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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Gewinnwarnungen, Kurzarbeit und Stellenabbau

In vielen Dax-Konzernen treten die Manager auf die Bremse. Das trübt die Konjunkturaussichten.
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Düsseldorf m Sonntag wurde in Griechenland der – ehemals radikale – Sozialist Alexis Tsipras und das von ihm geführte „Bündnis der radikalen Linken“ (Syriza) abgewählt. In seiner vierjährigen Amtszeit als griechischer Premierminister hatte sich Tsipras in einer steilen Lernkurve von einem sprachgewaltigen, aber gleichermaßen unerfahrenen linken Dogmatiker zu einem pragmatisch-geschickten Regierungschef gewandelt.

Durch die Umsetzung der vom IWF und der Eurogruppe vorgegebenen beinharten Reformen, vulgo Sparprogramme und Steuererhöhungen, hatte er sein Land wieder kapitalmarktfähig gemacht und vom Tropf neuer Hilfen aus den Euro-Rettungsschirmen und dem IWF abgenabelt. Die Hilfen aus den diversen Rettungspaketen beliefen sich seit 2010 auf stattliche 278 Milliarden Euro – oder 150 Prozent der Wirtschaftsleistung der griechischen Volkswirtschaft im Jahr 2018.

Wie so oft bestätigte sich auch in Griechenland die Erkenntnis, dass die richtigen Reformen oft von den eigentlich falschen Politikern durchgesetzt werden.

Der klare Sieger dieser Wahl war der Parteichef der konservativen Nea Dimokratia (ND), Kyriakos Mitsotakis. Er wurde offensichtlich von vielen Wählern als der Politiker angesehen, der das Land durch niedrigere Steuern und höhere Renten wieder in bessere Zeiten führen könnte. Prompt mahnte am Montag der Eurogruppenchef, der portugiesische Finanzminister Centeno, an, dass Griechenland seine Reform- und Konsolidierungszusagen auch unter dem neuen Ministerpräsidenten einhalten müsse. Man darf gespannt sein.

Ein erfreuliches Ergebnis dieser Wahl ist zweifellos, dass die neonationalsozialistische und ausländerfeindliche Partei „Goldene Morgenröte“, die im bisherigen Parlament die drittstärkste Fraktion stellte, an der Drei-Prozent-Hürde scheiterte.

AKK verheddert sich in der Geldpolitik

Ach, wenn sie doch geschwiegen hätte, die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK). In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Montag mahnte sie an, dass die EZB selbstverständlich unabhängig sei, aber ungeachtet der rückläufigen Inflation für die Zukunft schauen müsse, die Niedrigzinsphase ein Stück weit einzubremsen.

Wörtlich sagte AKK: „Denn der Effekt dieser Niedrigzinsen ist problematisch, unter anderem weil gerade die Menschen mit den klassischen Spareinlagen – darunter viele in Deutschland – davon nicht profitieren. Und wenn die Renditen so niedrig sind, fließt Kapital aus Europa ab. Deswegen müssen wir dafür sorgen, dass wir in der Geldpolitik weiter Spielraum haben, aber gleichzeitig die Geldpolitik nachhaltig und sehr sensibel anpassen.“

Ökonomen können sich mit Fug und Recht über geldpolitische Konzepte und die Angemessenheit der aktuellen Konzeption der Notenbanken streiten. Die Vorsitzende der CDU und damit immer noch eine potenzielle Anwärterin auf das Bundeskanzleramt sollte sich allerdings derartiger Ratschläge enthalten.
Si tacuisses!

Die Deutsche Bank wagt den radikalen Schnitt - endlich

Erinnern Sie sich noch daran, dass die Deutsche Bank im Jahr 2000 das größte Geldinstitut der Welt war? Dem war ein Jahr zuvor die Übernahme der US-Investmentbank Bankers Trust vorangegangen.

Oder erinnern Sie sich daran, dass der 2002 zum Vorstandsvorsitzenden ernannte Josef Ackermann eine Unternehmensrendite von 25 Prozent versprach und sich in der Finanzkrise 2008/9 schämen würde, „wenn wir (die Deutsche Bank) in der Krise Staatsgeld annehmen würden?“

Nun ja, reüssiert hat das Institut mit dem Investmentbanking, namentlich dem Aktienhandel und der Unterstützung von Unternehmen bei Kapitalmaßnahmen, nicht wirklich. Und der aktuelle Kurs der Aktien dieser Bank liegt derzeit 92 Prozent unter dem Höchststand des Jahres 2007. Der lange herausgezögerte radikale Schritt, diesen Geschäftszweig massiv zurückzubauen, war daher sowohl richtig als auch überfällig.

