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Research Institute
Prof. Dr. Bert Rürup

Präsident des Handelsblatt Research Institute

Rürups Wochenrückblick Starke Gewerkschaften brauchen mitgliederstarke Arbeitgeberverbände

Zahlreiche Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie erwägen ernsthaft, den Arbeitgeberverband „Gesamtmetall“ zu verlassen. Sollte es dazu kommen, dann wäre der letzte Tarifabschluss für die Gewerkschaft ein sprichwörtlicher Pyrrhus-Sieg gewesen.
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Düsseldorf Peter Altmeier, der bislang glücklos agierende Bundeswirtschaftsminister, nutzte das letzte Wochenende, um auf sich aufmerksam zu machen. Er verkündete, dass die EU bereit sei, in einem Zollabkommen mit den USA sämtliche Einfuhrzölle für Industrieprodukte in die europäische Gemeinschaft auf null zu senken.

Damit würde ein Angebot auf dem Tisch liegen, das US-Präsident Trump nicht ablehnen könne – glaubt Altmeier. Mit guten Gründen stellte sich die deutsche Industrie geschlossen hinter den Bundeswirtschaftsminister.

Ohne auf eine Reaktion aus Washington zu warten, wies allerdings der Koalitionspartner SPD unverzüglich diesen vernünftigen Vorstoß als „falsches Signal“ an Donald Trump zurück. Der US-Präsident würde nur eine harte Sprache der EU verstehen. Tja, wer solche Koalitionspartner hat, braucht eigentlich Verhandlungen mit der US-Administration nicht zu fürchten.

Der Welthandel hat sich verlangsamt

Die gesamtwirtschaftliche Perspektive der deutschen Volkswirtschaft trübt sich leider weiter ein – wie in meiner Analyse von letzter Woche befürchtet. So rechnet die Deutsche Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Bericht für den Monat Juli sowohl mit einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung der deutschen Volkswirtschaft im zweiten Quartal als auch mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Ins Bild passt auch der am Donnerstag gemeldete abermalige Rückgang des wichtigsten vorauslaufenden Konjunkturindikators für die deutsche Volkswirtschaft: Das ifo-Geschäftsklima ist von 97,5 auf 95,7 Punkte gefallen. Dies signalisiert weit eher ein Abgleiten in eine Rezession als eine Erholung im dritten Quartal.

„Die Delle der deutschen Industrie hat sich zu einer hartnäckigen Schwäche ausgewachsen“

Ausschlaggebend für diese Entwicklung ist zweifellos der anhaltende Abschwung des export-orientierten Industriesektors, des Herzmuskels der deutschen Volkswirtschaft.

Wenn man der am Dienstag veröffentlichten Sommer-Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) folgt, ist eine Revitalisierung der deutschen Industrie durch eine wiederanziehende weltwirtschaftliche Dynamik nicht in Sicht. Denn die wohl wichtigste Botschaft dieser Prognose ist nicht, dass sowohl die globalen Wachstumserwartungen wie der gesamtwirtschaftliche Zuwachs der deutschen Volkswirtschaft in diesem Jahr noch einmal moderat zurückgenommen werden.

Wichtiger für die deutsche Ökonomie ist die Erwartung der IWF-Ökonomen, dass es zumindest kurzfristig zu einer weiteren Verlangsamung des Welthandels kommt. Dies träfe die deutsche Volkswirtschaft hart, denn kein anders großes Industrieland ist so intensiv in die internationale Arbeitsleitung integriert und daher von einer hohen Welthandelsdynamik begünstigt. Denn nahezu jeder zweite Euro, der in Deutschland verdient wird, resultiert aus der Ausfuhr von Waren oder Dienstleistungen.

Während im Jahre 2017 der weltweite Handel mit Waren und Dienstleistungen um 5,5 Prozent zulegte und es im vergangenen Jahr noch beachtliche 3,7 Prozent waren, sollen es in diesem Jahr nur noch bescheidene 2,5 Prozent sein. Das wäre ein Prozentpunkt weniger als in der Frühjahrsprognose des IWF vorausgesagt.

Einen Rückgang der Wachstumsraten des Welthandels unter den Zuwachs der globalen Produktion kann man mit Fug und Recht als De-Globalisierung bezeichnen. Ein Hoffnungsschimmer ist zwar zu erkennen: Für das kommende Jahr erwarten die IWF-Ökonomen ein Wiederanziehen der Welthandelsdynamik auf 3,7 Prozent.

In diesem Fall würde der Welthandel um bescheidene 0,2 Prozentpunkte stärker wachsen als die Weltproduktion. Eine wirklich gute Aussicht auf ein schnelles Anziehen der Wachstumsdynamik der deutschen Volkswirtschaft ist das aber noch nicht.

