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"Too Big to Fail" Wie der Staat die Großbanken subventioniert

Bankenregulierer haben das „Too big to fail“-Problem in der Finanzbranche unterschätzt, zeigen neue Studien. Allein in den USA summieren sich die versteckten Subventionen für Großbanken auf mehrere Milliarden Dollar pro Jahr und Institut. Der staatliche Schutz ist so attraktiv, dass er eine zentrale Triebfeder für die vielen Fusionen und Übernahmen in der Branche war.
8 Kommentare
New Yorks Finanzviertel Manhattan: Studien zeigen dass Großbanken für die Stabilität gefährlich sind. Quelle: Reuters

New Yorks Finanzviertel Manhattan: Studien zeigen dass Großbanken für die Stabilität gefährlich sind.

(Foto: Reuters)

LONDON. Selten hat ein Finanzminister so offen Industriepolitik betrieben wie Peer Steinbrück ab dem Spätsommer 2008. Die Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank war für ihn fast eine Frage der Staatsraison. Mit 18,2 Milliarden Euro Staatshilfe für die Commerzbank stellte er sicher, dass das Geschäft auch wirklich zustande kam. „Wir wollen einen weiteren starken Player neben der Deutschen Bank“, betonte Steinbrück. International einflussreiche Geldhäuser, so sein Kalkül, seien wichtig für die globale Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Wenn er sich da mal nicht geirrt hat. Inzwischen mehren sich die Indizien dafür, dass Großbanken die wirtschaftliche Stabilität eines Landes eher gefährden als sichern – weil sie den Staat de facto in Geiselhaft nehmen. Denn globale Geldkonzerne sind für Finanzsystem und Realwirtschaft so wichtig, dass sich keine Regierung erlauben kann, sie pleitegehen zu lassen.

„Too big to fail“ – Problem unterschätzt

Gerät eine Großbank in Schieflage, haben die Steuerzahler keine andere Wahl, als ihr aus der Patsche helfen. Viele Ökonomen fürchten: Diese unausgesprochene Staatsgarantie führt dazu, dass sich Großbanken bewusst in riskantere Geschäfte stürzen – und so Krisen wahrscheinlicher werden. Volkswirte haben dafür den Ausdruck „too big to fail“ (zu groß, um scheitern zu können) geprägt – oder kurz: „TBTF“.

Theoretisch ist dieser Mechanismus hochgradig plausibel – aber spielt er auch im wirklichen Leben eine Rolle?

Mehrere Finanzmarkt-Forscher liefern darauf jetzt neue Antworten. Sie kommen unisono zu dem Schluss: Bankenregulierer und Finanzpolitiker haben das „Too big to fail“-Problem unterschätzt. Allein in den USA summieren sich die versteckten Subventionen für die größten Banken auf mehrere Milliarden Dollar pro Jahr und Institut. Der staatliche Schutz ist zudem so attraktiv, dass Geldinstitute systematisch versucht haben, den „Too big to fail“-Status zu erreichen – die impliziten Staatsgarantien waren eine zentrale Triebfeder für die vielen Fusionen und Übernahmen in der Branche seit den 90er-Jahren.

Die Ergebnisse der Studien sind politisch hochgradig brisant. Denn nach der Finanzkrise diskutieren Fachleute, ob man Großbanken enger an die Leine nehmen sollte. Der britische Zentralbank-Chef Mervyn King sprach sich sogar für eine Aufspaltung von Finanzkonzernen aus. Der Ausschuss der Baseler Bankenaufseher will systemwichtigen Instituten strengere Eigenkapitalvorschriften auferlegen.

Priyank Gandhi und Hanno Lustig von der University of California, Los Angeles (UCLA), haben einen Weg gefunden, den Wert der staatlichen Garantien für Großbanken aus dem Verhalten der Finanzmärkte abzuleiten.

