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HRI-Studie: Gründergeist Die deutsche Startup-Kultur ist besser als ihr Ruf

Einige Fakten zur deutschen Gründerkultur: Über 550 Finanzierungsrunden von Dax-Konzernen, tausende Kooperationen mit Mittelständlern und mehr als 1.250 Ausgründungen bei zwölf großen Unis. Die HRI-Studie als Download.
04.06.2021 - 10:49 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Die Dax-30-Unternehmen kommen zusammen immerhin auf knapp 1.000 Startup-Partnerschaften. An der Spitze Siemens mit 163 aktiven Kooperationen, es folgen Daimler mit 132 und SAP mit 94 Partnerschaften. Ebenso bemerkenswert: Seit 2010 haben Deutschlands Dax-Tanker über 550 Finanzierungsrunden bei Startups durchgeführt – führend hierbei die Deutsche Telekom mit 143 Runden vor Siemens und Merck.

Auch der deutsche Mittelstand ist keineswegs untätig – etwa 50 Prozent arbeiten derzeit mit Startups zusammen, überwiegend um neue Technologien zu erschließen und die eigene Innovationskraft zu stärken. Startups sind dabei die Treiber der Digitalisierung und helfen den etablierten Unternehmen im Transformationsprozess. Sie profitieren auf der anderen Seite vom vorhandenen Know-how aus der langjährigen Geschäftserfahrung der Weltmarktführer.

Und auch der Gründergeist deutscher Hochschulen ist besser als ihr Ruf. An den zwölf wichtigsten deutschen Gründer-Unis wurden bisher mehr als 1.250 Startups ausgegründet, darunter 20 sog. „Einhörner“. Und - die deutschen Hochschulen nehmen sich viel für die Zukunft vor. Der Großteil hat die Gründerförderung als strategisches Ziel in den Hochschulsatzungen verankert.


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    In der deutschen Maschinenbaubranche gelingen aktuell drei von fünf Corporate-Startup-Partnerschaften. Aber selbst bei denen, die scheitern, sagen rund zwei Drittel, wir würden es sofort wieder versuchen. Die Mühe des Trial-and-Error-Prinzips zahlt sich insofern aus, als dass mit zunehmender Partnerschaftszahl die Erfahrung und die Zufriedenheit steigt.

    Das heißt, selbst wenn das Miteinanders von Großunternehmen und Gründern nicht zum geschäftlichen Erfolg führt, so kann das Vorhaben an sich dennoch für alle Beteiligten zu positiven Ergebnissen führen. Aktuelle Studien und Befragungen (u.a. DGIS 2020) belegen, dass auf beiden Seiten – und unabhängig vom geschäftlichen Erfolg – der Know-how-Gewinn von rund zwei Drittel aller an Partnerschaften beteiligten Mitarbeiter als größter positiver Effekt bewertet wird. Anders als Mittelständler profitieren laut eigenen Aussagen befragte Großunternehmen (zu 83 Prozent laut DGIS) insbesondere in puncto Innovationsfähigkeit und Innovationskultur von der Partnerschaft mit Startups.

    So hat sich denn auch in der von PwC durchgeführten DSM-Befragung der Anteil der Startups, der bewusst die Kooperation mit Großunternehmen sucht, zwischen 2019 und 2020 von 67 auf 72 Prozent erhöht. Bei den deutschen Fintech-Startups gehen laut dem „Deutschen Fintech-Startup-Monitor 2021“ sogar 77 Prozent der Startups bewusst Kooperationen mit etablierten Unternehmen ein. Nur 23 Prozent suchen keine solche Partnerschaft. Die Zusammenarbeit ist trotz der beschriebenen Herausforderungen für Startups durchaus attraktiv.


    Studien und Befragungen von ZEW, Delphi, Prognos, dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) sowie dem Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) stellten in den vergangenen drei Jahren zudem folgende spezielle Herausforderungen – aus Perspektive der Unternehmen – bei Mittelstand-Startup-Kooperationen fest:

    • KMU konzentrieren sich oft auf lokale und regionale Partner – was die Zusammenarbeit eines Mittelständlers aus dem Sauerland, Siegerland oder von der Schwäbischen Alb mit einem Startup aus Berlin oder München erschwert oder sogar verhindert.

