Neuer DIW-Chef im Interview „Deutschland hat einen schwierigen Part“

Zum 1. Februar 2013 tritt Marcel Fratzscher die Nachfolge von Gert Wagner an der Spitze des DIW an. Der neue Chef über das schlechte Image der Ökonomen, seine Pläne für das Institut und die Euro-Krise.
24 Kommentare
Marcel Fratzscher wurde zum 1. Februar 2013 an die Spitze des DIW berufen. Quelle: dpa

Marcel Fratzscher wurde zum 1. Februar 2013 an die Spitze des DIW berufen.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Herr Fratzscher, Sie übernehmen die Leitung des DIW, das zuletzt vor allem durch negative Schlagzeilen aufgefallen ist, und verlassen dafür die EZB, eine der mit Abstand einflussreichsten Institutionen weltweit. Warum?

Marcel Fratzscher: Ich bin überzeugter Europäer - insofern fällt es mir tatsächlich schwer, ein Haus zu verlassen, das wie kein zweites für die europäische Idee steht. Aber es gibt entscheidende Parallelen, die ausschlaggebend für meine Entscheidung waren, nach elf Jahren in der EZB etwas Neues, aber zugleich Ähnliches zu machen: Beide Aufgaben sind sehr relevant für die Öffentlichkeit, und bei beiden steht die Verbindung von wirtschaftspolitischer Beratung und Wissenschaft im Vordergrund.

Das DIW ist nicht nur das größte deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut, es wurde für Konjunkturforschung gegründet. Wie schätzen Sie aktuell die deutsche Konjunktur ein?

Eine Rezession erwarte ich nicht, das ist schon eine gute Nachricht zurzeit. Die augenblickliche Schwächephase dürfte bereits der Tiefpunkt sein, wenn sich die europäische Krise nicht verschärft, da schließe ich mich den meisten Prognosen an. Das kommende Jahr dürfte stärker werden als dieses. Obwohl die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger ist als andere europäische Länder, ist sie aufgrund ihrer Offenheit über die engen Handelsverflechtungen und Finanzmärkte anfälliger für globale Risiken. Insofern stehen hinter dieser Aussage viele Fragezeichen.

Welche - neben der Euro-Krise?

Es ist zu erwarten, dass die US-Volkswirtschaft sich nur schleppend erholt. Eine Quelle der Unsicherheit ist, dass dort wichtige Entscheidungen in der Fiskalpolitik noch anstehen. Selbst in den Schwellenländern schwächt sich das Wachstum ab. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Ungewissheit verkleinern wird, wenn die Strukturreformen in den Krisenstaaten ernsthaft fortgesetzt werden. Auch Deutschland muss seine Haushaltspolitik so solide wie möglich umsetzen, um auf eine Krisenverschärfung flexibel reagieren zu können.

Wo sehen Sie die Euro-Zone in fünf bis zehn Jahren - ist ein Bruch wahrscheinlicher oder eine stärkere Vernetzung?

Ich sehe die Krise vor allem als Chance, dass wir uns zu mehr Europa entscheiden und aufraffen. Ich bin überzeugt, dass alle europäischen Staaten von einer stärkeren Integration profitieren werden. Das ist nur mit gegenseitigen Zugeständnissen möglich, aber die einzige Möglichkeit, Wohlstand zu sichern und ein stärkeres Europa zu schaffen.

Wie beurteilen Sie die Rolle Deutschlands?

Leider kann ich zu der Debatte in meiner aktuellen Position nicht viel sagen. Nur so viel: Deutschland hat als größtes und stabiles Land sicherlich einen schwierigen Part in all diesen Verhandlungen. Diese Verantwortung überträgt ihm aber zugleich ungeheure Gestaltungschancen.

„Makroökonomie hat die Realität aus den Augen verloren“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

24 Kommentare zu "Neuer DIW-Chef im Interview: „Deutschland hat einen schwierigen Part“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nebenbei bemerkt, ich kann diesen Mix zwischen Deutsch und Englisch nicht ausstehen!

  • Ich frage mich nach diesem Interview schon, was Herr Fratzscher eigentlich gesagt hat und welche Positionen er vertritt.

  • und noch viel schlimmer wird es mit diesen Azubis bei DIW, die ja eigentlich nach ihrem Ausspiel betr Verallgemeinern der europäischen Schulden sich in die schlimmste kommunistische Ecke verkrochen haben.Solche Schwätzer ist das letzte was Deutschland weiterhilft und so einem Typ sollte man am liebsten ein paar Jahre nach Kuba oder Albanien schicken wo er lernen kann wie man es nicht macht. Wie kommt jemand bei DIW überhaupt auf die Idè so einen Spinner in diese Position zu hieven?

