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Ökonomie neu denken Vom Kopf auf die Füße gestellt

Die Krise der Wirtschaft ist auch eine Krise der Wirtschaftswissenschaft. Die klassischen Modelle passen nicht zur Realität. Doch die Disziplin steht nicht still. Im Gegenteil. Junge Ökonomen revolutionieren das Fach.
27.10.2012 - 09:09 Uhr 23 Kommentare
Eine Büste von John Maynard Keynes. Auf 343 Seiten hat er die Ökonomie revolutioniert. Quelle: pr

Eine Büste von John Maynard Keynes. Auf 343 Seiten hat er die Ökonomie revolutioniert.

(Foto: pr)

Hinter diesen Mauern hat sie begonnen. Eine intellektuelle Revolution, die eine gesamte wissenschaftliche Disziplin umkrempeln, das Denken und Handeln von Generationen von Forschern und Politikern prägen sollte. 46 Gordon Square in London. Eine Adresse im Intellektuellen-Viertel Bloomsbury. Ein dreigeschossiges Stadthaus, um 1820 aus braun-gelben Backsteinen gebaut. „John Maynard Keynes, Economist“, steht auf einer Plakette rechts neben der Eingangstür.

Dreißig Jahre hat er hier gewohnt, von 1916 bis zu seinem Tod 1946. Hier hat Keynes die Volkswirtschaftslehre gerettet und den Kapitalismus modernisiert. Wichtige Teile der „Allgemeinen Theorie“ hat er hier geschrieben. Das Buch war die Antwort auf die Weltwirtschaftskrise, und auch die Antwort auf die Selbstzweifel der Ökonomen.

Galten bis dahin die Lehrsätze von Adam Smith über die Selbstregulierungsfähigkeiten des Marktes, verschaffte Keynes nun dem Staat einen großen Auftritt. Später sollten Keynes' Ideen zwar überinterpretiert werden. Dennoch leitete der Brite einen wissenschaftlichen Paradigmenwechsel ein.

Heute, 77 Jahre später, erleben wir Ähnliches. Die Amerikaner sprechen erneut von der „great recession“. Abermals haben die führenden Ökonomen die Probleme nicht kommen sehen, haben bis zum Ausbruch der Krise Finanzsystem und Realwirtschaft für so stabil wie nie zuvor gehalten. Die Wirtschaftskrise ist so wie damals auch eine Krise der Wirtschaftswissenschaft.

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    Die Modelle und Theorien des Mainstreams haben die Probleme nicht vorhergesehen und können sie zuweilen nicht mal ansatzweise erklären. Nur, ein neuer Keynes scheint nicht in Sicht. Zumindest auf den ersten Blick. Denn die Zeiten, in denen ein Einzelner die Wirtschaftslehre mit einer 343-seitigen Monografie neu erfinden kann, sind Vergangenheit.

    1936 genügte die Erkenntnis, dass die Gesamtwirtschaft mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile und dass sie nicht automatisch stabil ist. Der Staat jedoch könne mit aktiver Wirtschaftspolitik „die Rezession abschaffen“, ohne den Kapitalismus generell zu beerdigen. Heute sind die Probleme vielschichtiger, die Forschung arbeitsteiliger, die Methoden komplexer. Doch das bedeutet nicht, dass die Disziplin stillsteht. Im Gegenteil. Die Erneuerung ist nur nichts für einen Einzelkämpfer, sie ist eine globale Gruppenarbeit.

    Die Ökonomie der Zukunft hat viele Gesichter
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    23 Kommentare zu "Ökonomie neu denken : Vom Kopf auf die Füße gestellt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mao schrieb: Lasst 100 Blumen blühen, nicht 1000.

    • Sie schreiben: "Die Modelle und Theorien des Mainstreams haben die Probleme nicht vorhergesehen und können sie zuweilen nicht mal ansatzweise erklären." Dieser Satz ist formal richtig, da er eine Aussage über den "Mainstream" der VWL-Professoren macht.

      Die Wirklichkeit ist allerdings eine andere. Es gibt zahllose Professoren der Wirtschaftswissenschaften, die sich sehr deutlich gegen den Dilletantismus der Politiker aussprechen. Ich erinnere an den Aufruf von 155 Professoren im Jahr 1998 gegen die Einführung des Euro und den Aufruf von 172 Professoren gegen die Politik der Rettungsschirme. Namen von kritischen Professoren wie Wilhelm Hankel, Joseph Huber, Bernd Lucke, Wilhelm Nölling, Renate Ohr, Helge Peukert, Hans-Werner Sinn und Joachim Starbatty müssten in einem derartigen Artikel doch auch erwähnt werden!