Die Deutschen blicken zunehmend skeptisch in die Zukunft

Überdies hat es den Anschein, dass sich pessimistische Zukunftserwartungen hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung auch in der Bevölkerung verfestigen. Denn nach dem ebenfalls am Montag veröffentlichten aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer rechnen zwischenzeitlich 50 Prozent der Bevölkerung damit, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern werden.

Sollte dies der Fall sein, dürfte bald der private Verbrauch, die derzeit wichtigste Stütze der binnenwirtschaftlichen Dynamik, als Wachstumsmotor zu stottern beginnen. Dies wäre dann eine neuerliche Bestätigung des bereits 1928 formulierten Thomas-Theorems: „If men define situations as real, they are real in their consequences.“

„Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt“

Bei den großen Branchengewerkschaften des DGB rangierte bei Tarifverhandlungen bislang das Ziel der Sicherung der Beschäftigung durchweg vor dem Einkommensziel. Damit übernahmen diese Arbeitnehmervertretungen – anders als eine Reihe von Gewerkschaften in anderen Ländern – gesamtwirtschaftliche Verantwortung.

Gleichermaßen berücksichtigen die DGB-Gewerkschaften, dass ihre Counterparts, die Arbeitgeberverbände, stark bleiben, sprich, dass es nicht zu Austritten aus den Arbeitgeberverbänden kommt und damit der Geltungsbereich dieser Abschlüsse nachhaltig möglichst groß bleibt.

Der sehr beschäftigungsintensive Aufschwung in den zurückliegenden Jahren hat die IG-Metall in der letzten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie offensichtlich veranlasst, vor allem das Einkommensziel zu verfolgen. So haben sie nicht nur eine Lohnsteigerung von 4,3 Prozent durchgesetzt, sondern auch die Option, dass die Beschäftigten dieser Branche im Juli dieses Jahres zwischen einer Sonderzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Bruttolohns oder acht zusätzlichen freien Tage wählen zu können.

Nicht zuletzt dieses teure Agreement hat zahlreiche Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie veranlasst, ernsthaft zu erwägen, den Arbeitgeberverband „Gesamtmetall“ zu verlassen. Sollte es dazu kommen, dann wäre dieser Tarifabschluss für die Gewerkschaft ein sprichwörtlicher Pyrrhus-Sieg gewesen.

Denn sie hätten sich ein Stück weit zu Tode gesiegt, sprich sich durch Austritte von Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband selbst geschwächt. Rainer Dulger, der Präsident von Gesamtmetall, kommentierte diese drohende Entwicklung mit den trockenen Worten: „Wenn alle Unternehmen die Tarifbindung verlassen, kann die Gewerkschaft zusehen, wie sie sich im Häuserkampf durchschlägt“.

Freilich lassen die aktuellen wirtschaftlichen Probleme nicht zuletzt in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie erwarten, dass sehr bald die Stabilisierung der Mitgliederzahl von Gesamtmetall wieder zu einem wichtigen Ziel der IG-Metall werden wird. Rezessionen haben daher auch etwas Gutes: Sie festigen die Tarifautonomie. Starke Gewerkschaften brauchen nun einmal mitgliederstarke Arbeitgeberverbände.

Umsatzrendite: Opel überholt Daimler

Ja und dann war da noch „Opel“. Sie werden sich an diesen Automobilhersteller aus Rüsselsheim erinnern, der seit 120 Jahren Kraftfahrzeuge produziert. In den 1920er Jahren war das Unternehmen mit einem Marktanteil von fast 45 Prozent der größte Autoproduzent Deutschlands, 1929 wurde es dann von dem US-Giganten General Motors übernommen. Nach langen Jahren der verlustreichen Produktion von wenig prestigeträchtigen Autos der unteren Mittelklasse wurde Opel dann vor zwei Jahren an den französischen Automobilkonzern „Groupe PSA“ verkauft.

Und was von kaum jemandem erwartet wurde: Opel schaffte unter dem Dach der neuen Muttergesellschaft den Turnaround und fährt wieder Gewinne ein. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 700 Millionen Euro. Mit mehr als fünf Prozent Umsatzrendite in diesem Jahr habe Opel das für 2020 gesteckte Ziel von zwei Prozent bereits deutlich übertroffen, kommentierte anerkennend ein Analyst.

Von solch einer Rendite kann ein deutscher Premiumhersteller wie Mercedes derzeit nur träumen. Der Grund: Massenhersteller sind durchweg „Technologiefolger“ und müssen nicht - wie die deutschen Hersteller von Premiumfahrzeugen - Spitzenreiter der sehr teuren und risikobehafteten technologischen Transformation sein. Zudem war Opel nicht wie Mercedes, BMW oder Audi in die sehr teure und imageschädigende Dieselaffäre verwickelt.

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