Research Institute
Container im Hamburger Hafen

Container liegen zur Abfertigung am Containerterminal im Hamburger Hafen.

(Foto: dpa)

HRI-Konjunkturprognose Rückkehr zur Normalität: Der Aufschwung in Deutschland schwächt sich ab

Die deutsche Wirtschaft wird 2019 im zehnten Jahr in Folge wachsen. Weil kein Aufschwung ewig währt, sollte sich die Regierung für einen Abschwung wappnen.

DüsseldorfVor vier Jahren hat der Konsum den Außenhandel als wichtigsten Wachstumstreiber der deutschen Volkswirtschaft abgelöst. Und das wird nach der neuen Konjunkturprognose des Handelsblatt Research Institute (HRI) auch in der nächsten Zeit so bleiben.

Wir gehen davon aus, dass der deutsche Arbeitsmarkt weiter gut laufen und die Beschäftigung weiter steigen wird, allerdings verhaltener als in den vergangenen Jahren. Nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels in Teilen der Wirtschaft und der in einigen Regionen erreichten Vollbeschäftigung ziehen die Löhne allmählich spürbar an. Dies stärkt den privaten Konsum.

Hinzu kommt der Staat, der einerseits seine Ausgaben hochfährt und zum anderen in 2019 die Mehrzahl der Bürger entlastet. Insgesamt gibt die Fiskalpolitik 2019 der deutschen Volkswirtschaft einen Schub von etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Ungeachtet dessen gehen wir davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in 2019 merklich auf 1,4 Prozent abschwächen und damit 0,5 Punkte hinter dem Zuwachs von 1,9 Prozent in diesem Jahr zurückbleiben dürfte.

Konjunkturprognose des Handelsblatt Research Institute

„Die sehr leistungsfähige und deshalb traditionell exportstarke deutsche Industrie leidet unter den handelspolitischen Verwerfungen und Unsicherheiten, die vom Brexit, den erratischen Äußerungen und Maßnahmen des US-Präsidenten Donald Trump sowie der Zollspirale zwischen den USA und China ausgelöst werden“, sagte HRI-Präsident Bert Rürup. „Gleichzeitig wachsen die Importe wegen der starken Binnenkonjunktur deutlich stärker als die Exporte.“

Dies hat zur Folge, dass vom Außenhandel negative Wachstumsbeiträge ausgehen werden. Das Wirtschaftswachstum wird daher gedrückt, dieses Jahr um 0,2 und kommendes Jahr gar um 0,4 Prozentpunkte. Folglich sinkt der nicht nur von Trump scharf kritisierte Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands.

Nach knapp acht Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2017 wird dieser positive Saldo in 2019 auf unter sieben Prozent sinken. Dies entspricht einem Abbau von rund zwanzig Milliarden Euro – immerhin dem Gegenwert von einer Million VW Golfs. Damit kommt Deutschland dem im gesamtwirtschaftlichen Ungleichgewichtsverfahren der EU vereinbarten oberen Schwellenwert von sechs Prozent ein gutes Stück näher.

Ungeachtet der nachlassenden gesamtwirtschaftlichen Dynamik läuft die Binnenkonjunktur weiterhin robust. Der private Konsum wird dieses Jahr real um 1,5 Prozent und 2019 um 1,4 Prozent zulegen. Die Bruttoanlageinvestitionen steigen in diesem Jahr noch einmal um beachtliche 3,4 Prozent und werden sich im kommenden Jahr mit einer Zuwachsrate von2,3 Prozent normalisieren.

Für den Bau erwarten wir ab dem nächsten Jahr keine nennenswerten Zuwächse mehr; dazu fehlen die freien Kapazitäten und insbesondere die Fachkräfte. Da aber der Staat immer stärker als Bauherr in Erscheinung tritt, dürften die Preise in diesem Bereich weiter deutlich steigen.

Da von Seiten der Energiepreise und des Wechselkurses keine dämpfende Wirkung zu erwarten sind, dürfte die Inflation in Deutschland anziehen und 2019 im Jahresdurchschnitt bei 2,2 Prozent liegen.

Da die Teuerungsrate im gesamten Euroraum in der jüngsten Vergangenheit rund einen Viertel Prozentpunkt unter der deutschen Rate gelegen hat, spricht viel dafür, dass die EZB ihr Inflationsziel von unter, aber nahe zwei Prozent“ bald erreicht haben wird. Daher erwarten wir nach dem Ende der (Netto-)Wertpapierkäufe einen ersten Zinsschritt der EZB spätestens im zweiten Halbjahr 2019.

Der Staat profitiert über günstige Refinanzierungsmöglichkeiten weiterhin von den niedrigen Zinsen. Weil die Steuereinnahmen – bedingt durch die leichte Progressivität des gesamten Steuersystem - stets etwas stärker als das nominale Bruttoinlandsprodukt steigen, ist der Fiskus zudem Gewinner einer anziehenden Inflation.

Trotz wachsender Ausgaben und Steuerentlastungen wird der Staat daher auch 2019 noch einen deutlichen Haushaltsüberschuss erwirtschaften und weiter Schulden tilgen. Der Schuldenstand wird dann erstmals seit 2002 wieder unter die im Maastricht-Vertrag vorgesehene Marke von 60 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sinken.

Die deutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr bereits im zehnten Jahr in Folge wachsen. Weil aber kein Aufschwung ewig währt, sollte sich die Regierung für einen Abschwung noch in dieser Legislatur wappnen.

Es gilt, das Investitionsklima zu verbessern. Das deutsche Unternehmensteuerrecht stammt im Wesentlichen aus den Anfängen dieses Jahrhundert, als der damalige Finanzminister Hans Eichel die Körperschaftsteuer modernisierte.

Dieses System wurde 2008 um die Abgeltungsteuer erweitert. Seitdem werden thesaurierte Gewinne von Kapitalgesellschaften mit rund 30 Prozent, ausgeschüttete gar mit fast 50 Prozent besteuert.

Da eine ganze Reihe von Industriestaaten in jüngster Zeit ihre Körperschaftsteuern gesenkt haben, ist Deutschland mittlerweile zu einem Hochsteuerland für Unternehmen geworden. Eine Unternehmensteuerreform, die nicht zuletzt auch mit attraktiven Abschreibungsregeln den Standort Deutschland für internationale Investoren attraktiv macht, würde die Wachstumskräfte der Volkswirtschaft stärken.

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