Christian Sewing, der derzeitige Chef der Deutschen Bank, wurde deshalb von vielen Experten nahezu einhellig gelobt. Von der Börse dagegen wurde diese mutige Entscheidung, in den kommenden drei Jahren 18.000 (!) Stellen vornehmlich in den USA, Asien und London abzubauen, nicht honoriert – im Gegenteil, der Kurs der Aktie brach nach einem sehr kurzen Anstieg ein und zog den DAX nachhaltig ins Minus.

Mit der deutschen Wirtschaft geht es bergab - aber nur langsam

Nach den zahlreichen Hiobsbotschaften zur konjunkturellen Entwicklung in Deutschland gab es Anfang dieser Woche einige überraschend positive Nachrichten. So sind die Exporte im Mai im Monatsvergleich um nicht erwartete 1,1 Prozent gestiegen, während die Importe überraschend um 0,5 Prozent zurückgingen. Zudem ist – wie das Statistische Bundesamt am Montag meldete – die Produktionsleistung im Produzierenden Gewerbe im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent gestiegen.

Es wäre verfehlt, diese Zahlen als Indiz für eine sich erholende Konjunktur zu werten. Allenfalls zeigen sie, dass es mit der deutschen Wirtschaft doch nicht so schnell und deutlich abwärts geht, wie man in den letzten Wochen den Eindruck haben konnte.

Diesen zarten Hoffnungsschimmern stand allerdings die düstere Gewinnwarnung der BASF, dem weltgrößten Hersteller chemischer Produkte, gegenüber. Aufgrund des grottenschlechten zweiten Quartals wird nun statt einer zehnprozentigen Gewinnsteigerung ein Ergebnisrückgang von bis zu 30 Prozent erwartet.

Es gibt weitere, nicht optimistisch stimmende Meldungen aus einer Reihe großer Unternehmen: Zwischenzeitlich ist in acht Industriesparten Kurzarbeit angesagt, und Volkswagen, Ford, SAP, RWE, Siemens sowie die Deutsche Telekom bereiten die Öffentlichkeit auf Einschnitte bei ihren Belegschaften vor. Das spricht wahrlich nicht für eine baldige Revitalisierung der deutschen Volkswirtschaft.

Der Bund will hochverschuldeten Kommunen helfen

Der derzeitige, vor etwa einem Jahrzehnt einsetzende und nunmehr offensichtlich auslaufende Wirtschaftsaufschwung hatte den Kommunen – dank üppig sprudelnder Steuerquellen – sieben Mal in Folge Haushaltsüberschüsse beschert. Vor diesem Hintergrund eines fiskalischen Überflusses ist der aktuelle, von der Bertelsmann-Stiftung herausgegebene kommunale „Finanzreport 2019“ zu einem nicht überraschenden, gleichwohl bemerkenswerten Ergebnis gelangt.

Die einzelnen Kommunen haben in höchst unterschiedlichem Maße an diesem Aufschwung partizipiert. Die Folge war, dass die finanzwirtschaftliche Ungleichheit unter den Kommunen sehr stark gestiegen ist und damit die Unterschiedlichkeit der Lebensverhältnisse deutlich zugenommen hat.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Regierungskommission für „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ in ihrem am Mittwoch vorgelegten Abschlussbericht zur allgemeinen Überraschung, dass der Bund hochverschuldeten Kommunen Hilfen beim Abbau von Altersschulden anbieten möge.

Dieser unorthodoxe Vorschlag soll im Vorfeld mit dem Bundesfinanzministerium abgestimmt worden sein. Man darf gespannt sein, was daraus wird.

Fed-Chef kündigt Zinssenkung an 

Der nächste Zinsentscheid der Fed steht für Ende dieses Monats an. Im Rahmen seiner halbjährigen Anhörung vor dem US-Senat lieferte US-Notenbankchef Jerome Powell das, was Präsident Trump seit geraumer Zeit fordert und von den Aktienanlegern erhofft wird: die faktische Zusage einer Senkung des derzeit zwischen 2,25 und 2,50 Prozent liegenden Leitzinses dieser wichtigsten Zentralbank der Welt. 

Powell versprach den Parlamentariern, dass die Fed „angemessen handeln werde“, um ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu gewährleisten. Deutlicher kann man eine Leitzinssenkung kaum signalisieren. Der US-amerikanische Aktienmarkt reagierte prompt mit Kurssteigerungen, während der US-Dollar an den Devisenmärkten verlor.

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