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Preiskampf um Öl Das Ölkartell zerfällt

Wer hat die Macht über das Öl? Ausgerechnet der wichtigste Ölproduzent drückt die Preise. Das wollen Russland, der Iran und Venezuela nicht hinnehmen. Das heutige Treffen der Opec wird zum Tag der Wahrheit.
Update: 27.11.2014 - 09:59 Uhr 21 Kommentare
Quelle: Getty Images
(Foto: Getty Images)

Düsseldorf Es wird das wichtigste Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten. Am Donnerstag kommen die Minister der Opec-Staaten in Wien zusammen. Sie stimmen darüber ab, wie viel Erdöl die Mitgliedstaaten künftig fördern sollen. Die Entscheidung stellt das Ölkartell vor eine Zerreißprobe – und könnte für heftige Ausschläge beim Ölpreis sorgen.

„Es wird ein kritischer Tag“, sagt Doug King, Investmentchef des Merchant Commodity Fund. Sollte die Opec nicht handeln, gehe es für den Ölpreis weiter abwärts. Auch Daniel Bathe, Fondsmanager von Lupus Alpha Commodity Invest, meint: „Der Markt würde an der Glaubwürdigkeit der Opec und deren Einfluss auf den globalen Ölmarkt zweifeln.“ Dann könne der Preis für ein Barrel bis auf 60 Dollar sinken.

Seit Wochen befindet sich der Ölpreis im freien Fall. Der Rohstoff ist heute ein Drittel billiger als im Sommer. Am Donnerstag fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) unter 75 Dollar – das ist der tiefste Stand seit vier Jahren.

Einige Ölstaaten wollen den Preisverfall nicht länger hinnehmen, allen voran Venezuela oder Iran. Diese Länder sind in hohem Maße abhängig von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft. Damit die Preise wieder steigen können, wollen sie das Angebot verknappen. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro kündigte an, ein Bündnis gegen den Ölpreisverfall schmieden zu wollen. Dabei wollte er auch Nichtmitglieder der Opec einbeziehen, in erster Linie Russland.

Ausgerechnet Saudi-Arabien, das mächtigste Opec-Mitglied, will jedoch die Produktion trotz fallender Preise hochhalten. Die Saudis erklärten vor wenigen Wochen, ein Ölpreis von 70 bis 80 Dollar je Barrel sei für Saudi-Arabien erträglich – und heizten damit den Preiskampf erst recht an. Im Vorfeld der Opec-Sitzung legte der saudische Ölminister Ali al-Naimi nochmals nach, indem er mitteilte, der Preis werde sich „irgendwann von selbst“ stabilisieren. Auch die Vertreter aus Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten bekundeten, der Abwärtstrend sei „keine Katastrophe“. Die Fronten innerhalb des Ölkartells sind verhärtet.

Verschwörungstheorien machen die Runde
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21 Kommentare zu "Preiskampf um Öl: Das Ölkartell zerfällt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Herr Dr. Michael Gross

    >> Dabei wird davon gesprochen, dass die USA und das mit Ihnen verbündete Saudi-Arabien den Ölpreis künstlich verbilligen, um Russlands Wirtschaft in die Rezession zu treiben. >>


    Dieser Theorie steht aber im krassen Widerspruch zu US -Fracking - Rentabilität.

    Fracking lohnt sich bei den Amis ab einem Ölpreis oberhalb 90 $ / Barrel.

    Und das noch ohne Berücksichtigung der Renaturalisierungskosten, die in diese Rechnung nicht miteinfliessen.

    Mit Berücksichtigung der Renaturalisierungskosten liegt bei Fracking eine Rentabilität oberhalb ca. 150 $ per Barrel vor ( abhängig vom Ausbeutevolumina des Vorkommens ).

    Also kann ein sinkender Ölpreis in keinem Falle im Interesse der Amis sein. Eher ist dieser Preisverfall mit dem Wettbewerb der Saudis mit den Amis bei der Ölförderung generell erklärbar.

    Die Saudis kämpfen um ihre Absatzmärkte ( die können keine Dollars drucken, wie die Amis bei der Finanzierung ihrer Fracking-Förderung ) und haben mit dem Preisverfall eigentlich den Amis den Preiskrieg erklärt.

    Die Amis selbst treiben mit zunehmender Ölschwemme durch Fracking den Ölpreis auch in die Knie ( Angebot und Nachfrage regeln den Preis ).

