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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Kaum eine Chance auf höhere Leitzinsen

Eine gute Nachricht für die Börse: Die Leitzinsen der EZB dürften noch länger auf dem derzeitigen niedrigen Niveau bleiben. Denn der Anstieg der  Verbraucherpreise in Deutschland hat sich im Januar abgeschwächt. Daher ist es nicht zu erwarten, dass die Teuerungsrate in der Eurozone bald bei „knapp unter zwei Prozent“, dem Inflationsziel der EZB, verankert sein wird.
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DüsseldorfAm vergangenen Wochenende ist US-Präsident Donald Trump dann doch eingeknickt und stimmte einem Übergangshaushalt zu, in dem keine Gelder für sein Prestigeobjekt, die Grenzmauer zu Mexiko, vorgesehen sind. Noch vor sechs Wochen hatte er dies kategorisch abgelehnt.

Damit hat Nancy Pelosi, die den Demokraten angehörende Sprecherin des Repräsentantenhauses und somit die mächtigste politische Gegenspielerin des republikanischen Präsidenten, nicht nur einen wichtigen Punktsieg errungen. Sie hat gleichzeitig auch die innerparteilichen Gegner des Präsidenten aus dem Establishment der republikanischen Partei gestärkt. Diese Einigung gilt freilich nur bis zum 15. Februar – Fortsetzung folgt also.

Die USA verspielen die Hälfte der Mauer-Kosten

Nach aktuellen Schätzungen des US-Arbeitsministeriums sind über 300 Millionen Arbeitsstunden nicht geleistet worden. Die Schätzungen der Schäden, die durch diese Haushaltssperre der US-Wirtschaft entstanden sein sollen, liegen in der Spannbreite von sechs Milliarden US-Dollar bis 35 Milliarden Dollar, sprich einer Milliarde pro Tag. Die wohl seriöseste Berechnung hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Verluste dürften die am Montag vom Congressional Budget Office genannten elf Milliarden US-Dollar sein.

Für diese Summe hätte man im Übrigen bereits die Hälfte der Grenzbefestigung bauen können; letzte Schätzungen gingen von knapp 22 Milliarden Dollar Gesamtkosten für dieses Bauwerk aus.

Dieser bislang längste Stillstand von großen Teilen der Bundesadministration in der Geschichte der USA und die davon ausgelösten gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen waren im Übrigen der Grund dafür, dass das US-Handelsministerium die für Mittwoch dieser Woche geplante Veröffentlichung der Daten für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes verschoben hat.

Deutschland wird grauer

Innenpolitisch bemerkenswert war die Meldung des Statistischen Bundesamtes, wonach im vergangenen Jahr die Einwohnerzahl Deutschlands auf 83 Millionen angewachsen ist. Sieben Jahre zuvor waren es immerhin drei Millionen weniger. Damit gehört Deutschland derzeit wieder zu den 20 bevölkerungsreichsten Ländern der Welt.

Der wichtigste Grund für diesen Bevölkerungsanstieg ist die kräftige, in 2018 zwischen 340.000 bis 380.000 Menschen liegende Nettozuwanderung und die leicht erhöhte Anzahl von Geburten. Diese erfreuliche Entwicklung ändert allerdings nichts am langfristigen Trend. Denn selbst bei einer dauerhaften jährlichen Nettozuwanderung von 200.000 Menschen pro Jahr wird sich die Bevölkerungsalterung in den nächsten 25 Jahren deutlich beschleunigen.

Während derzeit das Durchschnittsalter der Wohnbevölkerung in Deutschland bei knapp 45 Jahren liegt, soll es nach Angaben der Statistikbehörde in gut 20 Jahren bereits 50 Jahre betragen. Deutschland wird grauer.

Der Brexit wird wohl bis zur Europawahl verschoben

Im Jahr 2015 war Großbritannien das drittwichtigste Zielland der deutschen Ausfuhr, nach den USA und Frankreich. Ein Jahr später entschieden die Briten, die EU im Jahr 2019 verlassen zu wollen – und schickten damit nicht zuletzt die eigene Währung auf Talfahrt.

Die Abwertung des britischen Pfundes sowie die Unsicherheit über die zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen führten seitdem zu einem dramatischen Rückgang der deutschen Exporte über den Ärmelkanal. Am stärksten betroffen waren die Pharmaindustrie mit einem Rückgang von 40 Prozent und das Herzstück der deutschen Wirtschaft, die Automobilwirtschaft, mit einem Minus von über 20 Prozent, wie es in der Kurzanalyse von Deutsche Bank Research heißt.

