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Nobelpreisträger Williamson „Der Euro kam zu früh“

Steuerung, Aufsicht und Regulierung sind nicht zu denken ohne die Arbeiten von Oliver Williamson. Der aktuelle Ökonomie-Nobelpreisträger und Vater der Governance kritisiert im Gespräch mit dem Handelsblatt die europäische Währungsunion und warnt vor übereilter Regulierung.
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Wirtschafts-Nobelpreisträger Oliver Williamson: Ich halte die Lage für wirklich beunruhigend. Quelle: ap

Wirtschafts-Nobelpreisträger Oliver Williamson: Ich halte die Lage für wirklich beunruhigend.

(Foto: ap)

Handelsblatt: Welche ökonomische Frage beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Oliver Williamson: Natürlich die Finanzkrise! Ich halte die Lage für wirklich beunruhigend. Anfang des Jahres dachten wir noch, wir sind auf dem richtigen Weg. Doch dann eskalierte die Griechenland-Krise. Das beschäftigt die Finanzmärkte noch immer und hat Konsequenzen für China, Japan und die Vereinigten Staaten. Ich kann mich an keine Finanzkrise erinnern, die so kompliziert war wie die aktuelle.

HB: Ihre Forschung dreht sich um effiziente Organisationen. Welches Urteil stellen Sie der EU im Umgang mit ihren Defizitsündern aus?

Williamson: Ich glaube, die Verdienste der EU sind groß: Es wurden Handelsschranken niedergerissen, die Menschen können überall hin reisen und überall in der EU arbeiten. Das ist ein Friedensgarant. Aber mit der gemeinsamen Währung ist das eine andere Sache.

HB: War der Euro ein Fehler?

Williamson: Nun ja, die einzelnen Länder können nicht mehr einfach ihre Währungen auf- und abwerten. Die Währungsunion ist ideologisch getrieben. Eine gemeinsame Währung macht schon in einigen Belangen Sinn, aber die Entwicklung in der EU braucht Zeit.

HB: Kam der Euro zu früh?

Williamson: Ja, es war zu früh für eine Einheitswährung. Aus meiner Sicht gibt es kein Problem mit verschiedenen Währungen, weil wir mit Kreditkarten bezahlen können. Problematisch finde ich, dass sich die nationale Geldpolitik wichtiger Instrumente beraubt hat.

HB: US-Finanzminister Timothy Geithner hat Angela Merkel für ihren rigiden Sparkurs scharf kritisiert. Man dürfe den Aufschwung nicht abwürgen. Hat er recht?

Williamson: Möglicherweise hat Geithner ein größeres Universum im Blick als Kanzlerin Merkel.

HB: In der Krise kann man den Eindruck bekommen: Weder die Finanzmärkte noch ihre Aufsicht funktionieren gut. Woran liegt das?

Williamson: Die Märkte reagieren spontan. Da ist eine Menge Unsicherheit drin, und es laufen viele Prozesse ab. Gleichzeitig müssen die Aufsichtsbehörden schnell reagieren, wenn es zum Beispiel um das Abwenden von Pleiten geht. Fakt ist, dass die bisherige Regulierung wenig effektiv war. Unser Schicksal besteht darin, dass wir uns nun mit möglichen Regulierungen befassen, die überhaupt noch nicht erprobt sind.

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7 Kommentare zu "Nobelpreisträger Williamson: „Der Euro kam zu früh“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Euro kam nicht zu früh. Unsere amerikanischen Freunde haben einfach nur das Problem, dass sie zugleich mit zwei neuen großen Währungen konfrontiert sind, die dem Dollar zu schaffen machen, dem Euro und dem chinesischen Renminbi. Der Euro ist vom Währungsraum her dem Dollar ebenbürtig, nur politisch kann er ihm nicht das Wasser reichen, da die Euroländer keine den USA vergleichbare Militärmacht unterhalten. Was die Schwierigkeiten der als PiiGS in die Ecke gestellten Euroländer betrifft, so handelt es sich dabei um nicht ungefährliche, aber kurierbare Kinderkrankheiten. irland ist bereits recht erfolgreich in der behandlung. Griechenland hat im Umgange mit Staatsbankrotten jahrhundertealte Erfahrungen und tut sich augenblicklich noch etwas schwer damit Lösungen zu finden, die zu einer auf Währungsstabilität gerichteten Politik passen. Das alles bietet dankbare Ansatzpunkte für lustige Spekulationen, zu denen die Marktteilnehmer ihnen genehme Gerüchte streuen. Vielleicht bewegen wir uns gar nicht an einem ökonomischen Abgrund, sondern haben uns unter Rettungsschirmen versteckt, damit der Goldregen nicht an uns hängen bleibt, sondern kanalisiert in die Taschen der banker strömt.

