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Research Institute

Analyse zur Klimapolitik Kein Land ist zu klein, um das Weltklima zu stabilisieren

Klimapolitik macht Sinn, auch wenn man nur für einen geringen Anteil der weltweiten CO 2 -Emissionen verantwortlich ist.
2 Kommentare
Quelle: Umweltbundesamt, Zielpfad der Bundesregierung
Treibhausgas-Emissionen

Quelle: Umweltbundesamt, Zielpfad der Bundesregierung

Düsseldorf Deutschland ist unmittelbar nur für 2,1 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Selbst wenn Deutschland es schaffen würde, gänzlich auf diese Emissionen zu verzichten, würde damit der globale Klimawandel faktisch nicht beeinflusst Gleichzeitig sind CO2-Reduktionen jedoch mit Kosten verbunden. Daher stellt sich die Frage, warum ein Land solche Kosten auf sich nehmen sollte, wenn die entsprechende CO2-Reduktion letztlich irrelevant ist.

Gleichwohl handeln viele Länder – und zwar auch solche, deren Einfluss auf das Weltklima noch weit geringer ist als der von Deutschland. So trägt die Schweiz zu den weltweiten Emissionen im Promillebereich bei und hat sich dennoch entschieden, bis 2050 kein CO2 mehr direkt zu emittieren. Selbst Singapur beschloss, bis 2030 die CO2-Emissionen um knapp 40 Prozent unter das Niveau von 2005 zu bringen, obwohl der Einfluss des Stadtstaats mit einem Anteil von 0,2 Prozent an den weltweiten CO2-Emissionen ebenfalls verschwindend gering ist.

Grundlage all dieser Anstrengungen sind die Prognosen von Klimaforschern, nach denen die globale Temperatur in den nächsten 40 Jahren um 1,5 bis 5°C ansteigen wird. Dies wird auch Europa trockenere Sommer, mehr Hitzetage, heftigere Niederschläge und schneeärmere Winter bringen. In Ländern in der Nähe des Äquators muss diesen Prognosen zufolge zudem mit häufigeren und stärkeren Stürmen und mit erheblichen Überschwemmungen gerechnet werden.

Verfolgt man die Prognosen über die letzten Jahrzehnte, stellt man fest, dass die Unsicherheiten im Laufe der Zeit deutlich kleiner wurden und deren Treffsicherheit gestiegen ist. Auch über die zu verwendenden Annahmen und Klimamodelle herrscht inzwischen in der Wissenschaft eine deutlich größere Einigkeit als noch vor einigen Jahrzehnten.

Angesichts der hohen Zuverlässigkeit der Klimaprognosen beginnen die Regierungen in besonders betroffenen Regionen die Bevölkerung auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten. So stellte beispielsweise der Premierminister von Singapur Lee Hsien Loong jüngst fest, dass sich der Inselstaat wegen des Klimawandels ernsthafte Sorgen machen müsse. Deshalb verkündet er Maßnahmen zum Schutz vor dem Anstieg des Meeresspiegels und drängte zugleich darauf, Singapurs direkten CO2-Emissionen herunterzufahren.

Im Fall von Singapur dürfte dies nicht einfach sein. Denn bisher wird nur ein sehr geringer Teil des Energiebedarfs fossilfrei erzeugt, lediglich rund zwei Prozent. Die Sorgen des Premierministers erwachsen jedoch nicht nur aus der Erwärmung des Weltklimas, sondern aus den für Mega-Städte wie Singapur typischen städtischen Wärmeinseln. Wenn man weiß, dass es in manchen Stadtgebieten - bedingt durch verdichtetes Bauen, das Vernachlässigen von Windkorridoren oder den benzin- und dieselbetriebenen dichten Verkehr - um bis zu acht Grad wärmer ist als in anderen Gebieten, dann ist klar: Eine weitere globale Erwärmung, gepaart mit solchen Wärmeinseln, stellt eine massive Bedrohung des Wohlbefindens der Menschen, ihrer Gesundheit und ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit dar. Die Wirtschaftskraft von Städten, Regionen und ganzen Ländern ist in ernster Gefahr.

Neben den Einsparungen künftiger Kosten und einem eher ethisch-moralischen Argument spricht vor allem ein ökonomisches Argument dafür, dass sich Länder für den Klimaschutz engagieren, selbst wenn der eigene Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen eher klein ist. Bei diesem Argument geht es um künftige Ertragsmöglichkeiten, die aus der Entwicklung und Vermarktung von Technologien resultieren, welche dafür sorgen, dass künftig CO2-arm oder gar CO2-frei produziert bzw. konsumiert werden kann.

Es ist davon auszugehen, dass in mittlerer und langer Frist mehr und mehr Länder bereit und interessiert sein werden, Beiträge nicht nur für die Anpassung an den Klimawandel, sondern auch für dessen Verlangsamung zu leisten. Hat ein Land hier Lösungen zu bieten, öffnen sich interessante Geschäftsfelder, die nicht zuletzt auch Einkommen und Arbeitsplätze schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Volkswirtschaft in expandierenden Zukunftsmärkten sichern.

Um zukunftsfähige Lösungen zur Verringerung von CO2-Emissionen zu entwickeln, sind aber zunächst Anreize und Kunden für diese Optionen notwendig.

Wenn ein Land explizit auf Klimaschutz setzt und CO2-Emissionen direkt oder indirekt deutlich verteuert, sind das genau die richtigen Anreize. Je teurer die Emission einer Tonne CO2 wird, desto eher werden Unternehmen bereit sein, in Technologien zu investieren, die CO2-arm sind. Die zusätzlichen Investitionskosten werden dann nämlich bereits in kurzer Frist durch die eingesparten Kosten für nicht mehr emittiertes CO2 kompensiert.