In ihrer Arbeit mit dem Titel „Size Anomalies in U.S. Bank Stock Returns“ stellen sie fest: Investoren haben in den vergangenen vier Jahrzehnten an den Börsen von kleinen Geldhäusern, für die der TBTF-Schutzschirm nicht gilt, systematisch höhere Risikoaufschläge verlangt als von großen Instituten.

„Die Anleger sind bereit, bei großen Banken auf einen Teil der Rendite zu verzichten, weil sie wissen, dass der Staat diesen Instituten in einer Krise zur Seite springt“, sagt Lustig. Aus den Bewertungsdifferenzen errechnen die Forscher den durchschnittlichen Wert der unausgesprochenen staatlichen Garantien für Großbanken. Ihre Schätzung ist atemberaubend: Die US-Regierung subventioniert jede Großbank im Jahr im Schnitt mit 4,7 Milliarden Dollar.

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8 Kommentare zu ""Too Big to Fail": Wie der Staat die Großbanken subventioniert"

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  • Ich habe in meinem Blog einen Artikel verfasst, den Leser dieses Artikels interessant finden könnten:

    http://finhistomics.com/2012/10/19/who-benefits-and-who-loses-from-tbtf-banks-the-economics-of-too-big-to-fail/

  • Ich habe in meinem Blog einen Beitrag geschrieben, der Leser dieses Artikels interessieren könnte:

    http://finhistomics.com/2012/10/19/who-benefits-and-who-loses-from-tbtf-banks-the-economics-of-too-big-to-fail/

  • Es gibt eine einfache, sichere Methode. Wenn eine Großbank oder andere AG von der Regierung gesützt werden muß, da zu groß, müssen alle Vorstände und Aufsichtsräte privat haften. ihr Vertrag mit allen
    Zusagen sind per Gesetz hinfällig, bis alles zurück
    bezahlt ist. Die alte Aufsichtsräte müssen bleiben bekommen bis zur Rückzahlung nur Spesenersatz.
    Vorstände bekommen max. 500.000 € pro Jahr Gesamtvergütung. Alle Ebenen darunter max. 300.000 €. Jeder natürlicher Unternehmer haftet auch, warum dann in diesem Fall der Manager nicht?
    Damit werden die Herren selbst darauf achten, daß nichts passiert. Viele Kontrollen etc. erübrigen sich, da sie im Zweifel ja so wie so nichts bringen.
    Wer dieses Risiko scheut taugt entweder nichts, oder will nur Kasse machen, egal zu welchen bedingungen. Auf solche Manager kann Deutschland und die Welt verzichten. Eigenes Geld in der Haftung
    bietet die größtmögliche Sicherheit.

    mfg

    Krebs

    mfg

    Krebs


  • Wie der Staat die Großbanken subventioniert.
    Ztitat.
    Großbanken gefährden die wirtschaftliche Stabilität eines Landes. Sie gehen bewusst höhere Risiken ein, weil sie sicher sind, dass sie am Ende vom Staat gerettet werden.-
    -----
    Alle wissen es, alle dulden es , viele unterstützen es und spielen mit im Casino bis zum seligen Ende.
    Eine bank die nicht lebensfähig ist, brauchen wir nicht.
    Aber, wir leisten uns den Luxus von luxuriösen beschäftigungsanstalten ohne ausreichenden Geschäftsbereich.
    Was soll das? Wir zahlen für etwas, was keiner mehr versteht, ausser denen, die davon fürstlich leben.
    Der Gipfel ist ja noch, dass wir das Geld nicht haben sondern dafür ebenfalls wieder von genau den banken pumpen. Diese haben es ebenfalls nicht und lassen es drucken und holen sich das wiederum bei den anderen Drucker-banken- die "Frischgedrucktes" verschenken u.s.w.
    ist doch ein tolles Geschäft, oder etwa nicht?
    So geht das. Jetzt spiele ich auch bald bank- hole ich mir auch Geld- von der Druckerbank- verleihe es und streiche die Gewinne ein. Am besten gebe ich es dem Staat, der ist ein zuverlässiger Schuldner, denn- der bürger bürgt - für immer und ewig- bis an sein ebenfalls seliges Ende. Was für eine Traumwelt für alle banker.
    Sind wir eigentlich alle die politiker im besonderen--noch ganz bei Sinnen?
    Langsam werde ich zynisch und denke,wir haben den finanziellen Untergang verdient.Die Schuldenspirale bricht uns bald das Genick.