    Fazit : schuld am Ölpreisverfall sind die Amis selbst und die Saudis.
    Auch die Russen können die Fördermengen nicht drosseln, zumal ihr Staats-Haushalt auf die Mengen angewiesen ist.
    Insbesondere bei Preissenkung. Die Russen müssen für einen ausgeglichenen Haushalt die Fördermengen eigentlich noch erhöhen.

    Der weltweite Verbraucher darf sich auf weiterhin sinkenden Ölpreise freuen. Zum Nachteil der Russen, Amis, Saudis, Opec-Ländern, etc.

    Und das ist gut so ! Insbesondere für die Autofahrer.

  • Wollen die USA, Putin mit niedrigem Öl-Preis in die Knie zwingen?

    Einen ökonomischen Grund für diesen plötzlichen Preisverfall gibt es nicht und auch Experten können diese plötzlich eintretende Entwicklung nicht erklären.

    Daher ist es mehr als wahrscheinlich, dass keine ökonomischen Gründe hinter dem Preisverfall stehen.
    Ich gehe davon aus, dass dieser Preisverfall eben eher politische Gründe hat.

    Genau das bestätigt auch das Russische Institut für Strategische Studien (RISS), das Analysen für den Kreml anfertigt. Dabei wird davon gesprochen, dass die USA und das mit Ihnen verbündete Saudi-Arabien den Ölpreis künstlich verbilligen, um Russlands Wirtschaft in die Rezession zu treiben.

    Dadurch will man den Sanktionen gegen Russland mehr Nachdruck verleihen. Nicht ohne Grund gibt es derzeit ein großes Überangebot an Öl auf dem Markt, sowohl aus Saudi-Arabien, als auch aus den USA – das drückt direkt auf die Preise.
    Russland wird bei dem aktuellen Preisniveau für Öl schon bald in die Rezession rutschen.

    Experten gehen davon aus, dass Russlands Wirtschaft bei einem Ölpreis von unter 90 Dollar pro Barrel in die Rezession rutscht. Hintergrund ist, dass die größte Einnahmequelle für den russischen Haushalt in den Verkäufen von Öl und Gas besteht.

    Ein sinkender Ölpreis trifft Russland damit deutlich effektiver, als die bisherigen Sanktionen gegen das Land.

    Für mich klingt diese Erklärung für den sinkenden Ölpreis plausibel, da es angesichts des IS-Terrors im Nahen Osten eigentlich zu höheren Preisen kommen müsste.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/11/usa-wollen-putin-mit-niedrigem-oel-preis-in-die-knie-zwingen/

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/das-amerikanisch-saudische-geheime-abkommen-ueber-syrien-eine-grosse-dummheit.html

  • Man hat schon öfter beobachten können, dass die OPEC ihr Angebot der Konjunkturlage angepasst hat.
    Dass die OPEC an dieser Krise zerfällt bezweifle ich stark. Der langfristige Nutzen dieses Kartells ist für alle Beteiligten zu groß. Vor allem, wenn das Kartell selbst davon ausgeht, dass die Marktanteile der Fracker schon 2018 wieder abnimmt.

