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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Kleine, schlecht ausgestattete Krankenhäuser sollten fusionieren oder geschlossen werden

Eine Konsolidierung der Krankenhauslandschaft liegt im Interesse einer höheren Versorgungsqualität. Allerdings sind massive Proteste zu erwarten, wenn gerade die nahegelegene Klinik geschlossen werden soll.
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Düsseldorf Anfang der Woche sorgte eine von der Bertelsmann-Stiftung beim „Institut für Gesundheits- und Sozialforschung“ (IGES) in Auftrag gegebene Studie für Furore. Darin geht es um die Leistungsfähigkeit der stationären Versorgung in Deutschland.

Das zutreffende, aber nicht neue Fazit dieser Untersuchung lautete: Eine Verringerung der Anzahl der Krankenhäuser von derzeit knapp 1.400 auf 600 würde „die Qualität der Versorgung für Patienten und die bestehenden Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern“.

Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis ist die vom HRI im Rahmen des „MASTERPLAN 2030“ im Juni vorgestellte Studie „Zukunft der medizinischen Versorgung“ gekommen.

Will man die Wirtschaftlichkeit des Krankenhaussektors in Deutschland erhöhen und gleichzeitig die Qualität der stationären Versorgung verbessern, führt kein Weg daran vorbei: Unrentable und unzulänglich ausgestattete Krankenhäuser müssen fusionieren oder schließen.

Solch eine Konsolidierung der Krankenhauslandschaft liegt im Interesse einer höheren Versorgungsqualität. Allerdings sind massive Proteste aus der Bevölkerung zu erwarten, wenn gerade „ihre“ nahegelegene Klinik geschlossen werden soll. Leider findet sich auch in der sehr soliden und faktenreichen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung kein Fingerzeig, wie man in unserer Demokratie diesen Widerständen begegnen könnte.

Aktiensparen bedeutet nicht Zocken

Erfreulich - allerdings nur auf den ersten Blick - war eine Mitteilung der Deutschen Bundesbank. Das Geldvermögen der deutschen Haushalte hat im ersten Quartal des Jahres die Rekordhöhe von 6.170 Milliarden Euro erreicht. Damit liegt es um mehr als 150 Milliarden Euro – oder 2,6 Prozent – über dem vierten Quartal von 2018. Ein Grund dafür sind die rasanten Kurs­steigerungen bei Aktien in den ersten Monaten dieses Jahres. 

„Die Delle der deutschen Industrie hat sich zu einer hartnäckigen Schwäche ausgewachsen“

Eine weniger gute Nachricht war, dass die Masse der deutschen Sparer nicht daran partizipierte. Der Grund: Nur etwa zehn Prozent der deutschen Haushalte sind bereit, ihre Ersparnisse direkt in Aktien anzulegen. 

Der größte Teil der sparfähigen Haushalte hält seine Reserven in Bargeld oder in Form von Bankeinlagen oder legt sie in festverzinslichen Anleihen und Lebensversicherungen an, also Sparformen deren Rendite als Folge der Niedrigzinspolitik der EZB sehr überschaubar geworden ist und es wohl noch einige Zeit bleiben wird.

Ein kostengünstiger Versuch, die Vermögensbildung in Deutschland trotz niedriger Zinsen zu befördern, wäre eine Aufklärungskampagne seitens des Wirtschaftsministeriums. Darin könnte betont werden: Aktiensparen bedeutet eben nicht Zocken. Und es wäre sicher hilfreich, wenn die Gewerkschaften, die nichts gegen Belegschaftsaktien haben und die damit verbundenen Klumpenrisiken in Kauf nehmen, sich an dieser Kampagne beteiligen würden.

IAB versucht Angst vor der Digitalisierung zu nehmen

Vom Faktor Kapital zum Faktor Arbeit: Was haben die Mechanisierung im 19. Jahrhundert, die Massenfertigung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die in den 1970er Jahren einsetzende Automatisierung der industriellen Produktion mit Fertigungsrobotern oder die gegenwärtig rasant voranschreitende Digitalisierung gemeinsam?

