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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Die Konjunkturdelle scheint überwunden

Die Metall- und Elektroindustrie hatte ein Rekordjahr. Die Auftragseingänge in der Baubranche steigen kräftig. Und das DIW erwartet ein starkes Wachstum im ersten Quartal.
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DüsseldorfNachdem die vergangene Woche mit der Meldung einer abermaligen Verschlechterung Ifo-Geschäftsklimaindex endete, begann die neue Woche mit einer Erfolgsmeldung: Für die deutsche Metall- und Elektroindustrie war das Jahr 2018 ein Rekordjahr.

Trotz oder vielleicht auch wegen der von den USA angedrohten Strafzölle auf deutsche Importe lag der Exportwert dieser Vorzeigebranche der deutschen Volkswirtschaft um 1,5 Prozent über dem Exportvolumen des Jahres 2017.

Zudem meldete das Ifo-Institut - trotz der Drohungen des US-Präsidenten Trump – für den Monat Februar einen leichten Anstieg der Exporterwartungen der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes.

Und auch in den USA läuft die Wirtschaft überraschend rund. Im Schlussquartal 2018 wuchs das Bruttoinlandsprodukt mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,6 Prozent. Nach der in Deutschland üblichen Lesart entspricht dies einem Zuwachs von 0,6 bis 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Das Volumen der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe lag im vergangenen Jahr mit 79,5 Mrd. Euro so hoch wie seit 24 Jahren nicht mehr.
Zahl der Woche

Das Volumen der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe lag im vergangenen Jahr mit 79,5 Mrd. Euro so hoch wie seit 24 Jahren nicht mehr.

In noch viel optimistischeren Sphären schwebt derzeit die deutsche Bauindustrie. Laut Statistischem Bundesamt stieg im Dezember 2018 der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Vergleich zum Vormonat saisonbereinigt um stattliche 13,2 Prozent und im Vorjahresvergleich um 6,1 Prozent. Eine drohende Rezession signalisiert dieser Wert ganz sicher nicht, auch wenn er durch einige Großaufträge überzeichnet sein mag.

Ein weiteres Indiz dafür, dass hinsichtlich der im dritten Quartal des vergangenen Jahres einsetzenden konjunkturellen Abschwächung das Schlimmste überstanden sein dürfte, lieferte das DIW-Konjunkturbarometer.

„Das konjunkturelle Bild ist nicht so trüb, wie es zuletzt häufig gezeichnet wurde.“ Mit diesen Worten ließ sich DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen zitieren. „Eine Rezession droht nicht. Schon allein wegen der Einkommensspritze, die die Regierung den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zum Jahresbeginn verpasst hat, dürfte der Jahresauftakt kräftig ausfallen.“ Zudem dürfte laut DIW die Industrieproduktion im ersten Quartal dieses Jahres „kräftig“ zulegen. Insgesamt erwartet daher dieses Institut ein Wirtschaftswachstum von etwa 0,5 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres.

Da die Konjunkturdelle überwunden scheint, wundert es auch nicht, dass die Wirtschaft weiterhin Personal sucht. Auch wenn sowohl das IAB-Arbeitsmarktbarometer als auch das Ifo-Beschäftigungsbarometer geringfügig nachgaben, ist der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin intakt. Denn die Anzahl der Beschäftigten wird weiter steigen, urteilten die Arbeitsmarktexperten beider Institute.

Viel Aufmerksamkeit, gepaart mit heftigem Widerspruch, erhielt diese Woche eine Studie des Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP): „20 Jahre Euro: Verlierer und Gewinner“. Um die damit verbundene Debatte zu verstehen, sei zunächst an folgenden Hintergrund erinnert.

Die Einführung des Euro war für die nationale Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten dieser Währungsgemeinschaft mit dem Verlust von zwei zentralen Instrumenten zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit verbunden: Abwertungen der nationalen Währung und eine an den nationalen Erfordernissen orientierte Geldpolitik.

Die Folge war, dass letztlich die Arbeitskosten zum wichtigsten Parameter wurden, der die Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung eines Eurolandes bestimmt. Dieser Verlust an nationalstaatlicher Souveränität wäre zu verschmerzen gewesen, wenn mit der Gemeinschaftswährung das Wirtschaftswachstum in allen Euroländern gefördert und die ökonomische Konvergenz in dieser Staatengemeinschaft beschleunigt worden wäre.

Fakt ist aber – wie in einer EZB-Studie belegt wurde, dass sich die mit der Einführung der Gemeinschaftswährung verbundenen Versprechungen einer zügigen „Konvergenz der Lebensverhältnisse“ nicht erfüllt haben. Im Gegenteil: Die ökonomische Heterogenität des Euroraums hat deutlich zugenommen und zwar auch für die zwölf Euroländer der ersten Stunde.

Laut der neuen Analyse von CEP-Ökonomen hat kein Land mehr von der Gemeinschaftswährung profitiert als Deutschland. Italien dagegen musste die gravierendsten Wohlstandseinbußen hinnehmen. Neben Deutschland waren die klaren Gewinner der Gemeinschaftswährung die Niederlande aber auch Griechenland – als Folge der massiven Gewinne in den Vorkrisenjahren. Die großen Verlierer neben Italien sollen Frankreich und Portugal gewesen sein.

Der beachtliche Wohlfahrtsgewinn der traditionellen Exportnation Deutschland wird der Abwertung der Gemeinschaftswährung zugeschrieben, die eine Folge der für die deutsche Volkswirtschaft zu lockeren Geldpolitik war. Diesem Argument steht freilich gegenüber, dass die starke Aufwertung des Euro in den Jahren bis 2008 Deutschlands Entwicklung nicht sonderlich beeinträchtigt hat.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung des CEP, einem Think Tank der konservativen „Stiftung Ordnungspolitik“, haben heftigen Widerspruch zahlreicher renommierter Ökonomen herausgefordert. Zu Recht: Denn die spektakulären Wohlfahrtsgewinne und –verluste der einzelnen Euroländer wurden aus einem Vergleich mit Staaten gewonnen, die nicht dieser Währungsgemeinschaft angehören, aber vor der Einführung des Euro eine sehr ähnliche Wachstumsdynamik aufwiesen. So wurde zum Beispiel Italien mit Australien, Großbritannien, Israel und Japan verglichen, während für Deutschland Bahrain, Großbritannien, Japan und der Schweiz als Kontrollgruppe herangezogen wurden.

Die Zweifel an diesem methodischen Vorgehen der CEP-Forscher sind berechtigt. Überdies dürften die Ergebnisse dieser Analyse dazu führen, dass das deutsche Pochen auf eine strikt regelorientierte Politik – wie dies mit Nachdruck von den Mitgliedern der „Stiftung Ordnungspolitik“ gefordert wird - nunmehr von vielen Politikern mit einem Achselzucken abgetan werden dürfte.

Weitergegangen ist die Debatte in der Wohnungspolitik. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) will die Käufer beim Erwerb einer Wohnimmobilie besserstellen. Bei etwa 60 Prozent der rund 500.000 Verkäufe von Wohnimmobilien pro Jahr werden derzeit von den Verkäufern Makler eingeschaltet, für deren Leistungen durchweg die Käufer zahlen müssen.

Gegenwärtig liegt die Maklercourtage in der im internationalen Vergleich sehr hohen Spanne von 4,76 bis 7,14 Prozent des Verkaufspreises. Da die Banken in der Regel die Maklerprovision genauso wenig wie die Notar- und Grundbuchgebühren oder die Grunderwerbsteuer finanzieren, resultiert aus dieser Zahlungsverpflichtung eine beachtliche Verringerung des Eigenkapitals der potenziellen Käufer. Dies alles spricht dafür, auch bei den Maklerprovisionen das sonst durchweg akzeptierte Prinzip des „Wer bestellt, der bezahlt“ zu etablieren.

Der Koalitionspartner, die Union, sieht dies freilich anders. Der baupolitische Sprecher der Unionsfraktion Kai Wegner weist auf die im Koalitionsvertrag fehlende Vereinbarung zugunsten des Bestellerprinzips hin. Die Union möchte an der derzeitigen Regelung festhalten und bringt stattdessen Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer ins Spiel.

Der Zufall wollte es, dass am Mittwoch das arbeitgebernahe Institut der Wirtschaft (IW) – ob bewusst oder zufällig sei dahingestellt - Barley beisprang. Das IW hat die Studie „Internationale Praxis und ökonomische Effekte: Das Bestellerprinzip in der Immobilienvermittlung“ vorgelegt. Darin wird festgestellt, dass in jenen Ländern, in denen dieses Prinzip gilt, die Maklerprovisionen mit etwa zwei Prozentpunkten deutlich geringer sind als in Deutschland.

Zudem wechselten weit mehr Wohnimmobilien ihre Eigentümer. Der Grund: Die Verkäufer können mit mehreren Maklern über deren Courtage verhandeln und werden durchweg den kostengünstigsten beauftragen. Wettbewerb ist eben ein zentrales Element einer Marktwirtschaft. Man darf gespannt sein, wie der baupolitische Sprecher der Union auf die Befunde dieser soliden IW-Analyse reagieren wird.


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