Doch das dürfte freilich nur der sprichwörtliche sanfte Windstoß gewesen sein im Vergleich zu dem Sturm, der einem immer wahrscheinlicher werdenden ungeordneten Brexit folgen dürfte. Mehrere Autokonzerne haben bereits angekündigt, ihre Produktion rund um das Brexit-Datum einzustellen. Airbus warnte, im Falle eines harten Brexits könnte der Flugzeugbauer gezwungen sein, Großbritannien zu verlassen.

Das Erfreulichste am Dienstagabend bei der Parlamentsdebatte im britischen Unterhaus über das Ausscheiden des Landes aus der EU war die Erklärung, dass es keinen Austritt ohne „Deal“ geben solle. Die Regierung sollte sich vielmehr um eine Neuverhandlung der Austrittsmodalitäten bemühen.

Im Kern geht es bei diesen Neuverhandlungen darum, den sogenannten „Backstop“ nachzubessern. Dabei geht es um die heftig umstrittene Notlösung zur Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und Nordirland, das ein Teil des Vereinigten Königreichs ist. Die aktuelle Regelung besagt: Wenn es nicht gelingt, in der Übergangsphase bis Ende 2020 ein gemeinsames Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien zu schließen, bleibt das gesamte Vereinigte Königreich auch in der Zeit nach 2020 in der EU-Zollunion und Nordirland zusätzlich im europäischen Binnenmarkt.

Denn andernfalls könnte es erforderlich werden, die 500 Kilometer lange Grenze zwischen Irland und Nordirland wieder zu befestigen und zu sichern. Dies wäre jedoch mit dem Risiko verbunden, dass der Nordirland-Konflikt wiederauflebt. In diesen gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden seit den 1960er Jahren über 3.500 Menschen getötet.

Meine Prognose: Es wird keine Neuverhandlungen in der Sache geben, aber die Austrittsfrist wird über den 29. März 2019 bis zu den Wahlen des EU-Parlaments am 26. Mai 2019 verlängert.

Weitere Hinweise auf eine Abschwächung der Konjunktur

Das am Dienstag veröffentlichte IAB-Arbeitsmarktbarometer für den Januar ist - erstmalig seit langer Zeit – gefallen, um 0,4 Punkte gegenüber dem Vormonat. Mit nunmehr 103,5 Zählern signalisiert dieser Frühindikator nach aber wie vor eine positive Arbeitsmarktentwicklung, sprich eine Fortsetzung des Beschäftigungsaufbaus sowie einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Gleichwohl deutet dieser Rücksetzer auf eine Abschwächung der Konjunktur hin. Denn gleichzeitig sind die Arbeitslosenkomponente dieses Barometers um 0,5 Punkte und die Beschäftigungskomponente um 0,2 Punkte zurückgegangen.

Enzo Weber, der zuständige Forschungsbereichsleiter beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, begründet die negative Entwicklung mit den Verunsicherungen über die völlig unklaren Modalitäten des Austritts Großbritanniens aus der EU. Ob dies wirklich der entscheidende Grund für diese Delle ist, darüber kann man streiten. Unstrittig ist dagegen, dass die Rückgänge aller Komponenten des IAB-Arbeitsmarktbarometers auf eine abgeschwächte gesamtwirtschaftliche Wachstumsdynamik schließen lassen.

Diese Annahme wird auch durch das neuste, am Mittwoch veröffentlichte ifo-Beschäftigungsbarometer bestätigt. Es sank von 104,1 im Dezember auf 103,0 im Januar. Dennoch lautete das Fazit des ifo-Instituts: „Die deutschen Unternehmen stellen weiterhin neue Mitarbeiter ein, aber etwas zurückhaltender als zuletzt.“

Über 45 Millionen Erwerbstätige in Deutschland

Dazu passt eine Meldung des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag: Nach vorläufigen Berechnungen ist im Dezember des letzten Jahres die Anzahl der Erwerbstätigen auf über 45 Millionen gestiegen.

