Wissenswert Warum hohe Benzinpreise gut für uns sind

Um zehn Prozent sind die Benzinpreise seit Jahresbeginn gestiegen. Viele Verbraucher haben Angst vor einer neuen Ölkrise. Diese Sorge ist jedoch unbegründet: Deutschland könnte sogar von den hohen Ölpreisen profitieren.
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Derzeit zahlen viele Autofahrer mehr als je zuvor an der Zapfsäule. Quelle: dpa

Derzeit zahlen viele Autofahrer mehr als je zuvor an der Zapfsäule.

(Foto: dpa)

LondonEs ist ein neuer Rekord in der 126-jährigen Geschichte des Automobils: Um die 1,72 Euro müssen deutsche Autofahrer an vielen Tankstellen für einen Liter Superbenzin bezahlen – so viel wie nie zuvor. Allein seit Jahresbeginn sind die Preise um zehn Prozent gestiegen. Den Autofahrern treibt das „Benzinpreis-Drama“ (ADAC) Zornesröte ins Gesicht.

Aber wie gefährlich ist diese Entwicklung für die Konjunktur? Droht womöglich gar eine neue Ölkrise wie in den 70er-Jahren?

Ein dreiköpfiges Forscherteam um Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen gibt in einer neuen empirischen Studie Entwarnung: Denn längst nicht jeder Öl- und Benzinpreisschock hat die gleichen negativen Folgen für die Konjunktur. Die für die deutsche Gesamtwirtschaft enorm wichtige Exportindustrie profitiert sogar nicht selten von höheren Ölpreisen.

Basis der Forschungsarbeit ist eine detaillierte Analyse von Daten über Angebot und Nachfrage auf dem globalen Öl-Markt, der Entwicklung der Weltwirtschaft und der deutschen Konjunktur zwischen 1973 und 2011. Dabei zeigt sich: Die Konjunktur-Effekte höherer Treibstoffpreise stehen und fallen damit, welche Ursachen den Sprit teurer machen – Ölpreisschock ist längst nicht gleich Ölpreisschock.

Auf ganzer Linie gefährlich für die Wirtschaft wird es nur dann, wenn es wie in den 70er-Jahren zu Produktions- oder Lieferengpässen auf dem Ölmarkt kommt. Dann leidet nicht nur der private Konsum, auch die Investitionen und die Exporte kommen unter die Räder. Innerhalb der ersten eineinhalb Jahre kostet solch ein Angebotsschock im Schnitt 1,5 Prozentpunkte Wirtschaftsleistung. Doch die gute Nachricht ist: Solche Ölpreisschocks hat es in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr gegeben. Seit 2002 war es laut Studie nahezu ausschließlich die steigende Weltnachfrage nach Öl, die die Preise in die Höhe getrieben hat.  

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35 Kommentare zu "Wissenswert: Warum hohe Benzinpreise gut für uns sind"

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  • Die Ausgangsbasis der Diskussion stimmt nicht: Benzin ist sehr preiswert. 1960 musste der Durchschnittsverdiener 14 Minuten für einen Liter Benzin arbeiten, 2010 nur 6 Minuten. Dazu kommt ein PKW-Minderverbrauch von mehr als 40 % (bei mir wären es 60 in der gleichen PKW-Klasse).
    Somit istm,die Preissteigerungen seit 2010 eingerechnet, das Benzin aktuell um 70 % günstiger als 1960.

  • @vhe
    "Leute, Deutschland war mal komplett bewaldet!"

    Nicht nur Deutschland. Früher war die ganze Welt ein riesen Garten Eden. Wir sollten kollektiven Selbstmord begehen. Wir Menschen sind schlecht. Wir können die Welt noch retten. [...]

