Wie die Wirtschaft funktioniert Kann Argentinien Vorbild für Griechenland sein?

Erste Stimmen fordern einen Bankrott Griechenlands, so wie ihn bereits Argentinien im Jahr 2001 erlebte. Der Vergleich beider Länder zeigt Parallelen. Allerdings könnte im griechischen Fall eine Kettenreaktion drohen.
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Der Ruf nach einer Bankrotterklärung Griechenlands und einem Austritt aus dem Euro wird immer lauter. „Es gibt ja kaum Aussicht auf Besserung, und deswegen ist es besser, dann einen sauberen und klaren Schnitt zu machen“, sagte jüngst Bayerns Finanzminister Markus Söder. Ein Blick auf die Erfahrung Argentiniens, das sich Ende 2001 für bankrott erklärte und kurz danach die langjährige Anbindung des Pesos an den US-Dollar löste, scheint ihm recht zu geben.

Argentiniens Wirtschaft hatte bis zur Aufgabe des festen Wechselkurses mit dem Dollar unter ähnlichen Problemen gelitten wie heute Griechenland: Das Land war nicht mehr wettbewerbsfähig. Vom IWF konzipierte Sparprogramme und Strukturreformen führten in eine schwere Rezession. Nach der Wechselkursfreigabe schrumpfte die Wirtschaft noch einmal ein Quartal lang kräftig um fünf Prozent.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt

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(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

Danach ging es stark aufwärts: Von 2002 bis 2011 stieg das BIP preisbereinigt um über 90 Prozent. Haupttriebkräfte waren Investitionen und Konsum. Die Tatsache, dass Argentinien Schwierigkeiten hatte, im Ausland Kredit zu bekommen, und kaum Direktinvestitionen aus dem Ausland flossen, tat dem keinen Abbruch. Nach drei Jahren war die Wirtschaftsleistung von 1998 wieder erreicht. Der Beschäftigungsstand stieg auf einen Rekordwert, die Arbeitslosigkeit fiel auf acht Prozent und der Anteil der Armen ging massiv zurück.

Diesem Beispiel könnte Athen durchaus nacheifern. Ob das auch Deutschland gut täte, wie Söder zu glauben scheint, steht auf einem anderen Blatt. Abgesehen von den abzuschreibenden Forderungen wäre das langfristige Überleben der Währungsunion zweifelhaft: Wenn das erste Land ausgetreten ist, steht der Spekulation auf den nächsten Pleite- und Austrittskandidaten Tür und Tor offen. Ohne Vergemeinschaftung der Schulden ließe sich diese Spekulation kaum eindämmen.

Der Autor ist erreichbar unter: haering@handelsblatt.com

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9 Kommentare zu "Wie die Wirtschaft funktioniert: Kann Argentinien Vorbild für Griechenland sein?"

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  • Man sollte die Dinge nicht gleichsetzen. Argentinien hat nach 2000 auch nachhaltig vom Boom der Agrarrohstoffe produziert. Ein Boom der zu starken Investitionen führte.
    Solche Rohstoffe hat Griechenland nicht. Zudem fehlt es sowohl der griechischen Oberschicht als auch anderen Teilen der Bevölkerung an staatsbürgerlicher Verantwortung und Selbstdisziplin im Hinblick auf die Gesamtgesellschaft. Man denke nur an die Themen Steuerhinterziehung der Reichen und ständige Streikbereitschaft der griechischen Gewerkschaften. Wo aber die geistig-emotionalen Fundamente für einen Neuanfang fehlen, da besteht wenig Aussicht auf Besserung.

  • Wenn man täglich als Trader vor der "Glotze" sitzt und die Intraday-Reaktionen der typischen Angst-Indikatoren wie z.B. die italienischen 10jährigen Btp's bei dramatischen Hellas-News registriert, konnte man schon seit Wochen sehen, dass die dort unten keinen mehr in Panik versetzen. Man betrachte sich auch die Positionierungen der internationalen Investoren, soweit erkennbar (Commitment of Traders, etc.). Dass eine Athener Pleite längst eingepreist ist, hat heute (siehe Süddeutsche Z.) sogar Schäuble bemerkt. An verschiedensten Indikatoren kann man ablesen, dass der Markt jetzt die Eurozone viel differenzierter (und qualifizierter) betrachtet als noch vor Monaten.
    Der Markt kann doch rechnen. Dass Griechenland jemals einen Primärüberschuss erwirtschaften kann, der zur Bedienung von Schulden in Höhe von 130% bis 140% des BIP ausreicht (und darauf, nicht auf 120%) laufen die jetzigen Sparvereinbarungen hinaus, ist eine lächerliche Idee.
    Die neuesten Meinungsumfragen in Athen zeigen sowieso, dass nach den Märzwahlen dort eine Konstellation gegeben sein wird, die die Sparvereinbarung zur Makulatur macht.

