Inhalt der Daten.

Verbraucherschützer, Bürgerrechtler und Online-Aktivisten kämpfen verbissen dafür, dass das auch in Zukunft so bleibt - eine Zweiklassengesellschaft im Internet sei mit großen Gefahren verbunden. Auch unter Wirtschaftswissenschaftlern ist das Thema umstritten. Einige Ökonomen halten ein Ende der Netzneutralität für notwendig, um das Internet leistungsfähiger zu machen. Andere Volkswirte stützen dagegen die Argumente der Gegner.

Für die Abkehr von der Gleichbehandlung spricht, dass die Netzbetreiber derzeit kaum Anreize haben, in den Ausbau ihrer Netze Geld zu stecken. Deutsche Telekom, Vodafone und Co. müssten zwar die Investitionen bezahlen, profitieren davon würden aber vor allem andere: die Inhalteanbieter.

Wettbewerbsforscher wie Jörn Kruse (Hamburger Bundeswehr-Universität) und Ralf Dewenter (Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie - DICE) halten das bisherige Modell daher für ineffizient. Derzeit würden die Anbieter hochwertiger Dienste benachteiligt, kritisiert der Hamburger Professor Kruse. "Wenn es heute zu Engpässen kommt, entscheidet der Zufall darüber, welches Datenpaket als erstes durchkommt." Effizienter sei es, wenn diejenigen, die bereit seien, mehr für den Transport zu bezahlen, auch eine Vorzugsbehandlung bekommen könnten.

Auf Kunden, die datenintensive Dienste nutzen, könnten dann durchaus höhere Kosten zukommen. Umgekehrt aber dürfte der Preis für einfache Basisdienste sinken, vermutet Kruse. Und weil gleichzeitig das Angebot besser an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werde, gehe das Ende der Netzneutralität mit einer deutlichen "volkswirtschaftlichen Wohlfahrtssteigerung" einher, so Kruse.

Werden Start-Ups benachteiligt?
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