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Wissenswert Datenschutz ist Nutzern oft gleichgültig

Nicht erst seit Ilse Aigners Facebook-Austritt ist der Datenschutz im Internet ein großes Thema in Politik und Medien. Berliner Forscher haben jetzt aber überraschendes herausgefunden: Den Nutzern ist der Schutz ihrer Privatsphäre ziemlich gleichgültig.
2 Kommentare

LONDON. Wahrscheinlich war es der erste Austritt bei Facebook weltweit, der per Pressekonferenz verkündet wurde: Anfang Juni verkündete Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) der versammelten deutschen Hauptstadtpresse, dass sie das soziale Netzwerk verlässt: "Der Datenschutz auf der Seite entspricht nicht den deutschen Gesetzen."

Seit Monaten haben Medien und Regierung Internetunternehmen wie Facebook, Google und Co. ins Kreuzfeuer genommen, weil sie systematisch und zum Teil ohne Wissen ihrer Nutzer Daten sammeln und zu Geld machen wollen. Der Datenschutz aber ist der deutschen Politik heilig. Seit 1983 hat das "Recht auf informationelle Selbstbestimmung" quasi Verfassungsrang.

Aber wie wichtig ist den Internetnutzern selbst ihre Privatsphäre? Ein Forscherteam um die Berliner VWL-Professorin Dorothea Kübler (Wissenschaftszentrum Berlin) ist dieser Frage mit einem Experiment auf den Grund gegangen. Das Ergebnis ihrer Studie mit dem Titel "Unwillingness to Pay for Privacy" dürfte jeden Datenschützer deprimieren: Die meisten Menschen behaupten zwar, dass ihnen der Schutz ihrer Privatsphäre im Internet wichtig ist, handeln aber anders: Viele Internetnutzer geben Informationen von sich preis, sobald sie dadurch Geld sparen.

Das Forschertrio lud 225 Berliner Studenten in ein Experimentallabor. Die Teilnehmer hatten Möglichkeit, bei einem von zwei realen Internet-Versandhäusern eine DVD zu bestellen. Die Versuchsleitung subventionierte den Einkauf mit sieben Euro. Das Warenangebot beider Anbieter war identisch, auch ihre Webseiten sahen ähnlich aus. Nur mit Blick auf die Preise und die Privatsphäre der Kunden gab es einen Unterschied. Eines der beiden Versandhäuser fragte bei einer Bestellung mehr persönliche Daten ab. Nur, wer sein genaues Geburtsdatum und sein jährliches Einkommen angab, konnte dort bestellen. Im Gegenzug waren alle DVDs einen Euro günstiger.

Die überwältigende Mehrheit der Versuchspersonen (92 Prozent) kaufte beim günstigeren Anbieter ein und offenbarte diesem ohne Zögern ihre persönlichen Daten.

Nach den Experimenten befragten die Wissenschaftler die Probanden zum Thema Datenschutz. Dabei offenbarte sich eine Kluft zwischen dem tatsächlichen Kaufverhalten und ihren Einstellungen: 75 Prozent gaben an, dass sie ein sehr großes Interesse am Schutz ihrer persönlichen Daten haben - Ergebnisse, die sich mit repräsentativen Umfragen in der Gesamtbevölkerung decken. "Die Experimente führen vor Augen, dass es einen verbreiteten Unwillen gibt, für den Schutz der Privatsphäre Geld zu bezahlen", lautet das Fazit der Forscher. Bleibt die Frage, ob die Politik die Menschen mit strengeren Datenschutz-Gesetzen vor sich selbst schützen sollte. Klar ist nur so viel: Pressekonferenzen bringen wenig.

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2 Kommentare zu "Wissenswert: Datenschutz ist Nutzern oft gleichgültig"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hab ich ganz ohne teure Studie auch herausgefunden (ist übrigens genau so wenig repräsentativ ,) https://opalkatze.wordpress.com/2010/05/16/unsicher/

  • Leider ist der Link zum Download der Studie tot. Die Studie kann hier heruntergeladen werden: http://ideas.repec.org/p/iza/izadps/dp5017.html

    Traue keiner Studie, dessen Kriterien du nicht selber ausgesucht hast.

    Zuerst:
    in diesem Artikel wurde nicht erwähnt, dass der E-Shop, der weniger Daten sammelte, auch das Geburtsjahr als Pflichtfeld verlangte.

    Nun sind Daten, die sowieso bei beiden Pflicht sind, wie Name, Adresse, E-Mail deutlich personenbezogener als das genaue Geburtsdatum (wenn sowieso das Jahr angegeben werden muss), weshalb die Angabe desselben hingenommen wird.

    Nun wurde auch nach dem Einkommen gefragt, was ja sehr wohl ein sensibles Datum ist. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass ausschließlich Studenten in der Studie befragt wurden, die i.d.R. weniger verdienen als der Durchschnitt und sich kaum für ein sehr geringes Einkommen schämen und deswegen wahrscheinlich eher bereit sind, als der bevölkerungsdurchschnitt.

    Somit ist das Resultat der Studie meiner Meinung nach nicht repräsentativ, setzt aber trotzdem ein falsches Signal an die Verantwortlichen an der Spitze der Regierungen

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