Trotz der sich abzeichnenden gesamtwirtschaftlichen Abschwächung und der rückläufigen Konjunkturerwartungen der Forschungsinstitute ist daher wenig überraschend, dass das Verbrauchervertrauen und die Einkommenserwartung – von einem bereits hohen Niveau aus – im Januar noch einmal gestiegen sind. Das sind die am Mittwoch veröffentlichten wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Haushaltsbefragung durch die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Weiter heißt es im GfK-Bericht, dass mit den „eigenen Einkommenserwartungen auch die Konsumneigung zulegt“. Daher werde der private Konsum „eine wichtige Stütze des Wirtschaftswachstums und 2019 stärker zulegen als das Bruttoinlandsprodukt (BIP)“. Hoffentlich werden die Nürnberger Konsumforscher Recht behalten.

Anklagen gegen Huawei belasten das Verhältnis zwischen den USA und China

Bis vor kurzem konnte man den Eindruck gewinnen, dass aus der ökonomischen Konfrontation zwischen den USA und China in der jüngsten Vergangenheit ein „sich Annähern“ würde. Denn in dieser Woche trafen sich Vertreter der beiden wirtschaftlichen Supermächte zur zweiten Runde der auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires im Dezember 2018 vereinbarten Handelsgespräche in Washington.

Dieses Treffen wurde allerdings sicher nicht ganz zufällig dadurch torpediert, dass das US-Justizministerium unmittelbar vor diesem Termin eine Reihe von Anklagen gegen Huawei, den weltgrößten Hersteller von Telekommunikationstechnik, erhob. Außerdem verlangte Washington die Auslieferung der Finanzchefin des chinesischen Konzerns. Frau Meng Wanzhou war aufgrund eines von den USA auf den Weg gebrachten internationalen Haftbefehls in Kanada festgesetzt worden. Gespräche mit den chinesischen Behörden über diesen sensiblen Fall lehnen die USA kategorisch ab.

Anfang Dezember 2018 hatten sich US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping auf eine 90-tägige „Friedenszeit“ bis zum März dieses Jahres verständigt. Nach Lage der Dinge wird der verbleibende Monat nicht ausreichen, um die mit deutlichen Kollateralschäden für den Welthandel verbundenen Wirtschaftskonflikte der beiden Supermächte beizulegen. Die von diesen Gesprächen ausgehenden Signale lassen mehr auf eine Verhärtung der Fronten schließen, als auf eine Revitalisierung des internationalen Güter- und Dienstleistungsverkehrs.

Apropos Huawei: Während die US-amerikanische Politik diesen chinesischen Konzern mit tiefem Mistrauen beäugt und diesem Unternehmen nur in sehr begrenzten Maße geschäftliche Aktivitäten erlaubt, ist die deutsche Politik wesentlich gutgläubiger.

In Berlin ist man der Überzeugung, dass ohne die Beteiligung von Huawei – richtiger wohl: ohne die Hilfe ­dieses Unternehmens -  Deutschland nicht fit für das superschnelle Internet gemacht werden kann. 

Die von den USA erhobenen Vorwürfe der Industriespionage konnten zwar bislang nicht erhärtet werden. Dies allein kann daher kein Grund sein, nicht mit diesem Unternehmen zu kooperieren. Andererseits gibt es eben aber auch sehr leistungsfähige Ausrüster aus Staaten, in denen die Konzerne weitgehend frei von staatlichem Einfluss sind und damit das Spionagerisiko geringer sein dürfte.

Währungshüter nehmen den Fuß vom Zinspedal

Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland hat sich im Januar im Vergleich zum Vormonat von 1,7 Prozent auf 1,4 Prozent abgeflacht – trotz des zuletzt recht kräftigen Anstiegs der Tariflöhne. Das meldete am Mittwoch das Statistische Bundesamt.

Da die gesamtwirtschaftliche Leistung der deutschen Volkswirtschaft fast 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone ausmacht, dürften die Hoffnungen schwinden, dass in absehbarer Zeit die Teuerungsrate dieser Staatengemeinschaft das Inflationsziel der EZB von knapp unter zwei Prozent wieder erreicht.

Hinzu kommt, dass – wie am Donnerstag gemeldet – die italienische Volkswirtschaft nach dem Rückgang von 0,1 Prozent im dritten Quartal des vergangenen Jahres auch in den Monaten Oktober bis Dezember 2018 geschrumpft ist – und zwar um 0,2 Prozent. Einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung eines Landes in zwei aufeinander folgenden Quartalen nennen viele Experten „technische Rezession“. Damit schwinden auch die Chancen auf eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr. Dies werden die Akteure an den Aktienbörsen mit Erleichterung aufnehmen, zumal auch Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Amerikanischen Notenbank Federal Reserve, angedeutet hat, den Fuß vom Zinspedal zu nehmen. 


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