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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Das Ende der goldenen Jahre: Handelsstreit macht Deutschland zum Verlierer

Wenn zwei Giganten streiten, leidet zumeist ein Dritter – insbesondere Deutschland wird der große Verlierer der „Deglobalisierung“ sein.
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Düsseldorf Die deutsche Wirtschaft rutscht gerade in eine veritable Wachstumsschwäche ab. Ende dieses Jahres dürfte die Wirtschaftsleistung kaum höher ausfallen als im vergangenen Sommer – sechs verlorene Quartale! Zwar dürfte die Industrie diese Schwächephase irgendwann überwinden, doch ihre besten Jahre sind dauerhaft vorbei.

Schon bald werden Wirtschaftshistoriker die Zeit von 1990 bis 2018 als Deutschlands goldene Jahre und 2019 als Beginn einer post-globalisierten Welt bezeichnen. Am Anfang dieser fast drei Dekaden stand die deutsche Einheit und der Kollaps des Ostblocks, der der deutschen Wirtschaft neue Absatzmärkte und ein Niedriglohngebiet vor der Haustür bescherte.

Gleichzeitig begannen die großen Schwellenländer, ihre Volkswirtschaften zu öffnen und zu modernisieren. Dies führte zu einem kräftigen globalen Wachstum und einer bislang nicht gekannten Entgrenzung der Wertschöpfungsketten, wovon das exportstarke Deutschland besonders profitierte.

Deutschlands Geschäftsmodell ist freilich kein am Reißbrett ersonnenes Konzept. Vielmehr haben sich der hohe Industrieanteil und die damit verbundene Exportorientierung in den vergangenen 150 Jahren urwüchsig entwickelt. Dieses Geschäftsmodell wurde von Politik, Wirtschaft und den großen Gewerkschaften stets unterstützt.

Auch die Agenda 2010 war eine Reaktion darauf, dass die deutsche Industrie wegen hoher Lohnstückkosten unter Druck stand. Selbst die Rezession im Winter 2008/09 konnte die Erfolgsstory nicht stoppen. Dank der schnellen und kräftigen Erholung war der äußerst kräftige Produktionsausfall zwei Jahre später aufgeholt. Dieser Aufschwung hielt faktisch bis zum Sommer 2018 an.

„Mein Vier-Punkte-Programm gegen die Rezession“

Hauptgrund für die seitdem getrübten Perspektiven ist neben den wirtschaftspolitischen Versäumnissen der letzten Jahre die sich abzeichnende Deglobalisierung. US-Präsident Donald Trump stellt mit seinem America-first-Kurs nicht nur den Freihandel infrage, sondern hat auch China den Wirtschaftskrieg erklärt.

Er befürchtet, China könnte die USA zunächst als ökonomische und perspektivisch auch als militärische Hegemonialmacht ablösen – und das nicht ohne Grund. „America first“ heißt nichts anderes, als das rücksichtslose Voranstellen nationaler Interessen. Es ist damit auch Trumps aggressive Antwort auf die 1978 von Deng Xiaoping eingeleiteten Reformen; womöglich wird das einst bettelarme China bereits ein halbes Jahrhundert nach Dengs Startschuss zur größten Wirtschaftsmacht aufgestiegen sein. Das will Trump verhindern.

Manch Historiker fürchtet, dieser Kampf um die weltwirtschaftliche Vorrangstellung könnte in einem militärischen Konflikt enden. Oft wird dabei an die Analyse des Peloponnesischen Krieges zwischen dem dominierenden Athen und dem aufsteigenden Sparta im fünften Jahrhundert v. Chr. durch den Zeitzeugen Thukydides erinnert. Nach dessen Ansicht war der Krieg angesichts der Sorgen, die Spartas Aufholprozess in Athen auslöste, „unausweichlich“.

Keine Aussicht auf Frieden zwischen China und USA

Nun gibt es zwar historische Fälle, in denen der Aufstieg einer Nation bei der etablierten Macht zuerst Ängste und dann Kriege auslöste. Doch scheint ein Krieg zwischen den USA und China unwahrscheinlich, weil beide hochgerüsteten Seiten den Angreifer mit einem Vergeltungsschlag vernichten könnten.

Wirklichen Frieden zwischen den USA und China wird es aber nicht geben. Selbst wenn die aktuellen handelspolitischen Verhandlungen in einem Abkommen münden, dürfte der Konflikt nach Trumps Wiederwahl erneut eskalieren. Dies würde China nur kurzfristig schädigen – aber dauerhaft stärken. Handelsbeschränkungen führen stets zu einem Prozess der Importsubstitution, der langfristig Unternehmen des Landes stärker macht. Am Ende dieser Entwicklung steht womöglich eine zweigeteilte Globalisierung. Die eine Hälfte der Welt folgt Pekings Spielregeln, die andere denen Washingtons.

Deutschland ist in dieser Auseinandersetzung nur Zuschauer, doch unbeteiligt ist es nicht. Denn echten Freihandel, von dem die deutsche Industrie so lange profitiert hat, wird es in dieser neuen bipolaren Welt nicht mehr geben. China schafft sich derzeit entlang der „Neuen Seidenstraße“ günstige Produktionsstandorte und Absatzmärkte, und die USA werden Unternehmen zwingen, wichtige Teile ihrer Wertschöpfung in die USA zu verlagern.

Nur wenn die Staaten Europas zusammenhalten, und nur dann, wird der alte Kontinent noch internationale Spielregeln mitgestalten können. Schafft Europa die politische Vertiefung und koordinierte Wirtschaftspolitik nicht, droht es in eine Vielzahl konkurrierender Mittel- und Kleinstaaten zu zerfallen – „und mit Zwergen geht man nicht immer freundlich um, sondern man stellt sie in den Garten“, wie Altkanzler Schröder es jüngst formulierte.

Aber in beiden Fällen wird die deutsche Industrie ein Verlierer sein. Denn die Zeiten, in denen Deutschland fast monopolartig die Welt mit hochwertigen Maschinen, Autos und Chemikalien versorgte, neigen sich mit dem Aufstieg Chinas zur zweiten Hegemonialmacht so oder so dem Ende zu.

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