  • Wieviele der "Experten" bzgl. bankenregulierung in Wissenschaft und Politik haben schon einmal das Risikomanagement einer bank von innen gesehen? Wie
    erfrischend dagegen die Ehrlichkeit von O.Williamson der Wissenslücken bei der Umsetzung eingesteht, und auch noch auf mögliche Fehlanreize durch schlechte Umsetzung hinweist. Mehr davon!!

  • @ahmet öztop
    ich muss hier stark korrigieren, da Sie die Sachverhalte verdrehen und so einiges durcheinander mischen, sowie die Ursache-Wirkung verdrehen. – Nun, dass der Euro die letzten Wochen eingebrochen ist, hat rein gar nichts damit was zu tun, dass es plötzlich zu Änderungen in den Handelsströmen der Realwirtschaft kam, sondern hat damit was zu tun, dass es zu Verunsicherungen und Zerwürfnissen an den Finanzmärkten kam. Der Wechselkurs hat also zwei Komponenten, durch die er beeinflusst wird: (1) die Realwirtschaft (Produktion und Handel mit Gütern und Dienstleistungen) und (2) die Finanzwirtschaft (investitionen in Wertpapiere wie etwa Staatsanleihen, bonds aller Art, Aktien).
    im gegenwärtigen Falle sinkt der Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar dadurch, da die investoren die ganzen Gelder, die sie in Staatspapiere (etwa in griechische, portugiesische, spanische, ...) investiert haben, regelrecht abstossen (d.h. Verkauf von Euro-Wertpapieren). Die Nachfrage nach Staatspapieren, die also auf Euro lauten, sinkt rapide und wir haben ein Überangebot an Euros mit der Folge, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar oder auch gegenüber dem Schweizer Franken fällt. D.h. der Verkauf dieser Staatsanleihen wurde dadurch ausgelöst, dass man sagte, die Staaten können die Kredite nicht mehr tilgen; dies hat an der Stelle noch nichts mit Angebot oder Nachfrage in der Realwirtschaft zu tun.
    Soweit klar? - Dadurch dass der Euro gegenüber dem Schweizer Franken oder dem US-Dollar gesunken ist hat dies nun im zweiten Schritt auch Auswirkungen auf die Realwirtschaft. - Wie das denn? - Nun, Exportgüter aus dem Euro-Raum werden für Kunden, die mit US-Dollar oder Schweizer Franken bezahlen, günstiger und die Nachfrage nach Gütern aus dem Euro-Raum nimmt zu, was der Wirtschaft positive impulse gibt. Auf der anderen Seite werden mit der gleichen Argumentation die importgüter in den Euroraum teurer, was wieder eher nicht so gut ist. Nun schaut man sich aber an, wie das Verhältnis von Export zu import ist, um die positiven Folgen gegenüber den negativen Folgen abzuschätzen. Hierzu eine kurze Antwort: der Euroraum und vor allem die deutsche Wirtschaft hat eine traditionell stärkere Exportwirtschaft; diese Exporte aus dem Euro-Raum hinaus waren sogar in den Zeiten, in denen der Euro noch stark und teuer war, stärker als die importe. Das bedeutet, dass die Exporte im Vergleich zu den importen dominieren. Hinzu kommen gegenwärtig relativ tiefe Öl- und Gaspreise, die auf US-Dollar lauten und somit erst recht die importbelastung abfedern / erträglich machen. Man könnte noch mit Elastizitäten daherkommen und die Nachfrage auf Grund von Preisveränderungen noch detaillierter anschauen
    Nochmals: die Wechselkurse zum Euro kommen immer durch die beiden Faktoren „Finanzmärkte“ und „Realwirtschaft“ zustande. beide Faktoren wirken über den Wechselkurs auf den jeweils anderen ein und es vergeht dazwischen immer unterschiedlich lange Zeit. – Gesamthaft bleibt festzuhalten, dass auf Grund des günstigen Euros und wegen der Einbrüche auf den Finanzmärkten (Staatspapier-Geschichte) die Realwirtschaft im Euroraum davon indirekt profitiert. – Man kann diesen Gedanken nun weiterspinnen: denn wenn die Nachfrage nach Gütern aus dem Euroraum in der bisherigen Art und Weise zunimmt, dann nimmt auch wieder die Nachfrage nach Euros zu, da die Exportgüter mit Euros bezahlt werden. in diesem Prozess steigt der Eurokurs wieder an.