Konkret wäre hier etwa an Technologien zu denken, die das Heizen oder Kühlen von Gebäuden anders als auf Basis fossiler Energieträger ermöglichen. Aber auch Technologien, die erneuerbare Energien stärker und effizienter als bisher für die Stromerzeugung einsetzen oder Technologien, die das Flugbenzin fossilfrei werden lassen, wären gefragt.

Viele der neuen Technologien müssen erst noch zur Produktionsreife gebracht werden; denn sie sind heute noch nicht im Detail bekannt. Solange es aber im eigenen Land durch eine entsprechende Bepreisung von CO2 klare Anreize dafür gibt, dass die Zukunft nicht der Emission von CO2 gehören wird und solange man davon ausgehen kann, dass immer mehr Länder dies so sehen, lohnt es sich, First-Mover bei den neuen Technologien zu sein. Unternehmen und Konsumenten weltweit werden künftig daran interessiert sein, nicht mehr auf das teure CO2 angewiesen zu sein, sondern technologische Alternativen zu haben. Auf dieser Grundlage sind die Chancen für die Amortisation der Entwicklungskosten klimafreundlicher neuer Technologien gut – vorausgesetzt man gehört zu den ersten, die die entsprechenden Technologien anbieten und gerade am Anfang auch eher teuer verkaufen können.

Mit einer geeigneten Klimapolitik heute, die einen hohen Preis für CO2 erfordert, hat es eine Volkswirtschaft also selbst in der Hand, für CO2-arme oder -freie und gewinnbringende Investitionen in den kommendem Jahrzehnte im eigenen Land zu sorgen. Freilich kann es auch geschehen, dass – wie in Deutschland – die Solarindustrie hoch subventioniert wurde, der Markt aber dennoch letztlich von chinesischen Anbietern übernommen wurde.

Gleichwohl kann man das First-Mover-Argument noch weiterdenken: Klimaforscher betonen, dass in den nächsten Jahrzehnten nicht nur eine Verringerung der CO2-Emissionen weltweit nötig sei. Vielmehr bedarf es auch sogenannten Negativ-Emissionen, um den die negativen Effekte des Klimawandels zu vermeiden.

Die Technologien für das „Einfangen“ und „Unschädlich-Machen“ von CO2-Emissionen stecken bisher noch in den Kinderschuhen. Es gibt verschiedene eher kleine Pilotprojekte, die alle noch enorm hohe Kosten pro eingefangener Tonne CO2 aufweisen. Länder, die hier rasch erfolgreiche Technologien zu vertretbaren Kosten anbieten können, werden zu den Gewinnern im internationalen Wettbewerb gehören. Deutschland hätte gute Chancen, in der Liga der Gewinner mitzuspielen – wenn es das faktische Verbot für solche Technologien mit dem „CCS-Gesetz“ aus dem Jahr 2012 aufheben würde.

*Prof. Dr. Renate Schubert ist Associate Vice President an der ETH Zurich.


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2 Kommentare zu "Analyse zur Klimapolitik: Kein Land ist zu klein, um das Weltklima zu stabilisieren "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wir sollten überlegen, unsere moderne und sicheren Atomkraftwerke weiter zu nutzen.
    Die neuesten Technologien in diesem Bereich sind sicher und können auch unseren Atommüll zu Energieerzeugung nutzen.
    Ist CO2-frei und kostet relativ wenig, denn die Infrastruktur und Geldrücklagen haben wir auch.
    Mal ganz pragmatisch gedacht - wäre nicht der erste Ausstieg vom Ausstieg.

  • Klimapolitik muss jetzt in Deutschland bereit sein neueste Technologien und damit verbundene Systemwechsel zu akzeptieren. Wenn wir das Verschieben aus sogenannten Wirtschaftlichen Gründen, dann werden uns kommende Wetterextreme und Katastrophen noch teurer kommen. Wir müssen jetzt ALTERNATIVEN ENERGIEN den Vorrang geben und da muss der Preiskampf Aufhören. Wind-, Wasser- und Solarenergie sind notwendig, uns aus der Kohleverbrennung und weiteren CO2 erzeugenden Energienutzungen herauszuführen. Die revolutionärste Alternative wird der Wandel von der Energieversorgung über Grosskraftwerke hin zur MOBILEN und DEZENTRALEN HAUSHALTSVERSORGUNG. Die BERLINER NEUTRINO ENERGY Group testet ein Gerät zur Gewinnung von sauberem Strom aus kosmischer Strahlung. Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Neutrinos, hochenergetische Teilchen, die als Teil der kosmischen Strahlung des unsichtbaren Spektrums kontinuierlich auf die Erde treffen, sind nach jüngsten Untersuchungen eine unerschöpfliche Energiequelle. "Der Energieerhaltungssatz funktioniert. ", sagt der Physiker Professor Strauss, ein ehemaliger Forscher am Massachusetts Institute of Technology, USA, und Mitglied des wissenschaftlichen Rates der NEUTRINO ENERGY Group. Die Möglichkeit, Energie durch Wechselwirkung von Neutrinos mit Materie zu gewinnen, wurde am 18. Februar 2018 vom US-Energieministerium bestätigt. Auch in Deutschland hat das Karlsruher Institut für Technologie den Startschuss gegeben Neutrino-Energy zu nutzen. Jetzt ist das wichtig.