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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Industrie spürt Handelskonflikte und Deglobalisierung

Die Abschwächung in der Industrie erreicht den Arbeitsmarkt. Dazu passt: Die Beschäftigungsabsichten der Industrieunternehmen haben sich so stark eingetrübt wie seit fünf Jahren nicht mehr.
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DüsseldorfDer Wochenbeginn war geprägt durch die Spekulationen über die Folgen des Ausgangs der Wahlen zum EU-Parlament. Dank der erfreulicherweise gestiegenen Wahlbeteiligung blieb der Zuwachs der rechtspopulistischen Parteien unter den zuvor prognostizierten Werten. Dennoch legten diese durchweg europakritischen Gruppierungen zu.

Der große Gewinner waren die Grünen, die das Thema „Klimawandel“ an die Spitze ihrer Agenda gestellt hatten. Vor allem in Deutschland hatte diese Partei ihren markanten Erfolg der Wählerwanderung von den Unionsparteien und der SPD zu verdanken.

Das vielleicht größte Problem der beiden deutschen Noch-Volksparteien ist es, dass ihre Stammwählerschaft recht betagt ist. Bei den Wählern zwischen 18 und 44 Jahren sind die Grünen mittlerweile die stärkste Kraft. Nur bei Wählern ab 60 Jahren liegen Union und SPD vorne.

Die Schwächung der Unionsparteien in Deutschland und von Emanuel Macrons Partei „La République en Marche“ wird hoffentlich dazu führen, dass die deutsche Bundesregierung ihre Blockadehaltung gegenüber Macrons Plänen einer Vertiefung der europäischen Integration lockern wird - nicht zuletzt um den französischen Präsidenten innenpolitisch zu stärken.

Durch das recht schwache Abschneiden der Unionsparteien am 26. Mai ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Manfred Weber, der Kandidat der konservativen Parteien, nicht die erforderliche Mehrheit für das Amt des Kommissionspräsidenten im neuen EU-Parlament finden wird. Gestiegen sind - was die Nachfolge des amtierenden Kommissionschef Jean-Claude Juncker angeht - sowohl die Chancen des niederländischen Sozialdemokraten Frans Timmermans als auch des Konservativen Michel Barnier aus Frankreich, der als Vertreter der EU-Kommission bei den Brexit-Verhandlungen seine politische Meisterprüfung abgelegt hat.

Aus der Deckung gewagt hat sich nun auch die blitzgescheite Liberale Margrethe Vestager aus Dänemark. Sie hat ihre Ambitionen zum Ausdruck gebracht. Im Fall des Scheiterns von Weber hätte der amtierende Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, gute Chancen, im November dieses Jahres der Nachfolger von Mario Draghi als EZB-Präsident zu werden.

Die Anzahl der Arbeitslosen ist im Mai gestiegen

Die wichtigste konjunkturpolitische Nachricht dieser Woche war, dass die Abschwächung der deutschen Wirtschaft nun auch den Arbeitsmarkt erreicht hat – trotz der anhaltenden Klagen über einen Fachkräftemangel. Im Mai stieg die Anzahl der Arbeitslosen allerdings auch wegen eines Sondereffekts zum Vormonat überraschend um 7000 auf 2,236 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mitteilte.

„Auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich erste Auswirkungen der zuletzt etwas schwächeren konjunkturellen Entwicklung", sagte BA-Chef Detlef Scheele. „Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern schwächt sich auf hohem Niveau merklich ab.“ Die Arbeitslosenquote blieb allerdings unverändert bei 4,9 Prozent.

Klammert man jahreszeitliche Schwankungen aus, stieg die Arbeitslosenzahl von April auf Mai laut BA um 60.000 – ähnlich starke Anstiege hatte es zuletzt im Frühjahr 2009 gegeben, nachdem die Konjunktur zur Jahreswende 2008/09 massiv eingebrochen war. Allerdings geht der größere Teil des Anstiegs laut BA auf „Prüfaktivitäten zum Arbeitsvermittlungsstatus von Arbeitslosengeld II-Berechtigten" zurück. Nun ja.

