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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Fed-Chef Powell widersetzt sich Trump

Die US-Notenbank hat die Börsen und den US-Präsidenten enttäuscht. Das spricht für Fed-Chef Jerome Powell. Er will die Unabhängigkeit der von ihm geführten Notenbank nicht widerstandslos den Wünschen des Präsidenten opfern.
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Düsseldorf Nun ist eingetreten, was bis vor Kurzem von der Bundesagentur für Arbeit als sehr unwahrscheinlich erachtet wurde: Der vor einem Jahr einsetzende Abschwung der deutschen Industrie hat inzwischen den traditionell der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nachlaufenden Arbeitsmarkt erreicht. So ist das „Stellenbarometer“ dieser zentralen Jobbehörde im Juli auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren gesunken. Besonders betroffen sind neben dem Verarbeitenden Gewerbe und der Zeitarbeitsbranche die Sektoren Logistik und Verkehr.

Von einem Beschäftigungseinbruch kann zwar noch keine Rede sein, wohl aber von einer Eintrübung der Arbeitsmarktperspektiven. Nach wie vor werden in vielen Bereichen Fachkräfte gesucht, aber die Anzahl der vorwiegend nichtqualifizierten Arbeitsuchenden ist im Juli im Vergleich zum Vormonat um 59.000 gestiegen. Auch wenn diese Zahl damit immer noch um 49.000 unter der des Vorjahres liegt, wird die Bevölkerung zunehmend vorsichtiger, was sich auch in dem weiteren Rückgang des GfK Konsumklima zeigt.

An eine List des Zufalls erinnert es, dass zeitgleich mit den jüngsten schwächeren Arbeitsmarktzahlen eine Untersuchung des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung herauskam. Dort wurde festgestellt, dass die Löhne der nach Tarif bezahlten Beschäftigten in diesem Jahr um 3,2 Prozent steigen sollen. Dies wäre die kräftigste Erhöhung seit der Jahrhundertwende und würde einem realen Einkommensanstieg von satten 1,6 Prozent entsprechen.    

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass die Gewerkschaften diesen Befund als einen wichtigen Beitrag zur Stützung der Binnenkonjunktur herausstellen werden, während die Arbeitgeberverbände vorrangig auf den damit verbundenen Anstieg der Arbeitskosten hinweisen werden, der gerade in Zeiten wegbrechender Auslandsmärkte die Unternehmen vor große Probleme stellen werde.

Paul Samuelson, der 2009 verstorbene wichtigste Ökonom der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, wusste es besser, denn von ihm stammt die eherne Erkenntnis: „Der liebe Gott hat den Ökonomen zwei Augen gegeben, eins für das Angebot und eins für die Nachfrage“.

Nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes ist die – nach Maßgabe des nationalen Berechnungsverfahrens ermittelte – Inflationsrate im Juli auf 1,7 Prozent gestiegen. Sie lag damit nur knapp unter dem Inflationsziel der EZB von „nahe aber knapp unter 2 Prozent“. Der Grund für diesen Anstieg waren kräftige Preisanhebungen bei Energie und Lebensmitteln. Nach dem für die Bestimmung der Teuerungsrate in der Eurozone herangezogenen „harmonisierten Preisindex“, dem ein anderes Wägungsschema zugrunde liegt, ist die Inflation in Deutschland dagegen recht deutlich zurückgegangen – von 1,5 Prozent auf 1,1 Prozent.

Am Mittwoch veröffentlichte dann die europäische Statistikbehörde EUROSTAT ihre Schnellschätzung für die Inflation im Euroraum. Danach hat sich der Preisauftrieb in der Währungsgemeinschaft von 1,3 Prozent im Juni auf 1,1 Prozent im Juli verlangsamt. Dieses Abflachen des Preisauftriebs in Deutschland wie im gesamten Währungsgebiet wird EZB-Präsident Mario Draghi sicher als Bestätigung der für den kommenden Monat angekündigten weiteren Lockung der Geldpolitik der EZB ansehen.

„Die Delle der deutschen Industrie hat sich zu einer hartnäckigen Schwäche ausgewachsen“

Im Jahr ihrer Gründung vor 20 Jahren hatte die EZB zunächst das Inflationsziel der Deutschen Bundesbank übernommen: „Unter zwei Prozent“. Im Dezember 2003 wurde dann dieser Zielkorridor auf „nahe aber unter zwei Prozent“ verengt. Dies bedeutet, dass gleichermaßen eine Inflationsrate von drei Prozent eine Zielverfehlung darstellt wie ein Anstieg der Verbraucherpreise von nur einem Prozent.            

Nun ist es bemerkenswert, dass diese plausible Symmetrie bei der quantitativen Zielabweichung durch eine zeitliche Dimension flankiert werden soll. Wenn es nach dem EZB-Präsidenten Draghi geht, dann sollte eine mehrjährige Unterschreitung der „knapp unter 2 Prozent“ durch eine ebenso lange Phase der Überschreitung dieses Ziels kompensiert werden.     

Begründet wird diese zeitliche Symmetrie von den Verfechtern des derzeit heftig beworbenen Konzepts der „Forward Guidance“ mit dem Argument, dass es mit der Ankündigung einer solchen auch zeitlich symmetrischen Geldpolitik besser gelingen werde, die Erwartungen der Menschen hinsichtlich der künftigen Preisentwicklung zu beeinflussen.       

Nun ja, gelegentlich soll der Glaube ja Berge versetzen können.

Geldpolitiker werden oft in „Falken“ und „Tauben“, auf Englisch in „hawks and doves“, eingeteilt. „Falken“ sehen die vorrangige Aufgabe der Geldpolitik in der Inflationsvermeidung und -bekämpfung und stehen dabei für eine restriktive Ausrichtung. „Tauben“ dagegen betonen die Verantwortung der Geldpolitik für Beschäftigung und Wachstum, plädieren eher für Zinssenkungen und warnen vor verfrühten und kräftigen Zinserhöhungen.         

Wenngleich die US-Wirtschaft noch kräftig wächst und die Beschäftigung auf Rekordniveau liegt, hat die US-amerikanische Notenbank Fed am Mittwoch dieser Woche erstmals seit Dezember 2008 den Korridor ihres Leitzinses gesenkt: um 25 Basispunkte auf 2,0 bis 2,25 Prozent. Zudem wurde ein auf den 1. August vorgezogener Stopp des Abbaus der Wertpapierbestände der zuvor in Quantitative Easing Programmen aufgekauften Wertpapieren beschlossen.

Fed-Präsident Jerome Powell betonte, dass dieser Zinsschnitt aber nicht der Beginn eines Zinssenkungszyklus sei. Prompt zeigten sich die Anleger enttäuscht mit der Folge absackender Aktienkurse – freilich nur für eine kurze Zeit. Und US-Präsident Donald Trump twitterte in seiner bekannt zurückhaltenden Art: „Wie gewohnt hat uns Powell im Stich gelassen“. Klar ist, Trump möchte den Wirtschaftsaufschwung auf jeden Fall bis zur Präsidentenwahl Ende nächsten Jahres „konservieren“.  

Fed-Chef Jerome Powell war offensichtlich nur zu einer „hawkishen“ Zinswende bereit. Die Tatsache, dass er damit die Börsen und seinen Präsidenten enttäuscht hat, spricht nicht gegen Powell, sondern für ihn, da er die Unabhängigkeit der von ihm geführten Notenbank nicht widerstandslos den Wünschen des Präsidenten opfern will.

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