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World Fitness Day 2018

Ein Mann begrüßt die Besucher der Veranstaltung mit einem riesigen Schild. Laut Veranstalter ist der zweite "World Fitness Day 2018" in der Commerzbank Arena (13.-14. Juli) das größte Fitness-Festival der Welt.

(Foto: dpa)

Georg Kofler und der World Fitness Day „Social Media ist eine Bewegung, auf die setze ich meine Chips“

Der Medien-Unternehmer Georg Kofler hat das Event-Unternehmen World Fitness Day. Was dies für Social Media und die Werbewirtschaft bedeutet.
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Die Event-Unternehmer Lucas Riemer, 29, und Matthäus Wilhelm, 34, haben den finanzstarken Investor Georg Kofler vom Konzept des „World Fitness Day“ überzeugt. Der 61 Jahre alte Ex-TV-Chef von ProSieben und Premiere hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Medienbranche hat und will die zweitägige Fitness-Messe mit rund 25.000 Besuchern nun weltweit vermarkten. Denn das Event passt gut in Koflers neuestes Geschäftskonzept. Der promovierte Kommunikationswissenschaftler setzt seit drei Jahren voll auf die neuen digitalen Medien und die Stars in Social Media.

Herr Kofler, warum investieren Sie in das Event-Unternehmen World Fitness Day, das am 13. und 14. Juli in Frankfurt sein zweites Festival rund um Fitness, Ernährung und Lifestyle veranstaltete?
Der World Fitness Day passt gut in die Strategie der Social Chain Group. Mit dieser global ausgerichteten Marketingagentur wollen wir neuartige Events schaffen, in denen Fans auf die Stars aus Social Media treffen.

Wie Sie das mit Schönheitsmesse Glow machen?
Ja, mit dem Beauty-Event Glow ist uns das bereits gelungen. Aus dem Nichts haben wir hier eine Marke geschaffen, die nun in der Schönheitsbranche sehr bekannt ist, vor allem bei der Zielgruppe der 15- bis 25-jährigen.

Georg Kofler, Geschäftsführer des TV-Bezahlsenders Premiere, änderte 2007 seine Lebensplanung. Er stieg bei dem TV-Sender aus und wurde Beteiligungsinvestor. Die Entscheidung beruhe ausschließlich auf seiner persönlichen Lebensplanung, erklärte er damals. Quelle: dpa
Ex-Premiere-Chef Georg Kofler

Georg Kofler, Geschäftsführer des TV-Bezahlsenders Premiere, änderte 2007 seine Lebensplanung. Er stieg bei dem TV-Sender aus und wurde Beteiligungsinvestor. Die Entscheidung beruhe ausschließlich auf seiner persönlichen Lebensplanung, erklärte er damals.

(Foto: dpa)

Wie passt der World Fitness Day in ihre sonstigen Beteiligungsaktivitäten?
Mit Social Chain sind wir auch Ankergesellschafter bei einem großen Sporthandelsunternehmen, der 21sportsgroup. Dazu gehört zum Beispiel die Marke Planet Sports, die allein in diesem Jahr schon über 70 Millionen Euro Umsatz macht. Der größte Teil davon kommt aus dem Internethandel.

Wie verdienen Sie Geld in diesem Bereich?
Interessant aus geschäftlicher Sicht ist für uns die Kombination von Online-Handel, Social-Media-Reichweiten und Marketing-Know-How, wozu auch Events gehören. Durch die Zusammenführung verbessern sich die wirtschaftlichen Perspektiven aller Einzelbereiche.

Wie stark ist Ihr Engagement beim World Fitness Day?
Wir haben die Mehrheit an dem Unternehmen von den Gründern übernommen und wollen es international entwickeln. Dafür werden wir das internationale Netzwerk der Social Chain Group nutzen, etwa das große Büro in Manchester mit 150 Mitarbeitern, das vor allem Veranstaltungen betreut. Auch in New York haben wir rund 25 Mitarbeiter und in Berlin 35. Durch Kanäle mit Millionen von Followern haben wir eine Basis, um Social Media, Social Marketing und E-Commerce international zu verbinden.