  • ich bin kein Wirtschaftsexperte und kann nur mit meinem Schulwissen argumentieren. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, heißt dies doch, dass weltweit die Nachfrage nach den Euros abnimmt oder? Die Euros werden doch dann benötigt, wenn jemand Waren aus dem Euroraum kauft. Wenn ich aber mehr Waren aus dem Dollarraum kaufe als aus dem Euroraum, steigt die Nachfrage nach dem Dollar mehr als nach dem Euro und der Dollar gewinnt an Wert (Angebot und Nachfrage bestimmen den Wert). Wenn also der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert ist dies ein Zeichen, dass der Export aus dem Euroraum abnimmt. Die Güter werden eben dort gekauft, wo sie am günstigsten sind (bei gleicher Qualität). Ein Exportüberschuß bedeutet also, dass ein Land mehr exportiert als importiert. Das bedeutet, dass eine Nachfrage nach der Währung dieses Exportlandes existieren wird. Das Land mit einem Exportüberschuß wird also eine stabile Währung haben. Es wird also so sein, dass im Augenblick mehr mit dem Dollar gehandelt wird als mit dem Euro. Stabil ist die Währung dann nicht, wenn im inland die Preise für Güter steigen. Wenn die Preise für Güter im inland steigen, bedeutet dies doch eine inflation, oder? Eine inflation hat Nachteile und Vorteile. Für die Exportorientierte Wirtschaft ist es gut, weil man für die gleichen Dollars mehr Euros bekommt. Daher wird es für die Länder aus dem Dolarraum interessanter wieder im Euroraum zu kaufen. Die inflation schadet aber dem kleinen Mann auf der Straße,der bekommt den gleichen Lohn wie vor der inflation, da die Produktivität immer noch die gleiche ist, wie vor der inflation. Der kleine Mann kann sich immer weniger leisten. Die binnennachfrage sinkt. Unruhen und Streiks sind dann die folgen.
    Daher ist das auf und ab bei den Wechselkursen ganz normal. Es war schon immer so! in diesem Fall trifft diese lapidare bemerkung wohl zu.
    ich glaube aber dass das Problem die Euro Konvergenzkriterien des Maastricht Vertrages sind. Ein Kriterium ist doch, das die inflationsrate nicht über 1,5% sein sollte, oder? Das ist aber in den Ländern mit hohem Produktivitätszuwachs, z.b. Osteuropäische Länder ein Problem. Dort wird ein Produktivitätszuwachs zu Lohnsteigerungen führen und in der Folge werden die Produkte auch teurer. in diesen Ländern wird also ein Wirtschaftwachstum zu einer inflation führen, die mit den Maastrichtkriterien nicht zu vereinbaren ist.
    Für diese Länder muß man also vernünftigerweise andere Kriterien oder Regelungen einführen.

  • Der Euro kam nicht zu früh! - Es ist das normalste, wenn Wechselkurse schwanken. Es ist normal, wenn eine Währung in relativ schierigeren Zeiten gegenüber ausländischen Währungen dazu neigt an Wert verliert und wenn Sie in relativ besseren Zeiten an Wert gewinnt. Der Euro hat starke bis sehr starke Jahre hinter sich (dies hat noch bis vor Kurzem angedauert) und hat nun eben einfach eine bewegung nach unten. Nicht alles kann beständig sein hohes Niveau halten, sondern es gibt auch Zeiten, wo es nach unten geht.

    Das gleiche ist überall zu sehen, ob an den Aktienmärkten oder an den Rohstoffmärkten, ... . Es gibt Aufs und Abs. Dass nun jene, die schon immer gegen den Euro waren, plötzlich aus ihren Löchern kommen liegt schon irgendwie auf der Hand. Sie werden aber auch wieder inihre Löcher gehen, wenn der Euro wieder an Wert dazugewinnt.

    Dass ausgerechnet die Amerikaner den Euro stets als eine Konkurrenz zu ihrem Dollar sehen und sahen, konnte die letzten Jahre immer wieder beobachtet werden; sie versuchen nun um so mehr, den Euro Mies zu machen.

  • Die größten Wirtschaftswissenschaftler und Ökonomen der Welt, darunter mehrere Nobelpreisträger, warnten Europas Politiker damals händeringend vor Einführung einer gemeinsamen Währung, ehe eine wirtschaftliche und fiskalische Einheit bestand.
    Doch wie die Engländer sagen: "Fools rush in, where Angels fear to tread."

  • ich muss kein Wirtschaftsexperte oder Politiker sein um zu wissen das Das Fundament vor den Mauern kommt.
    Das Kapital Diktatur der banken hat das so gewollt...
    Es kommt eh das Ende mit diesen Politikern ist das nicht aufzuhalten... Leider....Der groesste Fehleran der Demokratie.... Keiner traegt Verantwortung persoenlich

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