  • Dass die Politik die Entstehung von Großbanken und Großunternehmen (National Champions) gezielt fördert und sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Förderung das Großunternehmenssegment fokussiert, ist doch keine Neuigkeit. Das tun die Regierungen in allen industriestaaten bereits seit vier Dekaden! (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/05/meganotfusionen-tragen-nicht-zur.html)

    Nur ist leider in Vergessenheit geraten, warum sie das tun! Nämlich weil die Großunternehmung seit den späten 60er Jahren im Hinblick auf innovativität und damit bezüglich ihres beitrages für Wachstum und beschäftigung gegenüber kleinen und mittelgroßen Unternehmen als überlegen angesehen werden. Und vor allem, weil von wenigen großen Unternehmen geprägte Märkte seit dieser Zeit wettbewerbstheoretisch als optimal für Effizienz, Wachstum und beschäftigung angesehen werden (genannt: „funktionsfähiger Wettbewerb“ = Oligopolistische Märkte mit wenigen großen Anbietern).

    Diese Hypothese stand immer schon auf tönernen Füßen. Mehr noch sind die Krise und vor allem die anhaltend hohe instabilität der Märkte ein Resultat der Ausrichtung der Wirtschaftspolitik an dieser die Oligopole fördernden Wettbewerbstheorie. Und diese Wettbewerbstheorie ist auch die basis der gegenwärtigen Form von industriepolitik, wie z. b. die staatlich geförderte Entstehung eines zweiten großen deutschen bankchampions zeigt.

    Mit anderen Worten hat die Politik (in den industriestaaten) die Entstehung von großen Playern über Dekaden gefördert und sie tut es heute noch. bekommen hat sie aber nicht das, was die der befolgten Wettbewerbstheorie zugrunde liegende Hypothese versprochen hat (Wachstum und beschäftigung). Vielmehr hat sich die Politik dadurch die Krise, das TbTF-Problem, nicht mehr richtig funktionierende und hochgradig instabile Märkte eingehandelt.

    Das Problem, das die Politik hat – gerade auch hinsichtlich der Ausrichtung der europäischen Wirtschaftspolitik -, ist, dass das altgediente Wettbewerbsleitbild versagt hat und nun konsequenterweise ein neues gefunden werden müsste. Doch welchem Politiker sind diese Zusammenhänge überhaupt klar?

    ich habe in einem buch schon 2002 dargelegt (siehe dazu auch: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/11/wirtschafts-und-finanzmarktkrise.html), dass und vor allem auch warum die Politik und die Märkte auf diese Probleme zusteuern. Um das zu sehen, braucht man also keine empirischen Studien anzustellen. Vor allem aber helfen diese Studien definitiv nicht bei der Frage, was getan werden muss, um aus dieser gefährlichen Lage wieder herauszukommen.

  • Keine Regierung der Welt - außer Diktaturen - ist in der Lage systemrelevante banken zu beherrschen!
    Die Abhängigkeit der Regierungen vom Kapital ist nicht nur durch den Lobyismus bestimmt sondern,wenn man abgewählt ist,braucht man wieder den Lobyismus um einen Arbeitsplatz zu erhalten.
    Man hilft sich gegenseitig - nur wir gemeinen Steuerzahler helfen uns nicht gegenseitig=dagegen revoltieren!?

  • Danke für die Quellenangaben im Artikel. Das würde ich mir häufiger wünschen.

  • Wenn die Politik dort etwas ändern WOLLTE, dann ginge das auch. beispielsweise mit Verstaatlichungen und einem geregelten Verfahren für die Abwicklung von Pleitebanken. Wer hohe Zinsen kassiert, der muss auch das dazugehörige Risiko tragen.

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