Research Institute
"Kollege Roboter" in den Arbeitswelten der Zukunft

Roboter können dem Menschen ähneln. Wie weit kann und soll die Unterstützung durch Roboter in der modernen Arbeitswelt reichen?

(Foto: obs)

Analyse des Handelsblatt Research Institute Die Digitalisierung bringt eine Dividende

Mittelständler müssen stark in die Digitalisierung investieren. Doch sie wissen nicht, ob sich das lohnt. Eine HRI-Studie zeigt: Es zahlt sich aus.
Kommentieren

DüsseldorfDie Digitalisierung ist seit geraumer Zeit ein Megathema für Politik und Medien. Treiber dieses technologischen Umbruchs ist allerdings die Wirtschaft. Viele Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf ihre Branche. Wenn es aber darum geht, die Potenziale der neuen technologischen Möglichkeiten im eigenen Unternehmen auszuschöpfen, sind die Geschäftsführungen sehr oft zögerlich, insbesondere in mittelständischen Unternehmen, die als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gelten.

Zahlreiche Umfragen zu diesem Thema zeigen, dass ein wesentliches Hemmnis der Digitalisierung in Unternehmen der (zu) hohe Investitionsbedarf ist. Denn es steht außer Frage, dass die Digitalisierung hohe finanzielle Vorleistungen erfordert, etwa den Einkauf technischer Lösungen, die notwendige Weiterbildung der Beschäftigten, die Anpassung von Unternehmensprozessen oder den Aufbau von Cybersecurity-Lösungen. Hinzu kommt, dass die potenziellen Erträge dieser Investitionen oftmals noch unspezifisch und ungewiss sind.

Wenn Unternehmen aufgrund ihrer tatsächlich oder vermeintlich begrenzten Investitionsmittel vor einem Einsatz digitaler Lösungen zurückschrecken, besteht die Gefahr, dass diese Unternehmen den technologischen Anschluss verlieren. Dies zieht dann in der Regel nachteilige wirtschaftliche Konsequenzen nach sich. Die Betriebe können etwa nicht so effizient arbeiten wie ihre „digitale Konkurrenz“ oder sie können die Kundenbedürfnisse weniger passgenau bedienen.

Unternehmensleitungen stehen daher in der praktischen Umsetzung der Digitalisierung vor einem Zielkonflikt. Auf der einen Seite stehen sie vor der Aufgabe, den Umbau des eigenen Unternehmens voranzutreiben, um den Anschluss an die aktuellen Entwicklungen nicht zu verpassen. Auf der anderen Seite sind sie finanziellen Beschränkungen unterworfen. Sie haben begrenzte Mittel, um in digitale Technologien zu investieren, besonders, wenn deren Amortisation unsicher ist. Dies stellt vor allem den Mittelstand vor Probleme, da dort der Spielraum für unternehmerische Experimente oft gering ist.

Angaben in Prozent; Mehrfachnennungen möglich. Skala: Grün = Nutzen übersteigt Kosten deutlich, hellgrün = Nutzen übersteigt Kosten leicht, gelb = Nutzen und Kosten sind ausgeglichen, rot = Kosten übersteigen Nutzen leicht, dunkelrot = Kosten übersteigen Nutzen deutlich, grau = Gegenrechnung wird nicht durchgeführt/keine Angabe (grau).
Umfrage: Digitale Dividende

Angaben in Prozent; Mehrfachnennungen möglich.

Skala: Grün = Nutzen übersteigt Kosten deutlich, hellgrün = Nutzen übersteigt Kosten leicht, gelb = Nutzen und Kosten sind ausgeglichen, rot = Kosten übersteigen Nutzen leicht, dunkelrot = Kosten übersteigen Nutzen deutlich, grau = Gegenrechnung wird nicht durchgeführt/keine Angabe (grau).

Die Unsicherheit hinsichtlich der Amortisation resultiert im Wesentlich daraus, dass viele Aspekte, die die Ertrags- bzw. Kostenseite der Digitalisierung betreffen, noch nicht genau quantifizierbar und damit monetär bewertbar sind. Das führt zu einem sich wechselseitig verstärkenden Digitalisierungshemmnis: Je zögerlicher ein Großteil der Unternehmen in digitale Neuerungen investiert, desto länger dauert es, um deren Kosten und Nutzen valide messen zu können. Je ungenauer aber die Schätzungen der zu erwartenden Erträge sind, desto schwerer werden sich Unternehmensleiter damit tun, Investitionen in diesem Bereich zu tätigen.

Mit der Frage nach Ertrag und Kosten der Digitalisierung setzt sich eine zunehmend größer werdende Anzahl an ökonomischen Analysen auseinander. In mehr oder weniger validen Schätzungen wird in diesen Arbeiten versucht, Kosten und Erträge zu berechnen und für die kommenden Jahre zu prognostizieren. Dabei kommt es aufgrund der eben geschilderten Messschwierigkeiten zu einer Reihe von Problem, allen voran:

• die Konzentration auf monetär quantifizierbare Unternehmenskennzahlen und
• die Arbeit auf der Grundlage unsicherer Annahmen.

So soll sich im Zuge der Digitalisierung der Unternehmensgewinn direkt oder indirekt über verschiedene Kanäle erhöhen, darunter etwa die Erhöhung der Kundenzufriedenheit und -bindung, die Steigerung der Produkt- und Servicequalität, die Einführung flexibler Prozesse oder die Verbesserung des Firmenimages durch den Einsatz moderner Technologien. All das kann in der aktuellen Phase der Digitalisierung noch nicht monetär beziffert werden, sodass diese Effekte auf den Unternehmensgewinn derzeit vielfach nur Hoffnungswerte sind. Viele empirische Studien beachten diese eher indirekten Effekte der Digitalisierung auf den Unternehmensgewinn daher nicht.