Diese skeptische Erwartung wurde durch die am Dienstag vorgelegte Frühsommer-Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bestätigt. „Gerade die Industrieunternehmen spüren die deutlich langsamere Gangart der Weltwirtschaft“, resümierte Eric Schweitzer, der Präsident dieser Organisation, das Ergebnis dieser Befragung von 25.000 Unternehmen: „Wachsender Protektionismus auf zahlreichen Märkten, zunehmende Handelskonflikte und der Brexit nehmen der Weltkonjunktur den Wind aus den Segeln.“

Das drücke, so Schweitzer, die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen, die sich so stark eingetrübt hätten wie seit fünf Jahren nicht mehr. Er fügte dann aber noch hinzu, dass sich die Wirtschaft zwar in einem Abschwung befände, aber von einer Rezession noch weit entfernt sei. Es ist zu hoffen, dass diese Erwartung in Erfüllung geht.

Im IMD-Wettbewerbsranking fällt Deutschland auf Rang 17

In Folge der sich schon eine Weile abzeichnenden Probleme des Standorts fiel Deutschland im Wettbewerbsranking des renommierten Lausanner International Institute for Management Development (IMD) weiter zurück – auf Rang 17, nach China. Im Jahr 2014 lag Deutschland noch auf dem 6. Rang. Zur Ermittlung dieser Rangfolge werden 235 Indikatoren der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der Infrastrukturausstattung und der Effizienz der Abläufe in der öffentlichen Verwaltung wie in den Unternehmen herangezogen.

Besonders kritisiert wurde die Gewinnbesteuerung der Unternehmen. Auch wenn man solchen Ranglisten – in der des Davoser Weltwirtschaftsforum liegt Deutschland vor den USA auf Platz eins – mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen sollte, weist der seit geraumer Zeit abwärts gerichtete Trend der Positionierung der deutschen Volkswirtschaft durch das IMD dennoch auf eine gewisse Zukunftsblindheit der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik hin.

Zwei kleine Lichtblicke – zumindest für den Euroraum – gab es diese Woche jedoch auch: Das Wirtschaftsvertrauen in der Währungsgemeinschaft hat sich unerwartet und spürbar verbessert. Darauf deutet das Economic Sentiment der Europäischen Kommission hin. Mit 105,1 Punkten lag es im Mai 1,2 Punkte höher als im Vormonat.

Das Economic Sentiment verzeichnet damit den ersten Anstieg nach zehn Rückgängen in Folge. Es befindet sich mit 105,1 Punkten deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 100 Punkten. Sowohl in der Industrie, als auch bei Dienstleistern und Konsumenten verbesserte sich die Stimmung spürbar. Der stärkste Schub kam überraschenderweise aus der europäischen Industrie, die mit zahlreichen Problemen zu kämpfen hat.

Die Deutschen bauen zu wenig Wohnungen

Die zweite gute Nachricht lautet, dass 2018 in Deutschland 285.900 Wohnungen fertig gestellt wurden. Das waren immerhin 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Ohne Berücksichtigung der Wohnungen in Wohnheimen stieg die Zahl der Baufertigstellungen sogar um 2,6 Prozent. Die im Jahr 2011 begonnene positive Entwicklung setzte sich somit weiter fort, schrieb zwar das Statistische Bundesamt.

Allerdings müssten nach den gängigen Prognosen 380.000 Wohnungen jährlich gebaut werden, um den steigenden Bedarf an Wohnraum zu decken. Das im vergangenen Herbst auf dem Wohnungsgipfel ausgerufene Ziel, bis 2021 rund 1,5 Millionen neue Wohnungen zu bauen, ist nach den neuen amtlichen Zahlen jedenfalls noch unrealistischer geworden.

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