Bei jedem dieser großen technologischen Umbrüche gab und gibt es nachvollziehbare Ängste vor markanten Arbeitsplatzverlusten. Der Grund: Man kann recht gut abschätzen, welche Tätigkeiten entfallen, hat aber nicht die Phantasie, sich vorzustellen, welche neuen Berufe entstehen.

Vor diesem Hintergrund hat sich das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufs­forschung (IAB) in seinem aktuellen Kurzbericht detailliert mit dem Strukturwandel seit den 1970er Jahren beschäftigt.

Fazit der Untersuchung:

-        Der Arbeitsplatzabbau in der Industrie ist durch einen Arbeitsplatzaufbau in anderen Unternehmen oder Sektoren mehr als kompensiert worden. Die Gesamtbeschäftigung nahm zu.

-        Für Hochqualifizierte ist das Arbeitsangebot größer geworden.

-        Für Geringqualifizierte haben sich im Zuge der Automatisierung die Beschäftigungschancen nachhaltig verschlechtert.

Bezogen auf die derzeit an Fahrt gewinnende Digitalisierung erwarten Hermann Gartner und Heiko Stüber, das Autorenteam dieser Studie: Auch im Zuge dieser vierten technologischen Revolution wird in der Summe das Beschäftigungsniveau nicht sinken. Diese Aussage ist freilich mehr erwartungsgetrieben als durch Daten belegt.

Massiver Widerstand der Politik gegen Facebook-Währung

Und dann war noch die heftige Diskussion um „Libra“. Das ist ein Zwitter zwischen einer neuen Cyberwährung und einem weltumspannenden Verrechnungssystem, erdacht vom Internetriesen Facebook. Folgt man den Mitgliedern des Aufsichtsorgans „Libra Association“ und ihrem nicht selten kryptisch formulierten „White Paper“, dann ist Libra eine auf der Blockchain-Technologie basierte digitale Währung. Damit sollen die Nutzer von Facebook, Whatsapp und Instagram, aber auch von bislang 28 privaten Unternehmen wie Mastercard, Paypal oder Visa online Einkäufe tätigen oder Geldgeschäfte abwickeln können.

Für jede neue geschaffene Libra, deren Wert „relativ stabil“ bleiben soll, „wird ein aus Bankguthaben und kurzfristigen Staatsanleihen bestehender Korb als Sicherung verwendet, um Vertrauen gegenüber dem intrinsischen Wert aufzubauen“, heißt es kryptisch im White Paper. Die Beaufsichtigung soll bei der Libra Association, einer Schweizer Stiftung liegen.

Sollte Libra zugelassen werden, würde ein sehr großer Teil der weltweiten Zahlungsvorgänge und die damit verbundenen Nutzerdaten in den Händen großer privater Unternehmen liegen. Der Staat würde damit an Einfluss auf das Geld- und Finanzsystem verlieren. Und es entstünde eine neue Konkurrenz und gegebenenfalls nützliche Konkurrenz für das Bankensystem.

Die Finanzminister der G7-Staaten sehen die Libra kritisch. Sie befürchten, dass dadurch die geldpolitische Souveränität der Staaten und die Funktionsweise des internationalen Währungssystems beeinflusst werden könnte. Sie äußerten mithin „schwere Bedenken“ gegen diesen Facebook-Plan. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire ließ sich am Mittwoch sogar mit den Worten zitieren: „Die Bedingungen dafür, Libra zuzulassen, sind nicht gegeben.“

Demgegenüber erklärte Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank, Libra sei „für den Endverbraucher durchaus attraktiv“. Er sieht darin wohl in erster Linie ein neues Zahlungssystem und keine neue Weltwährung.

Dennoch bleibt unter dem Strich ein großer Widerstand seitens der Politik. Damit dürfte Facebook-Chef Zuckerberg nicht gerechnet haben. Es bleibt zu hoffen, dass der Primat der Politik in geldpolitischen Fragen nicht dem privatwirtschaftlichen Gewinnstreben untergeordnet wird.

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