      Wer sich für Videos, Bücher und Artikel dieser "kritischen Finanzdenker" interessiert, wird auf meinem Blog www.finanzdenker.de fündig, den ich gerade aufbaue.

    • Das epochale Versagen der Makroökonomen ist umso unfassbarer als da es eine lange, lange Historie von Währungs-, Banken- und Schuldenkrisen gibt. Sehr schön zusammengefasst z.B. in Rogoff et aliae "Diesmal ist alles anders". Aber praktisch keiner der C4-Versager in den Fakultäten hat irgendwas kommen sehen außer das eigene monatliche Gehalt - für das der Steuerzahler aufkommen muss; ein Angehöriger derjenigen Gruppe, die von Finanzkrisen am Härtesten betroffen sind. Ich denke es reicht. Macht die Fakultäten dicht, schmeißt dieses unnütze Pack raus und baut die Makroökonomie von Grund auf neu auf. Den jungen Nachwuchswissenschaftler kann man nur raten: Veranstaltet eure Alternativkongresse und haltet euch fern von den Alten - von denen könnt ihr nur lernen wie es nicht geht, wie man sich mathematische Modelle erspinnt, die Welten abbilden, die in keiner realen existieren und man sich verblöden lässt von Mainstream-Dogmas. Nur wer mit diesem akademischen Stuhlgang radikal bricht wird der Gesellschaft je irgendetwas Brauchbares zurückgeben können.

    • Keynes war im Grunde ein Kollektivist und hat die einfachen Menschen verachtet und ihnen nicht zugetraut, für sie selbst sinnvolle Entscheidungen zu treffen.

      Deshalb brauchte es einen starken Staat wo Elitisten wie Keynes diese Entscheidungen für die einfachen Menschen treffen.

      Nur dafür wird mehr staatliches deficit Spending gebraucht. Um den Staat immer mehr aufzublähen und die wirtschaftliche Freiheit für das Volk einzuschränken.

      Typische Beispiele dafür ist das Gerede von "die Wirtschaft ankurbeln" oder "kaputt sparen".


      Die freie Marktwirtschaft ist für mich ein chaotisches System, welches einigermaßen gut funktioniert, wenn sich sich alle an Regeln halten. Das ist die Aufgabe des Staates.
      Die freie Preisfindung, ohne Eingriffe, ist dafür für alle optimal.

      Wer die freie Preisfindung manipuliert, wird wie im real vegetierendem Sozialismus dafür sorgen, das es selbst in der Wüste, den Sand nur auf Raten gibt.

      Das große Problem der westlichen Welt, ist der Versuch der Politik, zyklische Rezessionen mit defizit Spending "durchzutunneln". Das ist aber eine Manipulation der Preise und verhindert eine sinnvolle Marktanpassung.

      Wenn die Rezession aber nun nicht zyklisch ist sondern strukturell, hilft das Spending des Staates gar nichts, sondern produziert nur mehr Schulden und mehr Arbeitslosigkeit.

      Genau an diesem extremen Punkt sind wir nun in der Eurozone angekommen.

      Um das zu verstehen, muss man kein Ökonom mit Modellen sein, sondern es reicht der gesunde Menschenverstand.

    • Meiner Ansicht nach ist das Problem mit Keynes, dass er einerseits mißbraucht wird, um den Schulden- und nun Gelddruckunsinn zu rechtfertigen und er andererseits einfach Schwein hatte, dass der 2. Weltkrieg das eigentliche Problem löste. Dieses Problem lautet: "Die Grenzen des organisschen quantitativen Wachstums"! Unsere ganze Denkweise und Ökonomie (im außen = ökonomisch aber auch innen = psychisch!) ist auf dem Postulat und Streben nach Wachstum aufgebaut. Dieses Wachstum wird aber durch den Filter der Gewohnheit viel zu eng interpretiert, was zu einer Anerkennung und Wahrnehmung von nur fixierten und reduzierten, vor allem quantitativen Formen von Wachstum führt. Dieses Streben nach mehr -im außen nach "Profit" im inneren nach maximalem inneren Lustgewinn- führt aber in die Sackgasse. Beim Menschen endet das körperliche (=quantitative) Wachstum ja auch nach Ende der Pubertät und nur Idioten würden dieses mittels Doping verlängern wollen.