    [+++Beitrag von der Redaktion editiert+++]

  • Bei aller berechtigten Kritik am Handelsblatt - sie müssen hier schon ein wenig differenziert die Situation analysieren:

    Insgesamt dreht es sich im Kern um die dt. Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Wettbewerb. D.h. Deutschland erwirtschaft bei höheren Ölpreisen höhere Außenhandelsüberschüsse - zwar steigt der Preis für Ölimporte, allerdings steigt dieser weniger stark als bei den Konkurrenten, da die BRD effizienter produziert. Wie dieser zusätzliche Gewinn VERTEILT wird steht auf einem anderen Blatt. Hier ist ihre Kritik berechtigt.
    -
    Zudem kann man argumentieren, dass die Ölproduzenten ja etwas mit den gestiegenen Einnahmen anfangen müssen: Also kaufen Sie Luxusgüter oder qualitativ hochwertige Produkte -> auch hier profitiert Deutschland aufgrund seines "Produktportfolios".

    Wenn der Ölpreis nicht auf einer realen Verknappung beruht, verändern sich nur die weltweiten Einkommensverhältnisse und Wettbewerbsfähgikeiten. Beruht der steig. Ölpreis allerdings auf physikalischen Verknappungen oder Verteuerungen haben wir ein Problem:

    Dann leidet der weltweite Wohlstand - wobei Deutschland entgegen dem Trend, auch aufgrund der Energiewende, hier realtiv an Wohlstand gewinnen kann. Es gibt eben kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung - das gilt auch für das "Ölwetter" - das Öl teurer und knapp werden kann! pfeifen die Spatzen seit Jahrzehnten von den Dächern... wer sich nicht vorbereitet.......

  • Wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe führen steigende Spritpreise zu einer Zunahme von Investitionen und Exporten bei sinkender Konsumrate. Logischerweise bekommen Menschen bei denen der überwiegende Teil ihres Einkommens für Wohnen, Energie, Wasser und Lebensmittel verwendet wird ein echtes Budgetproblem. Es macht mich schon sehr nachdenklich und läßt mich erschrecken wenn man einen Artikel veröffentlicht der einen solchen Vorgang positiv bewertet. Dem Wirtschaftsliberalismus dieser Qualität mangelt es tatsächlich an der im Grundgesetz garantierten Menschenwürde. Er scheint also verfassungsfeindlich zu sein.

  • 4) Spekulationsgewinne -> Martsystemgewinne: Jeder BWLer kennt den Grund - wer Zwischenhändler umgehen kann, kann Geld einsparen. Die Lieferkette des Öls sollte einmal aufgedröselt werden:
    Wenn man mit Spekulationen auf Öl nicht Geld verdienen kann, wieso wird dann spekuliert?

    5) Geopolitisch/strategische Gründe:

    Der Ölpreis regelt das Verhältnis von Industrieländern, Ölexportländern und Entwicklungsländern zueinander. Ein hoher Ölpreis, nutzt sowohl den Erzeugerländern, als auch den Industrieländern, weil dort die Energie meist effizienter eingesetzt wird, und eine effizientere Technologie angeboten wird. Ist der Energiepreis niedrig, dann sind auch billige Maschinen aus den ineffizienten Schwellenländern wirtschaftlich.
    -
    Um so höher der Energiepreis steigt, um so wichtiger werden TEchnologie und Effizienz und um so unwichtiger wird das Einkommen der Arbeiter --> Verschiebung der Wettbewerbsfähigkeit. DAVON profitiert Deutschland! Effiziente Logistik, Unternehmen, Wirtschaft - aber teure Löhne.

  • Neben den Naturgegebenen Gründen einer Ölverknappung gibt es weitere mögliche Ursachen für einen Preisanstieg:
    1) Politische Verknappung - z.B. durch eine echte oder inszenierte Auseinandersetzung mit wichtigen Öllieferländern.
    2)Wirtschaftliche Verknappung - OPEC, Kartellbildung, Oligpolbildung --> Gewinnmaximierung durch Angebotsverknappung.
    3) Geldpolitische Gründe - wenn die Zentralbanken Geld drucken, bleibt Öl im Preisgefüge gleich teuer - nur das Geld wird weniger wert.
    --> Dadurch das Öl international gehandelt wird, schlägt eine Inflationspolitik der Zentralbanken direkt auf den Preis. Da Öl in Dollar gehadelt wird (wieso handelt Deutschland mit Russland Öl in Dollar, DAS sollte mal jemand sich fragen.) bezahlt man an der Tankstelle indirekt Seigniorage an Washington/FED. Wenn die eigene Zentralbank dann schneller die Druckerpresse rotieren lässt als die FED (komplexe Systeme, hier stark vereinfacht.) dann snkt der Kurs der eigenen Währung.

