Wirtschaftsweise Claudia Buch „Die Bedingungen für Griechenland liegen auf dem Tisch“

Ein Austritt aus der Euro-Zone könnte Griechenland den staatlichen Kollaps bringen. Die Wirtschaftsweise Claudia Buch über die Finanzkrise, die Problematik von Euro-Bonds, und die schwierige Lage der EZB.
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Claudia Buch gehört seit März 2012 dem Sachverständigenrat an. Quelle: dapd

Claudia Buch gehört seit März 2012 dem Sachverständigenrat an.

(Foto: dapd)

EssenDer Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ist inzwischen eine ernsthafte Politik-Option. Könnte der Rest der Euro-Zone das wirtschaftlich verkraften?

Die Geschäftsbanken dürften einen Teil der direkten Lasten, die mit Griechenland verbunden waren, verarbeitet haben. Natürlich gibt es auch weitere Risiken, die schwer zu beziffern sind. Aber das kann im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass wir jedem Land immer und um jeden Preis helfen müssen. Die Bedingungen, zu denen Europa Griechenland beisteht, liegen seit Monaten klar auf dem Tisch. Jetzt ist es Sache der Griechen, sich darauf einzulassen.

Würde an den Finanzmärkten nicht sofort Panik ausbrechen?

Überlegungen zu den genauen Folgen eines Euro-Austritts halte ich für spekulativ. Es gibt die staatlichen Rettungsschirme, die aber überfordert sein können, wenn nicht die nötigen strukturellen Reformen glaubwürdig in Angriff genommen werden. Gleichzeitig wird die Lage in den einzelnen europäischen Ländern aber inzwischen von den Märkten durchaus differenziert wahrgenommen.

Woher nehmen Sie diese Zuversicht?

Aus der Tatsache, dass die Euro-Zone derzeit dabei ist, ihre realwirtschaftlichen Probleme zu lösen. Länder wie Irland, Spanien, Portugal und Italien kommen bei der Umsetzung wichtiger Strukturreformen gut voran. Der jetzt eingeschlagene Kurs wird die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in diesen Ländern erhöhen. Insgesamt halte ich die realwirtschaftlichen Unterschiede in der Euro-Zone nicht für zu groß, aber es darf auch keine Anreize zu übermäßiger Verschuldung geben.

Würde eine eigene Währung Griechenland die Anpassung erleichtern?

Eine eigene Währung würde helfen, den nötigen Rückgang der Realeinkommen ohne eine direkte Kürzung der Löhne im Inland zu erreichen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite ist, dass dem Land ein Zusammenbruch des Bankensystems, hohe Inflationsraten und ein Staatsbankrott drohen würden. Und wenn Griechenland den Euro verließe, wäre der Zugang zu Finanzhilfen viel schwerer.

Kann Griechenland die an die Hilfen geknüpften Auflagen überhaupt erfüllen?

Die erforderlichen Strukturreformen führen in einigen Teilen der Wirtschaft zu harten Anpassungen. Sie nehmen auch Privilegien. Aber wenn man die Reformen konsequent umsetzt, werden sie positive Wachstumsimpulse bringen. Reformen der sozialen Sicherungssysteme können zudem helfen, notwendige Anpassungen abzufedern.

„Euro-Bonds verschärfen die Probleme“
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12 Kommentare zu "Wirtschaftsweise Claudia Buch: „Die Bedingungen für Griechenland liegen auf dem Tisch“"

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  • Claudia Buch negiert oder läßt unerwähnt:

    Gesellschaften sind nur verschuldet, weil es Parlamentariern leichter fällt, Kreditaufnahmen zu bewilligen als Steuern festzusetzen.

    Bei wem sind Gesellschaften hauptsächlich verschuldet?

    Ist der Grieche oder der Deutsche mit höheren gesellschaftlichen Schulden in €/Bürger belastet?

    Keine Währung wird durch Auseinandersetzungen zwischen Gläubigern und Schuldnern beschädigt. Das Geld ist nicht weg, es hat nur wer anderes.

    Übrigens:
    Wer anvertrautes Geld verspekuliert oder sich für eine Spekulation verbürgt, sollte dafür haften müssen, egal, ob Einzelner, Gruppe oder Parlamentarier.

  • Claudia Buch negiert oder läßt unerwähnt:

    Gesellschaften sind nur verschuldet, weil es Parlamentariern leichter fällt, Kreditaufnahmen zu bewilligen als Steuern festzusetzen.

    Bei wem sind Gesellschaften hauptsächlich verschuldet?

    Ist der Grieche oder der Deutsche mit höheren gesellschaftlichen Schulden in €/Bürger belastet?

    Keine Währung wird durch Auseinandersetzungen zwischen Gläubigern und Schuldnern beschädigt. Das Geld ist nicht weg, es hat nur wer anderes.

    Übrigens:
    Wer anvertrautes Geld verspekuliert oder sich für eine Spekulation verbürgt, sollte dafür haften müssen, egal, ob Einzelner, Gruppe oder Parlamentarier.