      Karl Marx hatte begonnen einen Aspekt der Grenzen des quanntitativen Wachstums (= Sättigung) mit seiner Vorhersage des tendenziellen Falls der Profitrate anzudeuten und auch jeder, der sich schon einmal an Drogen verloren hat, weiß, dass die Dosis bei dieser krankhaften Form des (Lust-)Gewinnstrebens zusammen mit den Nebenwirkungen immer höher werden muss und letztlich immer zerstörerischer wird. Schauen wir uns unsere Erde an, dann sehen wir im außen, was der Drogensüchtige im inneren hat. Wie schizophren sind wir Menschen: faseln davon, die Erde retten zu wollen und zerstören sie und uns durch unser billiges Streben nach Lüststchen immer weiter. Die Menschheit steht an einem Wendepunkt vergleichbar mit dem Sprung an Land der Meerestiere. Soll dieser Wachstumsschritt gelingen, ist die Ökonomie gefordert, ihren Beitrag zu leisten, statt ständig aus Angst vor dem Neuen und dem morschen Fundament auf dem sie steht Nebelbomben zu werfen!

    • Naja, im Kommunismus scheint es auch nicht gerecht zuzugehen.

      Akademiker studieren und bereichern den Staat und die ganz oben sitzen bereichern, sich und Ihre Familien.

      Mit welchem Recht!?

      Hatten wir dass nicht schon bei Hussein, Gaddafi, Mubarak, Ceausescu.

      Wie sieht es denn mit der Kirche, der Industrie, den Banken aus?

      Banken bekommen Geld fast umsonst und der Sparer bekommt nichts.

      Dieses System geht in die falsche Richtung Schulden werden gemacht um Schulden auf die Bürger umzuverteilen, nur die Oberen haben komischerweise nie Schulden, wie geht dass denn?




      http://www.focus.de/politik/ausland/totale-internetzensur-der-new-york-times-china-zensiert-den-reichtum-vom-premier-wen-jiaboa_aid_847663.html


    • Sie schreiben:
      "Die Modelle und Theorien des Mainstreams haben die Probleme nicht vorhergesehen und können sie zuweilen nicht mal ansatzweise erklären."

      Das stimmt so nicht:
      - Wirtschaftswissenschaftler haben seit langem vor der ausufernden Staatsverschuldung gewarnt; "die Wirtschaftswissenschaften" haben nie daran geglaubt, dass Staaten nachhaltigen Wohlstan durch schuldenfinanzierte Ausgabenprogramme schaffen können
      - auf vor der Einführung deds Euro haben zahlreiche Wissenschaftler gewarnt; der Euro ist ein Werk der Politik und der Finanzindustrie, nicht der Wissenschaft
      - auch Systemrisiken der Finanzmärkte durch Kreditderivate sind seit Anfang der 90er ein Thema der Wissenschaft

    • Gute Überschrift für den Artikel. Der Druck der Globalisierung auf die Volkswirtschaftslehre nimmt zu, und zwar von allen internationalen Seiten, und das ist gut so.Der Umverteilungsquotient auf All-timehigh erhöht zusätzlich den Druck und die Komplexität. Aber wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen wird am Ende beides verlieren. An den diesjährigen Nobelpreisträgern kann man gut
      die Entwicklung beobachten:Der Tauschhandel mit massengeschneiderte Lösungen für spezifische Anforderungen, die anreizkompatibel sind und möglichst Manipulationssicherheit bieten, ist in aller Diskussion. Aber übertragenist Sozialismus ist die die gleichmäßige Verteilung des Elends. " The political problem of mankind is to conbine three Things: Economic efficiency, social justice and individual liberty."
      Für Deutschland befürworte ich den Tausch

    • Die Ökonomen versuchen uns etwas einfaches, kompliziert zu erklären. Um zurecht fertigen das die Welt sie braucht.

    • In der DDR war Marxismus-Leninismus ein verbindliches Studienfach an allen Universitäten, Hochschulen und Fachschulen. Für Studenten aller Fachrichtungen waren Lehrveranstaltungen und Prüfungen in Marxismus-Leninismus Pflicht. Definitiv nicht bestandene ML-Prüfungen bedeuteten Exmatrikulation. Auch Professoren, Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter hatten kontinuierlich an ML-Kursen teilzunehmen. Und nun ist die DDR Pleite und hat sich aufgelöst. Und wo sind sie jetzt, die angeblich gebildeten und hoch dekorierten Professoren und Doktoren, die einen Staat durch ihre "Wissenschaft" in den Ruin geführt haben? Natürlich wie immer in einem Beamten und Bürokraten Staat mit einer hochbezahlten Pension auf Kosten der Steuerzahler. Solch ein Unfug kann nur in einem Beamten und Bürokraten Staat passieren, wo der logische Menschenverstand keinen Raum hat.

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