  • Der Artikel ist schlecht, die Studie ist, wenn der Artikel sie korrekt zitiert, ein schlechter Witz und die meisten Kommentare hätte man sich auch sparen können:

    Lassen Sie uns die Analyse einmal gliedern:
    1. Es gibt unterschiedliche Ursachen für einen "Ölpreisanstieg":
    a) Das Angebot (Förderung) stagniert, während die Nachfrage wächst. Der Preisanstieg regelt die Verknappung des Öls - Öl wird an den meistbietenden versteigert. Wer nicht bezahlen kann, hat Pech.
    b) Das Angebot sinkt, bei konstanter Nachfrage --> Öl ist ein endliches Gut, die Quellen sind einmal leer gepumpt.
    c) Das Ölangebot wächst nicht so schnell wie die Nachfrage.
    d) Altes Öl wird immer teurer zu fördern, weil die Qualität, Druck etc. sinkt
    e) Neues Öl wird immer aufwendiger zu finden, fördern und transportieren, weil immer endlegenere und tiefere Quellen angebohrt werden müssen.

    Diese Sektion bennene ich die physikalischen Gründe eines Preisanstiegs und eine Mischung aus allen Gründen dürfte am Werk sein - eine physikalische Verknappung des Öls --> "Physikalisch knappes Öl = schlecht für die Weltwirtschaft"

  • Es ist mir schon bewußt, dass in einer Wirtschaftszeitung der positive (?) Effekt für die Wirtschaft (=Großkonzerne) dargestellt wird. Aber da weder die Konzerne die Gewinne an die Belegschaften noch an die Gemeinschaft weitergeben, sind die (postiven) Auswirkungen für mich als Privatman gleich null. Mir als Privatperson die Benzinpreise als gut zu verkaufen ist echt .... ! Übrigens, ich nutze bereit ÖPNV und Fahrrad wo es nur geht. Aber als Schichtarbeiter (Nachtschicht und Wochenende und Feiertage) lernt man schnell die begrenzte Flexibilität des ÖPNV kennen.

  • Der Autor schreibt "...nach Ansicht der Forscher". Ich lese doch auch Handelsblatt um nicht nur meine eigene Meinung bestätigt zu finden. Klar ist auf jeden Fall in der Benzinpreisdebatte, dass Benzin dauerhaft nicht mehr billiger werden wird. Auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale würde da nur kurzfristig (für einige) eine Linderung bringen. Wer sich frühzeitig auf diese Entwicklung einstellt wird am Ende die Nase vorn haben.

  • Insgesamt würde ich dem Redakteur rechtgeben wenn Weltwirschaft brummt braucht sie mehr Öl und wir können mehr exportieren. Aber 2005 bis 2007 waren sehr gute Jahre wo der Spritpreis sehr Hoch war und der Öl-preis auch. Heute ist der Öl-preis viel niedriger die Weltwirtschaft ist auf keinem Höhenflug aber wir müssen sehr viel für den Sprit zahlen. Also kann man es nicht an dem Spritpreis meßen. Und wenn jetzt die Amerikaner mehr Sprit sparende Autos kaufen nutzt das nur der Autosparte mit Ihrem Lieferanten. Der wirkliche Vorteil an hohen Energiepreisen ist das sich die Logistik verteurt so das Firmen vielleicht nicht ihre Fabrik in ein Drittland exportieren.

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