  • Alle schön und gut, wenn die Bedingungen, zu denen Europa Griechenland beisteht, liegen seit Monaten klar auf dem Tisch. Jetzt ist es Sache der Griechen, sich darauf einzulassen und weiter zocken. Inwischen glaubt kein Mensch mehr, dass man einem Griechen das Arbeiten beibringt. Ich war selbst über zwei Jahre in Griechenland als Berater tätig. Die Drecksarbeiten haben die Afrikaner verrichtet. Die Griechen, wenn es sein musste, haben dann die Arbeit auf 6 Personen verteilt. Das Ergebnis war und ist, dass nach 5 Jahren die Arbeit immer noch nicht erledigt ist. Strukturreformen? Korruption? Kasteramt? Klärwerke? Alles Fremdwärter für die Griechen.
    Die EZB hat jetzt schon durch den Ankauf von Staatsanleihen Umverteilungsfunktion übernommen. Das kommt bestimmten Teilen des Währungsraums zugute, anderen weniger, wie Deutschland. Dazu fehlt der EZB das Mandat und die demokratische Legitimation. Was ist die EZB jetzt?
    Wer kommt jetzt für die Verluste der EZB auf?
    Das Mandat der EZB ist eindeutig definiert. Sie hat die Instrumente, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Sonst garnichts. Kann dann ein Staat gegen die EZB rechtlich, wegen vertragsbruch, strafrechtlich vorgehen.

  • Ein Austritt aus der Euro-Zone könnte Griechenland den staatlichen Kollaps bringen, aber die wirtschaftliche Gesundung.
    Ihr Griechen: raus aus dem Euro.
    Schnappt Euch Eure Drachme, sorgt dafür, dass man günstig zu Euch und in die Sonne kommen kann, dann klappt´s schon!

  • "Zinseszins-Problematik"

    Ich kanns nicht mehr hören. Selbstverständlich funktioniert das Zins-System. Nur dürfen halt die aufgenommenen Kredite nicht verkonsumiert werden, sondern müssen investiert werden und zwar so, dass Zins und Tilgung aus der Investition bezahlt werden können. Ist das nicht der Fall, verliert der Investor sein Geld. Ist doch richtig so, wenn er sich verkalkuliert.
    Allerdings darf dafür nicht der Steuerzahler aufkommen sondern der Investor oder der Kreditgeber.

    Das Problem sind daher nicht die Zinsen, sondern die Einkommensverteilung. Und diese läßt sich einfach durch das Steuersystem regulieren.

  • Immer wieder stelle ich mir die Frage, ob die Ökonomie ein Zweig der bildenden Künste ist, wo der Maler mit etwas Leinwand und Farbe ein rätselhaftes Kunstwerk schafft. Der Wert des Gemäldes hängt dann davon ab, wie geschickt der Künstler seine Farbkomposition erklären kann und wie oft er damit Erfolg hatte. Kein Konzern wird jemals diese Gewinne erzielen. Keine schwäbische Hausfrau wird jemals kaufen. Kaufen kann nur jemand, dem das Geld in Überfluss zukommt. Und wie macht man das? Man macht es im Prinzip wie der Maler! Der Galerist stellt parlamentarischen Raum für die Kunstbesessenen zur Verfügung, damit die in gegenseitiger Wertschätzung sich vor dem Thema vergeistigen können. Für den Geist müsste eigentlich schon der Nagel reichen; das Bild kann man sich hinzudenken. Da setzt der Geist aus.

    Deshalb sind meine Hoffnungen auf Problemlösung gering. Die Verursacher der Krise werden von sich aus keine Lösung finden, denn sie sind alle Ökonomen.

    http://www.bps-niedenstein.de/

    Beispiel: Die Stadt Kassel kaufte einen Schrottbully und ein paar ausgemusterte Schlitten für 1 Million DM, denn der Wertschöpfer trug einen Hut.

  • Ist das nicht spitze?! Die Dame war vorher bei Goldman Sachs angagiert. Banksters Augen und Ohren sitzen nun auf der Regierungsebene und spionieren unseren Staat aus wie in Griechenland. Das Ende vom Lied kennen wir ja bereits. Wenn es dann eng wird gehen sie stiften. Willkommen in der Bankendiktatur. Die Goldman Sachs geschulte Dame wälzt geschickt mit Hilfe dieses Massenmediums die Verbrechen der Banker auf die Sozialsysteme ab. Absolut korrupt und wir bezahlen auch noch dafür.

  • Ausufernde Verschuldung (Eine Kernbetrachtung)wird durch zwei Faktoren beschleunigt. Zum einem durch die Zinseszins-Problematik im Geldsystem – ein exponentieller Verlauf. Zum anderen durch ein falsch gelerntes Problem-Lösungs-Prinzip, was ebenfalls exponentiell verläuft und zu vermehrter Komplexität in den ökonomischen Strukturen führt. Ersteres wird durch Zweiteres zudem befördert.

    Mehrheitlich gelernte “Gegenmaßnahmen” zur Aufrechterhaltung der Systemstrukturen allgemein: Mehr Arbeitsaufwand für immer weniger Lebensqualität, mehr Energieeinsatz und damit verbundene Umweltthematiken, mehr Druck in den Hierarchien, Gegendruck und Burnout, gesteigerter Ressourceneinsatz in einem begrenzten System und – wie bereits angerissen- mehr Geldmittel und somit mehr Schulden, Zinsen und Zinseszinsen (bei Schaffung von Geld aus dem Nichts).

  • @heilbronn1964

    gibt es noch andere Gründe...

    ja: "kriminelle und erpressbare Gründe". Hätt man Sie am Knebel, würden Sie ebenfalls so reagieren.

  • Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber hat nicht der Autor Groß in seinem Buch Spielgeld-ein neues Wirtschaftssystem schon 2008 geschrieben, dass das alles so kommt. Der hat den Nachweis für die Überschuldung durch den Zins gezeigt und hat ein neues auf Eigentum basierendes Wirtschaftssystem vorgestellt. 2008 war das schon, heute haben wir 2012!!!

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