Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Research Institute
Elf Hingucker in dieser Bundesligasaison - Derbystar

Der neue offizielle Spielball für die Saison 2018/19, Derbystar, liegt auf dem Platz.

(Foto: dpa)

Finanzkraft im Fußball Die Bundesliga braucht neue Investoren und mehr TV-Wettbewerb

Der Vereinsfußball in Deutschland genügt nicht mehr höchsten internationalen Ansprüchen. Ursache dafür sind tradierte Regeln, die den Wettbewerb der Vereine um Gelder von Investoren und TV-Anstalten beschränken.

DüsseldorfDer deutsche Fußball hat in sportlicher wie in kommerzieller Hinsicht in den vergangenen Jahren deutlich an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren. Das gleichermaßen spektakuläre wie enttäuschende Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in der Vorrunde war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die seit mehreren Jahren zu beobachten ist.

Ein wichtiger Grund für den sportlichen Niedergang ist ökonomischer Natur. Vor allem der Vereinsfußball in Deutschland genügt nicht mehr höchsten internationalen Ansprüchen. Ursache dafür sind tradierte Regeln, die den Wettbewerb der Vereine um Gelder von Investoren und TV-Anstalten beschränken.

Wie schwach die Finanzkraft der Bundesliga inzwischen ist, zeigt die aktuelle Bilanz der noch laufenden Transferperiode in Europa, also der Käufe und Verkäufe von Spielern. Wirtschaftlich haben die Ligen in England, Spanien und Italien die Bundesliga nicht nur überholt, sondern inzwischen abgehängt. So haben die Bundesligavereine in diesem Sommer „nur“ etwa 450 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, während dafür in Spanien stattliche 790 Millionen Euro eingesetzt wurden. Die italienische Liga investierte 1,14 Milliarden Euro in neue Spieler und die englische Premier League sogar das Dreifache der Bundesliga, insgesamt gut 1,4 Milliarden Euro.

Der Befund ist eindeutig: Im Wettbewerb um die besten Spieler und Talente fehlen deutschen Vereinen immer öfter die Mittel. Das aber ist entscheidend. Denn die besten Spieler sind im Fußball zwar keine Garantie, wohl aber eine wichtige Voraussetzung sowohl für sportliche Erfolge als auch für steigende Umsätze und Gewinne.

Mittel- bis langfristig setzen sich im sportlichen Wettbewerb in aller Regel die Vereine mit der größten Finanzkraft auch sportlich durch. In Deutschland ist dies Bayern München, seit Jahren konkurrenzlos – sportlich wie wirtschaftlich. In Spanien sind es Real Madrid und der FC Barcelona, und in Italien wird die nationale Liga von Juventus Turin dominiert.

Wenn der deutsche Vereinsfußball international aufholen will, führt kein Weg daran vorbei, zusätzliche Finanzquellen zu erschließen. Die Möglichkeiten dazu sind: Fans, TV-Sender, Sponsoren und Investoren. Über Zuschauer und Werbung die Einnahmen deutlich zu erhöhen, ist nach Lage der Dinge kaum mehr möglich. Anders ist dies im Bereich Fernsehgelder und Investoren. In beiden Feldern stehen allerdings rechtliche Konstruktionen einer besseren Entfaltung der Marktkräfte im Weg – eine äußerst bedenkliche Situation.

Bei der Investorenfrage blockieren sich die 36 deutschen Profivereine der 1. und 2. Bundesliga gegenseitig. Seit Jahren führen die Vereine im Rahmen ihres Verbandes, der Deutschen Fußball Liga (DFL), eine nostalgisch anmutende Debatte über die „50+1-Regel“. Mit dieser Bestimmung wird der Einfluss von Investoren begrenzt. In der Sache geht es darum, dass Kapitalgesellschaften nur dann am Spielbetrieb der Lizenzligen teilnehmen können, wenn der jeweilige Verein die Mehrheit der Stimmanteile (50 Prozent plus eine Stimme) hält. Damit soll eine Übernahme durch Kapitalanleger verhindert werden. Der Verein soll die Hoheit über Entscheidungen behalten.

Tatsächlich ist das Prinzip allerdings bereits mehrfach gebrochen worden. So nutzen Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim eine Ausnahmeregel – mit Billigung der DFL. Hier haben die langjährigen Geldgeber, die Konzerne Bayer und Volkswagen sowie der SAP-Gründer Dietmar Hopp, das Sagen. Eine geschickt konstruierte Ausnahme von der 50+1-Regel ist auch dem Verein RB Leipzig gelungen.

Hier bestimmen etwa ein Dutzend speziell ausgesuchte Vereinsmitglieder die Geschicke des Vereins – im Sinne des Großsponsors, der österreichischen Red Bull GmbH. Formal wurde so die 50+1-Regel eingehalten, weil die letzte Entscheidung beim Verein liegt. Hannover 96 hat eine Ausnahmegenehmigung zur vollständigen Übernahme der „Hannover 96 Management GmbH“ durch den Hörgeräte-Fabrikanten Martin Kind beantragt. Bislang verweigert dies die Deutsche Fußball Liga (DFL). Kind klagt nun vor dem Landgericht Frankfurt gegen die Ablehnung.