Sie waren ein viertel Jahrhundert Medienmanager im Privatfernsehen. Seit 2007 sind Sie im Beteiligungsgeschäft. Doch auf Medien lag ihr Fokus zunächst nicht mehr?
Es war gut, dass ich aus dem Mediengeschäft eine Zeitlang ausgestiegen bin und mich mit anderen Themen beschäftigt habe: mit Energiethemen etwa, sogar eine Maschinenbaufirma habe ich gekauft. Damals boten die alten Medien nichts Neues mehr für mich.

Nun sind sie aber wieder Medienmacher?
Meine Einstellung hat sich geändert, als ich vor drei Jahren die neuen, die sozialen Medien und die Influencer entdeckt habe. Ich stellte fest, dass hier etwas Ähnliches entsteht, wie vor 30 Jahren im Kabel- und Satellitenfernsehen. Die neuen Geschäftsfelder, die neuen Menschen und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten haben mich fasziniert. Ich beschloss daher, wieder ins Mediengeschäft zurückzukehren und zu investieren – aber nicht nur als Finanzinvestor, sondern als Unternehmer, der die Geschäfte operativ führt. 

Ist Georg Kofler nun ein Unternehmer 2.0, 3.0 oder 4.0?
Das weiß ich nicht, auf jeden Fall bin ich ein Medienunternehmer in einer neuen Generation – und mit einer Generation neuer Medienmacher. Als vergleichsweise alter Medienmacher bilde ich mir nicht ein, das Gleiche auch zu können. Aber ich kann es kombinieren, und ich habe ein Grundverständnis dafür. Das reicht, um eine Firmengruppe aufzubauen.

Sie sind auch weiter in der TV-Startup-Sendung „Höhle der Löwen“ aktiv. Worauf werden Sie dort bei Ideen von Gründern besonders achten?
Mein Fokus liegt auf allen Produkten, die sich über Social Media relativ einfach bekannt machen und verkaufen lassen.

Gründer des World Fitness Day
Lucas Riemer

Gründer des World Fitness Day

Wo steht der digitale Werbemarkt heute?
Social Media steht hierzulande noch ganz am Anfang. Der Bereich hat in Deutschland im Moment eine Entwicklungsstufe erreicht, die das Privatfernsehen Anfang der 90er Jahre hatte. Das ist aber auch der Reiz. In England zum Beispiel ist Social Media längst schon viel wichtiger. Großbritannien ist zwei Jahre voraus, die USA sogar drei Jahre. Allein deshalb hat Social Media in Deutschland noch ein großes Potenzial. Ich bin mir sicher, dass die Trends aus den USA hierzulande wie so oft auch in diesem Bereich aufgenommen werden. Das war ja im Privatfernsehen genauso.

Welche Perspektiven hat Werbung in Social Media?
Ich bin überzeugt, dass Social Media in den nächsten drei, vier, fünf Jahren im Werbemix jedes Unternehmens eine viel wichtigere Rolle spielen und sich zu einem Kernelement in der Werbung entwickeln wird. Davon profitieren Unternehmen wie Social Chain, in denen – mit meiner Ausnahme – nur Digital Natives im Alter von 25 bis 35 Jahren arbeiten.

Was hat Sie persönlich von Facebook & Co. überzeugt?
Der Erfolg der Glow Convention. Ausgangspunkt dieses Beauty-Events waren unsere Social-Media-Stars, die wir unter Vertrag hatten. Wir wollten diese Beauty-Influencer nicht nur im Netz mit den Nutzern zusammenbringen, sondern auch persönlich. Also konzipierten wir eine Art Messe. Die Kundinnen können neue Produkte der Firmen testen und gleichzeitig ihre Idole direkt treffen - in einem Meet and Greet. Zusammen mit Musik und Show macht dies zusammen den Tag zu einem großen Erlebnis für die Besucher. Uns kannte niemand, als wir das Event für Anfang 2016 in Bochum planten. Wir haben dafür keine Werbung in Zeitungen, Magazinen oder dem Fernsehen gemacht, sondern die Eintrittkarten nur über Social Media verkauft. Die 4200 Tickets waren dennoch drei Wochen vorher komplett weg. Dies wirkte auf mich wie ein Aha-Erlebnis. Da sagte ich mir: Das ist eine Bewegung, auf die setze ich meine Chips.

