George Akerlof greift Neoklassiker scharf an Wo Keynes Recht hatte und Friedman irrte

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Der Keynesianismus war in den siebziger Jahren aus der Mode geraten - vor allem, weil seine Methoden als nicht mehr zeitgemäß galten. Denn die Modelle der Keynesianer basierten auf Ad-hoc-Annahmen über das ökonomische Verhalten der Akteure. Die makroökonomischen Zusammenhänge waren nicht aus stringenten Annahmen über das Verhalten der einzelnen Verbraucher und Unternehmer abgeleitet.

Die neo-klassischen Ökonomen dagegen setzten auf die so genannte „Mikro-Fundierung“. Sie kamen zu dem Ergebnis: Staatliche Interventionen in die Wirtschaft sind weitgehend wirkungslos. Denn Menschen, die in perfekten Märkten rational ihren Nutzen maximieren, richten ihren Konsum nicht an ihrem aktuellen Einkommen aus, sondern an ihrem Lebenseinkommen - kurzfristige Steuersenkungen oder Lohnerhöhungen sind also neutral für den privaten Verbrauch.

Ähnliches gilt für Unternehmen, die in der neoklassischen Welt ihre Investitionsentscheidungen nicht von ihrem aktuellen Cash-Flow abhängig machen. Zwischen der Inflationsrate und der Arbeitslosigkeit gibt es in den Modellen langfristig keinen Zusammenhang; weder die Geld- noch die Fiskalpolitik haben dauerhaften Einfluss auf die Realwirtschaft.

All diese Phänomene basieren auf der Annahme, dass die jeweiligen Entscheidungsträger Nutzenmaximierer sind. „Aber die Nutzenfunktionen der Akteure sind sehr eng definiert“, betonte Akerlof. Die Realität dagegen sei wesentlich komplexer: „Die Menschen haben meist auch Meinungen darüber, wie sie sich verhalten sollten und wie nicht. All dies betrachten neo-klassische Volkswirte nicht", kritisiert er.

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