    • Etablierte mittelständische Unternehmen vernachlässigen die systematische Anbahnung von Startup-Kooperationen häufig aufgrund mangelnder Ressourcen oder eines mangelnden Interesses. Die RKW-Studie Mittelstand meets Startup kommt zu dem Ergebnis, dass von 250 befragten etablierten KMU in den drei Schlüsselbranchen (Maschinen- und Fahrzeugbau, Information und Kommunikation sowie Chemie und Pharma) fast drei Viertel (73 Prozent) die Kontaktaufnahme mit einem Startup dem Zufall überlassen. 42 Prozent der KMU kommunizierten gar nicht mit Gründern. Weniger als ein Drittel der befragten kleineren Firmen führten gezielte Maßnahmen durch, um ein Kennenlernen von Startups zu initiieren

    • Im internationalen Vergleich ist der deutsche Mittelstand überdurchschnittlich erfolgreich. Daher verlassen sich etablierte Unternehmen häufig auf ihre tradierten Erfolgsfaktoren. Innovationen erfolgen häufig reaktiv und selektiv, sie beziehen sich auf einzelne Prozesse oder Produkte. An ganzheitlichen Konzepten im Sinne einer Strategie mangelt es vielfach. Als Folge fehlt in weiten Teilen des Mittelstands sowohl die Notwendigkeit als auch die Bereitschaft, die eigenen Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen.

    • Zu den Gründen für die Zurückhaltung im Mittelstand zählt daher auch die (Fehl-)Wahrnehmung, dass Neugründungen stärker auf eine Zusammenarbeit angewiesen sind als das etablierte Unternehmen. Während Startups sich bewusst sind, vor allem in ihrer Wachstumsphase bei der Markterschließung stark von Partnerunternehmen abhängig zu sein, glauben etablierte Firmen häufig, aus eigner Kraft innovativ zu sein.

    • Die Firmenpolitik im Mittelstand, speziell im verarbeitenden Gewerbe, gilt als verschwiegen. Das eigene Know-how wird ungern geteilt. Das passt mit offenen Startup-Konzepten schlecht zusammen.

    • Der Großteil der Hochschulen hat mittlerweile Gründerkurse auf dem Lehrplan und hilft bei der Entwicklung von Geschäftsmodellen und Businessplänen sowie bei Fördermittelanträgen. Für diese Gründerförderung gaben die Hochschulen, die der Stifterverband für seinen Gründungsradar 2020 befragte, zusammen 128 Millionen Euro aus, etwa 0,5 Prozent ihres Gesamtetats. Davon stammen mehr als 70 Prozent aus Drittmitteln. Daher klagen die Hochschulen immer wieder, dass ihnen der Auf- und Ausbau der Gründerförderung schwerfalle, da sie insbesondere die Personalausstattung nicht langfristig planen können.


    Die professionelle Gründerschulung erreicht immer mehr Studenten: 93 Prozent aller Hochschulen bieten heute gründungsrelevante Veranstaltungen an, denen rund 200.000 Studenten folgen. Ein Gründerberater betreut heute im Durchschnitt aber etwa 3.000 Studierende, das reicht oft nur zu einem Beratungsgespräch oder einem freiwilligem „Entrepreneurship“-Vortrag.

    Bei den beiden Münchener Hochschulen, die alle deutschen Hochschulrankings zur Gründerkultur anführen, ist das Betreuungsverhältnis mehr als doppelt so gut: Rund 400 hauptamtliche Gründungsexperten stehen den knapp 58.000 Studenten der TU München (TUM) und der Hochschule für angewandter Wissenschaft München gegenüber. Aber auch die gutausgestattete TUM erfasst nur gut 30 Prozent aller Studenten mit ihren regelmäßigen Entrepreneurship-Vorlesungen.


    Wie die exklusive Auswertung der Startup-Datenbank von Dealroom für diese Studie darlegt, kommen die meisten Gründer von großen Hochschulen oder solche, die mehr als andere Hochschulen in die Felder Innovation und Gründung investieren. An der Spitze liegen dabei die technisch orientierten Hochschulen in München und Berlin. Dealroom ist ein Datenanbieter für das globale Startup- und Investitionsökosystem.

    Im Ergebnis ragen einige Hochschulen zwar heraus und zeigen damit auf, wie sich der Gründergeist wecken lässt. Aber die Gründer sind über alle Hochschulgrößen verteilt. Nur 21 Prozent der für den Startup Monitor 2020 befragten Gründer wurde an einer der zehn führenden Universitäten ausgebildet. Der überwiegende Teil kam von den vielen kleineren deutschen Universitäten, die noch stärker in das Gründungsgeschehen eingebunden werden könnten.


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    Die Studie können Sie hier herunterladen.


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