Allerdings ist auch bei anderen wichtigen Vereinen, wie Bayern München oder Borussia Dortmund, der Einfluss von Investoren inzwischen beachtlich und könnte steigen, ungeachtet dessen, dass die letzte Entscheidung bei den Vereinsmanagern liegt. Der Berliner Klub Hertha BSC hat sich sogar den international bekannten und umstrittenen Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) als Minderheitsaktionär in den Verein geholt und lässt sich bei der Entschuldung und Weiterentwicklung des Klubs sehr stark helfen. In der Summe zeigt die bereits vorhandene Vielfalt von Modellen im deutschen Fußball, dass es am sinnvollsten wäre, jedem Verein selbst die Entscheidung darüber zu überlassen, wie stark Investoren einbezogen und beteiligt werden.

Dieses Prinzip wird allerdings durch die geltenden Entscheidungswege in der DFL verhindert. Die Mehrheit der 36 Profi-Vereine in erster und zweiter Liga ist gegen eine freie Selbstbestimmung der Vereine und kann so institutionell eine weitere Öffnung für Investoren blockieren. Die Befürworter des Status Quo denken dabei weniger an die sportliche Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga auf europäischer Ebene. Die meist kleineren Vereine argumentieren mit nicht zu kontrollierenden Geldflüssen und wirtschaftlicher Unvernunft möglicher Geldgeber.

Manche Vereine werden auch durch die Angst vor negativen Reaktionen von Fans blockiert. Denn manche Fans sehen den Einfluss von fußballfremden/externen Geldgebern sehr kritisch und vertreten diese Haltung zum Teil sehr aggressiv. Insbesondere kleinere Vereine müssen zudem bei einer Öffnung des Fußballmarktes mit finanziellen Nachteilen rechnen – wenn sie nicht attraktiv genug sind für Investoren oder TV-Anstalten.

Die Folge all dieser Bedenken: Der Wettbewerb in deutschen Fußballmarkt wird eingeschränkt. Die 50+1-Regel hindert einige Vereine daran, sich neue Geldquellen zu erschließen, um die eigene finanzielle Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Überdies könnte die 50+1-Regel gegen europäisches Kartellrecht verstoßen, was jedoch bislang noch nicht von Gerichten überprüft worden ist. Insgesamt haben die geltenden Regeln zur Folge, dass sich finanzkräftige Geldgeber tendenziell in der Bundesliga zurückhalten.

Die 50+1-Regel im Profi-Fußball sollte alsbald abgeschafft werden. Wenn sich die Profivereine grundsätzlich für Investoren öffnen könnten und damit auch vollständige Übernahmen einzelner Vereine schnell möglich würden, könnte sich im gesamten deutschen Profi-Fußball nicht nur eine neue finanzielle, sondern auch eine neue sportliche Dynamik entfalten. Genau dies ist dringend nötig, um auf Vereinsebene sportlich wieder zu den Topvereinen in England, Spanien, Italien und Frankreich aufzuschließen.

Ähnlich kritisch wie die Investorenregeln im deutschen Markt sind die TV-Verträge unter Wettbewerbsgesichtspunkten zu sehen. Hier findet sowohl in den meisten nationalen Ligen als auch auf europäischer Ebene in der Champions und Europa League seit vielen Jahren eine zentrale Vermarktung statt, die der Idee des fairen Wettbewerbs widerspricht. National bilden die 36 Profi-Vereine unter dem Dach der DFL ein Kartell: Es wird ein Vertrag für alle Vereine ausgehandelt. Dadurch werden TV-Einnahmen maximiert und der Wettbewerb zwischen den Vereinen und den TV-Anstalten beschränkt.

International agieren die Fußballverbände Uefa und Fifa nach dem gleichen Prinzip. Dem Wettbewerbsgedanken entspricht es eher, die Vermarktung der TV-Rechte zu dezentralisieren. Sowohl die nationalen als auch die europäischen Kartellbehörden sollten daher die geltende Praxis unter Wettbewerbsgesichtspunkten überprüfen und gegebenenfalls untersagen. So könnte es dem Wettbewerbsrecht widersprechen, dass die deutschen Vereine sowohl ihre Bundesliga-Spiele als auch ihre Spiele in Champions und Europa League nicht selbst vermarkten dürfen.

Mehr Wettbewerb der Vereine um TV-Einnahmen und Investorengelder würde die sportliche und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Vereine der höchsten Liga sicher nicht schnell verbessern. Doch nur mit grundsätzlichen Entscheidungen für neue Strukturen hätten die führenden deutschen Vereine zumindest mittelfristig wieder eine Chance, im internationalen Wettbewerb um die besten Spieler mitzuhalten.

Je früher die 50+1-Regel abgeschafft und die Vermarktung der TV-Rechte dezentralisiert wird, umso schneller dürfte sich die sportliche Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Vereinsfußballs erhöhen. Eine Hängepartie in diesen Fragen oder sogar das Warten auf behördliche beziehungsweise gerichtliche Entscheidungen würde die Bundesliga international weiter zurückwerfen. Die Einkaufsbilanz auf dem europäischen Transfermarkt in diesem Sommer ist dafür ein weiterer Beleg und kein gutes Vorzeichen für die Zukunft.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite