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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Donald Trump ist ungebildet, aber sicher nicht dumm

Die zwei Gesichter des amerikanischen Präsidenten. Er präsentiert sich öffentlich als starker Mann. Doch seinen stets harschen Worten lässt er keine Taten folgen.
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Düsseldorf US-Präsident Donald Trump ist sicher ungebildet. Genauso sicher ist allerdings, dass er definitiv nicht dumm ist. Dafür spricht, dass er sich – endlich - von seinem „Sicherheitsberater“, dem Bellizisten John Bolton getrennt hat.

Da Trump eine zweite Amtszeit anstrebt, muss er alles vermeiden, was der US-Wirtschaft schadet und die Lebensbedingungen von Joe Sixpack, unserem Otto Normalverbraucher, verschlechtert. Denn diese zumeist weißen, mäßig gebildeten und vorrangig in der seit Jahren von der Globalisierung bedrängten Industrie und im Handel Beschäftigten sind Trumps treuste Wähler. Und gleichzeitig diejenigen, die am stärksten von einer US-Rezession betroffen wären. Die jüngsten Friedenssignale an den geopolitischen Herausforderer China kamen daher nicht überraschend.

Noch ist es ungeklärt, von wo die Drohnen gestartet und gesteuert wurden, die am Samstag letzter Woche die wichtigsten saudi-arabischen Öllager Abkaik und Churais zerstört haben. Aber unabhängig davon, ob dies ein Anschlag der im Jemen aktiven schiitischen Huthi-Rebellen war oder ob der Iran an diesem Überfall maßgeblich daran beteiligt war: Trump kann kein Interesse an einer Eskalation des Konfliktes oder gar eines militärischen Konflikts mit dem Iran haben – ungeachtet der am Mittwoch angedrohten „weiteren Sanktionen“ gegen diesen Staat. Er dürfte daher – ähnlich wie im Fall Nordkoreas – alles daransetzen, mit einem „tollen Deal“ mit diesem Gegner den Weltfrieden zu retten, um einen nachhaltigen Anstieg der Rohölpreise zu verhindern.

Denn – Digitalisierung hin oder her – dauerhaft billiges Öl ist noch immer der Treibstoff der Weltwirtschaft. Und ein militärischer Konflikt mit dem Iran, der nach serösen Schätzungen mit einer Verdoppelung des Rohölpreises verbunden wäre, hätte mit Sicherheit eine zähe globale Rezession zur Folge, die Trump wahrlich nicht gebrauchen kann.

Dem amtierenden US-Präsidenten ist ein Denken in gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen ziemlich fremd. Das ist sattsam bekannt. Dennoch liegt Trump mit seiner Behauptung richtig, dass die ultraleichte Zinspolitik der EZB und deren Anleihekäufe eine Subvention der Exporte aus der Eurozone und damit vor allem aus Deutschland seien. Denn besteht kein Zweifel daran, dass diese Geldpolitik zu einer markanten Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar geführt hat – und damit zu preislichen Wettbewerbsvorteilen von Exporten aus der Eurozone und impliziten Zöllen auf Importe aus dem Dollarraum.

Daran wird sich auch nichts ändern, wenn in Kürze Christine Lagarde in den Euro-Tower einziehen wird. Angesichts der immensen Kurs- und damit Vermögensverluste, die mit einer Zinswende verbunden wären, wird es die designierte EZB-Präsidentin in absehbarer Zeit kaum wagen, aus der Politik des zur Droge gewordenen ultraleichten Geldes auszusteigen. Der alte Meister, der in Goethes Zauberlehrling die Welt wieder in Ordnung bringt, ist nicht in Sicht – leider..

Solch einen Meister könnte auch die deutsche Autoindustrie gut gebrauchen. Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt präsentierte sich die einstige Vorzeigebranche als Schatten ihrer selbst. Zahlreiche bekannte Hersteller fehlten ganz auf dieser traditionsreichen Leistungsshow, die dieses Mal von heftigen Protesten von Klimaschützern begleitet wurde. Der Schatten einer Zeitenwende in Richtung eines „Weg vom eigenen Auto“ lag auf diesem Event.

In einem diametralen Gegensatz zu diesen Eindrücken stand jedoch eine am Dienstag publizierte Spiegel-Datenanalyse. Nach den Ergebnissen dieser sehr detaillierten Untersuchung ist das eigene Auto derzeit beliebter denn je. Zum Jahreswechsel 2018/19 wurde die Rekordzahl von 47,1 Millionen zugelassener Personenkraftwagen gemessen.

Dies entsprich einem historischen Höchststand von 567 PKW je 1000 Einwohner. Der gewachsene materielle Wohlstand und der Wunsch nach individueller Mobilität bestimmen offensichtlich immer noch mehr das Verhalten der Menschen als die Einsicht in die ökologische Notwendigkeit einer Verkehrswende. Die Deutschen lieben ihr Auto, aber haben ein distanziertes Verhältnis zur Autoindustrie.

Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen hat nicht nur einen Boden gefunden, sondern ist am Dienstag überraschend von -44,1 auf -22,5 Punkte in die Höhe geschnellt. Dies war der stärkste Anstieg seit drei Jahren. Gewiss, Donald Trump signalisiert, dass er Chancen einer Beilegung des Handelskonflikts mit China sieht. Und auch das Risiko eines harten Brexit scheint ein wenig kleiner geworden zu sein.

Auf der anderen Seite steckt die deutsche Industrie unverändert fest im Sumpf der Rezession. Die deutsche Autoindustrie führt einen fast verzweifelten Mehrfrontenkrieg, die Daten der Auftragseingänge sind alles andere als erfreulich, und das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft wird schwächer ausfallen als erwartet. Kurzum, dieser Anflug von Optimismus lässt sich eigentlich nur aus der Zusammensetzung der Samples der befragten Experten begründen; denn das waren Finanzmarktexperten. Und diese Experten wurden natürlich durch die jüngsten Beschlüsse des EZB-Rates, die Zinsen noch weiter zu senken, in Hochstimmung versetzt.

Nicht ganz so zuversichtlich ist das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). „Der Konjunkturabschwung stoppt vorerst den Abbau der Arbeitslosigkeit“, warnen die IAB-Experten. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresdurchschnitt 2019 zwar um 70.000 niedriger sein als im Vorjahr. Der Jahresdurchschnitt 2020 werde dann aber auf dem Stand von 2019 bleiben. „Für die nächsten Monate sind konjunkturbedingt steigende Arbeitslosenzahlen zu erwarten“, sagte IAB-Experte Enzo Weber. Für das laufende Jahr sieht das Institut 0,4 Prozent Wachstum, für das kommende Jahr 1,1 Prozent.

Allerdings könnte es durchaus schlimmer kommen. „Die Aussichten für die Wirtschaft verschlechtern sich sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern“, warnt die OECD. Handelskonflikte und politische Unsicherheiten belasteten die bereits geringen Wachstumsaussichten weiter, schwächten das öffentliche Vertrauen und hemmten Investitionen. „Wegen seiner Exportabhängigkeit gilt das besonders für Deutschland.“

Für 2019 geht die OECD von einem Weltwirtschaftswachstum von 2,9 Prozent aus, für 2020 von drei Prozent. Das sind die schwächsten jährlichen Wachstumsraten seit der Finanzkrise. Für Deutschland prognostiziert die OECD lediglich 0,5 Prozent in 2019 und 0,6 Prozent in 2020.

Von solch tristen Zahlen sind die USA weit entfernt – noch zumindest. Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,7 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit 50 Jahren. Der traditionell wichtigste Wachstumstreiber dieser Volkswirtschaft, der private Konsum, ist zudem unverändert stabil. Dennoch senkte die US-amerikanische Notenbank FED am Mittwoch abermals ihren Leitzinskorridor um 0,25 Prozentpunkte. Damit solle die „Wachstumsphase der Wirtschaft verlängert werden“, lautete die Begründung. Die großen Notenbanken rund um den Globus entfernen sich immer weiter von der klassischen Geldpolitik.

Erwartungsgemäß gingen Trump diese Zinssenkungen nicht weit genug, und er reagierte in seiner bekannten „charmanten“ Art per Twitter: „Jay Powell (der Fed-Präsident) and the Federal Reserve Fail Again. No „guts“, no sence, no vision! A terrible communicator“.

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