Welcher Kanal ist für Sie am attraktivsten? Facebook, Instagram oder Youtube?
Das kann man so gar nicht sagen. Das Besondere im Social-Media-Marketing ist, dass die Werbung unglaublich genau auf Zielgruppen fokussiert werden kann. Das gab es in der Fernsehwerbung nie – trotz der großen Reichweite. Ich bin der letzte, der sagen würde, Fernsehen sei ein Auslaufmodell. Der TV-Werbekanal behält seine Berechtigung, aber Social Media und die ganze Welt des E-Commerce bieten demgegenüber einen unschlagbaren Vorteil.

Was ist der große Vorteil von Werbung im Netz?
Die individuelle Ansteuerbarkeit und die Interaktionen durch die Nutzer machen die Werbung einzigartig und viel effizienter. Jede Kampagne können wir mittlerweile fast live auf Abrufe, Reaktionen und Reichweite überprüfen. Die Frage nach Facebook, Instagram oder Youtube ist daher zweitrangig. Die entscheidende Frage für das werbende Unternehmen ist zunächst: Auf welche Zielgruppe wollen Sie setzen und welches Engagement sollte diese Gruppe zeigen?

Und wie finden Unternehmen ihre Zielgruppe?
Häufig ist die Antwort ein Mix verschiedener Plattformen. Die eigentliche Kunst besteht dann darin, die verschiedenen Kanäle richtig zu bespielen. Die Unterschiede zwischen Youtube, Facebook oder Instagram sind ja sehr groß, viel größer etwa als bei ZDF oder Pro7. Ein Youtube-Zuschauer sollte also Feature geboten bekommen, die zu diesem Kanal passen und die anders konzipiert sind als etwa für einen Facebook- oder Instagram-Nutzer.

Geschäftsführer des World Fitness Day.
Matthäus Wilhelm

Geschäftsführer des World Fitness Day.

Wie weit ist die deutsche Wirtschaft im Einsatz von Social Media?
Viele Großunternehmen wie etwa L’Oreal haben bereits Abteilungen, die sehr differenziert mit Influencern arbeiten. Insgesamt könnte die deutsche Wirtschaft jedoch noch sehr viel intensiver und professioneller mit Social Media arbeiten. Das ist bei jeder neuen Medienbewegung so. Es braucht einfach eine Weile, bis es genügend Köpfe gibt, die sich damit hauptberuflich beschäftigen.

Welche Fehler machen Unternehmen?
Häufig wird Social Media noch als eine Verlängerung der herkömmlichen Werbung betrachtet. So entfaltet Social Media aber nicht seine volle Wirksamkeit. Wir verstehen uns dagegen mit Social Chain als eine Social First Agency. Wir gehen von Social Media aus und überlegen, in welchem Bereich man traditionelle Medien noch sinnvoll dazu packen kann. Meistens agieren Agentur aber noch andersherum, indem Social Media neben TV, Print oder Plakaten dazu genommen wird. Mit dieser Strategie kann man jedoch keine große Kompetenz in Social Media aufbauen.

Ihre Bilanz seit 2016, als sie stärker in Social Media eingestiegen sind?
Ich habe einen rasanten Fortschritt in den letzten zwei Jahren erlebt. Social Media ist bei den Unternehmen in aller Munde, doch viele wissen noch nicht, wie sie es genau anpacken sollen.

Warum zögern Unternehmen?
Das liegt dann häufig auch daran, dass viele Marketing-Verantwortliche zwischen 40 und 50 Jahre alt sind und eher in den traditionellen Kategorien denken. Wir haben dagegen Gründer, die Anfang 20 sind und Teil der Kultur sind. Da kommt nicht einer von außen rein und versucht Social Media zu adaptieren, sondern sie leben mittendrin. Das ist deren Universum.

Die Fragen stellte Thomas Schmitt. Er ist Branchenanalyst im Handelsblatt Research Institute. 

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