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HDE-Konsumbarometer Angst vor Corona-Rezession drückt Verbraucherstimmung auf Rekordtief

Deutschlands Verbraucher befürchten eine schwere Rezession. Entsprechend sinkt der private Konsum – damit entfällt ein Stabilitätsfaktor in Krisenzeiten.
03.04.2020 - 18:55 Uhr Kommentieren
Trotz Vorratskäufen sinkt das Konsumbarometer, also die Verbraucherstimmung – und deutet auf zurückgehenden Ausgaben. Quelle: dpa
Schlange vor dem Baumarkt

Trotz Vorratskäufen sinkt das Konsumbarometer, also die Verbraucherstimmung – und deutet auf zurückgehenden Ausgaben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In der bislang schwersten Rezession der deutschen Nachkriegsgeschichte im Winter 2008/09 erwies sich der private Konsum noch als stabilisierender Faktor. Doch was die deutsche Volkswirtschaft jetzt gerade erlebt, stellt gesamtwirtschaftlich alles bislang Gekannte in den Schatten.

Denn die massiven Einschränkungen im Alltag, die die Regierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen hat, drücken nicht nur auf die gesamtwirtschaftliche Produktion, sie lassen offenbar auch den privaten Konsum massiv einbrechen.

Das signalisiert das HDE-Konsumbarometer für April, das im Vergleich zum Vormonat um 3,25 Punkte auf nunmehr 96,66 Zähler eingebrochen ist. Zum Vergleich: Der bislang stärkste gemessene Rückgang in einem Monat war mit 1,45 Zählern im September 2018 nicht einmal halb so groß.

Das Barometer wird seit Anfang 2017 monatlich vom Handelsblatt Research Institute für den Handelsverband HDE berechnet. Es basiert auf einer repräsentativen Befragung von Verbrauchern. Es bildet die gegenwärtige Konsumstimmung ab, die sich im privaten Verbrauch der kommenden drei Monate niederschlägt.

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    In den vergangenen Tagen hatten sich verschiedene Wirtschaftsforscher mit pessimistischen Vorhersagen überboten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) räumte am Donnerstag ein, dass die Einschnitte „im Gesamtjahr mindestens so stark wie bei der Finanzkrise sein“ dürften – 2009 war die deutsche Wirtschaft um 5,7 Prozent geschrumpft. „Wir gehen davon aus, dass in einzelnen Monaten im ersten Halbjahr das Wirtschaftswachstum um mehr als acht Prozent einbrechen kann“, sagte Altmaier. „Nach zehn Jahren des Wirtschaftswachstums werden wir in diesem Jahr wieder eine Rezession haben. Diese Rezession muss aber vorübergehend bleiben.“

    Hoffnung auf Ausgleich der Einkommensausfälle

    Die Verbraucher sehen hingegen keine rasche Erholung – im Gegenteil. Ihre Konjunkturerwartungen sanken im April um 16 Punkte, wie eine Teilauswertung des HDE-Barometers zeigt. Ebenfalls merklich, aber deutlich geringer war hingegen der Rückgang der individuellen Einkommenserwartungen und der Anschaffungsneigung. Offenbar gehen die Verbraucher mehrheitlich davon aus, dass sie selbst nicht ganz so stark vom gesamtwirtschaftlichen Einbruch tangiert werden.

    Dies könnte zum einen daraus resultieren, dass die verfügbaren Einkommen etwa von Beschäftigten im Staatsdienst, Rentnern und sonstigen Transferempfängern von einer Rezession kurzfristig nicht tangiert werden.

    Zudem können viele in der Privatwirtschaft Beschäftigte darauf hoffen, dass der Staat beispielsweise über Kurzarbeitergeld einen Großteil ihrer Einkommensausfälle ausgleicht. Außerdem sinkt – wie in Krisen durchaus üblich – die Sparneigung der Verbraucher, kurzfriste Einkommensausfälle wollen die Verbraucher also offenbar durch Auflösung von Rücklagen oder geringen Sparraten kompensieren.

    Kurzfristiger Gewinner des Corona-Schocks dürfte neben dem Versandhandel der Lebensmitteleinzelhandel sein. Nach jüngsten verfügbaren Daten für Februar setzten der gesamte Einzelhandel real 6,4 Prozent als im Vorjahresmonat um. Der Umsatz mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren stieg sogar um real 7,8 Prozent.
    Trist sind hingegen die Aussichten für den Dienstleistungssektor.

    Der am Freitag veröffentliche saisonbereinigte IHS Markit Service-Index für die Geschäftstätigkeit der Dienstleister sackte im März auf 31,7 Punkten ab, nachdem er im Februar mit 52,5 Punkten noch deutlich oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Zählern notiert hatte.

    Lage verschärft sich womöglich

    Dieser Rückgang markierte den schärfsten Einbruch seit Einführung der Umfrage im Juni 1997. Das bisherige Rekordtief stammte mit 41,3 Punkten von Februar 2009. Markit-Experte Phil Smith nennt ihn „beispiellos“.

    Gleichwohl scheine die deutsche Wirtschaft wegen ihrer geringen Abhängigkeit von Reisen und Tourismus und verbrauchernahen Dienstleistungen generell etwas widerstandsfähiger als andere große Länder der Eurozone zu sein.

    So stürzte in Italien der Dienstleistungsindex auf 17,4 Punkte. Womöglich sei dies aber nur ein „Vorgeschmack auf das, was den anderen Ländern infolge der zunehmenden Geschäftsschließungen und Ausgangssperren und verschärfter Kontrollen noch bevorsteht“, warnte Markit.

    Mehr: So wirkt die Corona-Krise auf Handel, Industrie und Gewerbe.

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