Bis sich die genauen Effekte vieler digitaler Technologien und damit die monetäre Größenordnung hinsichtlich des unternehmerischen Gewinns bestimmen lassen, werden Jahre vergehen. Empirische Studien setzen daher häufig Annahmen zu den Wirkzusammenhängen und erzeugen somit Scheingenauigkeiten.

Das Handelsblatt Research Institute hat sich im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Kosten- und Ertragsseite der Digitalisierung auseinandergesetzt. Das übergeordnete Erkenntnisinteresse dabei war, herauszufinden, welche Aspekte auf der Kosten- und Ertragsseite bei der Digitalisierung für Unternehmen von Bedeutung sind. Darüber hinaus ging es um die Frage, ob die befragten Unternehmen bereits in der Anfangsphase der digitalen Transformation eine „digitale Dividende“ erzielen.

Der Begriff Dividende entstammt der Finanzwirtschaft und steht für Gewinnausschüttungen an Aktionäre. Wenn hier von einer digitalen Dividende die Rede ist, ist damit der durch die Digitalisierung erzielte wirtschaftliche Überschuss gemeint. Dieser Überschuss kann von verschiedenen Akteuren bzw. auf verschiedenen Ebenen erzielt werden. In Frage kommen für die Betrachtung erstens Unternehmen. Manche Effekte, zum Beispiel im Bereich des Arbeitsmarktes und der gesamtwirtschaftlichen Produktivität, betreffen allerdings zweitens die Volkswirtschaft als Ganzes. Als dritte Ebene kommt die Gesellschaft als Teilmenge der Volkswirtschaft in Betracht, wo die Folgen fokussiert in Bereichen wie Gesundheit oder Wohnumfeld auftreten. Die Messung einer digitalen Dividende ist komplex, wenn nicht unmöglich. Bereits im Unternehmenskontext ist eine Quantifizierung aller Aspekte der Kosten- und Nutzenseite problematisch und auf der Ebene der Volkswirtschaften oder der Gesellschaft faktisch unmöglich.

In Unternehmen ist die digitale Dividende der Gewinn, also der Umsatz, der mit der Digitalisierung verbunden ist, abzüglich der spezifischen Kosten. Aufgrund der nur begrenzten Quantifizierbarkeit der einzelnen Aspekte sowohl auf der Kosten- als auch auf der Ertragsseite wurde ein qualitativer Ansatz gewählt. In der ökonomischen Forschung ist solch ein Vorgehen eher selten; es kann in diesem Fall jedoch einen Beitrag zur Schließung der Erkenntnislücke leisten.

Deshalb hat das Handelsblatt Research Institute in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen Techconsult im Rahmen einer Unternehmensbefragung 999 deutsche Mittelständler unterschiedlicher Größe und aus unterschiedlichen Branchen nach ihrer digitalen Strategie sowie nach den Komponenten der Digitalisierung auf der Kosten- und Ertragsseite befragt. Dabei wurde nach einer Auswertung der vorliegenden Literatur zur Digitalisierung von Unternehmen ein breiter Katalog von Kosten- und Ertragsdimensionen festgelegt. Die Befragten gaben qualitative Antworten auf die Fragen, wie bedeutend die einzelnen Aspekte der Digitalisierung für ihr Unternehmen sind. Zudem wurde den Unternehmensleitern die Frage gestellt, inwieweit ihr Unternehmen unter Abwägung aller zuvor abgefragten Vorteile und Kostenfaktoren nach eigener Einschätzung eine digitale Dividende realisiert, sprich, wie stark der vermutete wirtschaftliche Nutzen der Digitalisierung deren Kosten übersteigt.

Ein zentrales Ergebnis dieser Befragung ist, dass bei knapp 40 Prozent der befragten Unternehmensleitungen die subjektive Einschätzung vorherrscht, dass die bereits angefallenen Vorteile der Digitalisierung die bisher entstandenen Kosten übersteigen. Auf Basis dieser Aussage und der Annahme, dass die Vorteile schlussendlich auch zu einer Gewinnsteigerung führen, erzielen diese Unternehmen nach eigener Einschätzung eine digitale Dividende. Zu beachten ist dabei, dass es sich um eine subjektive Einschätzung der Befragten handelt. Zudem können sich die Aspekte, die von den Befragten als Vorteile und Kosten gesehen werden, sowie deren Größenordnung von Fall zu Fall unterscheiden.

Ungeachtet dieser Einschränkungen erweitern die Ergebnisse dieser Befragung den aktuellen Wissensstand um eine neue Perspektive hinsichtlich der Erträge und Kosten der Digitalisierung.

Das Fazit lautet: Wenngleich sich der Prozess der Digitalisierung noch in einem frühen Stadium befindet und mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen angibt, ihre Digitalstrategie auf einen mittel- bis langfristigen Nutzen auszurichten, ist es bemerkenswert, dass bereits 40 Prozent der befragten Unternehmen nach eigener Einschätzung einen Nutzen mit der Digitalisierung realisieren, der die Kosten übersteigt.

Dies ist ein relevanter qualitativer Befund, der geeignet ist, eine Wissenslücke bei der einzelwirtschaftlichen Beurteilung der Digitalisierung zu schließen. Nun kommt es darauf an, durch weitere, auf Unternehmensdaten basierte empirische Arbeiten, diese Befunden zu bestätigen oder zu verwerfen.

Startseite

0 Kommentare zu "Analyse des Handelsblatt Research Institute: Die Digitalisierung bringt eine Dividende"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%