  • Immer wenn ich solche Typen reden höre, gucke ich mir deren Lebenläufe an - irgendwo findet man die immer. Es trifft auch auf Herrn Fratzscher zu, was auf viele andere dieser Neunmalklugen zutrifft: Er hat noch NIE etwas Richtiges gearbeitet! Daß das HB einem solchen Theoretiker überhaupt eine Plattform bietet, verwundert mich. Ich würde mir das noch gefallen lassen, wenn der Interviewer das Interview gleich mal mit einem satten Aufschlag bzw. der Frage beginnen lassen würde: "Herr Fratzscher, sie waren bekanntermaßen noch nie in der freien Wirtschaft tätig - woher nehmen Sie die Einbildung, irgend etwas von Wirtschaft verstehen zu wollen, wenn sie mit den dortigen Vorgängen nicht vertraut sind?" Das wäre der erste Schritt auf dem Treppchen auf dem Weg zu mehr Aufrichtigkeit in solcherlei Interviews.

    Es bleibt nun jedem selbst überlassen, wieviel Wahrheitsgehalt er den Aussagen dieser Theoretiker in Potenz beimißt. Faszinierend ist jedoch, daß ausgerechnet solche wirtschaftlichen Dünnbrettbohrer allein durch Gut-reden-können und flinkes Auswendiglernen es immer wieder schaffen, in Positionen zu geraten, wo sie aufgrund mangelnder Erfahrung definitiv massiven Schaden anrichten können.

    Kein Mensch würde in einem metallverarbeitenden Betrieb jemals einem studierten Physiker einen Hammer in die Hand geben, selbst wenn der theoretisch genau die Aufschlagskraft unter Berücksichtigung des Eigengewichts, der Geschwindigkeit und des Luftwiderstandes zu berechnen in der Lage wäre. Mangelnde Erfahrung ergibt dort zwangsläufig einen pochenden Finger. Alles Agenten - sage ich.

  • Bevor noch irgend so ein Himbeerbubi aufkreuzt und schlaue Sprüche macht: solange Europa keinen Konsens findet über Fiskal- und Sozialstandards, solange ist alles innhaltsloses Geblubber . Aber mit Arbeit habens die Politiker halt nicht und beim DIW sollte endlich mal einer den Steuerzahler-Stecker ziehen!

  • @malvin

    Zu den Aspekten, die Sie angesprochen haben, möchte ich noch den Aspekt "praktische Umsetzbarkeit" hinzufügen.

    Die Frage, wie der Vermögensstand festgestellt werden soll und was einbezogen wird (z.B. auch das Auto, der Schmuck oder das Mobiliar?), wie deren Zeitwert festgestellt werden soll und wie hoch der bürokratische Aufwand dafür ist, wurde von den DIW-Theortikern bei ihrem Vorschlag natürlich nicht behandelt.

    Solche Oberschweber haben die EU und den Euro konzipiert. Das Ergebnis kennen wir nun.

  • "Ich bin überzeugter Europäer - insofern fällt es mir tatsächlich schwer, ein Haus zu verlassen, das wie kein zweites für die europäische Idee steht"
    ...Zitat Ende...
    Meint dieser Herr mit dem "Haus" die bad bank EZB, die faktisch Pleite ist? Und meint der mit "europäischer Idee" die Vergesellschaftung privater Schulden, die Monetisierung von Staatsschulden und die Europäisierung von Staatsschulden? Und den Abbau von Demokratie und Rechtsstaat?
    "Überzeugter Europäer": Spricht der Herr für die Schweiz, die Ukraine oder für Polen, Schweden oder für die desaströse Eurozone? Dieser Schwafler gehört zu den anderen Europhantasten, die endlich Verantwortung für den Euro übernehmen müssen und zur Rechenschaft gezogen werden müssen.

  • Die EU und er Euro sind eine Katastrophe.

    Weg mit dem Einheits-Euro!

    Pflastert das Land mit Euro Nein Danke Aufklebern zu!!!

  • Eine stärkere Integration Europas?
    Ich bin dafür, wenn es um die Harmonisierung von Steuern, Gesetzen und Regelungen geht. Da ist noch viel Handlungsbedarf. Aber gleich die Finanzhoheit und das Haushaltsrecht an Brüssel abgeben? Da bin ich dagegen. Da fehlt mir das Vertrauen in diese Herrschaften. Die haben noch nie gezeigt, dass sie etwas davon verstehen! Deshalb bin ich auch gegen eine Harmonisierung von Schulden! Die EU will hier den zweiten Schritt vor dem ersten machen.

  • Wie beurteilen Sie die Rolle Deutschlands?

    Leider kann ich zu der Debatte in meiner aktuellen Position nicht viel sagen.
    ------------------------------------------
    Na dann vielleicht ab.Februar 2013..((
    Haben die bei der EZB alle einen Maulkorb um..
    ----
    Gerade die Makroökonomie, für die Sie und das DIW stehen, hat durch die Krise erheblich an Glaubwürdigkeit verloren.

    Ja..in der theoretischen Modellwelt,wurde die Realität ausgeblendet..
    ----------------
    Na sowas aber auch..ein Spielzeugladen für große Jungs..
    Könnte man den Laden nicht ganz einfach dicht machen.
    Und zum Schluß der beste aller Ratschläge..die
    nationale Brille abzunehmen.Wieder einer,der auf
    internationalem Parkett überall und nirgends mehr,innerlich beheimatet ist.
    Da paßt dann auch die Festellung des Interviewers
    dazu,dass das DIW traditionell in der politisch "linken Ecke steht".



Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%