Schuld der Ökonomen Selbstgemachte Krise

Yanis Varoufakis hat früh die Fehler des Euros erkannt. Heute warnt er davor, die Krise nur in einzelnen Ländern zu sehen. An der Misere gibt er seinen Kollegen eine Mitschuld. Viele ihrer Modelle seien zu simpel.
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Yanis Varoufakis hätte gerne unrecht behalten, als er vor den Fehlern des Euros gewarnt hat. Quelle: Hollandse Hoogte/laif

Yanis Varoufakis hätte gerne unrecht behalten, als er vor den Fehlern des Euros gewarnt hat.

(Foto: Hollandse Hoogte/laif)

Yanis Varoufakis könnte triumphieren, aber er ist frustriert. Die Geschichte hat ihm recht gegeben, doch das gefällt dem 51-Jährigen mit griechischem und australischem Pass ganz und gar nicht. Schon Anfang der 90er-Jahre hat er als junger Assistenz-Professor der Universität Sydney in wissenschaftlichen Papieren vor Konstruktionsfehlern bei der europäischen Währungsunion gewarnt. Ernst nahm ihn damals fast niemand.

„Die Einzigen, die mir zuhörten, waren britische Europa-Skeptiker.“ Doch das waren so ziemlich die Letzten, die der bekennende Befürworter der europäischen Integration als Verbündete wollte. Aber so richtig freuen darüber, dass er recht hatte, kann er sich nicht. Sein Heimatland Griechenland steckt in der wirtschaftlichen Depression, in ganz Europa sind Millionen Menschen arbeitslos, die europäische Integration ist bedroht.

„Was mich wirklich frustriert, ist, dass es all diese Probleme eigentlich nicht geben müsste.“ Kein Erdbeben, kein Tsunami sei für das Elend verantwortlich, sondern eine falsche ökonomische Logik und verkehrte Wirtschaftspolitik. „Wir reden über eine Krise in Griechenland, über eine Krise in Irland und eine Krise in Spanien - kaum jemand versteht, dass es sich um eine systemische Krise handelt.“ Deutschland sei genauso betroffen wie die anderen Länder auch.

Um die Ursache der Krise zu erklären, spannt Varoufakis den ganz großen Bogen. Er führt die heutigen Probleme im Kern auf den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 zurück. Nach dem Ende der festen Wechselkurse hätten die USA sich um den Abbau ihrer Handelsbilanz-Defizite gedrückt, indem sie weltweit Kapital anlockten - dies habe im Laufe der Jahrzehnte zu einem vollkommen überdimensionierten Finanzsektor in den USA geführt. Dieses System sei 2008 zusammengebrochen und habe die Weltwirtschaft in die Krise gestürzt.

Zusammen mit seinem Fachkollegen Stuart Holland hat er ein Konzept zur Lösung der Euro-Krise entwickelt. Neben der Schaffung einer echten Bankenunion in Europa propagiert Varoufakis beschränkte Euro-Bonds und ein umfassendes europäisches Investitionsprogramm in den Krisenländern.

Dass sich diese Ideen politisch kaum durchsetzen lassen, dafür macht Varoufakis seine Fachkollegen mitverantwortlich. Diese lieferten mit ihren zu simplen Modellen die intellektuelle Rechtfertigung für eine „toxische Politik“.

Minderwertigkeitskomplex der Ökonomen
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7 Kommentare zu "Schuld der Ökonomen: Selbstgemachte Krise"

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  • Was nutzt es, wenn die ganze Welt es besser weiß und die Entscheidungsträger es nicht ändern wollen.

    Es hätte nie eine Gemeinschaftswährung für Europa eingeführt werden dürfen, weil es einfach nicht funktionieren kann bei so vielen unterschiedlichen Wirtschafts- u. Sozialsystemen. Der EURO wird auch
    letztlich scheitern, nur blockiert er, solange er künstlich am Leben erhalten wird durch eine völlig sinnfreie Schuldenpoltik, weiterhin eine Genesung des europäischen Wirtschaftraumes.

  • der herr ist nicht ernstzunehmen, hat er doch die griechische regierung seit mitte der 2000er jahre beraten.

    die finanzkrise 2008 in den usa , hier noch mit reinzumischen, zeigt die ganze unredlichkeit. die hat mit dem euro-desaster nun nur am rande zu tun.

    und eurobonds vorzuschlagen, zeigt dann entgültig in welche richtugn der herr Varoufakis denkt.

    sorry, so jemanden rauszukramen, ist typisch handelsblatt. wie wäre es , wenn ihr prof hankel -zum beispiel , publiziert hättet. aber der war ja lange zeit eine unerwünschte person und hatte publikationsverbot.
    aber wenigst jetzt, wo die euro-kritiker für alle ersichtlich recht bekommen, könnten ihr hankel, nölling , starbatty publizieren lassen. stattdessen den berater der griechischen regierung. gott ist das arm!!!

