Schuldenkrise Kleine Unternehmen verlangsamen das Wachstum

Ein Problem der europäischen Krisenländer sind die vielen kleinen Firmen. Sie reduzieren die Produktivität, wie eine Studie zeigt. Das ist nicht das einzige Problem. Die Staaten müssen auch ihr Arbeitsrecht reformieren.
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Kleine Geschäfte wie dieses im Norden Griechenlands sind laut einer OECD-Studie unproduktiver als große Firmen. Quelle: Reuters

Kleine Geschäfte wie dieses im Norden Griechenlands sind laut einer OECD-Studie unproduktiver als große Firmen.

(Foto: Reuters)

KölnAuch die griechische Wirtschaft hat ihre Stärken – davon ist die EU-Kommission in Brüssel überzeugt: Positiv sei vor allem die große Anzahl kleiner und mittelgroßer Unternehmen. Nur 14 Prozent aller Beschäftigten verdienen in Griechenland ihr Geld in Großbetrieben – weniger als halb so viel wie im EU-Durchschnitt. Mehr als 35 Prozent der griechischen Wertschöpfung entsteht in kleinen Firmen, europaweit sind es nur 22 Prozent. „Diese Wirtschaftsstruktur“, ist der Vizepräsident der EU-Kommission, Antonio Tajani überzeugt, „ist ein Asset für Griechenland.“ Denn gerade kleine und mittlere Unternehmen seinen eine wichtige Quelle von Wirtschaftswachstum.

Ökonomen, die den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Unternehmensgrößen erforschen, widersprechen. Für sie ist der hohe Anteil von Mini-Firmen in Griechenland nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Tatsächlich sprechen eine Reihe von Argumenten dafür, dass zu viele Kleinbetriebe einer Wirtschaft mehr schaden als nutzen.

So zeigen Daten des europäischen Statistikamts Eurostat: Kleine Firmen sind unproduktiv – am effizientesten arbeiten Unternehmen, die mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigen. Ein zentraler Grund ist, dass Kleinbetriebe nicht von den Kostenvorteilen der Massenproduktion profitieren können.

Ein Blick auf die Landkarte der Euro-Krise macht deutlich: Nicht nur in Griechenland, auch in den anderen südeuropäischen Problemstaaten ist der Anteil von Mini-Unternehmen groß. So zeigen Daten des europäischen Statistikamts Eurostat: In Spanien, Portugal und Italien haben jeweils rund 94 Prozent aller Firmen weniger als zehn Angestellte – in Deutschland gilt das dagegen nur für 83 Prozent.

Die weit verbreitete Vorstellung, dass Kleinunternehmen schneller wachsen und überproportional viele Arbeitsplätze schaffen, ist ein Mythos, zeigte ein Forscherteam um den Ökonomen John Haltiwanger von der Universität Maryland. Am Beispiel von US-Firmen stellten die Ökonomen fest: Nur auf den ersten Blick entstehen in kleinen Unternehmen mehr neue Jobs als in Großbetrieben. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um eine Scheinkorrelation. Wenn man neben der Größe einer Firma auch ihr Alter berücksichtigt, zeigt sich: Es sind junge Firmen und nicht kleine, die überdurchschnittlich viele neue Arbeitsplätze schaffen.

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7 Kommentare zu "Schuldenkrise: Kleine Unternehmen verlangsamen das Wachstum"

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  • Welche "OECD-Studie" soll das denn sein? Ich finde bei der OECD dies: "SMEs are crucial engines of economic growth, jobs and social cohesion, according to the OECD."

  • Es geht doch in wirklichkeit nur darum , das Beschäftigte noch weniger Rechte haben sollen-kein Kündigungsschutz, niedrige Abfindungen sowie Löhne- ja so kann es funktionieren, die Manager bekommen den Hals nicht voll der Arbeitnehmer darf dafür die Zeche löhnen,ich bin verwundert das es dafür einer Studie bedarft hat, dies wird doch schon seit Jahren versucht oder auch umgesetzt.

  • Na ja, dann können die Ökonomen das Zeuch aus dem Laden ja in einen Grossbetrieb verschaffen

    (auch hier gibt es Outlets und die Läden machen zu)

    und die Beiden sitzen dann so darum.

  • Diese Experten, die herausgefunden haben, dass große Betriebe produktiver und effektiver wirtschaften als kleinere und mittlere, müssen zunächst die Frage beantworten, warum der "reell existierende Sozialismus" mit seinen riesen volkseigenen Betrieben kläglich versagt hat. Es sei denn die Experten meinen große Betriebe mit unter- oder außertariflichen Hungerlöhnen wirtschaften besser(aber für wen?), was glaubhafter klingt. Aber von so einem Europa träumt kein vernünftiger Europäer, oder?

  • Ich finde es plausibel, daß größere Unternehmen produktiver sind als kleinere.

    Ich frage mich allerdings: Wie erklären die Forscher dann den Unterschied von Portugal und Frankreich zu Deutschland? In Deutschland gibt es auch einen Kündigungsschutz, der ebenfalls ab einem Schwellwert eingreift (>10 Beschäftigte).

    Ferner ist eine ungenügende Produktivität keine hinreichende Erklärung für die Probleme der Euro-Staaten, insbesondere keine Erklärung für Massenarbeitslosigkeit.

    Und schließlich ist die Zahl der Patentanmeldungen m.E. kein guter Indikator für die Innovativität eines Unternehmens.

  • Für die Marktwirtschaft keine gute Nachricht.

  • Hier beißt sich mal wieder die Ökonomie mit den Bedürfnissen des Menschen. Oder der Makrokosmos mit dem Mikrokosmos.
    Die volle Effizienz des Makrokosmos, der Wirtschaft oder dem Staat, wird erreicht wenn alles möglichst effizient erwirtschaft, sprich billig, wird?
    Schön das ich meine Brötchen jetzt nur aus der Großbäckerei auf dem Land bekomme, oder mein Fleisch und die Eier aus äußerst effizienten, aber verseuchten Hühnern bekomme?
    Nein, so einfach kann man es sich nicht machen. Geld kann man nicht essen, es macht ungesund, einsam und krank, je nachdem was die "effiziente" Industrie uns da in den Kühlschrank beschert.
    Diese Forschung ist verblendet, sie vergißt einfach die menschlichen Bedürfnisse. Burnout ist erst der Anfang einer solchen Sichtweise.

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