  • Das ist schon eine sehr merkwürdige Situation die sich dort abspielt. Wie einige Leute davon überzeugt sein können, dass die Yankees das beeinflussen sollten, erschließt sich mir nicht. Die Saudis sind vor allem an sich selbst interessiert, warum sollten sie freiwillig auf Profite verzichten und auf ihre Preisuntergrenze gehen? So viel Macht haben die Amis nun auch wieder nicht, die OPEC wurde damals gegründet um die amerikanische Dominanz im Ölgeschäft zurück zu drängen, die Saudis hatten westliche Ölkonzerne genauso vor die Tür gesetzt wie es der Iran tat. Zudem zerstreiten sich die Kartellmitglieder.
    Hier kam die Frage auf, warum die Aktion von den Saudis mit dem Ukrainekonflikt zeitlich so zusammenfällt. In dem Artikel stand ja, dass die OPEC selbst von einem steigenden Marktanteil der Fracker ausgeht. Da sich die Weltkonjunktur im Laufe des Jahres eintrübte, bot sich jetzt natürlich eine treffliche Gelegenheit den Preis eines konjunkturabhängigen Gutes zu drücken. Wir sehen ja, dass viele nicht mitziehen wollen oder können. Von daher liefert diese Nachfrageschwäche einen Hebeleffekt für die Marktmacht der Saudis.
    Allerdings bleibt für mich die Frage offen, welche Langzeitwirkung diese Handlung nach sich zieht. Selbst wenn jetzt viele kleine Frackingbetriebe kaputt gehen, so wurden die Investitionen doch schon getätigt, die Felder sind entdeckt und erschlossen. Wenn die Firmen bankrott gehen kommt die Insolvenz und neue Akteure platzieren sich an ihrer Stelle. Nur mit dem Unterschied, dass die eine bessere Kapitalausstattung haben. Bei einer so dynamischen Ökonomie wie sie den Amis zur Verfügung steht, sollten sich die Schäden in grenzen halten. Daher erscheint das merkwürdig. Was natürlich die andere Seite der Sache ist, dass dieses „Konjunkturprogramm“ vielleicht auch als solches gesehen wird. Indem die Nachfrage stimuliert wird, ließen sich neben dem kurzfristig verknappten Angebot in den USA, mittelfristig bessere Geschäfte machen.

  • >> „Entweder enttäuscht die Opec den Markt, indem sie nicht drosselt, und die Preise fallen weiter, oder sie nimmt eine entschlossene Senkung vor und ermöglicht den Preisen, sich zu erholen“ >>

    Die Opec enttäuscht den Markt...was für ein Satz ! Vielleicht enttäuscht der Markt die Opec....?

    Jeglicher politische Eingriff in die Preisbildung durch marktwirtschaftliche Verhältnisse ist eine "gescheiterte Planwirtschaft !"

    Der Ölpreis ist restlos überteuert. Diese Überteuerung haben wir hauptsächlich den Yankees zu verdanken, die einigermassen rentabel ihr Fracking weiterhin praktizieren wollen.

    Der marktwirtschaftliche Preis für das Öl liegt bei 20-30 $ per Barrel. Alles andere ist eine politische Abzocke der Verbraucher zu Gunsten der Spekulanten.

    Die Opec sollte man zerschlagen. Sie sorgt dafür, dass in den Wüsten dieser Welt auf Kosten von Verbrauchern unnütze Milliarden-Tempel entstehen. Die Menschen dieser Länder haben rein gar nichts vom überteuerten Öl.

  • Kein einzelnes Land hat so viel Einfluss auf den Preis dass sie es selbst bestimmen können, auch wenn sie das so möchten.

    Die Einzigen die den Ölpreis manipulieren können sind die Terminhändler die mit der zehnfachen Ölmenge an der Börse handeln die überhaupt physisch gehandelt werden kann. Nicht nur der Ölpreis sondern auch der Preis anderer Waren die an den Börsen gehandelt werden, werden von der Wall Street manipuliert. Es laufen etliche Prozesse in den USA deswegen.

    Was die USA und die Wall Street mit dem niedrigen Ölpreis verfolgt dürfte klar sein wenn man sieht wer vom Preisverfall stark betroffen ist. Ebenfalls das Timing seit dem der Ölpreis stark fällt ist mehr als verdächtigt.

  • Von einen Kartell, das zerfällt profitiert immer der Verbraucher. Somit ist das mal eine Gute Nachricht für uns Energieverbraucher. Jetzt muss nur noch das staatliche Kartell auf die Energiepreise in Form von Doppelbesteuerung, Abgabenzwang und Verordnungszwang zerschlagen bzw. zurecht gestutzt werden. Dann könnte die freie Marktgesellschaft in EU-Deutschland auch endlich mal wieder aufatmen. Danke!

  • @Niem
    also von Ölknappheit und Oilpeak haben wohl eher der Club of Rome, die Grünen und der Finanzminister gesprochen. Schon vergessen, die Grünen forderten einen Benzinpreis von DM 5.--.

  • @Manfred Zimmer

    Ihr Spruch in Bezug auf Politker
    "Man könnte sich geistig mit ihnen duellieren, kämen sie nicht völlig unbewaffnet daher!"
    ist sowas von zutreffend genial. Ob die eine Lehre daraus ziehen? Wohl eher zweifelhaft.

  • Na klar strecken die USA dahinter. Aber nicht die Regierung sondern vile kleine und innovative Unernehmen.

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