  • Bankenunion,Euro-Bonds,Investitionsprogrammin Krisenländern: Alles planwirtschaftliche Instrumente, die eines nicht verhindern: die Selbstbedienung im Öffentlichen Dienst u dessen Mißbrauch für politische Zwecke u Belohnung von Parteigängern. Ich dachte diesen angeblich tollen Ökonomen würde was besseres einfallen.

  • Herr Varoufakis sollte sich lieber mit den Chaos-Theoretikern befassen als mit den Mathematikern. Dann wäre er nicht so gefrustet und vielleicht käme dann auch nicht so ein Blödsinn heraus.
    Seine abstruse Idee soll doch nur der Wegbereiter für Eurobonds und Bankenunion sein – das Ganze sozusagen mal von einer angeblich anderen Seite aus betrachtet…vielleicht funktioniert es ja und der Leser merkt es nicht…
    In seinem merkwürdigen Modell kommen Korruption, eine viel zu hohe Staatsquote und ein extremer Mangel an Fachwissen gar nicht erst vor. Und es ist ein großer Fehler, GR mit den anderen, vor allem mit den Nord-Ländern gleichzusetzen.

    Die Griechen werden es ihm auf jeden Fall danken, insofern hat sich seine Arbeit schon jetzt gelohnt.
    Denn Menschen, die behaupten, GR sei ja gar nicht schuld, alle Länder seien in gleicher Weise betroffen oder ein anderes Land sei gar noch viel höher verschuldet etc. etc. werden hier frenetisch gefeiert.

    „Irgendwann müsse man das Modell dann aber zur Seite legen und seine eigene Urteilskraft nutzen.“

    Ja, genau das sollte er schleunigst tun.

  • Zur Therapie der kranken Euro-Zone, neben Bankenunion, Euro-Bonds und Invstitionsprogrammen, hat Varoufakis auch nichts Neues zu bieten.
    Die Süd-Länder können mit dem Euro nicht mehr abwerten, ihre Wettbewerbsfähigkeit ist eingeschränkt und "innere" Abwertungen etwa durch eine "Agenda"-Politik, wie sie in Deutschland gefahren wurde, um aus einem "kranken" Mann wieder einen gesunden Mann zu machen, ist nur schwer durchzustehen und in Griechenland bei der Klientel-Politik und in Hinblick auf reform-resistente Staatsbeamte schon mal gar nicht in dem Maß das erforderlich wäre. Deshalb auch die "Zeitstreckungspolitik", die Herr Schäuble einmal zu akzeptieren gewillt ist und dann wieder nicht.
    Griechenland benötigt wieder eine eigene Währung, andere Südländer unter Umständen auch.
    Die Politik den Euro in seiner jetzigen Form unter allen Umständen mit den Mittel des Herrn Draghi zu erhalten, weil dieser Euro angeblich "mehr" als eine Währung ist, was die Meinung einer Nichtfachfrau in Währungsangelegenheiten, nämlich der Bundeskanzlerin ist,wird zum Scheitern verurteilt sein.
    Eine Währung ist eine Währung und hat als Währung zu funktionieren und kann kein Dauerexperimentierfeld sein.

  • Die Modelle der Ökonomen sind nicht zu simpel, sondern die basieren auf Vorgaben, das immer bestimmte Klientel (Banken, Beamte, Rentner etc.) geschont werden müssen. So dass bestimmte Klientels weiter gemästet werden sollen, während der Normale Bürge geschlachtet werden soll.

    Bestes Beispiel Deutsche Energiewende. Die hohen Subventionen hat die Politik schön so gelassen. Statt die Subventionen anzupassen, bekommen jetzt die Stromgroßverbraucher zusätzlich Subventionen. Das bezahlt die Konsumenten, Klein- und Mittelbetriebe. Also die Schichten, die in Deutschland noch Geld ausgeben, und nicht nach China verschieben.

    Das Modell von Varoufakis wird genauso laufen. Das Geld für die neuen Subventionen von den Industrien der PIIGS wird den Restlichen Konsumenten, Klein- und Mittelbetriebe aufgebürdet, die dadurch weniger Geld in ihrem Land ausgeben können. Das Modell sorgt nur dafür, dass die anderen sehr schnell auch in eine ähnlich Krise geraten.

  • Nichts gegen Herrn Varoufakis, aber dass er der einzige war, der die Konstruktionsfehler des Euro erkannte, ist doch ausgemachter Unfug. Noch vor der Einführung haben sich sogar viele deutsche Ökonomen wegen der für jeden erkennbaren Risiken öffentlich in einem Aufruf gegen den Euro ausgesprochen. Der Euro ist das Produkt europatrunkener Politiker, die nicht wissen wollten, was sie anrichten. Eine Schönwetter-Währung ist gescheitert, und nun will man uns erklären, dass mehr Europa das Problem löst. Heilige Einfalt!

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