  • Welche Waren werden überhaupt importiert und könnten diese überhaupt durch inländische Produktion substituiert werden oder droht ein massiver Wohlstandsverlust weil die Importgüter weiterhin aus dem Ausland zu höheren Preisen bezogen werden müssten?

    Genau da fängt das Griechische Desaster an.

  • Argentinien ist Argentinien und Griechenland ist Griechenland. Von irgendwelchen Vergleichen oder gar Vorbildern sollte man sich ganz schnell trennen.

    Für Griechenland ist entscheidend, was sie denn dort produzieren bzw. handeln wollen, das den Menschen in Griechenland nachhaltig befriedigende Einkommen schafft. Dann ist auch Einkommen für Nachfrage da.

  • Argentinien hat die Anleger betrogen. 50Mrd US$ liegen seit der Pleite in der Schweiz.

    Argentinien veröffentlich seit der Pleite gefälschte Wirtschaftsdaten.

    Argentinien bekommt nur noch Kredit bei Chavez zu >10% Zinsen.

    Argentininen befindet sich nunt seit mehr als 10 Jahren im Staatsnotstand.

    Weltweit existieren tausende Pfändungsbeschlüsse gegen Argentinien. Erst vor wenigen Wochen Gab der ICSID italenischen Gläubigern recht.

    Wirklich ein tolles Vorbild für Griechenland, Herr Häring !

  • Griechenland ist ein Trauerspiel und jener Teil der Bevölkerung der nicht zu den Privilegierten zählt ist bemitleidenswert. Innerhalb der Euro-Zone wird Griechenland massiv deflationieren und sich gesundschrumpfen müssen. Die Alternative des Austritts aus dem Euro birgt ja nicht nur Ansteckungsgefahren, sondern eröffnet eine wichtige weitere Frage: Was bringt es denn konkret? Welche Branchen könnten denn durch eine Abwertung der Drachme verstärkt exportieren? Gibt es überhaupt eine nennenswerte Exportwirtschaft? Und wie stark sind die Griechen von Importen abhängig? Welche Waren werden überhaupt importiert und könnten diese überhaupt durch inländische Produktion substituiert werden oder droht ein massiver Wohlstandsverlust weil die Importgüter weiterhin aus dem Ausland zu höheren Preisen bezogen werden müssten?

    Ich habe die Weißheit bei Gott nicht mit dem Löffel gefressen, aber ich vermute diese zentralen Fragen müssten erst mal geklärt werden. Und ich finde es enttäuschend, dass weder in der Presse noch in den ganzen Polittalks diese Fragen ausreichend/überhaupt gewürdigt werden.

  • Während der PesoDollar Bindung in Argentinen gab es massive Kapitalauswanderung, also wenn jetzt nicht spekulatives Kapital von Aussen kommt ist das vielleicht besser, die Inflazion ist kein Problem wenn es Arbeit gibt und die Löhne verhältnismässig steigen, also ich glaube die Griechen könnten vielmehr produzieren und exportieren wenn sie ihre eigene Währung hätten egal ob sie über Naturalressourcen verfügen, aber vielleicht kann ich nicht sehr objetiv sprechen nach der Erfahrungen die ich hier in Argentinien erlebte.

  • Ich lebe in Argentinien und Ich kann dem Autor nur voll und ganz zustimmen. Hier war während der 90r zuerst einen Wirtschaftsaufschwung nach der Bindung der Peso mit dem Dollar und alle waren zufrieden mit diesem Rezept, aber dann war die Entäuschung gross wenn das Kapital das den Aufschwung für ein Paar Jahre finanzierte uns im Stich liess. Die Arbeitslosigkeit und Armut waren wirklich verheerend aber unsere dumme Politiker zusammen mit der IWF blieben stur und hielten an der Dollarbindung fest in der Hoffnung das Kapital würde zurückkommen nachdem grosse Menge Schutzanleien der IWF das Vertrauen restauriert, sehr zu gunsten des spekulstives Kapital das unser Land vollständig plünderte wenn die Regierung wegen des desaströses Wiertschafts und Soziallage nicht mehr hielt. Also es liess sich vermeiden. Ich hoffe es geht den Griechen nicht wie Argntinien damals aber wenn ich über Griechenland lese erinnert mich fast genau an diese jahre in unserem Land

  • Ja und warum sagt Herr Söder nicht das Argentinien seit 10 Jahren Inflation von über 15% hat und das noch immer die Nationalbank und Argentinier selbst 90% der Anleihen kaufen.Es gibt praktish kein Zufluss von Kapital von Aussen.Griechenland grenzt nicht an ein Wirtschaftsgigant wie Brasilien und sitzt nicht auf Rohstoffe wie Argentinien.Buenos Aires ist einer der größten Exporteure von Lebensmittel auf der Welt,dazu kommt ein Binenmarkt von 40 mio. Menschen.Griechenland ist nicht mit Argentinien zu vergleichen.

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